Entdeckte Predigt des KZ-Priesters Eduard Farwer

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Eduard Farwer (* 17.8.1901 in Geseke, † 24.4.1971) – Priesterweihe 24.3.1928 in Pader­born – Er wurde am 20.1.1938 wegen Verstoßes gegen das Heimtückegesetz ver­haftet und kam nach einem Gefängnisaufenthalt am 18.4.1941 ins KZ Dachau. Völlige Entkräftung und Gnadengesuche seiner Geschwister erwirkten ihm vom 12.12.1942 bis zum 25.8.1943 einen Krankenhausaufenthalt im Schwabinger Krankenhaus in München. Nach seiner Ent­lassung wurde er wieder ins KZ gebracht. Er wurde am 29.4.1945 befreit.

 

Beim Aufräumen fand die Küsterin von St. Peter in Huisberden Elisabeth Giesen die Kopie einer Predigt, die vom KZ Dachau handelt und rettete sie vor dem Reißwolf. Über den Pastoralreferenten Walter Blenker gelangte das Dokument ins IKLK-Archiv. Recherchen ließen es dem KZ-Priester Eduard Farwer zuordnen. Der erwähnte Geistliche Rat ist Josef Geoffroy (* 18.2.1879 in Traunstein, † 3.1.1953 – Priesterweihe 29.6.1903 – Pfarrer in Maisach 1931-1948 – 21.2.1943 von Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber ernannt zum Geistlichen Rat).

Stefan Pfannes am 2. September 2015 an Hans-Karl Seeger:
Sehr geehrter Herr Seeger,
als Pfarrarchivar freut es mich immer wieder, wenn Interesse an unseren Beständen besteht. Urlaubsbedingt bin ich allerdings nicht zu einer früheren Antwort gekommen.
Also: Pfarrer Eduard Fawer kam am 11.05.1945 vom KZ Dachau nach Maisach, um Ende 1946 nach München zu übersiedeln. In verschiedenen Predigten sprach er über das Leben im KZ Dachau. Diese Predigten haben sich in Akten des Pfarramtes erhalten. Pfarrer Fawer kam auf Einladung von Pfarrer Joseph Geoffroy. Geoffroy war Pfarrer in Maisach von 1931–1948, Dekan des Dekanats Fürstenfeldbruck 1939–1948 und trug den Titel eines geistlichen Rates. Wann dieser Titel verliehen wurde, kann aus der noch erhaltenen Personalakte im Pfarrarchiv leider nicht beantwortet werden. Pfarrer Geoffroy kam mit dem System ebenfalls in Konflikt und hat nach diesen Erfahrungen kaum noch Unterlagen gesammelt oder Aufzeichnungen gemacht.
Ich hoffe, mit diesen Angaben etwas weitergeholfen zu haben. Für Rückfragen können Sie mir gerne nochmals eine E-Mail schreiben.
Mit freundlichen Grüßen
Stefan Pfannes
Pfarrverbandsarchiv Maisach

Eduard Farwer erwähnt in seiner am 21. Mai 1945 in Maisach in Oberbayern gehaltenen Predigt die Priesterweihe Karl Leisners, nennt aber keine Namen. Vermutlich war das so kurz nach der Befreiung des KZ Dachau noch nicht opportun.

Predigt

Farwer1

 

Im KZ Dachau und auch während seines Aufenthaltes im Schwabinger Krankenhaus hat Eduard Farwer für Karl Leisner gesorgt. Das bezeugen unter anderen Briefe an Pater Otto Pies´ Schwester Hanna Wieland und deren Familie. Eduard Farwer kam auch am 12. August 1945 nach Planegg, um dem verstorbenen Karl Leisner mit weiteren KZ-Priestern die letzte Ehre zu erweisen.

P. Otto Pies SJ aus Dachau, Block 26/3, am Samstag, 5. Juni 1943, an „Meine Lieben“ in Nieder­lahn­stein:
Dagegen wird Tante Seilner [Amalia Leisner] sich freuen, daß von ihrem Jungen [Karl Leisner] günstige Nachricht kommt, und daß für ihn gut ge­sorgt wird[1].[2]

[1]    Fr. Bernhard Gluth SJ aus Pullach am 5.5.1943 an Hanna Wieland in Niederlahn­stein:
Herr F. [Eduard Farwer], den ich gestern sprach, bittet, auch einen Gruß zu bestel­len. Er hat Friedels [Karl Leisners] Anschrift an eine Paketquelle ge­ge­ben. Hoffent­lich mit Erfolg. (Seeger, Hans-Karl / Latzel, Gabriele / Bockholt, Christa, Hgg.: Otto Pies und Karl Leisner. Freundschaft in der Hölle des KZ Dachau, Sprockhövel/Dommershausen 2007: 315 (zit. Seeger/Latzel/Bockholt 2007)
[2]    Seeger/Latzel/Bockholt 2007: 315

