Kleve: Karl Leisner im Fenster der Stiftskirche St. Mariä Himmelfahrt

Kleve Fenster 4Im September 1998 wurde an der Südseite der Stiftskirche[1] das Fenster „Klever Märtyrer“ und Heilige der Neuzeit eingebaut. Es wurde von dem Künstler Dieter Hartmann aus Köln entworfen, die Ausführung übernahm die Hein Derix KG aus Kevelaer.

[1] Im 12. Jhdt. wird eine kleine, im romanischen Stil aus weißem Tuffstein erbaute, dem Evangelisten Johannes geweihte Kirche erwähnt. Grundsteinlegung der Kirche St. Mariä Himmelfahrt durch Graf Dietrich IX. von Kleve war am 12.8.1341. Die Namensgebung Stiftskirche erfolgte aufgrund der Verlegung des Stiftes vom Monterberg nach Kleve. Neben den Bezeichnungen Stiftskirche und St. Mariä Himmelfahrt wird die Kirche Propsteikirche, Oberstadtkirche/Oberkirche und im Volksmund auch de Boverkerk genannt.

Kleve Fenster 5 Stiftskirche außenBeim Wiederaufbau der durch den Zweiten Weltkrieg zerstörten Stiftskirche wurden nur die Hochchorfenster mit Darstellungen der Geheimnisse des Rosenkranzes neu verglast, alle weiteren Fenster hatten eine schlichte Notverglasung. Zwischen 1986 und 2005 wurde die Neuverglasung durchgeführt. Konzipiert wurde ein Weg durch die Glaubensgeschichte, beginnend im Bereich der Westtürme mit der Schöpfung und den vier Elementen, an der Nordseite mit Szenen aus dem Alten Testament, im Südchor mit Darstellungen des Sakramentes des Brotbrechens und an der Südseite mit sieben Fenstern mit neutestamentlichen Szenen und Heiligen der Kirchengeschichte. Das letzte Fenster in dieser Reihe stellt die „Klever Märtyrer“ und Heilige der Neuzeit dar. Obwohl es thematisch den Schlusspunkt bildet, wurde mit ihm die Erneuerung der Fenster an der Südseite der Kirche begonnen.[1]

[1] Siehe auch: Die Fenster der Stifts-und Propsteikirche St. Mariä Himmelfahrt in Kleve, Hg. Theodor Michelbrink, München 2007 und STIFTSKIRCHE ST. MARIAE HIMMELFAHRT in Kleve, Guido de Werd, Berlin 2012

Kleve Fenster 3In diesem Fenster sind (von links nach rechts) auf der linken Seite die „Klever Märtyrer“ dargestellt, die Opfer des Nationalsozialismus wurden und als bekennende Christen in Konzentrationslager eingeliefert wurden: der Selige Titus Brandsma[1], Wilhelm Frede[2], Johannes Maria Verweyen[3] und der Selige Karl Leisner. In der Mitte sind der Heilige Liudger und der Selige Kardinal Clemens August Graf von Galen abgebildet und rechts die Seligen Schwester Euthymia und Mutter Teresa, sowie die Heilige Edith Stein mit dem jüdischen Kind Leni Valk, das stellvertretend für die vielen Kinder steht, die im KZ den Tod fanden.

[1] Prof. Pater Dr. theol. Titus (Anno Sjoerd) Brandsma OCarm (* 23.2.1881 in Oegeklooster bei Bolsward/NL, † 26.7.1942 im KZ Dachau) – Eintritt in den Karmel 1898 – Ewige Profess 1902 – Priesterweihe 17.6.1905 in ’s-Hertogen­bosch/NL – Univer­sitätsprofessor in Nijme­gen/NL 1923 – Haft im Gefängnis in Kleve 16.5. bis 13.6.1942 – Einlieferung ins KZ Dachau 19.6.1942 – Seligsprechung 3.11.1985 – Gedenktag 27.7.
[2] Peter Wilhelm Frede (* 29.6.1875 in Duisburg-Meiderich, † ermordet 13.3.1942 im KZ Sach­senhausen) – Heirat 21.4.1903 mit Maria Frede, geb. Brohl (* 21.5.1882 in Kleve, † 11.11.1963 ebd.) – Diplomat – Während seiner Tätigkeit am nieder­ländi­schen Konsulat in Kleve wurde er am 3.11.1941 verhaftet und kam am 7.2.1942 ins KZ Sach­sen­hausen.
[3] Prof. Dr. phil. Johannes Maria Verweyen (* 11.5.1883 in Till, † an Flecktyphus 21.3.1945 im KZ Bergen-Belsen) – Philosoph, Freimaurer u. Theosoph – Schüler des Kö­nig­lichen Gym­nasiums in Kleve 1892-1896 – Erklärung seines Austritts aus der ka­tholischen Kir­che vor dem Amtsgericht in Bonn 21.3.1921 – Anschluss an die Theoso­phen aufgrund seiner Neigung zur Para­psychologie u. zum Okkultismus – Entzug der Lehrbefugnis an der Universität Bonn wegen offener Kritik an den Ideen des Natio­nalsozialis­mus 9.4.1934 – Rückkehr zum katholischen Glauben 2.2.1936 – Auf einer seiner Vortragsreisen wurde er am 27.8.1941 ohne Anklage ver­haftet und in das berüchtigte Gestapo-Gefängnis Alex in Berlin gebracht. Am 23.5.1942 kam er ohne gerichtliches Verfahren vom Gefängnis ins KZ Sach­sen­hausen. Als die Eva­kuierung des Lagers Sachsen­hausen bevorstand, meldete er sich zum Transport nach Ber­gen-Belsen und gelangte am 7.2.1945 ins dortige KZ.

