Billerbecker Anzeiger zum Lodde-Buch

Christine Tibroni im Billerbecker Anzeiger zum Buch über Dechant Josef Lodde

„Er hat nie seinen Mund gehalten“

Publikation über Dechant Lodde und seinen Widerstand gegen die Nationalsozialisten

Von Christine Tibroni

COESFELD. Die Loddeallee, ja, die war ihm natürlich bekannt. Aber wer genau dieser namensgebende Lodde war, das war Dr. Dr. Herrmann Hüsken lange Zeit ganz und gar nicht klar. Das änderte sich mit dem Christkönigsfest 2010 (Sonntag vor dem ersten Advent), als Hüsken in St. Lamberti die Predigt von Pfarrdechant Hülper hörte. Hülper zitierte an jenem Sonntag eine Rede des Pfarrdechanten Josef Lodde zur Verabschiedung der Christus-König-Glocke im Jahr 1942.

Diese Glocke, die Lodde anlässlich seines 25-jährigen Priesterjubiläums von seiner Gemeinde geschenkt bekommen hatte, sollte abgehängt, zerschlagen und eingeschmolzen werden, um aus dem Material Kanonenkugeln zu formen. In seiner Ansprache, das Redemanuskript ist erhalten, machte Lodde zum wiederholten Male deutlich, dass es für ihn nur einen wahren König gebe: „Jesus Christus, den König der Zeiten“, was den selbst ernannten Herren im Nazi-Deutschland wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen musste.

„Diese Rede Loddes hat mich so fasziniert, dass ich mehr über ihn erfahren wollte“, erinnert  sich Hüsken, der zunächst die Chronik der Lambertigemeinde einsah, dann das Stadtarchiv aufsuchte und von dort an Pfarrer Hans-Karl Seeger (Billerbeck) verwiesen wurde. Seeger hatte für den Internationalen Karl-Leisner-Kreis eine Biographie über Lodde veröffentlicht. „Na, und dann habe ich weitergeforscht. Und daraus ist – zusammen mit dem Text von Pfarrer Seeger – ein Buch über Dechant Josef Lodde, Coesfelds Fels in der braunen Flut, entstanden.“

Felsenfest stand Lodde für seinen Glauben ein und brüskierte die Nazis mal mehr mal weniger offen. Die stuften ihn 1939 als „politisch unzuverlässig“ ein, als „Hetzer, der in jeder Predigt in irgendeiner Form die Partei angreift.“ Dazu Hüsken: „Was Bischof von Galen für das Bistum war, war Lodde für Coesfeld. Er hat nie seinen Mund gehalten.“ Seine christliche Zivilcourage sollte dem Priester zum Verhängnis werden. Am 26. Oktober 1942 wird er durch die Gestapo verhaftet, weil er sich „verächtlich gegen eine Staatseinrichtung“ ausgesprochen habe. Ende 1942 wird Lodde in das Konzentrationslager Dachau überführt. Die unmenschlichen Bedingungen im Lager überlebt er nicht, Lodde stirbt am 28. Februar 1943.

Ob sein Leidensweg Josef Lodde in seinem Glauben erschütterte? Hüsken meint Nein. „Lodde war bis in den Tod hinein ein treuer Zeuge Jesu Christi, er ist ein Märtyrer und Vorbild für die Nachwelt.“

Sinnbild für Loddes Vermächtnis ist das historische Foto, das Hüsken und Seeger für das Buchcover ausgewählt haben. Es zeigt das alte, gotische Rathaus neben der Lambertikirche. Hüsken dazu: „Das braune Rathaus wurde in den letzten Kriegstagen zerstört, die Kirche steht noch.“

Dechant Josef Lodde

Josef Lodde wurde am 26. Januar 1879 in Münster geboren. Sein Vater war Bauunternehmer. Nach dem Abitur am Paulinum studierte er Theologie in Münster und wurde am 6. Juni 1903 im Dom zu Münster zum Priester geweiht. Von 1903 bis 1906 war er Kaplan in Warendorf, von 1906 bis 1914 Kaplan in Herten. Im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) war er als Feldgeistlicher im Offiziersrang eingesetzt, davon drei Jahre in Russland. Als Träger des Eisernen Kreuzes I. und II. Klasse kehrte er zurück. Ab 1919 war er als Vikar in Gladbeck tätig. Am 15. März 1927 wurde Lodde zum Pfarrdechanten von St. Lamberti Coesfeld und zum Standortpfarrer ernannt. Im Oktober 1942 wurde er verhaftet, „weil er sich verächtlich gegen eine Staatseinrichtung“ ausgesprochen habe. Ende 1942 wurde Lodde in das Konzentrationslager Dachau deportiert, wo er am 28. Februar starb.

Hans-Karl Seeger, Hermann Hüsken: Dechant Josef Lodde – Coesfelds Fels in der braunen Flut. Christliche Zivilcourage zur Zeit des Nationalsozialismus. Lit Verlag, 19,90 Euro. Das Buch ist ab sofort im Handel erhältlich.

ISBN 978-3-643-11457-0

Der Leserservice dieser Zeitung verweist auf dieses Buch in seiner Ausgabe vom 22. November 2011 – siehe Link: 2011_12_23_Lodde_Service