90 Jahre Lufthansa

LufthansaDie Deutsche Luft Hansa AG eröffnete am 6. April 1926 ihren Linienflugverkehr vom Flughafen Berlin-Tempelhof nach Zürich.

Foto Wikimedia Commons

 

Bereits drei Jahre später beobachteten Karl Leisner und die Jungen während der Rückkehr von der Gruppenfahrt nach Rügen auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof unter anderem auch Verkehrsflugzeuge der Lufthansa.

Tagebucheintrag

Berlin, Donnerstag, 22. August 1929, 20. Tag
Nach dem guten Essen gings zur U-Bahnstation Friedrichstraße. Von hier fuhren wir mit der Untergrundbahn nach Tempelhof. Als wir dort dem Un­ter­grundbahnhof entstiegen waren, gingen wir zum Berliner Zentralflugha­fen, dem Tempelhofer Feld. Hier gingen wir zuerst zum Flugpostgebäude und kauften uns dort eine Luftpostkarte, die wir nach Hause schrieben. – (Sie kostete 18 Pfennig, also 10 Pfennig mehr Gebühr als bei der gewöhnli­chen Postkarte. Auf der Karte war eine 15 Pfennig-Flug­postfreimarke und eine gewöhnliche 3 Pfennig-Marke. – Diese Karte warfen wir um 18.00 Uhr in den Briefkasten und sie war schon um 11.00 Uhr [am nächsten Tag] bei uns in Kleve zu Hause. – Wir dachten nicht, daß es so flott ging.)
Vom Postgebäude gings zum Flugplatz. Hier standen die gro­ßen Verkehrs­flug­zeuge der deutschen [Luft-]Hansa. Auch das nach dem Ozeanflug gebau­te, nach Hauptmann [Hermann] Köhl benannte Großflugzeug: Hermann Köhl: Nr. D1310 [eine Junkers G 31]. Auch stand das Junkers­verkehrs­flug­zeug Stolzenfels Nr. D1692[1] im Flug­hafen. Wir besahen uns auch das Flug­postge­bäude, wo auch die Post drin war. Nun schauten wir bis abends 18.00 Uhr nur noch zu, wie Flugzeuge landeten und starteten. – Jedesmal wenn ein Flugzeug landete, ertönte eine Sirene, die die andern Flug­zeuge warnen sollte. – Wenn das Flugzeug den Boden be­rührte, eilten einzelne Angestellte des Berliner Flug­hafens herbei und halfen, das Flugzeug zum Stehen zu brin­gen und den Pas­sagieren beim Aussteigen. Auch wurde das Gepäck und die Post auf Wagen sofort zum Hauptge­bäude gebracht. Das Flugzeug, das zuerst lan­dete, als wir da waren, war der große Pariser weiße Doppeldecker F-AIZU. Es war ein Farman (Nr. 5) [ein zweimotoriger Hoch­decker]. Auch sahen wir zwei Sportflugzeuge landen und wie­der starten.

[1]    Stolzenfels D 1692 war kein Junkersflugzeug, sondern vom Typ Rohrbach Roland II.

Das Pariser Großflugzeug F-AIZU auf dem Tempelhofer Feld (Foto: Föns [van Thiel])

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Ferner sahen wir noch folgende Flugzeuge landen bzw. starten:
D462[1] startete,
D1 (Nachtigall)[2] startete,
D1360 (Rostock) ein Postflugzeug[3] landete erst und startete dann wieder. – Bald darauf startete es wieder und schließlich startete es wieder.[4] Es war das Postflugzeug Berlin – London.

Nachdem wir nun all’ die vielen Flugzeuge beschaut hatten, gingen wir um 18.00 Uhr zur Untergrundbahnstation Tempelhof. In Tempelhof kauften wir erst Brot und fuhren dann um 18.20 Uhr mit der U-Bahn nach Bahnhof Friedrich­straße. Von dort gings zum „Haus der Jugend“, wo um 20.15 Uhr zu Abend gegessen wurde. (Bohnen mit Kartoffeln und Möhrengemüse mit Kartoffeln.) – Nach dem Abendessen vertrieben wir uns die Zeit durch Bücher­lesen – wir hatten uns vorher welche gekauft –, Butterbroteschmieren, Spielen usw. – Um 22.00 Uhr gab’s Kaffee mit zwei Schnecken. – Endlich marschierten wir gegen Mitter­nacht, um 23.30 Uhr, zum Bahnhof Fried­rich­straße. – Hier sahen wir (natürlich am Uhrzeiger), wie der neue Tag anfing.

[1]    Die D 462 war entweder eine Junkers G 31 oder G 33.

[2]    Die D 1 Nachtigall, Baunummer 531, Baujahr 1919, war bis 1939 in Betrieb.

[3]    Die D 1360 Rostock Typ Junkers G 34 ist ein Vorläufer der Ju 52.

[4]    Vermutlich gab es mehrere Fehlstarts.

Ansichtskarte:
Landung des Junkers Großflugzeug

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Zeitschriftenfoto:
Zentralflughafen Berlin-Tempelhof, Foto: Hansa-Luftbild

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