Grenzen der Menschheit

GoetheTagore

Johann Wolfgang von Goethe (* 28.8.1749 in Frankfurt/M., † 22.3.1832 in Weimar) – Dichter
Rabindranath Tagore (* 7.5.1861 in Kalkutta, † 7.8.1941 ebd.) – Dichter, Philosoph, Maler, Komponist und Musiker
Fotos Wikipedia

Sonntag, 28. Februar 1937
Karl Leisners Geburtstag
[…]
Am 23. Geburtstag[1]
[…]
„Denn mit Göttern soll sich nicht messen irgendein Mensch.
Hebt er sich aufwärts und berührt mit dem Scheitel die Sterne,
nirgends haften dann die unsichern Sohlen.Und mit ihm spielen Wolken und Winde.“ ([
Johann Wolfgang von] Goethe – aus „Prometheus“).

[1]    Karl Leisner zählt den Tag der Geburt als ersten Geburtstag.

Das vollständige Gedicht:

Grenzen der Menschheit
Wenn der uralte / Heilige Vater / Mit gelassener Hand / Aus rollenden Wolken
Segnende Blitze / Über die Erde sät, / Küß ich den letzten / Saum seines Kleides,
Kindliche Schauer / Treu in der Brust.
Denn mit Göttern / Soll sich nicht messen / Irgendein Mensch. / Hebt er sich aufwärts
Und berührt / Mit dem Scheitel die Sterne, / Nirgends haften dann / Die unsichern Sohlen,
Und mit ihm spielen / Wolken und Winde.
Steht er mit festen, / Markigen Knochen / Auf der wohlgegründeten, / Dauernden Erde,
Reicht er nicht auf, / Nur mit der Eiche / Oder der Rebe / Sich zu vergleichen.
Was unterscheidet / Götter von Menschen? / Daß viele Wellen / Vor jenen wandeln,
Ein ewiger Strom: / Uns hebt die Welle, / Verschlingt die Welle, / Und wir versinken.
Ein kleiner Ring / Begrenzt unser Leben, / Und viele Geschlechter / Reihen sich dauernd
An ihres Daseins / Unendliche Kette.

Anhand der vier von Karl Leisner in die Bücherlese übertragenen Verse aus Johann Wolfgang von Goethes „Prometheus“ vergleicht Martin Kämpchen in seinem Artikel „Schätze des Himmels irdisch“ in Christ in der Gegenwart Nr. 48/2011 in den Abschnitten „Am fernsten Fenster der Welt“ und „Endlich unendlich“ die Dichter Rabindranath Tagore und Johann Wolfgang von Goethe in Bezug auf die unterschiedliche Erfahrung des Göttlichen im Westen und im Osten. Der diesbezügliche Text beginnt mit dem zweiten Absatz des Abschnittes „Am fernsten Fenster der Welt“ und dem von Rabindranath Tagore im Todesjahr 1941 verfaßten Abschiedsgedicht „Allein sitze ich am fernsten Fenster der Welt…“

siehe Link zu Christ in der Gegenwart

Was hätte Karl Leisner wohl empfunden, wenn er das im Artikel von Martin Kämpchen zitierte 1941 geschriebene Abschiedsgedicht von Rabindranath Tagore gekannt hätte?