Ergänzungen zur Lebens-Chronik zu Karl Leisner VIII

leisner_tagebuecher_MFA_0160mNeben den Untergruppen „Termine“ und „Nachrufe“ in der Rubrik Aktuelles gibt es als weitere Untergruppe „Ergänzungen“. Dort wird vermerkt, was von Lesern der Lebens-Chronik an Ergänzungen bzw. Richtigstellungen eingeht.

Foto Joachim Albrecht / medienflotte.de

 

 

 

Ergänzungen zu Band II, S. 1111 u. 1117:

IKLK-Mitglied Hans Rütten aus Straelen hat Fotos zu Einträgen in der Lebens-Chronik herausgesucht.
Es geht zum einen um Karl Leisners „Krippen-Geschmack“. In Straelen kommt die Krippe sehr schlecht weg, in Wesel um so besser. Zum anderen gibt es ein Bild mit Bezirksjungscharführer Eugen Keuck und Kaplan Paul Wißkirchen inmitten von Jung- und Sturmschärlern sowie Pfadfindern in Straelen.

Karl Leisner in seinem Tagebuch:
29. Dezember 1935, Weihnachtssonntag

Dann geht’s auf Wal­beck zu. Tolle und kühne Gedanken kreisen in mir auf der stürmischen fei­nen Fahrt durch [die] niederrheinische Ebene. In Straelen, am heimattümli­chen Kriegerehrenmal[1], ein wenig in Gebet und Betrach­tung verweilt. Lange­mark steigt auf. Ihr Toten seid Saaten zu neuem Leben.[2] – Wir danken euch. In Straelen – wie in Walbeck [St. Nikolaus] – in der Kirche. Sie ist neu gestrichen – et jeht so [es geht so].[3] – Die Krippe ist reiner Kitsch. (Grotte und Gipsfiguren). – Dann nach Paesmühle, wo ich – als Landstreicher „unseres Herrgotts“ angefahren – ein Essen umsonst er­halte.
[…]

[1]    Das Kriegerehrenmal in Straelen hat eine wechselvolle Geschichte. Am 8.7.1928 wurde ein Kriegergedächtniskreuzweg eingeweiht, der aber im fol­genden Winter erhebliche Frostschäden erlitt. Außerdem befindet sich seit August 1871 auf dem Markt ein Ehrenkreuz auf einem Sockel. Dieses wurde 1932 verschö­nert und am Buß- und Bettag 1932 seiner Bestimmung übergeben, 1945 aber abgerissen. Vermutlich hat Karl Leisner dieses Ehrenmal besucht.

[2]    Karl Leisner dachte an das Zitat von Cyriel Verschaeve:

Hier liggen hun lijken als zaden in ’zand, hoop op de oogst o Vlaanderland [Hier liegen ihre Lei­chen wie Saat im Sand, hoffend auf eine Ernte, o Flan­dernland] (s. Tagebucheintrag 14.8.1935).

[3]    1934 hatte der Kunst- und Kirchenmaler Heinrich Brey die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Straelen ausgemalt.

Paesmühle, Montag, 30. Dezember 1935
Ein echter Jungentag.
[…]
Der Heimabend miß­glückt. Als nachher auch noch Direktor [Max] Hild mit der „erschüttern­den“ Botschaft der abgedrehten Krippenköpfe kommt (die Jun­gens haben vor lauter Mutwillen an eher nix Böses dabei gedacht). … Der lustige Abend bringt so etwas die Stimmung wieder. Die Stunde zur Mitter­nacht draußen wird ganz fein. Nur noch mehr Zucht. Ein Knallen und Toben zur Mitternacht. (Der Krach muß bei den Jungen immer toll und fest „orga­ni­­siert“ sein!)

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Kirche St. Peter und Paul in Straelen zur Zeit Karl Leisners

 

 

 

 

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Krippe in St. Peter und Paul

 

 

 

 

Nach den Exerzitien zum Jahresübergang mit den Duisburger Jungen bei Dr. Ernst Thönnessen[1] in Paes­mühle machte sich Karl Leisner noch in der Neujahrsnacht auf den Weg nach Schloß Raesfeld zu einem Führerkurs.

