Jüngste Familie Freiherr von Vogelsang nicht mehr im „Gotha“

Gotha_neuDie Gothaischen Genealogischen Taschenbücher des Adels sind das bekannteste und bedeutendste Adelsreihenwerk. Der Druck wurde 1944 eingestellt. 1945 wurde das Reihenwerk „Genealogisches Handbuch des Adels“ genannt. 2015 erschien eine neue Auflage.

Carl Freiherr von Vogelsang war für Karl Leisner in seiner Jugend ein wichtiger Begleiter.

Vogelsang_FotoCarl Miguel Ludwig Berta Maria Veronika Freiherr von Vogelsang (* 1.7.1900 in Bad Wörishofen, † 4.4.1977 in Lübeck) – auf Grund des Todes der Mutter Erziehung durch Tanten in Rattenberg bei Hall in Tirol/A – später Aufenthalt in Kleve bei Familie Wilhelm Wint­huis, Verwandten mütterlicherseits – Lehre als Buchhändler mit Ge­sel­lenprüfung 15.1.1921 bis 11.6.1926 – Ende seines Aufenthaltes in Kleve – Vertreter des Jungkreuzbundes im Bundesausschuß des Kreuz­bundes 1927 – Aufenthalt in Köln 1929 – Von 1933–1938 lebte er in Liechtenstein. Bis dahin hatte er seinen Adelstitel nicht kundgetan.

Hans-Karl Seeger:
Geschichte einer Recherche
In den Unterlagen von Karl Leisner tauchte immer wieder der Namen Carl von Vogelsang auf. Da mir in Kleve niemand über diese Person Auskunft geben konnte, wandte ich mich an die Tageszeitung Rheinische Post. Diese veröffentlichte am 19. August 1999 folgenden Text:

RP

Es gab keine weiterführenden Reaktionen auf den Artikel.

Als ich im Urlaub 2000 meinen Freunden in Bayern von der schwierigen Personenfindung erzählte, meinte der Volkskundler Paul Ernst Rattelmüller, das „von“ im Namen des Gesuchten lege nahe, in der Bayerischen Staatsbibliothek in München im „Gotha“ nachzuschauen. Aus meinen Außensemestern 1960/1961 war mir der Ort sehr vertraut; denn als Theologiestudent hatte ich oft dort gesessen und an meiner Wissenschaftlichen Arbeit geschrieben.
So fuhr ich von meinem Urlaubsort Leutstetten bei Starnberg nach München. In der Bayerischen Staatsbibliothek fragte ich nach dem „Gotha“. Viele kleine Bände füllten das Regal, und so wurde ich schließlich fündig.

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Ich entdeckte, daß der gesuchte Carl von Vogelsang tatsächlich ein Adeliger war, seinen Titel in Kleve aber nie hatte durchblicken lassen. Da seine Söhne in Lübeck geboren waren, hatte ich Hoffnung, mehr zu erfahren. Ich begab mich zur Post am Hauptbahnhof, wo ich alle Telefonbücher von Deutschland vermutete und in einem tatsächlich die Rufnummer eines Karl Freiherr von Vogelsang fand. Ich hatte Glück; denn er meldete sich direkt persönlich am Telefon. Nachdem ich ihm erzählt hatte, was ich über Carl von Vogelsang wußte, fragte er erstaunt: „Woher wissen Sie das alles, das war mein Vater!“
Dann gab es einen intensiven Austausch, in den auch der für die Familieforschung zuständige Bruder Henning Freiherr von Vogelsang einbezogen wurde.
Als ich in der F.A.Z. vom 25. Juni 2015 von einer Neuauflage des „Gotha“ las, wollte ich wissen, ob die heutige Familie von Vogelsang in der Neuauflage aufgeführt ist. Die Frage richtete ich an Karl Freiherr von Vogelsang.

Link zur F.A.Z. vom 25. Juni 2015

Antwort von Karl Freiherr von Vogelsang:
Sehr geehrter Herr Pfarrer,
nach Rücksprache mit meinem Bruder [Henning] – er ist für die Familienforschung „zuständig“ – verhält es sich so, daß der Eintrag nicht mehr auf dem Laufenden ist. Der Eintrag ist mit einem unverhältnismässigen finanziellen Aufwand verbunden. Schon bei der vorletzten Ausgabe, wurde der Ahnennachweis bis zum Urgrossvater angefordert.
Es ist also wieder einmal nicht zu dem von Ihnen erhofften Erfolg gekommen; was wir sehr bedauern.
Trotzdem weiterhin viel Erfolg für Ihre Arbeit und eine gute Zeit.
Mit freundlichen Grüssen,
Karl v. Vogelsang

Nachdem mir die Identität des Karl von Vogelsang als Freiherr klar war, ergaben sich Antworten auf viele Fragen, z. B. auf die, was ihn nach Kleve verschlagen hatte. Der Aufenthalt bei Familie Wilhelm Wint­huis hatte damit zu tun, daß diese Verwandte mütterlicherseits waren. Frau Anna Winthuis war eine geborene Waibel und die Schwester von Veronika Waibel, die bei der Geburt von Karl von Vogelsang am 1. Juli 1900 in Bad Wörishofen gestorben war.

Winthuis, Familie
1.
Generation:
Eheleute Wilhelm Winthuis (* 21.10.1871 in Kleve, † 9.11.1956 ebd.) (Buchhändler) u. Anna Winthuis, geb. Waibel (* ?, † 12.6.1933) – Heirat 27.5.1902 – kleine Buchhandlung in Kleve, Römerstr. 8, in der Nähe des Gymnasiums
2. Generation:
Maria Winthuis (* 14.3.1903 in Kleve, † 28.10.1987 ebd.) – Kleve, Römerstr. 8 – Buch­händlerin

Meine Kusine in Bad Wörishofen besorgte mir die Geburtsurkunde von Carl von Vogelsang.

GeburtsurkundeNr. 33.
Wörishofen am 2. Juli 1900
Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der Persönlichkeit nach bekannt, Ludwig Emmanuel Freiherr von Vogelsang, wohnhaft zu Wörishofen HsNr. 1⅓, katholischer Religion, und zeigte an, daß von der Veronika von Vogelsang, geborene Waibel, seiner Ehefrau, katholischer Religion, wohnhaft bei ihm zu Wörishofen in seiner Wohnung am ersten Juli des Jahres Eintausendneunhundert und nachmittags um zwölfeinhalb Uhr ein Kind männlichen Geschlechts geboren worden sei, welches den Vornamen Karl Ludwig Veronika Michael Maria erhalten habe.
Vorgelesen, genehmigt unterschrieben
Freyherr Ludwig C. v. Vogelsang

Bei den Recherchen zu Karl Leisner ergaben sich auch Zufallsfunde. So entdeckte ich in dem „Gruppenbuch“ einer Mädchengruppe noch fünf erhaltene Seiten eines Originaltextes von Carl Freiherr von Vogelsang.

Gruppenbuch

Gruppenbuch

 

siehe auch Rundbrief des IKLK Nr. 47 – Februar 2003: Carl von Vogelsang