Karl Leisner im Ersten Weltkrieg II

2014_08_02_Mutter_Karl

Amalia und Karl Leisner

Mutter Amalia Leisner war schwanger, als der Erste Weltkrieg begann. Als Karl Leisner am 28. Februar 1915 in Rees geboren wurde, war Vater Wilhelm Leisner im Krieg. Damals ahnte er noch nicht, wie der Krieg verlaufen würde.

 

Sonntag, 28. Februar 1915
Geburt Karl Leisners um 9.00 Uhr in Rees, Bahn­hofstraße 5.

2014_08_02_Gebrutshaus

 

 

Geburtshaus Karl Leisners

 

 

Vermutlich hatte Mutter Amalia Leisner noch nicht viele Bekannte in Rees, denn die Hebamme Hendrina Pastoors meldete Karl Leisners Geburt am 5. März 1915 beim Standesamt Rees an.

2014_08_02_Urkunde

 

 

 

Geburtseintrag beim Standesamt in Rees

 

 

 

2014_08_02_Kirche

 

 

 

Taufkirche St. Mariä Himmelfahrt in Rees

 

 

 

2014_08_02_Taufbuch

 

 

 

Eintrag ins Taufregister

 

Mittwoch, 3. März 1915
Taufe des neuen Erdenbürgers in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt in Rees auf die Namen Karl Friedrich Wilhelm Maria. Der Taufeintrag ins Stamm­buch von Familie Wilhelm Leisner ist von Kaplan Johannes Har­mes unter­schrieben.[1]
Karl war der Name von Karl Leisners verstorbenem Großvater väter­li­cher­seits, Bahn­meister in Goch. Friedrich Falkenstein hieß der Großvater müt­terli­cher­seits, Küfermei­ster aus Medebach im Sauerland. Wilhelm war der Name seines Va­ters. Alle Kinder der Familie Leisner bekamen den Namen Maria.
Vater Wilhelm Leisner erklärte den Familienamen wie folgt: Der Leisner war der Vorsänger der „Leisen“, der ersten Gemeindelieder, die mit dem ab­schlie­­ßenden Ruf „Kyrieleis“ endeten.

[1]    Johannes Harmes war von 1914–1922 Kaplan in Rees.

Vater Wilhelm Leisner:
[Karl wurde Wilhelm] nach seinem Vater – der zur Zeit seiner Geburt in schweren Kämpfen am Reichsackerkopf in den Vogesen lag – […] ge­nannt.[1]

[1]    Bericht von Wilhelm Leisner vom 29.11.1947: 1

Willy Falkenstein 1915 an Amalia Leisner in Rees:
Feldpost (Poststempel: Inf. Mun. Kolonne Ersatz Div. 8)
Frau Willy Leisner, Rees/Rhein, Bahnhofstr. 5
Liebe Schwester
Gratuliere herzlich auf den Stammhalter. Dein Paketchen von Goch erhalten, danke bestens dafür. Franz habe ich dieser Tage auch geschrie­ben. Die letzten Tage ist nichts Neues hier. Willy [Vater Wilhelm Leisner] schrieb mir auch ein Kärtchen.
Die herzlichsten Grüße Dein Dichliebender Bruder Willy
Auf Wiedersehn

Während Wilhelm Leisners Soldatenzeit zog Amalia Leisner mit ihrem Sohn Karl vermutlich noch 1915 ins Haus ihrer Schwiegereltern nach Goch, Kle­ver­straße[1].

[1]    Das Haus hatte im Laufe der Jahre verschiedene Hausnummern: 182, 167 u. heute 121.

Julius Trumpp:
Am 20. März [1915] erfolgte die zweite Einnahme des Reichsackerkopfes durch die Brigade.[1]

[1]    Trumpp, Julius: Das K. B. [Königlich Bayerische] Reserve-Infanterie-Regiment. Erinnerungsblätter deut­scher Regimenter. Bayerische Armee, Bd. 56, München 1928: 29f.

Dienstag, 23. März 1915
Wilhelm Leisner erkrankte am Reichsackerkopf an erfro­renen Füßen und befand sich vom 23. März bis 15. Mai 1915 im Reserve-Lazarett Colmar (Josef­schule).