[1]     Dr. phil. Ernst Thönnessen (* 24.5.1893 in Bislich, † 20.2.1988) – Eintritt ins Collegium Borromaeum in Münster Ostern 1912 – Priesterweihe 29.5.1920 in Münster – Studienrat in Duisburg 1931–1936

Mittwoch, 1. Januar 1936
Feine, gute Fahrt, leicht und schnell in der herrlichen nächtlichen Morgenstille. Büde­rich – Wesel. 6.00 Uhr heilige Messe in der [St.] Mariä Himmelfahrt­kirche [in Wesel], Kaplan [Joseph] Föcking liest die heilige Messe.[1] [Kaplan] Hein Oomen sammelt.[2] Nachher Gespräch mit Pastor [Joseph] Janßen[3] an der Krippe, die ein bayerischer Künstler ganz selten fein gestal­tet hat. Auf Chri­stus hin alles und doch so fein kunstvoll und volksnah. – Gegen 8.00 Uhr in Raes­feld.

[1]    Joseph Föcking (* 15.6.1905, † im Sanitätsdienst 22.8.1944) – Eintritt ins Collegium Borro­­maeum in Münster Ostern 1925 – Priesterweihe 10.8.1930 in Münster – Kaplan in Wesel St. Mariä Himmelfahrt 1934 bis 27.7.1938

[2]    Heinrich (Hein) Oomen (* 21.1.1903 in Kleve, † 3.1.1989) – Eintritt ins Collegium Borro­maeum in Münster Ostern 1924 – Priesterweihe 22.12.1928 in Münster – Kaplan in Ems­detten Herz-Jesu 8.1.1929 bis 30.12.1931 – Kaplan in Wesel St. Mariä Himmelfahrt 30.12.1931 bis 1938 – Pfarrer in Marienthal bei Wesel 22.3.1955 bis 3.1.1989

[3]    Prälat Joseph Janßen (* 27.8.1881 in Goch, † 5.4.1966) – Eintritt ins Collegium Borro­maeum in Münster 1901 – Priesterweihe 17.6.1905 in Mün­ster – Pfarrer in Wesel St. Mariä Himmelfahrt 1926–1960 – Bischöflicher Kommissar für den Niederrhein 1952–1964

Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg existieren nur noch drei Fotos mit folgenden Darstellungen: die Gesamtkrippe, die Flucht nach Ägypten und die Darstellung im Tempel.

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Fotos St. Mariä Himmelfahrt in Wesel

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Kaplan Paul Wißkirchen (* 10.9.1903 in Emmerich am Rhein, † 24.12.1979) kam 1928 als Neupriester nach Straelen. Ab 15.4.1944 war er Kaplan in Kleve St. Mariä Himmelfahrt. Karl Leisner erfuhr davon im KZ Dachau.

 

 

 

Eugen Keuck[1]:
Im Jahre 1931 wurde ich Bezirkssturmscharführer für die Dekanate Geldern und Kevelaer. 1934 lernte ich Karl Leisner kennen, der inzwischen Diözesanjungschar­führer geworden war. Er suchte mich einmal in Straelen auf – soweit ich mich erinnere, war es Ende 1934 – um sich zu erkundigen, wie unsere Fahrt mit der Sturmschar nach Belgien verlaufen sei und wie wir die Organisationsfragen gelöst hätten. Wegen der Schwierigkeiten seitens der nationalsozialistischen Behörden und der Devisengesetzgebung musste man da­mals außerordentlich vorsichtig sein (Seligsprechungsprozeß: 219).

[1]    Eugen Keuck (* 26.6.1909 in Straelen, † 20.11.1985 ebd.) – Buchdrucker – Bezirks­jung­scharführer für die Dekanate Geldern u. Kevelaer 1931 – 1934 lernte er Karl Leisner ken­nen. Im Seligsprechungsprozeß für Karl Leisner hat er 1981 als Zeuge ausgesagt.