Alte Kartengrüße erzählen (XXI)

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Feldpost                                Poststempel: GOCH 3.12.1917
Wohlgeb.
Herrn Leutnant
Willy Leisner und Frau [Amalia]
Immenstadt/Allgäu
Kemptenerstraße 275[1]
Carissimi [Ihr Lieben]! Zum sehr freudigen Ereignis meinen allerbesten Glückwunsch! Wenn’s Mäderl[2] wie die Mutter ausschaut, wird es schon durch die Welt kommen. Möchte den Abschiedsabend gerne noch mal wiederholen. ’s war doch schön in Immenstadt und für die mir erwiesene Freundschaft bin ich herzlich dankbar.
Ich sitze hier noch immer in dem größten Dreck und sind die Ofenanlagen noch nicht fertig. Kein Zimmer ohne Staub! Konnte die mitgebrachten Aufnahmen aus Im. [Immenstadt] bis jetzt noch nicht mal entwickeln. Sonst alles ausgezeichnet.
Herzlichst grüßt die ganze liebe Familie Ihr Jos. Windhausen.[3] Goch 2.12.
Gratul. und Gruß von Fam. Lgbg. [Langenberg]

[1]    Familie Wilhelm Leisner wohnte dort 1917/1918 in der Pen­sion Kennerknecht.

[2]    Maria Leisner wurde am 23. November 1917 in Immenstadt geboren

[3]    Joseph Windhausen (* 23.11.1865 als Sohn eines Portraitmalers in Waldniel, † 30.5.1936) – Priesterweihe 2.4.1892 – Priester im Bistum Roermond/NL – Er hatte von Papst Leo XIII. persönlich die Erlaubnis, sich ganz der christlichen Kunst zu widmen und war da­her vom seelsorglichen Dienst befreit. Ab 1902 lebte er in der Gemeinde St.-Ma­ria-Magdalena in Goch, feierte jeden Morgen die hl. Messe und war dann voll und ganz mit Entwürfen und Aufträgen für die Werkstatt Langenberg beschäftigt.

* * * * *

Familie Langenberg
1. Generation:
Ferdinand Langenberg (* 7.4.1849 in Goch, † 17.2.1931) – Goch, Roggenstr. 41/43 – Bild­hauer – Er hat für viele Kirchen neugotische Altäre ge­schnitzt.
2. Generation:
Josef Langenberg (* 13.6.1887, † 14.6.1972) – Übernahme der Werkstatt seines Vaters 1925 – Freund von Wilhelm Leis­ner – Nach dem Tod von Joseph Wind­hausen löste Josef Langenberg 1936 die Werkstatt auf.

Willi Leisner aus Berlin am 15. Juni 2001 an Hans-Karl Seeger:
Obwohl Josef Langenberg, ein Freund meines Vaters, mein Patenonkel ist, hatte ich nie Kontakt zu ihm. Ich sollte den Namen Josef bekommen; weil Vater im Mai 1916 eine Zeitlang vermißt war, wurde ich auf den Namen Wilhelm Josef Maria Antonius getauft.

Tagebucheintrag:

Kleve/Goch, Sonntag, 5. Januar 1936
In Goch zu Langenberg – Roggenstraße. Dort beim alten und schwachen, aber geistig und künstlerisch noch frischen Kaplan Windhausen. Interessante Erlebnisse im Gespräch über Zeit und Vergangenheit.

Impressionen vom Langenberghaus

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Fotos Gabriele Latzel