Merzhausen: Karl-Leisner-Relief in der Schönstattkapelle

merzhausen-relief-1Seit 1997 befindet sich in der am 22. März 1981 eingeweihten Schönstattkapelle am Schönberg in Merzhausen[1], dem „Heiligtum der Berufung“, eine Karl-Leisner-Plastik von dem Künstler Johannes Potzler[2]. „Karl Leisner wird in unserem Heiligtum der Berufung und darüber hinaus sehr verehrt.“[3]

[1] Die ca. 5.200 Einwohner umfassende Gemeinde Merzhausen liegt im Landkreis Breigau-Hochschwarzwald und wurde 786 erstmalig erwähnt. 1635 erwarb das Freiburger Jesuitenkloster den Ort, der heute aus dem Dorf Merzhausen und dem oberhalb gelegenen Jesuitenschloss besteht. Neben mittelständischen Betrieben wird der Ort von dem umliegenden Weingütern geprägt.

[2] Bildhauer Johannes Raphael Potzler, geb. 1957 in München, Akademie der Bildenden Künste, Studium der Kunstgeschichte, Ausstellungen u. a. in München, Fulda, Regensburg, Bamberg; u. a. Bronzearbeiten (z. B. Plastiken, Kreuze, Kreuzwege, Heiligenfiguren)
[3] Spiritual Monsignore Peter Falk in einer E-Mail vom 19.9.2016

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Die Kapelle liegt am Nordhang unterhalb des Jesuitenschlosses inmitten eines Weinberges und wurde vollständig in Eigenarbeit von Mitgliedern und Freunden der Schönstattbewegung errichtet.

merzhausen-kapelle-innenBei dem Bronzerelief handelt es sich um den zweiten Guss einer Plastik, die seit 1997 im Kapellchen der Schönstattpriester auf dem Berg Moriah in Simmern ist und von dem Uniti-Patri-Kurs gestiftet wurde. Bevor es beim Kurstreffen an die Regio Freiburg übergeben wurde, war es für einige Tage in der Schönstatt-Kapelle Stuttgart-Freiberg und anschließend mit der für Freiberg vorgesehenen Plastik auf Berg Moriah. Das Relief wurde auf der rechten Seite der Kapelle angebracht und hat einen etwas helleren Farbton als der erste Guss.

Beschreibung und Deutung der Bronzeplastik
Auf der Plastik ist unverkennbar der Oberkörper Karl Leisners abgebildet, mit der Aufschrift „VICTOR IN VINCULIS“, dem Geburtsjahr 1915, dem Sterbejahr 1945 und den Attributen Stacheldraht, Gitarre, der Eucharistie und einem leeren Blatt mit der Unterschrift Karl Leisners, symbolisch für die Blankovollmacht[1].

[1] Mit einer Blankovollmacht geschieht gemäß der Schönstatt-Spiritualität eine vertiefte Hingabe an die Gottesmutter Maria im Liebesbündnis. P. Joseph Kentenich SAC hat diesen der Wirtschaftssprache entlehnten Begriff nach eigener Aussage einem Artikel von P. Peter Lippert SJ entnommen und kreativ angewandt. P. Peter Lippert SJ verwendete diesen Begriff, um das FIAT – mir geschehe – der Gottesmutter zu deuten. Im Bild gesprochen geht es um das vertrauensvolle Ausstellen eines Blankoschecks. P. Joseph Kentenich SAC verwandte den Begriff ca. ab Februar 1939 bei den Marienschwestern, bevor er im Oktober 1939 öffentlich wurde.

