Karl-Leisner-Plakette von Joseph Krautwald

Plakette_1Die Vorderseite der Kleinbronze zeigt inmitten einer Menschengruppe Karl Leisner mit erhobenem rechten Arm. Umrundet wird dieses Bild von seinem Namen „KARL LEISNER“ und dem Satz: „CHRISTUS IST MEINE LEIDENSCHAFT“.

Plakette_2Auf der Rückseite sind gefesselte Hände zu sehen, die einen Kelch halten. Darüber ist eingraviert: „VICTOR IN VINCULIS“ und darunter „DACHAU 1944“.

 

 

Anfang 1988 schuf der Künstler Joseph Krautwald[1] eine Karl-Leisner-Plakette, die vermutlich von Pfarrer Johannes Sonnenschein[2] in Auftrag gegeben wurde. Vom 13. März bis 14. April 1988 wurde die Bronzeplakette im Rahmen einer Wanderausstellung „Katholischer Widerstand 1931 bis 1945 gegen den NS-Rasse-Mythos“ in Dülmen[3] vorgestellt.

[1]    Joseph Krautwald (* 7.3.1914 in Borkendorf, Oberschlesien, † 13.1.2003 in Rheine), Bildhauer – Schwerpunkt seines künstlerischen Schaffens war sakrale Kunst, u. a. über 300 Kreuzwege und zahlreiche Kleinbronzen. 1995 errichtete er ein Ehrenmal für Karl Leisner und Maximilian Kolbe im Ortsteil Ahaus-Alstätte.

[2]    Johannes Sonnenschein (* 30.5.1912 in Bocholt, † 31.8.2003 in Ahaus), Eintritt ins Col­legium Borromaeum in Münster 1.5.1931, Priesterweihe 19.12.1936 in Münster, Kaplan in Ahlen St. Josef 29.2.1940 und wurde dort am 8.3.1942 verhaftet. Er kam über die Gefäng­nisse in Ahlen und Münster wegen Jugendseelsorge und Verbreitung des Möldersbriefes am 29.5.1942 ins KZ Da­chau. Am 9.4.1945 wurde er ent­lassen. Kaplan in Emsdetten Herz Jesu 1946–1951, Pfar­rer in Borghorst St. Nikomedes 1958–1970, Dechant im Dekanat Borghorst 1959, Pfarrer in Dülmen (Merfeld) St. Antonius 1970–1991 (als Pfarrer em. Pfarrverwalter 1987) – Von 1991 bis zu seinem Tod lebte er als Pfar­rer em. in Ahaus. Im Seligsprechungsprozeß 1981 und Martyrerpro­zeß 1990 für Karl Leisner hat er als Zeuge ausgesagt.

08Sonnenschein

 

[3]    Das Joseph-Teusch-Werk e. V. organisierte die Ausstellung in Dülmen. Johannes Sonnenschein war von 1970 bis 1991 Pfarrer bzw. Pfarrer em. in Dülmen-Merfeld, St. Antonius. Die Eröffnung der Ausstellung war am 13. März 1988 im Rathaus der Stadt Dülmen.

Die Vorderseite der Plakette symbolisiert Karl Leisners Zeit als Gruppenleiter bis hin zum Diözesanjungscharführer, aber auch sein mutiges Eintreten für die katholische Kirche während des Nationalsozialismus.

Am 1. Mai 1934 schließt Karl Leisner seinen Tagebucheintrag mit folgendem Gebet:
„Herr Gott, Du mein König und höchster Führer, Du lenkst in wun­der­barer Weisheit und Güte die Geschicke aller Menschen.
So hast Du mich ar­men, schwachen, sündigen Menschen durch eine Zeit der Versuchung und der Schwachheit hindurch geführt, um mich jetzt zum heilig­s­ten und höch­sten Amt – zum Priestertum – zu berufen. Deine allmäch­tige Weisheit hat mich – das kleine, unwürdige, stolze, erbärmliche Mensch­lein, das mit so mancherlei Makel und Fehlern behaftet, – zum würdigsten, demü­tigsten, würdevollsten Beruf erkoren. – O, gib doch, Du gütigster Vater, daß ich die Vorbereitungs­zeit auf diesen hehren Beruf, – Dich zu vertreten, – aus Deinen unerschöpfli­chen Lebensquellen in Wahrheit und Demut gestalte!“
Christus – Du bist meine Leidenschaft
Heil!
Bei der Tagebuch-„revision“ am 2. September 1935[1]

[1]    Karl Leisner hat „Christus – Du bist meine Leidenschaft Heil!“ am 2.9.1935 nachge­tragen.

