Bonn: Karl-Leisner-Straße im Ortsteil Duisdorf

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Am 21. Mai 1965 beschloss der Rat der Gemeinde Duisdorf[1], eine Straße in der neuen Finkenhofsiedlung nach Karl Leisner zu benennen. Der Siedlungsbau wurde durch den zunehmenden Wohnungsbedarf für das Personal der nahe gelegenen Bundesministerien erforderlich.
Unterhalb des Straßenbezeichnung steht: Karl Leisner (1915-1945). Kath. Jugendführer. 1940-1945 im KZ Dachau, dort Priesterweihe. Gestorben an den Folgen der Haft.

[1] Duisdorf ist ein Ortsteil im Stadtbezirk Hardtberg der Stadt Bonn. Im 16. Jhdt. war Duisdorf ein Verwaltungsbezirk (Dingstuhl) mit eigenem Schöffengericht. Im 19. Jhdt. wurde die Gemeinde Duisdorf der Bürgermeisterei Poppelsdorf zugeordnet, aus der 1904 die Bürgermeisterei Duisdorf entstand, die 1927 in das Amt Duisdorf umbenannt wurde. Im Zuge der Kommunalen Neuordnung wurde am 1.8.1969 die Gemeinde Duisdorf in die Stadt Bonn eingemeindet.

Die Finkenhofsiedlung liegt am Hardtberg, auf dem das Bundesministerium der Verteidigung seinen Sitz hat. Es wurden überwiegend dreistöckige Mehrfamilien­häuser und Reihenhäuser gebaut.

Die Straßen und Plätze in dieser Siedlung tragen Namen von Widerstandskämpfern gegen das NS-Regime wie Goerdeler, Ossietzky, Delp, Bonhoeffer und die Geschwister Scholl. Die katholische Grundschule dort und ein Wohnviertel wurden nach Edith Stein benannt.

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Darüber hinaus wurde an der Ecke Goerdelerstraße/Julius-Leber-Straße ein Denkmal aufgestellt mit der Inschrift: Im Kampf gegen Unrecht und Terror gaben die Frauen und Männer, deren Namen die Straßen dieses Ortsteiles tragen, in den Jahren 1933 bis 19354 ihr Leben.

Karl-Leisner-Straße

Karl-Leisner-Straße

Den Aufzeichnungen Karl Leisners ist nicht zu entnehmen, dass er die damalige Gemeinde Duisdorf kennengelernt hat oder eine sonstige Beziehung zu dem Ort hatte. Mit der Stadt Bonn wird er vor allem seine Mitschüler Hermann Ringsdorff[1], Hermann Mies[2] und Jupp Gerlings[3] verbunden haben, die während ihres Studiums gemeinsam in Bonn, Bergstraße 211, bei Frau Ganter wohnten.

[1] Dr. rer. pol. Hermann Ringsdorff (* 25.3.1913 in Essen/Ruhr, evangelisch getauft, † 14.10. 2002) – Während seiner Gymnasialzeit saß er sieben Jahre neben Karl Leisner. Nach dem Abitur studierte er zunächst zwei Semester evangelische Theologie in Bonn, war Universitätsassistent im Fachbereich Altes Testament, promovierte aber auf Wunsch des Vaters zum Dr. rer. pol., um als Verkaufsdirektor die Ringsdorffwerke in Bonn zu übernehmen. Im Seligsprechungsprozeß für Karl Leisner hat er 1981 als Zeuge ausgesagt.
[2] Karl Hermann (Manes) Joseph Mies (* 27.4.1915 in Kleve, † 27.1.1984 in Goch), Ministerialrat, Klassenkamerad von Karl Leisner in der Volksschule und am Gymnasium, Mitglied der Jungkreuz­bundgruppe St. Werner – Er nahm an zahlreichen Fahrten teil. Da er sehr musikalisch war, scharten sich immer Sänger um ihn. 1934 studierte er in Köln Pädagogik. Ursprünglich wollte er Priester werden, heiratete aber 1940 Elfriede Drießen. Im Seligsprechungsprozeß für Karl Leisner hat er 1981 als Zeuge ausgesagt.
[3] Josef (Jupp) Gerlings (* 21.5.1913 in Kleve, † gefallen 1940), Gefreiter, Klassenkamerad von Karl Leisner ab Unterprima – Er wollte Priester werden, entschied sich jedoch zum Politik- und Jurastudium.

Verschiedene Fahrten führten Karl Leisner auch durch Bonn, erstmalig kamen die Jungen auf der Schweizfahrt im Sommer 1932 durch die Stadt.

Köln-Deutz, Sonntag, 14. August 1932
Köln – Wesseling – Bonn – „Kaltenengers“
[…] Gegen Mittag kommen wir durch Bonn. Die Hitze wird unausstehlich. Über Godesberg – Mehlem erreichen wir Rolandseck [bei Remagen], wo wir eine Mittagspause einlegen wegen allzu großer Hitze und gewaltigen Kohldampfs.

Auf der Fahrt zu einer Gymnasiastentagung und Exerzitien in Schönstatt kommen die Jungen erneut durch Bonn.

Köln, Donnerstag, 6. April 1933
7.30 Uhr auf. Futtern, Radflicken. Los um 9.30 Uhr. – In Widdig [bei Bonn] neuer Gepäckträger. – In Bonn schwere Panne (1 Stunde). Um 12.30 Uhr weiter.

Zum 1. Mai 1934 tritt Karl Leisner in das Collegium Borromaeum in Münster ein, um Priester zu werden. Die Pfingstferien verbringt er in Kleve.

Kleve, Mittwoch, 23. Mai 1934
Um 10.30 Uhr los mit Opa [Friedrich Falkenstein] spazieren: […] Opa erzählt mir so schön aus seiner Jugendzeit. […] Zum Mittagessen waren wir wieder zu Hause. Übrigens noch eins: Der Vater meines Urgroßvaters mütterlicherseits [Hermann Joseph Falkenstein] wohnte in Bonn und war Leutnant, war aber das Soldatsein satt geworden und nach Medebach gezogen.

Kleve, Donnerstag, 2. Januar 1936
[…] zu Hermann Ringsdorff – weiland [vormals] stud. theol. in Bonn –, bei dem ich morgens schon ein Stündlein war.

Im August 1936 fahren die Jungen ins Allgäu. Über diese Fahrt sind im Nachlass von Karl Leisner keine Aufzeichnungen vorhanden. Wilhelm Elshoff führte ein Fahrten­buch.

Vallendar, Donnerstag, 27. August 1936
Nach einem kurzen Frühstück brachen wir wieder auf. In drei Stunden waren wir in Bonn. Hier kauften wir Brot und legten uns hinter der Stadt ins Gras. Um 14.00 Uhr fuhren wir weiter.

Im Sommer 1938 fährt Karl Leisner erneut mit einigen Freunden ins Allgäu. Außer einem Brief und zwei Postkarten sind keine Aufzeichnungen von Karl Leisner vorhanden. Den ersten Teil der Strecke trampten die Jungen getrennt.

Mittwoch, 27. Juli 1938
Karl Leisner aus Bonn an Familie Magnus Weber in Alpseewies:
Werte Familie Weber!
Möchte mit noch zwei Buben mich zu Besuch anmelden für Freitag. Wenn es Ihnen recht ist, werden wir uns eine Woche am schönen Alpsee aufhalten.

An diesem Tag kam Karl Leisner bis Bingen.

Text Christa Bockholt; Fotos Andreas Born, Bonn