Biographie

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Karl Leisner Biographie 2. Auflage 2012Hans-Karl Seeger
Karl Leisner – Visionär eines geeinten Europas, Kevelaer 2012

Eine TOPOS PLUS Bio­graphie
Band 563, ISBN 978-383-670-563-9, Preis: 9,90 €

Kurzbiographie

Am 28. Februar 1915 in Rees am Niederrhein geboren, aufgewachsen in Kle­ve, trat Karl Leisner als Gymnasiast der katholischen Jugendbe­we­gung bei. Sie schenkte ihm nicht nur die Gemeinschaft mit jungen Menschen und das Erleben großer Fahrten, sondern brachte ihm auch die Heilige Schrift, die Liturgie und vor allem die Eucharistie nahe. Sein geistliches Leben entfaltete sich, nicht ohne tägliches Ringen um Selbst­beherrschung und Einsatzbereitschaft. Christus war ihm leuch­tendes Vorbild für sein junges Leben. Die Ju­gend, die er führte, war Christus-Ju­gend, sie sollte der Ideologie des „Drit­ten Reiches“ nicht verfallen. In sein Tagebuch schrieb er: „Christus – Du bist meine Leidenschaft!“ 1934 machte er Abitur, sein Berufsziel war das Prie­stertum, und so begann er seine ersten Semester in Münster.

Der Bischof von Münster betraute ihn mit dem Amt des Diözesanjung­scharführers. Dadurch wurde die Gestapo auf ihn aufmerksam. Wäh­rend seiner Außensemester in Freiburg und im anschließenden Pflicht­arbeitsdienst im Som­mer 1936/1937 erschütterten ihn harte innere Kämpfe: Priestertum oder Ehe und Familie? Er hatte in Freiburg ein Mädchen kennen und lieben gelernt, entschied sich aber für den Prie­sterberuf. Ostern 1938 vertraute er seinem Tagebuch an: „Herr, ich danke Dir, daß Du diese wunderschöne gläubige Mädchengestalt mir auf den Lebensweg gesandt hast.“ Im Abschiedsbrief vom Mai 1938 schrieb er ihr: „Ich danke Dir für Deine Güte und schwesterliche Liebe. […] Dir danke ich viel, und Christus ist mir in Dir begegnet, wie er mir noch nie entgegentrat.“ Vor der Weihe zum Subdiakon, am 4. März 1939, notierte er: „Es war ein tödlicher Kampf. Aber ich bin zum Priestertum berufen – und diesem Ruf opfere ich alles.“ Am 25. März 1939 wurde er zum Diakon ge­weiht. In einigen Monaten sollte er die Priesterweihe empfangen, doch Gott fügte es anders. Eine plötzlich festgestellte Lungentuberkulose zwang ihn zur Ausheilung nach St. Blasien im Schwarzwald. Dort führte eine Äu­ßerung bezüglich des Attentats von Georg Elser auf Adolf Hitler am 8. November 1939 zur Ver­haftung. Über das Gefängnis in Freiburg und Mannheim sowie das KZ Sachsenhausen kam er im Dezember 1940 ins KZ Dachau.

Dort brach im März 1942 seine Lungenkrankheit wieder auf. Er kam ins Krankenrevier, eine Barackenstube, in der 120 bis 150 Lungen­kranke zusammengepfercht waren. Das bedeutete Endstation. Dem Tod preis­gegeben, klammerte sich der junge Diakon an die Heilige Schrift und die heimlich aufbewahrte Eucharistie, die er den Sterbenden reichte. Er wußte sich geborgen in der Liebe der Gottesmutter und lebte das Wort des heiligen Paulus: „Ich ergänze in meinem irdischen Le­ben das, was an den Leiden Christi noch fehlt“ (Kol 1,24). Dann ergab sich das Unerwartete: Im September 1944 wurde der französi­sche Häftling, Bischof Gabriel Piguet von Clermont, ins KZ Dachau eingewiesen.

Am Sonntag Gaudete, dem 17. Dezember 1944, spendete er dem schwer­kranken Dia­kon im Block 26 unter Gefahr für alle Beteiligten im Geheimen die Priesterweihe. Seine erste und einzige heilige Messe feierte der Neu­priester am Stepha­nustag, dem 26. Dezember 1944. Am 4. Mai 1945 wurde er aus dem KZ befreit.