Die auf der Rückseite der Karl-Leisner-Plakette dargestellten gefesselten, einen Kelch umfassenden, Hände weisen auf die Schönstattgruppe „Victor in Vinculis (Mariae) [Sieger in Ketten (Mariä)][1] im KZ Dachau hin, zu der auch Karl Leisner gehörte.
Darüber hinaus weisen sie hin auf das einmalige Geschehen in einem KZ, seine heimliche Priesterweihe am 17. Dezember 1944 und seine Primiz am 26. Dezember 1944, die erste und einzige Messe, die er in seinem Leben feierte. Neben dem Primizgewand erhält ein Neupriester einen Kelch, mit dem er sein Leben lang zelebriert. Bei seiner Beerdigung wird dieser Kelch mit einer Stola auf den Sarg gestellt. Bereits während seiner Priesterausbildung im Collegium Borromaeum und im Priesterseminar in Münster hatte sich Karl Leisner einer Schönstatt-Theologengruppe angeschlossen, die sich das Gruppenideal „Sacerdotem oportet offerre [ein Priester muss opfern]“ gegeben hatte. 1939 ergänzte die Gruppe dieses um „et offeri [und geopfert werden]“. Als Gruppensymbol wählte sie den Kelch.
Den Mitgliedern des IKLK wurde die Plakette im Juni 1988 mit dem Rundbrief Nr. 18 vorgestellt.

[1]    Die Schönstattgruppe im KZ Dachau unter Führung von Heinz Dresbach und später Her­mann Ri­charz, zu der auch Karl Leisner gehörte, begann in der Fastenzeit 1944 mit der Su­che nach ihrem Gruppenideal und entschied sich für den Vorschlag von Robert Prusz­kowski „Victor in vinculis (Ma­riae)“. Die Idealsuche war stark inspiriert von der Spiri­tua­lität der Marianischen Werkzeug­fröm­migkeit, über die P. Joseph Kentenich SAC im Früh­jahr 1944 eine Studie diktierte. Es geht um die Bindung an Maria im Sinne des Werkzeu­ges, der Vernetzung. Maria steht als Symbol für den Dreifaltigen Gott. P. Makarius Spitzig OSB schnitzte im KZ Dachau ei­nen Bi­schofsstab mit dem Wappen von Bischof Gabriel Piguet und der In­schrift Victor in Vinculis.

Rundbrief des IKLK Nr. 18 – Juni 1988, S. 1f.

Rundbrief_18

Pfarrer Johannes Sonnenschein war es ein großes Anliegen, das Leben und Wirken Karl Leisners bekannt zu machen, ihn nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Er kannte Karl Leisner aus der Jugendarbeit und traf ihn nach seiner Inhaftierung am 30.5.1942 auf dem Zugangsblock im KZ Dachau wieder. Bei der heimlichen Priesterweihe von Karl Leisner am 17. Dezember 1944 war er Zeremoniar.[1]

[1]    Es liegt von ihm ein Typoskript von 1994 vor mit dem Titel: „Die Priesterweihe Karl Leisners im KZ Dachau“.

In einem Artikel der Rheinischen Post vom 10. März 1988 teilte der langjährige Pressesprecher des IKLK, Werner Stalder, mit, dass die Karl-Leisner-Plakette bei Pfarrer Johannes Sonnenschein in Dülmen-Merfeld zu einem Preis von 6,00 DM bestellt werden könne.

Link zu „Ahaus: Ehrenmal für Karl Leisner und Maximilian Kolbe im Ortsteil Alstätte“

Text und Fotos Christa Bockholt