Eine große Glaubensgestalt

Mit Gedenkblatt über die Biografie Hermann Scheipers zum ÖKT

Wenn sich Wilma Geurts und ihr Sohn Martin in den kommenden Tagen zum 2. Ökumenischen Kirchentag in München auf den Weg machen, haben sie außergewöhnliche Dokumente im Gepäck.

Es sind vier DIN-A-3-Bögen, bestimmt für das Zeitzeugen-Projekt „Gedächtnisbuch – Namen statt Nummern“ in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Das Gedächtnisbuch – es wird auf ausdrücklichen Wunsch ehemaliger Häftlinge in der Versöhnungskirche Dachau aufbewahrt – enthält etwa 130 Porträts. Eines davon betrifft den KZ-Überlebenden Hermann Scheipers. Den heutigen Prälaten und Ehrendomkapitular haben Wilma und Martin Geurts beschrieben. Dafür besuchten sie ihn mehrfach in Ochtrup, im münsterländischen Kreis Steinfurt.

Die Materborner hatten den letzten deutschen Überlebenden aus dem Dachauer Priesterblock, Pfarrer Scheipers, bei einer Gedenkfeier anlässlich der Priesterweihe seines ehemaligen Mithäftlings Karl Leisner aus Kleve, am 17. Dezember 2004,  kennen gelernt. Für den niederrheinischen Glaubenszeugen und Seligen Karl Leisner hatten Mutter und Sohn Geurts bereits 2002 ein Gedenkblatt erstellt. Jetzt ging ihr Wunsch in Erfüllung, auch der Nummer 24255 durch die Aufzeichnung der Lebensgeschichte des am 24. Juli 1913 geborenen Geistlichen einen Namen zu geben. Am Festtag Christi Himmelfahrt, 13. Mai, werden sie in der Todesangst-Christi-Kapelle auf dem KZ-Gelände in Dachau die Biografie über Hermann Scheipers vorstellen.

Damals wurde der 27-jährige Kaplan von den Nazis in Hubertusburg bei Leipzig wegen seines aktiven katholischen Glaubensbekenntnisses  verfolgt.  „Für uns ist er eine große Glaubensgestalt, an der man sich orientieren kann“, sind sich die Sekretärin Wilma Geurts (Jahrgang 1947) und der Goldschmiedemeister Martin Geurts (Jahrgang 1979) einig. Allein schon das Deckblatt der Lebensbeschreibung von Msgr. Scheipers beeindruckt. Neben einem aktuellen Foto aus November 2009, als das Zeitzeugengespräch begann, steht ein illegal im KZ aufgenommenes Bild, das drei Priester, darunter den Häftling Hermann Scheipers, zeigt. Martin Geurts, der fast gehörlos ist, malte zwei erschütternde Schwarz-Weiß-Zeichnungen: „Selbstmord im Stacheldraht“ und „Selektion“. Fotos und Zeichnungen sind durch Stacheldraht getrennt, und ein Blutstropfen drückt die furchtbaren Qualen der KZ-Häftlinge aus. Schließlich beschließt die dritte Strophe des weltbekannten Liedes „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ von Dietrich Bonhoeffer das Deckblatt. „Ich habe jeden einzelnen Buchstaben ausgeschnitten und aufgeklebt“, erklärt Martin Geurts seine mühevolle, aber dankbare Arbeit. WERNER STALDER

 
 
 
Wilma Geurts im Gespräch mit Pfarrer Hermann Scheipers.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wilma Geurts, Pfarrer Hermann Scheipers, Martin Geurts
 
 
 
Titelbild des Gedenkblattes