„Eltener Kreuz im Stiftsmuseum zu sehen“

DSC_7657Unter dieser Überschrift berichtete die Rheinische Post vom 7. Januar 2016 über einen besonderen Gegenstand in der Ausstellung „Fromme Sachen“ im Stiftsmuseum in Xanten.

Link zur RP-ONLINE vom 7. Januar 2016

siehe auch Link zur WAZ vom 6. Januar 2016

 

 

 

Der Niederrhein war Karl Leisner auf beiden Rheinseiten sehr vertraut, obwohl es damals noch kaum Brücken über den Rhein gab. Rechtsrheinisch in Rees geboren, wurde linksrheinisch Kleve seine Heimat. Auch Elten und den Eltenberg kannte er.

Kleve, Donnerstag, 16. März 1939
Nachmittags 14.00 Uhr mit Elektrische [Straßen­bahn] bis Offenberg-Kellen und Griethausen – Spyck – übergesetzt [mit der Fähre über den Rhein] – Elten­berg – im Kurhaus [Hotel Café Restaurant KURHAUS ELTENBERG] Kaffee – […] Blick auf Montfer­land – Emmerich – 20.00 Uhr Kleve.

Rosenkranz@StephanKube_kleinDie Ausstellung „Fromme Sachen“ zeigt eine verborgene, private Seite religiöser Kultur am Niederrhein: Rund 150 religiöse Kultgegenstände aus niederrheinischen Privathäusern – „Fromme Sachen“ – werden in 13 thematischen Installationen in Szene gesetzt. Der Besucher begegnet diesen Inszenierungen inmitten der Sonderausstellung, die bis 28. März 2016 geöffnet ist.

 

Kruzifix@StephanKube_kleinAdobe Photoshop PDF

Edgar Fritsch, seit 21. Januar 2015 Pfarrer em. in Xanten, zum Kreuz in der Ausstellung:

Beitrag zur Ausstellung „Fromme Sachen“ im Stiftsmuseum Xanten Granatensplitterkreuz aus Elten
Das Kreuz
zählt zu den wichtigsten und unverzichtbaren Symbolen des christlichen Glaubens. Es weist auf den hin, der wie ein Verbrecher am Kreuz hingerichtet wurde. Das Ziel der Hinrichtung war nicht nur die totale Vernichtung seiner Person, sondern zugleich seiner Botschaft, für die der Gekreuzigte mit seiner ganzen Existenz gelebt hat.
Unzählige hat das Kreuz im Lauf der fast 2000 jährigen Geschichte des Christentums inspiriert, die grauenhafte Hinrichtung, die bewusst außerhalb der Mauern Jerusalems vollzogen wurde, anschaulich, nachvollziehbar zu gestalten, in allen Stilarten der Kunst bis hin zu fragwürdigen und abartigen Formen.
Jedes Kreuz drückt zugleich aus, was die Menschen der jeweiligen Zeit empfinden. So auch das Kreuz, das Sie vor sich haben. Der Hobby-Künstler Johann Pütman aus Emmerich-Elten schenkte es mir in der Zeit, als ich von 1989 bis 2007 Priester und Seelsorger der Gemeinde St. Martinus war. Die Granatensplitter, die er im Wald des Eltener Berges immer wieder fand, besonders nach starken Regengüssen, brachten ihn auf die Idee, aus den Splittern Kreuze in unterschiedlichen Variationen zu gestalten.
Das Kreuz steht in unmittelbarer Beziehung zum Kreuz von Jerusalem und zum grausamen Krieg von 1939 bis 1945. Kurz vor seinem Ende tobte er am linken Niederrhein in einem Ausmaß, das kaum zu überbieten war, und hinterließ eine Wüste der Vernichtung. Das mit den Splittern vom Eltener Berg gestaltete Kreuz ist mehr als nur ein Erinnerungszeichen. Es ist ein starker Ausdruck des Glaubens, der von dem Unmöglichen überzeugt ist: Im Kreuz Christi verwandelt sich der Hass in Versöhnung, die Feindschaft in Liebe. Hätte es anders eine Zukunft für den Niederrhein, für Europa geben können?
Der Niederrhein 1945 und 2015! Dazwischen liegen Welten. Das gestaltete Kreuz lässt die unbegreifliche, unendliche Barmherzigkeit Gottes spüren, die den Menschen niemals aufgibt. Sie ist stärker als der Hass, mit dem sich Menschen gegenseitig vernichtet und auslöschen. Sie befreit sie von der Entwürdigung, die sie sich menschenverachtend zugefügen. Das Kreuz aus Elten lässt mich staunend fragen: Wie anders kann ich das Wunder der Verwandlung von einem total zerstörten zu einem blühenden Niederrhein in jeder Begreifung begreifen?
Halten Sie sich an dem Kreuz fest! Sagte mir bei der Übergabe der Künstler. Bis heute bin ich dankbar für dieses kostbare Geschenk.

Auch Karl Leisner hätte sicherlich einen Kommentar zu dem Kreuz abgegeben; denn bis ins KZ hinein interessierte ihn, wie es vor allem 1945 im Krieg durch die starke Zerstörung am Niederrhein aussah.

Willi Leisner am Samstag, 17. Februar 1945 aus Berlin an Karl Leisner in Dachau:
Mein lieber Karl!
[…]
Im Westen hat die Gefechtstä­tigkeit erneut einge­setzt und hören wir täglich von den Kämpfen in unse­rer Hei­mat. Wer hätte gedacht, daß der schöne Reichswald, den wir in vielen Fahrten durch­­streift und uns seiner Naturpracht erfreut haben, einmal vom Kriegs­lärm erfüllt würde. Wir wollen uns aber keine unnüt­zen Sorgen um die Unsrigen machen. Wir wissen sie in Gottes Hand und unter Sei­nem mäch­tigen Schutz. Bitten wir jedenfalls, daß sie nicht nochmals wei­ter landein­wärts flüchten müssen.

Karl Leisner am Sonntag, 25. Februar 1945 aus Dachau an seine Familie in Berlin und Nieder­mörmter:

1945 02 25 S 1 4 1945 02 25 S 2 3

Die Postzensurstelle im KZ Dachau hat Stellen des Briefes herausgeschnitten.

Lieber Willi, meine Lieben alle!
Ihr könnt Euch denken, mit welcher Spannung ich auf Nachricht von Berlin [Willi] und Niedermörmter warte nach den schweren Bombenangriffen und den militärischen Ereignissen am Nie­derrhein. Täglich empfehle ich Euch Gottes Vorsehung und dem Schutz Unse­rer Lieben Frau an, und so hoffe ich zuversichtlich auf baldiges gutes Lebens­zeichen von allen.
[…]
Mit Schmerz denke ich manchmal an unsern herrli­chen Reichswald, den jetzt der böse Krieg zer­zaust. Was gäb’ ich dafür, wenn ich mal wie­der so rich­tig durch einen grünen Wald wandern dürfte.

Fotos Stephan Kube