Samstag, 3. April 1915
Wilhelm und Leni Längin aus Neuss an Leutnant der Reserve Wilhelm Leis­ner, Armee­abteilung Hans Gaede, 8. bayr. Reserve Division, 18. bayr. Reserve Inft. Regt. 4. Comp.:
Wie ich soeben aus Deinem Brief erfahre, hast Du das eiserne Kreuz erworben, worüber wir hiermit alle unseren Glückwunsch aussprechen. Hof­fentlich geht es mit den Füßen bald wieder besser.

Wilhelm Leisner verbrachte einen Teil seiner Genesungszeit in Rees.

Freitag, 23. April 1915
Feldpostkarte von Wilhelm Leisner aus Rees an seine Schwester Paula Leis­ner in Düsseldorf, Bolkerstraße 29:
Liebe Paula!
Wie Du siehst, weile ich hier; es geht uns allen gut. Gestern abend war Dein lieber Balti [Balthasar Väth] hier[1]; auch ihm geht es gut. Ich werde meine Genesungszeit hier verbringen. Auch ich habe mich sehr gefreut, Euch alle hier anzutreffen. An Fritz [Leisner] habe ich geschrieben, er möchte mich Sonntag besuchen. Sonntag in acht Tagen werde ich wohl auf Dich rechnen können. Sei herzlichst gegrüßt von uns allen, besonders
Deinem Dichliebenden Bruder Willy

[1]    Paula Leisner und Balthasar Väth heirateten am 16.11.1915.

Vom 16. Mai bis 3. Juni 1915 war er dem in München liegen­den Ersatz-Bataillon des Infanterie-Leib-Regi­ments zugeteilt. Am 3. Juni 1915 kam er erneut mit dem Re­serve-Infante­rie-Regiment 18 ins Feld und wurde am 25. Juli 1915 bei der Pavillonhöhe bei Mühlbach verwun­det  (Oberarm und Magen- und Darmleiden).

Julius Trumpp:
Neuen Kämpfen entgegenzugehen war, als wir von den nördlichen Ausläufern der Karpathen zum zweiten Male dem Wasgenwalde [den Vogesen] zurollten, uns sicher. […]
Die Gefechtsstärke betrug damit 36 Offiziere und 1582 Mann. […] Am 15. Juli [1915] wurden wir in die Feldstellung vorgezogen. […] I./18 hatte die Stel­lun­gen vor Breitenbach am Engelberg-Krähenberg inne, der letzteren war die sogenannte Pavillonstellung vorgeschoben.
[…] Lt. d. R. [Leutnant der Reserve Wilhelm] Leisner, ebenfalls 3./18, fällt wenige Tage später ebenso durch Verwundung aus.[1]

[1]    Trumpp 1928: 53–56, Kapitel 3: Wieder in den Vogesen

Vom 26. Juli bis 24. August 1915 war er im Reserve-Lazarett in Neuss.[1] Dort besuchte ihn seine Frau Amalia mit Sohn Karl. Am 5. August1915 schickte er ein Foto von Karl und Mutter Amalia Leisner als Feldpost­karte an seine Schwester Paula in Düsseldorf, Bol­ker­­straße 29:.

[1]    s. Kriegsarchiv, Bayerisches Hauptstaatsarchiv (Personalakte OP 62494)

2014_08_02_Mutter_Karl

Liebe Paula!
Seit gestern bin ich hier im Laza­rett. Maly [Amalia Leisner] und Karl­chen [Karl Leisner], Josef­str. 25, Mutter [Anna Henrich] usw. heute nach Bexbach abge­reist. Es geht mir soweit gut, nur der Ma­gen ist nicht ganz in Ord­nung. Ich bin im Städt. Krankenhaus Zim­mer Nr. 2, II. Etage; augen­blick­lich sitzt Maly neben mir, Karl­chen liegt in mei­nem Bett; wir lassen Dich und alle Bekannten herz­lich grü­ßen.
Wie geht es Deinem lieben Balti [Balthasar Väth], ich habe seine Adresse nicht bei mir, bringe sie mir bitte mit oder schreibe sie mir.
Herzliche Grüße und Küsse Dein Dichliebender Willi
herzliche Grüße an die Bekannten

Mittwoch, 25. August 1915
Wilhelm Leisner kam zurück zum Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 18 und wurde bis zum 22. November 1916 erneut dem in München liegenden Ersatz-Bataillon des Infanterie-Leib-Regiments zuge­teilt.