Victor in vinculis (Mariae) – Sieger in Fesseln (Mariä)
Die Schönstattgruppe im KZ Dachau unter Führung von Heinz Dresbach und später Her­mann Ri­charz, zu der auch Karl Leisner gehörte, begann in der Fastenzeit 1944 mit der Su­che nach ihrem Gruppenideal und entschied sich für den Vorschlag von Robert Prusz­kowski „Victor in vinculis (Ma­riae)“. Die Idealsuche war stark inspiriert von der Spiri­tua­lität der Marianischen Werkzeug­fröm­migkeit, über die P. Joseph Kentenich SAC im Früh­jahr 1944 eine Studie diktierte. Es geht um die Bindung an Maria im Sinne des Werkzeuges, der Vernetzung. Maria steht als Symbol für den Dreifaltigen Gott.
P. Makarius Spitzig OSB schnitzte im KZ Dachau einen Bischofsstab mit dem Wappen von Bischof Gabriel Piguet und der In­schrift Victor in Vinculis.
Die Gitarre auf der Plastik mag verwundern, weist jedoch auf die frohe Natur und das positive Denken und Handeln Karl Leisners hin. Nicht nur die Jugend begeisterte er mit seiner Gitarre, sondern auch seine Mithäftlinge im KZ Dachau. Am 9. März 1941 wünschte er die Zusendung seiner Gitarre in das KZ. Er bestätigt später die Ankunft der Gitarre und daß sie ihm und den Kameraden Freude bereitet. Am 18.10.1941 schreibt er seiner Familie: Heut’ abend klampfen und singen wir. Heiho!
Zur Hostie schreibt Georg Egle[1] in der Dezember-Ausgabe 1997 der Schönstätter Monats-Zeitschrift „basis“: „Unübersehbar auf dem Relief ist eine Hostie, die Karl Leisner in seiner Rechten hält. Sie spricht von seiner Christusliebe, seiner jugendlichen Leidenschaft und priesterlichen Hingabe an Jesus Christus. Als Diakon hat Karl unter Lebensgefahr kranken Häftlingen die heilige Kommunion gereicht. Er ist der einzige Häftling, der in einem Konzentrationslager der Nationalsozialisten zum Priester geweiht wurde. Dort feierte er seine erste und einzige Heilige Messe.“
Zum Blankoscheck schreibt Egle: „Links unten im Bild ist ein Blatt mit der Unterschrift von Karl Leisner zu sehen. Mit den Mitgliedern seiner Münsteraner Theologengruppe hatte Karl im Jahr 1939 der Gottesmutter Maria die freie Verfügung über sein Leben angeboten. In dieser Haltung hat er in Gefängnis und Konzentrationslager gelebt.“
Vermutlich sprachen die Schönstätter unter den Diakonen, zu denen Karl Leisner gehörte, am 25. März 1939 nach der Diakonenweihe folgendes Weihegebet:
Liebe dreimal wunderbare Mutter von Schönstatt! Der Kurs Münster 1939 dankt Dir seine Berufung zum Priestertum und zum Bund. In Dankbarkeit geben wir Dir Gewalt und Vollmacht über uns; tue mit uns, was Du willst und wie Du es willst. Sende uns vom Altar in den Alltag und laß uns leben nach dem Gesetz: Sacerdotem oportet offerre.[2]

[1] Georg Egle ist Leiter der Schönstatt-Bewegung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
[2] Im Nachlass von Heinrich Tenhumberg findet sich dieses kurze Weihegebet, das die Gruppe vermutlich im Sinne der Blankovollmacht verstanden hat. In der Anrufung der Gottesmutter fehlt noch „und Königin“, die erst nach der Krönung des Marienbildes in Schönstatt Ende 1939 eingefügt wurde.
Der Begriff „Blankovollmacht“ bürgerte sich erst im Laufe des Jahres 1939 ein. Im Weihegebet fehlt noch „et offerri“, das nach der Verhaftung Karl Leisners eingefügt wurde.

Karl Leisner aus dem KZ Dachau am 6. April 1941 an Heinrich Tenhumberg[1]:
Danke Euch für Euer Brudergedenken. Ich spür’s jeden Tag. Unsere gute Mutter [Mta] sorgt für uns alle, für den verlorenen Sohn besonders. Beim Blankoscheck bleibt’s.

Karl Leisner aus dem KZ Dachau am 2. Oktober 1943 an Heinrich Tenhumberg:
Am 18. sind’s vier Jahre, daß Ihr daheim [in Schönstatt] versammelt wart und alles blank machtet. Damals konnte ich nur im Geiste mittun.

[1] Bischof Heinrich (Heini) Tenhumberg (* 4.6.1915 in Lünten, † 16.9.1979) – Karl Leisners Schönstattgruppenführer im Collegium Borromaeum in Münster – Bischofsweihe zum Weihbischof für das Bistum Münster 20.7.1958 – Bischof von Münster 7.7.1969 bis 16.9.1979

Zum Schönstattzentrum Merzhausen gehört das am Fuß des Schönbergs liegende Karl-Leisner-Haus an der Dorfstraße 22.

Link zum Karl-Leisner-Haus in Merzhausen

Den Aufzeichnungen Karl Leisners ist nicht zu entnehmen, dass er Merzhausen kennengelernt hat oder eine sonstige Beziehung zu der Gemeinde hatte.

Die Beiträge zu den Karl-Leisner-Plastiken von Johannes Potzler werden nach und nach veröffentlicht.

siehe bereits folgende Links

Link 1

Link 2

Link 3

Link 4

Impressionen zur Schönstatt-Kapelle Merzhausen

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Sakristei

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Text und Fotos Christa Bockholt