Ergänzungen zur Lebens-Chronik zu Karl Leisner XXV

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Neben den Untergruppen „Termine“ und „Nachrufe“ in der Rubrik AKTUELLES gibt es als weitere Untergruppe „Ergänzungen“. Dort wird vermerkt, was von Lesern der Lebens-Chronik an Ergänzungen bzw. Richtigstellungen eingeht.

 

Foto Joachim Albrecht / medienflotte.de

Nicht „Löwe von Münster“, sondern „Löwe von Deutschland“ (Lione della Germania)

Ergänzung zu Band V, S. 3825f.:

Löwe von Münster
Als Bischof von Münster hat Clemens August Graf von Galen gemäß seinem Leitspruch „Nec laudibus nec timore – Weder für Lob noch aus Furcht“ tatkräftig Widerstand gegen das gottlose NS-Regime geleistet.
„Die NS-Führung spürte 1941, daß mit der öffentlichen Anprangerung des Euthanasie-Pro­gramms durch den Bischof von Münster eine tiefe Beunruhigung durch das Volk ging. Das Hitlerregime mußte den Massenmord an Geisteskranken – bisher waren es 70.000 Men­schen – einstellen. Die Frechheit des Bischofs von Münster sollte nach dem Willen vieler aufgebrachter NSDAP-Parteigrößen „unverzüglich durch Todesstrafe“ geahndet werden. Ein Kreisleiter schlug „öffentliches Erhängen des oppositionellen Bischofs auf dem Mark­platz zu Münster“ vor. Aber die Beliebtheit des Bischofs, der in diesen Monaten der Be­drängnis den Beinamen „Löwe von Münster“ erhielt, ließ die oberste NS-Garnitur vor irgendwelchen Aktionen gegen den Bischof zurückschrecken“.

Die Bezeichnung „Löwe von Münster“ ist kaum die Wortschöpfung eines Münsteraners, sondern italienischen Ursprungs, wie aus dem Fahrtenbericht über die Romfahrt 1936 von Max Terhorst hervorgeht:
Nach der Frage, aus wel­cher Di­özese wir kämen, waren wir überrascht, wie genau der Papst über die Diözese Münster Bescheid wußte. Voller Hochachtung und Bewunde­rung sprach er von Clemens August Graf von Galen, der seit 1933 unser Bischof war. Hier hörte ich zum ersten Male aus dem Munde des Papstes jenen Ehrentitel „Der Löwe von Münster“, der so oft in spä­teren Jahren unserm hochverehrten Bi­schof bei­gelegt wurde.

Josef Pieper:
Und natürlich hat ihn auch niemand den „Löwen von Münster“ genannt. Wer sollte das denn wohl tun? Etwa die Münsterländer? Nicht von weitem kommen uns solche heroi­schen Wortprägungen in den Sinn, geschweige denn auf die Zunge (Pieper 1979: 104).
Die Münsteraner erfuhren durch Josef Kardinal Frings, der wie Clemens August Graf von Galen am 18.2.1946 zum Kardinal erhoben worden war, in dessen Trauerpredigt für Kar­di­nal von Galen am 28.3.1946, dieser sei der Star der neuen Kardinäle gewesen, denn er habe von den begeisterten Römern den Titel „Il leone di Munster – Der Löwe von Mün­ster“ er­halten (s. Trauerpredigt Frings in: Löffler 1996 Bd. II: 1335–1338 u. Wolf, Hu. 2006: 144).

Joachim Kuropka aus Vechta am 7.3.2011 an Hans-Karl Seeger:
Josef Pieper hat ja behauptet, der Ehrentitel sei erst nach dem Krieg entstanden. Immerhin habe ich einen Beleg aus Schlesien ( ! ) gefunden, wo er 1942 vom Volks­mund so tituliert wurde. Der Beleg von 1936, den Sie mir mitteilen, bestätigt eben, daß Galen schon seit 1934 über Deutschland hinaus bekannt war und – nicht zuletzt in (be­kennenden) evangelischen Kreisen – wegen seiner deutlichen Worte bewundert wurde.
Die Tagebücher von Heinrich Portmann belegen den Zuruf „Lione della Germania“ – „Löwe von Deutschland“.

Heinrich Portmann[1]:

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[1]    PTb VI – Nr. 329 – siehe: Heinrich Portmann – Die Tagebücher des Sekretärs von Bischof Clemens August Graf von Galen – 23. Dezember 1945 bis 12. Juni 1946: Kardinalserhebung, Empfang und Tod – bearbeitet von Ingrid Lueb – Münster (dialogverlag) 2016: 20 (ohne Fußnoten)

Kommentar[1]

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[1]    ebd. S. 20

Einleitung zum Buch[1]

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[1]    ebd. S. XVII

siehe auch Aktuelles vom 9. Mai 2016