Maria Leisner:
Früh kam Karl schon mit unserer Mutter nach München, um Vater zu besu­chen, der als Leutnant im königlichen Schloß [Fürstenried bei Mün­chen] Wachdienst beim kranken König Ludwig II. [von Bayern – Otto I. von Bayern] halten mußte[1].[2]

1]    Nachdem König Ludwig II. am 13.6.1886 unter ungeklärten Umständen im Starnber­ger See ertrunken war, trat sein Bruder Prinz Otto (* 27.4.1884, † 11.10. 1916) laut Thronfolgeregelung dessen Nachfolge als König Otto I. an. Da dieser auf Grund seiner Geisteskrankheit regierungsunfähig war, über­nahm sein Onkel Luitpold (* 12.3.1821, † 12.12.1912), der bereits seit der Ent­mün­di­gung König Ludwigs II. am 10.6.1886 als Prinzregent eingesetzt war, weiterhin die Regie­rungsgeschäfte. Nach dessen Tod folgte ihm dessen Sohn Ludwig (* 7.1.1845, † 18.10.1921) nach, zunächst als Prinzregent und ab 5.11.1913 bis zu seiner Absetzung am 7.11.1918 durch die Proklamation des Freistaates Bayern als König Ludwig III.

[2]    Leisner, Maria: Vortrag vom 29.10.1995 im Karl Leisner-Heim in Diestedde, (Manuskript): 2

Willi Leisner aus Berlin am 26. April 2000 an Hans-Karl Seeger:
Mein Vater löste in [Schloß] Fürstenried einen Bayern ab, der auf die Preußen nicht gut zu sprechen war. Der Bayer hat auf der Flucht eine blaue Bohne [Bleikugel] in den Hintern bekommen.
Als Wilhelm Leisner dem König [Otto I.] vorgestellt wurde, fragte dieser ihn: „Was sind Sie für ein Landsmann?“ „Rheinländer, Majestät“ war die Antwort; Preuße durfte er auf keinen Fall sagen. „Wie kommen Sie dann hierher?“ „Meine Mutter [Anna, geborene Henrich] ist Rheinpfälzerin und deshalb mache ich in München Dienst.“ Damit war das Gespräch zu Ende, während es mit dem nächsten Bayern länger dauerte.
Meine Mutter lebte mit uns beiden[1] in München [, Theresienstr. 45] bei einem Metzger in Lo­gie.[2]

[1]    Da Willi Leisner erst am 9.5.1916 geboren wurde, kann Mutter Leisner nur mit Sohn Karl in München gewesen sein.

[2]    Tobias Teyke vom Stadtarchiv München am 7.4.2010 an Hans-Karl Seeger:
Im Münchener Adressbuch von 1915 ist zur Theresienstraße 45 der Metzger­meister Georg Reichlmeier aufgeführt.

Willi Leisner aus Berlin am 16. Januar 1944 an Franziska Sauer im Spessart:
Meiner Mutter ist die bayrische Küche durch die Weltkriegsjahre in Mün­chen und Immenstadt nicht unbekannt.

Dienstag, 31. August 1915
Am 31. August 1915 erhielt Wilhelm Leisner den bayerischen Militär-Ver­dienstorden 4. Klasse mit Schwertern[1]:
Seine Majestät der König [Ludwig III.] haben Sich unterm 12. August 1915 Allergnädigst bewogen gefunden, dem Leutnant der Reserve der In­fanterie Wilhelm Leisner den Königlichen Militär-Verdienstorden 4. Klas­se mit Schwertern zu verleihen. Zur Bestätigung wird diese Verlei­hungs-Urkunde ausgestellt.
München, den 28. August 1915.
Der Ordens-Großkanzler:
Freiherr von Kreß [Friedrich Siegmund Georg Freiherr Kreß von Kressen­stein].[2]

[1]    Der am 19.12.1866 von König Ludwig II. gestiftete bayerische Militär-Ver­dienst­or­den ist seit 1905 in vier Klassen eingeteilt und wird in der 4. Klasse in drei unterschiedlichen Ausführungen verliehen: am Bande für Kriegsverdienst, mit Schwer­tern oder mit Schwertern am Bande für Kriegsverdienst.

[2]    Urkunde über den Königlichen Militär-Verdienstorden 4. Klasse mit Schwertern vom 28.8.1915