Die letzten Wochen seines Lebens verbrachte er im Lungensanatorium Planegg bei München. Nur noch zwei Gedanken beherrschten ihn: Liebe und Sühne. Am 12. August 1945 erfüllte sich sein Leben in der Liebe Gottes, an die er geglaubt hat und die er den Menschen künden wollte. Sein letzter Tage­bucheintrag am 25. Juli 1945, dem Fest des heiligen Jakobus, lautet: „Segne auch, Höchster, meine Feinde!“

Karl Leisners Grab befindet sich in der Krypta des Xantener Domes. Am 15. März 1980 genehmigte Papst Johannes Paul II. die Eröffnung des Selig­spre­chungsprozesses. Am 8. Oktober 1988 stellte er Karl Leisner und den Franzosen Marcel Callo 42.000 Jugendlichen aus ganz Europa in Straßburg als Vorbilder vor Au­gen. Am 23. Juni 1996 sprach Papst Johannes Paul II. Karl Leisner in Berlin selig. Am 25. April 2007 wurde für Karl Leisner in der Diözese Münster der Heiligsprechungs­prozeß eingeleitet. Dieser konnte jedoch nicht zu Ende geführt werden, weil bei der auf die Fürsprache Karl Leisners als geheilt erklärten Person der Krebs erneut aktiv wurde.

Auszüge aus Karl Leisners Tagebüchern

1934

Gefesselt, ein Knecht in Banden geschlagen, und doch frei – steh ich vor dir Herr und wag’s demütig und mutig zu fragen: „Herr, was willst du von mir? – Form mich in deines heil’gen Geistes Glut zum Werkzeug deiner allmächti­gen Hand.“

1935

Christus, du hast mich gerufen. Ich spreche bescheiden und bestimmt, männlich und stark: Hier bin ich, sende mich! – Gib mit Deiner Sen­dung Deine Kraft!

1936

Hier schreib ich’s nieder: Ich will der Liebe leben, ich will die Liebe leben, ich will durch und mit der Liebe leben.

1937

O Herr, Jesus Chri­stus, voll tiefer Liebe und De­mut flehe ich zu Dir, stehe mir bei im Kampf um das Heilige in mir. Laß mich in hartem Dienst Dein bewährter Die­ner sein. Du adele meine Ar­beit. Wenn ich auch schwach bin, sei Du mir Stärke und Burg, Schild und Schutz! Du mein Erlöser, komme bald zu mir!

Herr, zeig’ mir den Weg, und gib mir den rech­ten Geistesfingerzeig, wohin ich gehen soll. Ich weiß keinen mehr, ich bin krank im tiefsten Her­zen!

1938

Das ist meines Lebens letzter Sinn, Christus zu leben in dieser Zeit. Christus, wenn Du nicht bist, dann möchte ich nicht sein. Du bist, Du lebst. Nimm mich hin, verfüge ganz über mich. Laß Dein Handeln und Wandeln durch mich und uns alle heute Tat werden.

Jesus Christus, meine Liebe, Dir will ich folgen in gläubig, hochherzi­gem heldischen Gehorsam, wohin Du mich auch befiehlst.

Herr, wohin Du mich willst, dahin geh’ ich – auch in Nacht und Not und Leid. Ja – Gib mir Befehl! Befrei’ mich von jeder Selbstsucht!

Herr, vermehre meinen Glauben!

Ja, es geht um das letzte Geheim­nis in dir: und das ruft dich zum Altar, zum holocaustum [Ganzopfer] für die andern, für dein deut­sches Volk.

1939

Ich kann und will nicht mehr anders und koste es das Leben des Kreu­zes, und das kostet es ganz sicher mehr als ich es aussprechen kann. – Christus, Dir mein Leben ohne Vorbehalt. Was Du mit mir machst, Du allein sollst es bestimmen. Es geschehe!

Gebet

Herr, unser Vater! Du gabst unserem Bruder Karl ein begeisterungsfä­higes Herz. Die Natur schaute er als dein Werk, den Menschen als dein Ebenbild. In Jesus Christus, dem Sohn Mariens, fand er die Krone der Schöpfung. Für ihn wollte er leben, für ihn suchte er in unermüd­lichem Einsatz junge Men­schen zu gewinnen. In einer Welt des Hasses glaubte er an die Liebe, schenkte er die Liebe, sehnte er sich nach der Ver­wirkli­chung deines Reiches auf Erden. Er bat um deine Führung für sein Leben. Du führtest ihn auf dem Weg des Kreuzes zur Vollendung. Möge seine Fürsprache der Versöhnung der Völker dienen und dem Frieden unter den Menschen.