Karl Leisner und der Kreuzbund

Am 1. April 2017 feierte Heinz-Josef Janßen sein 25-jähriges Dienstjubiläum als Bundesgeschäftsführer des Kreuzbundes. Unter der Überschrift „25 Jahre Geschäftsführer des Kreuzbunds – Dienstjubiläum in Hamm“ berichtete Kirche + Leben Nr. 18 vom 7. Mai 2017 auf Seite 16 über den Jubilar.
Siehe auch: Link zum Kreuzbund.

Seit Karl Leisners Seligsprechung ist der Kreuzbund korporatives Mitglied des IKLK. Heinz-Josef Janßen leistete mittels des Kreuzbund-Archivs in Hamm große Hilfestellung bei der Suche nach Unterlagen zum Jungkreuzbund[1], zu dem Karl Leisner mit seiner ersten Jugendgruppe gehörte.
Quelle des Fotos: privat

[1] Jungkreuzbund (JKB)
Bildung zahlreicher Kinder­gruppen im Kreuzbund, zunächst Schutzengel­bund, später Aufrechtenbund genannt, mit Hilfe zahlreicher Lehrer u. Lehrerinnen sowie Geistli­cher ab 1904 – Erscheinen eines eigenen Blattes mit dem Titel „Jung-David – Monatsschrift für den Jugendbund, Abteilung Kreuzbündnis“ – Namensänderung in „Johannisfeuer“ 1915 – mit Erscheinen dieser Zeitschrift Bildung von Jugendgruppen, in Süd­deutschland als „Johannisbund“, im übrigen Deutsch­land als „Jugendbund“ bekannt – neben der Abstinenz­erziehung vor allem För­de­rung von Wandern u. Pflege alten Brauchtums – im Unterschied zum Quickborn Unterord­nung des Religiösen unter den Abstinenzgedanken – 1919 übernahm der aus dem Quick­born kommende Kamillianerpater Johannes Schick die Schriftleitung der Monats­schrift „Johan­nisfeuer“ des Kreuzbundes und die Sorge für die abstinente Jugend. Er sah sie nicht nur als Nachwuchsorganisation für den Kreuzbund, sondern betrieb aktive Jugendarbeit. Auf der Hauptversammlung des Kreuzbundes im Okto­ber 1919 in Münster forderte er grö­ßere Frei­heit für die Bildung selbständig organi­sierter Jugendabteilungen und Zuge­ständ­nisse eines vom Kreuzbund unabhängigen Eigen­lebens sowie die Aufgabe des einseiti­gen Absti­nenz­standpunktes zugunsten des groß­­zügi­gen positiven Ideals der neuen Jugend nach dem Bei­spiel des Quickborn. Daraufhin verbanden sich die Ju­gendgruppen in Gauen, wo­bei der Name „Jungborn“ auftauchte.
Auf dem zweiten Bundesthing in Fulda im August 1923 trennte sich der „Jungborn“ vom „Kreuzbund“. Es gab nun Namen wie „Jungborn Fulda“, „Jungborn“, „Hohenecker Bund“ oder „Fuldaer Bund“. 1926 geriet der Jungborn in eine Krise wegen einer Forderung der Bischofskonferenz, laut derer die geistliche Leitung der katholischen Jugendverbände vom Bischof zu genehmigen sei. Ein Großteil des Jungborn widersetzte sich der Annahme des Bischofserlasses. Eine Gruppe unter Kaplan Aloys Dahlkamp nannte sich fortan „Jung­kreuzbund“. 1927 entschied man sich für den gemeinsamen Jungen- und Mädchenbund.
Der Jungkreuzbund gab sich seinen Namen auch, um die Verbundenheit mit der Mutterorganisation, dem Kreuzbund, nach außen hin festzuschreiben. Im Gegensatz zur größeren Jungborngemeinschaft, die zunächst den Namen Jungkreuzbund tragen mußte, waren die „Hohen­ecker“ der Ansicht, „es widerspräche nicht dem Begriff der Jugendbewegung, wenn der Jungborn an die Richtung des Kreuzbündnisses gebunden wäre“ (Aloys Hotz).
Schwerpunkte im Jungkreuzbund waren Apostolat der Enthaltsamkeit, heilige Gemein­schaft unter dem Kreuz als Kampf- und Sie­geszeichen, Verinnerlichung und frohes Jugend­leben. Trotz des strafferen und rechtlich stärker strukturierten Organisations­schemas gli­chen das tatsächliche Gemeinschaftsleben, auch das Verhältnis zu den Priestern sowie das zwi­schen Mädchen- und Jungengruppen, dem des Jungborn. 1928 ging aus dem Jung­kreuz­bund der Katholische Wandervogel (KWV) hervor.

Karl Leisners Beziehung zum Jungkreuzbund

Karl Leisners Tätigkeit als Diözesanjungscharführer und seine intensive Beziehung zu Ludwig Wolker[1], der ihn stark geprägt hat, manche Zeitgenossen meinen, dieses spiegele sich sogar bis in Karl Leisners Handschrift wider, sind hinreichend bekannt, aber nur wenige Menschen wissen um die Entwicklung der Jugendbewegung mit ihren unterschiedlichen Bünden. In ihnen war Karl Leisner aktiv, bevor er sich 1933 dem Katholischen Jungmännerverband Deutschlands unter Ludwig Wolker anschloß.

