Erinnerungen von Karl Leisner an Menzelen-West

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Unter obiger Überschrift bringt die Menzelener-Dorfchronik „Menzelen, einst – Knotenpunkt bedeutender Bahnlinien“ auf den Seiten 29f. Tagebuchauszüge von Karl Leisner mit Bezug zum Bahnhof West in Menzelen.

 

 

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Vor dem Zweiten Weltkrieg besaß Menzelen fünf Bahnhöfe: Menzelen-West, Menzelen-Ost, Menzelen-Ginderich, Birten, das auf Menzelener Gebiet lag und einen Güterbahnhof.
Drei Bahnlinien führten durch das Gemeindegebiet: Venlo – Wesel (1874), Boxtel – Büderich (1878) und Rheinhausen – Kleve (1904).

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Menzelener-Dorfchronik: 3

In dem Artikel in der Menzelener-Dorfchronik wird Karl Leisners Begegnung mit dem Bahnhof Menzelen-West erwähnt. Das älteste von Karl Leisner erhaltene Schriftstück ist ein Schulaufsatz mit dem Titel „Unser Ferienausflug“. Darin findet der Bahnhof Menzelen-Birten Erwähnung. Dort steigt Karl Leisner mit seinem Vater und seinem Bruder Willi in die Boxteler Bahn und fährt über Menzelen-Ginderich nach Wesel.

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Mittwoch, 26. Mai 1926
Unser Ferienausflug.[1]
Am Mittwoch fuhren Papa, mein Bruder Willi und ich mit dem Zuge 4.38 Uhr nach Calcar.[2] Von dort aus gingen wir über Marien­baum nach Xan­ten. Un­terwegs haben wir die Teufelsschlucht in Calcar und die Wallfahrtskirche [St. Mariä Himmelfahrt] in Marienbaum, wo ein Pater pre­digte, gesehen. Als wir in Xanten waren, sahen wir das alte Clever­tor. Nun gingen wir zum Dom.
[…]
Nun wurde es die höchste Zeit, daß wir zum Bahnhof gingen. Zum Glück hatten wir unsern Mantel bei Rennings liegen lassen, sonst hätten wir den Zug nicht mehr erreicht, denn es kamen zwei von Rennings und brachten den Mantel, und wir fuhren mit den Rädern von Ren­nings schnell zum Bahn­hof Bir­ten, und stiegen dort in den Zug [über Menzelen-Ginderich – Büderich] nach Wesel.
[…]
Dann gings [auf der Rückfahrt vom Duisburg-Ruhrorter-Hafen] in ei­nem durch bis Xanten. Dort gingen wir zum Bahn­hof Xanten-West.[3] Von dort aus fuhren wir über [Labbeck – Uede­merbruch – Uedemerfeld –] Uedem – Goch [Pfalz­dorf – Bedburg-Hau] nach Cleve.[4] Kurz bei Uedem sahen wir einen Goldfasan. Zu Hause an­gekommen, bereitete Mama uns ein gutes Es­sen. Das war meine Ferien­reise.
Karl Leis­ner

[1]    Wie früher in der Schule üblich, war nach den Ferien ein Be­richt über ein Ferien­er­lebnis fällig. Karl Leisner bekam für seinen Auf­satz folgende Noten: Urteil 2+ Schrift 1.

[2]    Die Bahnstrecke Kleve – Qualburg – Hasselt – Till-Moyland – Kalkar – Appel­dorn – Marienbaum – Wardt – Xanten – Winnenthal – Menzelen-West – Alpen – Millingen – Rheinberg wurde in den 1980er Jahren stillgelegt. Inzwischen besteht seit 2009 erneut ein Teilstück der alten Strecke durch­­gehend von Xanten über Rheinberg nach Duisburg Hbf., im Stun­dentakt befahren von der Nord-West-Bahn unter Aufgabe vieler alter Bahnhöfe und Haltestellen.

[3]    Der Bahnhof Xanten-West existiert nicht mehr. Nur noch das Straßenschild „Box­teler-Straße“ erinnert an die ehemalige Bahnstrecke Boxtel–Wesel der soge­nannten Boxteler-Bahn.

