Heil bei Karl Leisner (6)

„Heil“ im Sinne von „ganz“

Das Adjektiv „heil“ bringt die ursprüngliche Aussage des Substantives „Heil“ im Sinne von „ganz“ und „vollständig“ zum Ausdruck.

 

 

 

Karl Leisner aus Kleve am Samstag, 21. Februar 1931, an Walter Vinnenberg in Münster:
Sonst bin ich sehr gesund und munter! Nur war ich diesen Winter sehr oft erkältet. Hiergegen bin ich mich so etwas durch allabendliche Atem- und Frei­übungen am Abhärten. Dann wackelt das ganze Haus, wenn ich auf mei­ner Bude „herumtolle“, so daß Rud [Retzlaff] – nebenan, – mich manch­mal fragt, ob alles auf meiner Bude noch heil sei.

Mittwoch, 24. August 1932
In frischer Fahrt geht’s (bergab ein wenig) los. Der Seeblick hält uns in Bann. Willi ist vorne. Alfred [Stecken] sagt: „Vorsicht, ich über­hol’ dich!“ Willi weicht zu weit nach rechts aus, streift mit der Pedale den harten Fels, verliert die Gewalt übers Rad und saust in der schnellen Fahrt jäh und fest auf die harte Betondecke der Straße mit der linken Schädel­hälfte. Unsere Bremsen knirschen.
Alles nur das Werk einiger Sekunden. – Willis Rad noch heil.

Kleve, Montag, 12. Februar 1934, Rosenmontag
Bei Seneca las ich folgenden feinen Satz in einem Brief an Luzilius:
Accipe et quidem utilem ac salutarem, quam te affigere animo volo: „Aliquis vir bonus nobis diligendus est ac semper ante oculos habendus, ut sic tamquam illo spectante vivamus et omnia tamquam illo vidente facia­mus.“
[Vernimm einen nützlichen und heilsamen Rat, den du deinem Herzen einprägen sollst: „Einen Mann von Wert müssen wir hochachten und uns stets vor Augen halten, damit wir so, als schaue er uns zu, leben und alles, als sähe er es, tun.“]

Kleve, Samstag, 17. Februar 1934
„Ja, ja, Herr, doch ich glaube an Dich!“ – und bete beschei­den bittend: „Herr! Vermehre meinen Glauben!“ [vgl. Mk 9,24 par] „Es mögen Tau­sende zu deiner Linken fallen, Zehntausende zu deiner Rech­ten, dich wird das Unheil nicht ereilen!“ Psalm 90 [Ps 90/91,7] (aus der Kom­plet).

Karl Leisner aus Kleve am 11. April 1934 an Walter Vinnenberg in Münster:
Dann freut mich noch ganz besonders, daß Theo D. [Derksen] wieder im Verein, ja sogar in der Sturmschar – eventuell als Gruppenführer – mitma­chen will. Du wirst das Deine auch wohl dazu getan haben. Das ist auch – mei­ner An­sicht nach – die beste „Heilung“ für Theo, der sonst „verkrampft“ in Un­möglich­keiten jeder Art und allzusehr nur „Philosoph“ und Theoretiker wird und vorläufig noch ist.

Münster, Mittwoch, 27. Juni 1934, Johannesoktav
20.00 bis 20.15 Uhr Rumsu­chen im „Großen Herder“ – „Erzie­hung“ – „Heils-“. Es ist eine feine, demü­tige Kunst der Behandlung junger (oder auch alter) Menschen zu einem vorschwebenden Ideal.

Karl Leisner aus Münster am 18. November 1937 an Elisabeth Ruby in Frei­burg/Br.:
Es ist da so eine Zeit der Unklarheit, des Sehnens und bangen Wartens – so ein heiliger Advent der Seele möchte ich sagen – oft sehr heilsam und voll heilig­ster Freude und tiefstem Erleben. Ich helfe Dir bei Deiner Entschei­dung wie Du mir bei der meinen, durch Christus.

Samstag, 15. Januar 1938
Es gibt einen Predigtentwurf von Karl Leisner zum Evangelium Joh 2,111 zum 2. Sonntag nach Erscheinung.
Mit dem göttli­chen Leben hat er ja nicht nur die Kraft dazu ver­loren, es ist auch finster in und um ihn geworden. Wo soll er sie ansetzen, in welche Richtung sich durchkämpfen und diesem Kreis des Unheils ent­fliehen.
[…]
Kehr Dich zu uns, Gott, und schenk uns wieder Leben. Erzeig uns Deine Huld und schenk uns Dein Heil (Ps 84 [85,7f]). Erwecke Deine Macht und komme uns zu retten (Ps 79 [80,3]).
[…]
Er [Jesus] schreitet durch die frucht­baren Korn­felder und segnet sie und steigt in die Wein­berge, fährt mit dem Schiff über den See, stillt den Sturm und predigt vom Ufer aus dem Volke das Heil, geht in die Städte, reitet auf einem Esels­füllen in Jerusalem ein, lehrt die Gesetzes­­­lehrer im Tempel, daß sie staunend ausrufen: „Woher hat er diese Weisheit und Wunder­kraft?“ (Mt 13,54)
[…]
Jubelt Gott unserem Heil, jubelt Gott ihr Lande all, jubelt Gott, lobsinget seinem Namen.

Karl Leisner Ende Februar/Anfang März 1944 an Hermann Richarz und Hermann Dümig im KZ Dachau:
Habe mir die beste Mühe gegeben, die Bußwoche mitzuleben. Bekam von oben noch eine Portion „Nachschlag“ durch eine gemeine Denunzierung eines „Kameraden“, dem ich etwas besorgt hatte. War aber weiter nicht wild, nur etwas ärgerlich und deshalb heilsam.

Karl Leisner aus Dachau am Sonntag, 22. Oktober 1944, an Mutter Elisabeth Ruby in Freiburg/ Br.:
Aus gan­zem Her­zen wünsche ich Ihnen und Karl [Ruby] und Elisabeth [Ruby] zum Na­mens­fest Gottes Segen, Heil und Schutz.