[1] Prälat Ludwig Wolker, von den Jugendlichen kurz General ge­nannt, (* 8.4.1887 in München, † 17.7.1955 in Cervia bei Ra­venna/I) – Studium in München u. Inns­bruck/A – Priester­weihe 29.6.1912 in Freising – Diözesan­prä­ses des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands (KJMVD) in der Erz­diözese Mün­chen und Freising Mai 1926 – Landespräses für Bayern Juni 1926 – Wahl zum Gene­ralpräses des KJMVD u. Vor­sitzender der Deutschen Jugendkraft (DJK) 9.11.1926 – Umzug nach Düsseldorf nach Freigabe durch Michael Kardinal von Faulhaber 3.5.1927 – Ver­haf­tung durch die National­sozialisten 6.2.1936 – Haftentlassung 12.5.1936 – Tätigkeit bei der Bi­schöfli­chen Hauptstelle für katho­li­sche Jugendseel­sorge und Ju­gend­organisation 1940 – Leiter derselben u. Di­rektor von Haus Altenberg 1945 – Beauf­tragung durch die Bischöfe mit der Führung der kirchlichen Ju­gendarbeit 9.11.1945 – Wei­chenstellung für den Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) – Geist­licher Leiter des 1947 in Hardehau­sen entstandenen BDKJ 1947–1952 – Vorstands­mitglied des Deut­schen Sportbundes u. Mit­glied des Natio­nalen Olympischen Ko­mitees 1950 – Entla­stung von allen Führungsämtern 1952

Als sich Karl Leisner und einige seiner Klassenkameraden in der Quinta des Klever Gymnasiums von ihrem neuen Religionslehrer Dr. Walter Vinnenberg[1] zur Freizeitgestaltung in einer Gruppe ermuntern ließen und dann selbst die Initiative ergriffen, schlossen sie sich mit ihrer am 3. Februar 1927 gegründeten Gruppe St. Werner dem Jungkreuzbund an.[2]

[1] Prälat Dr. phil. Walter Vinnenberg (* 8.6.1901 in Lipp­stadt, † 1.12. 1984 in Bocholt) – Abitur am Gymna­sium Paulinum in Mün­ster – Theolo­giestudium in Münster, Innsbruck/A u. Paris – Eintritt ins Col­le­gium Borromaeum in Münster Ostern 1919 – Priester­weihe 27.2.1926 in Münster – Aushilfe in Ems­detten 1926 – Kaplan in Kleve St. Mariä Himmelfahrt u. Religi­onsleh­rer am Gymna­sium in Kleve in allen Klassen 1.4.1926 bis Pfingsten 1929 – Au­ßerdem unter­richtete er Hebräisch und Sport und leitete eine religionsphi­loso­phische Arbeitsge­mein­schaft. Später unterrichtete er auch Franzö­­sisch. Er ge­wann Karl Leisner für die Ju­gendar­beit und gab den Anstoß zur Gruppen­bildung. Mit den Jungen unternahm er zahlreiche Fahrten auch noch nach seiner Tätigkeit in Kleve.
Zu Stationen seines weiteren Werdeganges siehe Link.
[2] s. auch: Aktuelles vom 13. Mai 2017 – 200 Jahre Freiherr vom-Stein-Gymnasium in Kleve

Die Jugendbewegung, die im Oktober 1913 mit einem Paukenschlag auf dem Hohen Meißner von sich reden machte, lebte abstinent.[1] So war es in der Meißner-Formel festgelegt:
„Die Freideutsche Jugend will aus eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, mit innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten. Für diese innere Freiheit tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein. Zur gegenseitigen Verständigung werden Freideutsche Jugendtage abgehalten. Alle gemeinsamen Veranstaltungen der Freideutschen Jugend sind alkohol- und nikotinfrei.“[2]

[1] s. Aktuelles vom 12. Oktober 2013 – Beginn der Jugendbewegung vor 100 Jahren
[2] Verfasser dieser Formel ist der Schriftsteller Ferdinand Avenarius (1856-1923), ein Neffe Richard Wagners, Gründer und Leiter des „Dürerbunds“ (1903) und Herausgeber der Zeitschrift Der Kunstwart (1887).

Der Erste Weltkrieg (1914-1918) unterbrach den Aufbruch der Jugendbewegung, aber anschließend ging ihre Entwicklung weiter. Ihre Impulse erfaßten auch die Katholische Jugendbewegung. Zu deren Begründern gehörten die drei schlesischen Priester Hermann Hoffmann[1], Klemens Neumann[2] und Bernhard Strehler[3].