[4]    In Goch mußte man umsteigen. Ab Inbetriebnahme der Strecke Krefeld – Kleve am 5.3.1863 gab es dort drei Bahn­höfe. Die Strecke Xanten-West – Goch gibt es nicht mehr.

Weitere Tagebucheinträge zu Menzelen

Freitag, 23. August 1929
Um 12.08 Uhr fuhr unser Zug nach Haltern! – Dort Auf­enthalt und mit noch einigen Butter­brote ge­schmiert. – Von hier brachte uns das „Zügle“ nach Wesel.[1] – […] Nun gings flott in den „Boxteler“ Zug, der uns bis Goch brachte. Hier stiegen wir in den Zug nach Kleve, wo wir gegen 17.15 Uhr anka­men.

[1]     Damals gab es eine Bahnlinie Wesel–Haltern. Heute gibt es noch eine Muse­ums­­ei­senbahn von Wesel nach Drevenack.

Münster, Sonntag, 6. Mai 1934
Gestern kam ich um 17.30 Uhr mit dem D-Zug in Münster an.[1]

[1]    Karl Leisner war von Kleve vermutlich über Xanten-West, Menzelen-West, Wesel und Haltern nach Münster gefahren.

Freitag, 18. Mai 1934
In Wesel steigen wir um nach Menze­len-West. [… in Kleve] wo ich merke, daß ich darob in Men­zelen-West meinen Mantel habe hängen lassen. Zum Stations­vorsteher – Tele­fonge­spräch nach einigem Warten – Verlustanzeige und nach einem Tag war er wieder da: Gebühren 1,20 RM!

Freitag, 21. Juni 1935
Abgehauen [von Kleve] am Freitag [21.6.] 19.35 Uhr über Menzelen. 23.06 Uhr in Münster.[1]

[1]    Vermutlich benutzte Karl Leisner die gleiche Strecke wie am 6. Mai 1934.

Mittwoch, 22. Dezember 1937
Ich trampe nach Hause. Ich hab’s nötig, ich muß nach draußen an die fri­sche Winterluft, zur Natur. Ich halt’s nicht mehr aus.
[…]
Mit Taxe bis Appelhülsen. Gleich weiter mit 6c-Wanderer [der Wan­derer-Werke-AG Chemnitz] mit Herrn Schulz – Münster – Pfund’s Coll. [collo­quium – Gespräch]
[…]
In Haltern kurzen Weihnachtsgruß bei Welm H. – Er selbst nicht da. – Weiter! Kein Auto kommt. Bis kurz vor Wul­fen durch die herrliche Winterwelt getippelt.
Tüchtig ausgeschritten[, insge­samt 35 km].
[…]
Nach gut einer Stunde Auto bis Wulfen. Ein­einhalb Stunden gewartet.
Weiter! […]  Ich tipple aus Schermbeck raus hinein in das Stockfinstre; dort holte ich mir für drei Gro­schen Feigen. Ich hatte mächtig Hunger. In Drevenack auf den Zug [nach Wesel]. – Warten im Wartesaal. […] 20.15 Uhr endlich ab Wesel [vermutlich über Menz­elen-West nach Kleve]. Es zieht mich heim­wärts. – 21.30 Uhr zu Haus’.

Montag, 2. Januar 1939
13.14 Uhr ab Kleve. Willi, Elisabeth und Paula [Leisner] waren mit an der Bahn. Frau [Anna] Nielen und [Sohn] Erwin fahren [über Qualburg – Hasselt – Till-Moyland] bis Kalkar mit. Jupp K. [Ker­sten] ab „Kolbörg“ [Qualburg über Menzelen-West – Wesel – Hal­tern] bis Münster. […] In Haltern ein gutes „Bauern­butterram“ [Bauernbutterbrot]. – 18.00 Uhr im [Priester-]Seminar.

Montag, 6. März 1939
In die Heimat! Von Wesel bis Goch [mit der Boxteler-Bahn]: Brevier.

Dienstag, 21. März 1939
13.06 Uhr Kleve ab [nach Münster [mit der Boxteler-Bahn]! (Herr [Hein­rich] und Frau [Therese] Ysermann bis Goch) – 13.37 Uhr [in Goch] weiter (Non – [bis] Komplet gebetet). Im Zug Matutin. Heiß. – Wesel/Nieder­rhein [über Haltern bis Münster]