Kleve Fenster 2Karl Leisner ist in diesem Fenster mit einem Priestergewand dargestellt. Auf dem Kopf trägt er ein Birett[1] und in den Händen hält er einen goldenen Kelch[2], Attribute, die auf das einmalige Geschehen in einem KZ, seine heimliche Priesterweihe am 17. Dezember 1944 und seine Primiz am 26. Dezember 1944, seiner ersten und einzigen heiligen Messe, die er in seinem Leben feierte, hinweisen.

[1] Birett von birrus (lat.) Mantelkragen, kurzer Mantel mit Kapuze Þ barettum (mlat.)

Birett  viereckige Kopfbedeckung katholischer Geistlicher – Be­standteil der kle­ri­ka­len Amts­tracht in der entsprechenden Farbe des Amtes

[2]  Neben dem Primizgewand erhält ein Neupriester einen Kelch, mit dem er sein Leben lang zelebriert. Bei seiner Beerdigung wird dieser Kelch mit einer Stola auf den Sarg gestellt.

Weihnachten 1997 kündigte Propst Theodor Michelbrink im Propsteiblatt der Gemeinde die Ausführung dieses Fensters an und dankte nach dem Einbau im September 1998 den zahlreichen Spendern, die den Erwerb des Fensters erst ermöglicht hatten, für ihre Unterstützung.

Die Mitglieder des IKLK wurden im Februar 1999 durch Rundbrief Nr. 39, Seite 151, informiert.

Karl Leisner fühlte sich mit der Stiftskirche, seiner Heimatpfarrei, tief verbunden. Er empfing dort am 29.4.1925 die Erstkommunion und am 20.7.1927 das Sakrament der Firmung[1]. Zu den Priestern der Pfarrei pflegte er einen intensiven Kontakt und die Fahrten der Jungen begannen häufig mit einer heiligen Messe in St. Mariä Himmelfahrt. Besonders nach der Aufnahme seines Theologie-Studiums in Münster im Mai 1934 waren ihm schon der Anblick der Schwanenburg und der Stiftskirche Symbole der Heimat.

[1] Es war Karl Leisners eigener Wunsch, mit seinem Bruder Willi in seiner Pfarrkirche gefirmt zu werden. Vorgesehen war die Firmung mit der Schulklasse in der Unterstadtkirche „St. Mariä Empfängnis“ . Siehe Link zu Firmung Karl Leisners

Tagebucheinträge

Kleve, Sonntag, 2. April 1933
6.00 Uhr Oberstadtkirche [Stiftskirche] Messe. – Dann los auf Fahrt.

Münster, Freitag, 20. Dezember 1935
Die Weihnachtsferien 1935/36
[…] Der Zug fährt [nach Haltern], ich les’ den „Mi­chael“, die herrliche Weihnachts­nummer. Leitartikel „Jauchzen soll die Erde“ – und „Heimkehr zur Weihnacht“ von Thomas Klausner. (In Haltern auf dem Bahnhof.) Heimatsehnsucht packt mich wie nie.
In Kleve, ich schaue vom Zug aus das unvergeßliche Bild meiner Heimatstadt, den Berg mit [Schwanen-]Burg und Stiftskirche. – Erste Grüße der Heimat!

Kleve, Samstag, 25. Dezember 1937, Weihnachten
2.45 Uhr Wecken. Auf zur Christmette in der Pfarrkirche [Stiftskirche]! Seit drei Jahren wieder dort. Voriges Jahr war ich in St. Carolus in Freiburg/Br., davor in [der] Christus-König[-Kirche]. Ach, wie ist das schön. Ich kann beten wie lange nicht mehr. Wir sind daheim! – Unser lieber Hochwürdiger Herr Dechant [Jakob Küppers] zelebriert. Kaplan [Wilhelm] Delbeck und Studienrat [Friedrich] Giesen assistieren [als Diakon und Subdiakon]. Kaplan [Franz] Demers verkündet die Frohbotschaft von Weihnacht.

Da die Tagebücher Karl Leisners zu einem großen Teil in seiner Heimatstadt Kleve geschrieben wurden bzw. sich darauf beziehen, wird an dieser Stelle auf die unter der nachstehenden Internetadresse veröffentlichten Aufzeichnungen verwiesen.

Link zu den Tagebüchern