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Karl Leisners Firmung Mittwoch, 20. Juli 1927 Karl und Willi Leisner empfingen das Sakrament der Firmung durch Bischof Dr. Johannes Poggenburg in der Stiftskirche St. Mariä Himmelfahrt in Kleve. Dieses Datum stimmt nicht mit den Eintragungen in noch vorhandenen Kirchenbüchern überein. Im Taufbuch der Pfarrgemeinde Rees ist die Firmung Karl Leisners für den 22. Juli 1927 in Kleve eingetragen[1] und im Taufbuch der Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena ist die Firmung Willi Leisners ebenfalls für den 22. Juli 1927 in Kleve eingetragen.[2] Zu dem Datum war eine Firmung in Kleve in der Unterstadtkirche Mariä Empfängnis. Mutter Amalia Leisner hat im Seligsprechungsprozeß beeidet, Karl sei am 20. Juli 1927 in Kleve in der Stiftskirche von Bischof Johannes Poggenburg gefirmt worden.[3] René Lejeune nennt in seinem Buch über Karl Leisner als Firmdatum ebenfalls den 20. Juli 1927.[4] Josef Perau, der für den Seligsprechungsprozeß die Lebensbeschreibung verfaßt hat, gibt als Firmdatum den 22. Juli 1927 in der Stiftskirche an.[5] Pater Josef Vermeegen, ein Schulkamerad von Karl Leisner, hatte bisher als Firmdatum den 22. Juli 1927 in der Unterstadtkirche angenommen, da auch er selbst dort gefirmt worden war. Pater Josef Vermeegen am 5. Februar 1997 an Hans-Karl Seeger: Wir hatten als Gymnasialgemeinschaft gemeinsam unseren Firmunterricht, wurden auch als Gymnasialgemeinschaft am 22. Juli (Fest der heiligen Maria Magdalena, der Patronin der Pfarrkirche Goch) von Bischof Dr. Johannes Poggenburg gefirmt und der Studiendirektor Dr. Bast war unser Firmpate. Die Firmbücher der Unterstadtkirche sind noch vorhanden, die Angaben von Pater Josef Vermeegen stimmen mit den Eintragungen überein, und in der langen Liste der 466 Firmlinge sind die Name „Karl Leisner“ und „Willi Leisner“ eingetragen. Da im Krieg entsprechende Unterlagen sowohl im Archiv der Stiftskirche als auch im Generalvikariat in Münster zerstört wurden, läßt sich nicht eindeutig feststellen, ob Bischof Johannes Poggenburg am 20. Juli 1927 in der Stiftskirche in Kleve gefirmt hat. Im Stadtarchiv Kleve gibt es auch keine Zeitung von 1927, in der sich gegebenenfalls ein Bericht über eine Firmung am 20. Juli 1927 in der Stiftskirche befindet. Wohl aber gibt es im Stadtarchiv eine Stadtchronik des Bürgermeisters Dr. Heinrich Wulff von 1927, in der dieser in einem Nachtrag vermerkt hat, Bischof Dr. Johannes Poggenburg sei am 19. Juli 1927 zur Firmung nach Kleve gekommen. Neben dem Hinweis des Bürgermeisters von Kleve in der Stadtchronik befindet sich im Fotoalbum von Walter Vinnenberg ein Foto mit der Unterschrift: In Erwartung des Bischofs – 19. Juli 1927. Der Bischof kann also durchaus am 20. Juli in der Stiftskirche gefirmt haben. Dort war Jakob Küppers aus Goch – woher auch Karl Leisners Eltern stammten – schon von 1899 bis 1909 Kaplan gewesen, bevor er dort 1918 Pfarrer wurde. 1921 zog Familie Wilhelm Leisner von Rees nach Kleve in diese Pfarrei. Wahrscheinlich bestand bereits seit damals ein persönlicher Kontakt. Es ist also durchaus denkbar, daß Karl Leisner auf Grund dessen in der Heimatpfarrkirche gefirmt werden konnte. Es liegt aber auch die Vermutung nahe, daß er selbst die Initiative ergriffen hat, ein für die 1920er Jahre sehr beachtliches Unternehmen, von dem selbst die Bürokratie offensichtlich überfordert war; denn augenscheinlich gab sie den Namen Karl Leisners aus den Klassenlisten weiter für das Taufbuch in Rees. In den Firmlisten der Unterstadtkirche ist auch Willi Leisner, der Bruder von Karl Leisner, verzeichnet. Willi Leisner weiß aber, daß er mit seinem Bruder Karl in der Stiftskirche gefirmt wurde. Die Predigt des Bischofs habe den Leitgedanken gehabt: „Contra torrentem – Gegen den Strom!“, wobei der Bischof das „r“ sehr rollend ausgesprochen habe. Willi Leisners Firmbildchen trägt als Firmdatum den 22. Juli 1927 und als Ort die Unterstadtkirche. Warum sie in der Stiftskirche gefirmt wurden, kann Willi Leisner nicht mehr sagen. Er weiß noch, daß sie als Gymnasiasten die Schülergottesdienste in der Unterstadtkirche hatten. Pater Josef Vermeegen am 5. Februar 1997 an Hans-Karl Seeger: Ich könnte mir allerdings gut denken, wie Mutter Leisner zu ihrem Datum kommt: Damals kam der Bischof nur alle fünf Jahre in unserem Dekanat zur Firmung. Vielleicht hat der Bischof am 20. Juli 1927 in der Stiftskirche und am 22. Juli 1927 in der Unterstadtkirche gefirmt. – Es wäre für mich nicht überraschend, wenn K. L. auf Grund seiner personalen und lokalen Bindung an seine geliebte „Stiftskirche“ in unserer Gymnasialgemeinschaft „ausgeschert“ wäre, um in der Stiftskirche gefirmt zu werden. Es ist interessant, daß Karl Leisner 1934, einem Notizzettel zu Folge – wo er allerdings mit 1926 das falsche Datum notierte –, als er sich im Collegium Borromaeum in Münster zum Theologiestudium anmeldete, ein Firmzeugnis bei dem Pfarrer der Unterstadtkirche St. Mariä Empfängnis, Paul Hellraeth, abholte, wo er auch hätte gefirmt werden sollen und wo es auch in den Büchern steht, obwohl er wissen mußte, daß er in der Stiftskirche gefirmt worden war.
[1] Siehe: Rundbrief des IKLK Nr. 34, S. 59. [2] Siehe: Brief des Bistumsarchiv vom 2.10.2009 an Hans-Karl Seeger. [3] Seligsprechungsprozeß (ital. Übersetzung), S. 601f. Im Protokoll in deutscher Sprache steht als Datum der 22. Juli 1927. Siehe: Seligsprechungsprozeß, S. 140. [4] Lejeune, S. 292. Das Datum wird er von Mutter Leisner erfahren haben, mit der ausführlich über Karl Leisners Leben gesprochen hat. [5] Perau, S. 8. |