Karl Leisner schreibt an seinen Religionslehrer Vinneberg

Karl Leisner schrieb am 9. September 1933 aus Kleve an seinen ehemaligen Religionslehrer Walter Vinnenberg in Münster: Lieber Walter, […] Willi ist auf seiner Trierfahrt auf der Rückreise in Schönstatt „hängengeblieben“ und macht dort Exerzitien mit. Mein Vater ist bereits gestern gelandet. Er ist begeistert. Sie hatten prächtiges Fahrtenwetter. Gestern hat die Schule “ für uns alle zum größten Leidwesen“ wieder begonnen. Jeden Morgen kommen die Lehrer rein: Hand hoch! Allgemeines Heil-Hitlergebrüll! Stimmungsvoll! Mit so ´nem verschandelten, abgeschlissenen Gruß (?) beginnen wir jetzt also jeden neuen Tag! Machst Du auch in solchen befohlenen Sachen?

Mit der Lage der katholischen Verbände steht´s mies, wie uns Kaplan [Heinrich] Brey von einer Tagung in Altenberg mitbrachte. Na ja, totkriegen lassen wir uns nicht; dann machen [wir] eben als „Privatklübchen der Harmlosen“ weiter! Na ich wäre ja bald in politische Geleise gefahren und darin darf man sich ja jetzt nicht mehr frei gehen lassen! Schutzhaft, Konzentrationslager, hu gruselig, was? Ha, ha“ ! Mit frohem Gruß und guten Wünschen für Deinen Vater bleibe ich in Treuen

Dein Karl