P. Otto Pies SJ aus Dachau, Block 26/3, am Mittwoch, 17. Februar 1943, an „Meine Lieben“ in Niederlahn­stein:
Bitte Tante Cleve [Amalia Leisner] sagen, daß mich Spezis [Karl Leis­ners] gute Fortschritte auch sehr froh machen. Hans [P. Otto Pies SJ] schreibt, er sehe blendend aus und fühle sich bei guter Pflege sehr wohl. Also nicht sorgen, wenn er aus guten Gründen nicht schreibt. Lediglich Haus­ord­nung [im KZ oder Krankenrevier[1]]. – Über Hans [P. Otto Pies SJ] hatte man zu gün­stig berichtet. Er ist gesund, kann aber nicht selbst zele­brieren.[2]

[1]    Eine Erklärung für eine Postsperre gab Eduard Farwer im Brief vom 27.2.1943 an Hanna Wieland:
Aus Vor­sichtsgründen ist über ganz D. [das ganze KZ Dachau am 23.12 1942] Quarantäne verhängt worden, d. h. niemand darf herein und niemand heraus. Auch Briefe dürfen nicht her­aus. Wie lange das dau­ern wird, kann man nicht genau sagen. Man muß jedenfalls damit rech­nen, daß es auch län­ger dauern kann. Auf schriftliche Anfragen wird man also vor­läufig keine Antwort bekommen kön­nen. Anders ist es mit telephonischen An­fragen. Ich hörte von jemand, der tele­phonisch an­gefragt hatte. Man hat ihm geantwortet, es bestehe augenblick­lich Briefsperre. Ich möchte raten, wenn die Briefsperre noch länger dauern sollte, nach einiger Zeit auch einmal telepho­nisch anzu­fragen. Dann sieht man auch, daß die Ange­hörigen sich Sorge ma­chen. Sobald ich etwas Neues erfah­ren sollte, teile ich es Ihnen mit (Seeger/Latzel/Bock­holt 2007: 288).
[2]   Seeger/Latzel/Bockholt 2007: 285

P. Otto Pies SJ aus Dachau, Block 30/2, am 15. August 1943 an „Meine Lie­ben“ in Niederlahnstein:
Bitte, liebe Schwester [Hanna Wieland], danke Eduard [Farwer] für seine Grüße und seine Gaben an Hans [P. Otto Pies SJ] und Karl [Leisner]. Es ist gut, daß Du ihn persönlich kennenlerntest.[1]

[1] Seeger/Latzel/Bockholt 2007: 325

Philippina Heilberger am 31. Mai 1944 an Hanna Wieland in Niederlahn­stein:
Ist ja in manchem eine große Änderung in D. [im KZ Dachau] gewesen, da ja auch alle Geistli­chen seit 1.4.[1944] von den Büroarbeiten weg­ka­men. Vor kur­zem erfuhren wir aber, daß Ed. F. [Eduard Farwer] nun doch wieder zu die­sen Arbeiten kommen soll.[1]

[1]   Seeger/Latzel/Bockholt 2007: 370

Eduard Farwer:
Wegen des geschwächten Zustandes las der Primiziant still die hl. Messe. Um so festli­cher sang der Priesterchor unter Leitung von P. Gre­gor Schwake [OSB] (Gerleve) alte und neue Weih­nachtslieder, meist poly­phon. Zum Schluß war feierlicher Primizsegen, und nach einem klei­nen Imbiß ging der Primiziant und ich wieder ins Revier.[1]

[1]  Farwer, Eduard: Priesterweihe im KZ-Lager Dachau, Bigge (Olsberg): Josefs-Druckerei o. J.: 1

Mutter Amalia Leisner:
Sonntag: 5.30 Uhr ruft Schwester [Juvenalis Brandl] mich, ich errei­chte noch das Zimmer[1] und in weni­gen Minuten ver­schied unser lieber Karl.[2] 5.45 Uhr. Nachmit­tags kamen Herr Pfarrer [Friedrich Pfanzelt] von Dachau und P. En­gelbert Rehling [OMI], Pfarrer Waigel [Eugen Weiler] und Far­ber [Eduard Farwer].[3]

[1]  Mutter Leisner und ihre Töchter waren in einem Nebenge­bäude unterge­bracht.
Elisabeth Haas aus Kleve am 7.7.2007 an Hans-Karl Seeger:
Wo Mutter und Maria im Haus schliefen, weiß ich nicht mehr. Paula und ich schliefen auf einem „Matratzenlager“ im Keller.
[2]  Schwester Ingenes Jehle:
Wir Schwestern waren bereits in der Kirche ver­sam­melt zur hl. Messe, als die Mit­teilung kam, eben sei Karl Leisner gestor­ben. Wenn ich mich recht erin­nere, wurde gleich das Ab­laßgebet durch uns Schwestern für ihn ver­rich­tet (Seligsprechungs­prozeß: 1226).
Mutter Amalia Leisner:
Als Karl am 12. August 1945 starb, hat man mich wohl sofort geweckt, ich traf ihn aber nicht mehr lebend. Pater [Otto] Pies [SJ] hat ihm in der letzten Stunde beigestanden (Seligsprechungsprozeß: 147).
[3]  Leisner, Amalia: Notizen vom 9.7.1945ff./II, (Manuskript): 3
Laut Maria Leisner war auch noch Kaplan Adolf Nole­waika anwesend.

 

 

Eduard Farwer

Foto von Peter Dümmeler