[1] Dr. Hermann Hoffmann (* 14.7.1878 in Glogau/Głogów/PL, † 12.1.1972 in Leipzig) – Priester­weihe 23.6.1902 in Breslau/Wrocław/PL – Besuch des Katholischen Gymnasiums in Glogau u. der Universität in Breslau – nach Kaplansstelle in Naumburg Kaplan in Lieg­nitz/Legnica/PL – Entwicklung zum abstinenten Nichtraucher – Präses für die katholischen Arbeiter­vereine in Breslau 1906 – Gründung der ersten Gruppe des Kreuzbünd­nisses – als Religi­ons­lehrer am St.-Matthias-Gymnasium in Breslau Organisation von Sonntags­wande­rungen mit Schü­lern ab 1908 – Einbringung dieser Wanderbewegung in die in Neisse/ Nysa/PL von Bern­hard Strehler u. Klemens Neumann gegründeten abstinenten Schüler­zirkel mit Pflege des Volk­stums – Diese gaben sich 1913 den Namen Quickborn.
[2] Prof. Klemens Neumann (* 26.11.1873 in Tütz/Tuczno/Kreis Deutschkrone/Wałcz/Pl, † 5.7.1928) – Prie­sterweihe 21.6.1899 in Breslau/Wrocław/PL – Kaplan in Liegnitz/ Legnica/PL – Reli­gions­lehrer am Realgym­nasium in Neisse/Nysa/PL 1.4.1903 – Dort entfaltete er zusam­men mit Bernhard Strehler eine Nüchternheitsbewegung.
[3] Bernhard Strehler (* 30.11.1872 in Lissau/Lisewo/Kreis Marienburg/Malbork/West­preußen/PL, † 11.12.1945) – Abitur am St.-Matthias-Gymnasium in Breslau/Wrocław/PL – Studium an der dortigen Universi­tät – Priester­weihe 11.6.1898 – Präfekt am bischöflichen Konvikt in Neisse/Nysa/PL 18.9.1903 – Dort entfaltete er zusammen mit Klemens Neu­mann eine Nüchternheitsbewegung.

Der Ende des 19 Jahrhundert entstandene Kreuzbund, anfangs Kreuzbündnis genannt, eine Gemeinschaft von Menschen, die abstinent lebten wie ihr Patron Johannes der Täufer, hatte auch bald seine Anhänger in Kleve. Das Kreuzbündnis arbeitete in drei organisch miteinander verbundenen, dem Entwicklungsvorgang gemäß geordneten Gruppen: Schutzengelbund, später Aufrechtenbund genannt, für Kinder, Jungborn für Jugendliche und Kreuzbündnis für Erwachsene.[1] Mitte 1920 gaben sich die Gruppen des ganzen Reiches den Namen „Jungborn“.

[1]  s. Volksfreund, 27(1923): 36

Dr. Hans van Ackeren[1] war im Kreuzbund sehr aktiv. Er schrieb im Volksfreund, der Zeitschrift des Kreuzbundes, einen Artikel zum Thema „Alkohol und Familie“[2] und leitete auf dem Bundestag des Jungborn 1926 auf Haus Hoheneck in Essen einen Arbeitskreis zum Thema „Familie“.

[1] Eheleute Dr. med. Hans van Ackeren (* 13.1.1870, † 7.2.1942) u. Maria van Ackeren, geb. Hortmann – Hans van Ackeren machte 1890 in Kleve Abitur. Die Familie kaufte Anfang des 20. Jh. Haus Koekkoek in Kleve, Kavarinerstr. 33, heute Koekkoekplatz 1.
[2] s. Volksfreund 32(1927): 9f.

Damals war Carl von Vogelsang[1], im Jungborn aktiv. Im Volksfreund von 1925 unterzeichnete er unter anderen einen Artikel über das „Blaue Zelt“, einen Stand von alkoholgegnerischen Vereinen auf der Nijmeger Kirmes: „Kleve, Rheinland, Carl von Vogelsang, Jungborner“[2]

[1] Carl Miguel Ludwig Berta Maria Veronika Freiherr von Vogelsang (* 1.7.1900 in Bad Wörishofen, † 4.4.1977 in Lübeck) – Tod der Mutter bei seiner Geburt – Erziehung durch Tanten in Rattenberg bei Hall in Tirol/A – später Aufenthalt in Kleve bei Familie Wilhelm Wint­huis, Verwandten mütterlicherseits – Lehre als Buchhändler mit Ge­sel­lenprüfung 15.1.1921 bis 11.6.1926 – Ende seines Aufenthaltes in Kleve – Vertreter des Jungkreuzbundes im Bundesausschuß des Kreuz­bundes 1927 – Aufenthalt in Köln 1929 – Von 1933–1938 lebte er in Liechtenstein. Bis dahin hatte er seinen Adelstitel nicht kundgetan.
s. Aktuelles vom 19. August 2015 – Jüngste Familie Freiherr von Vogelsang nicht mehr im „Gotha“
u. Rundbrief des IKLK Nr. 47 – Februar 2003: Carl von Vogelsang – Weggefährte Karl Leisners
[2]  Volksfreund 29(1925): 178f.

1926 schrieb er im Volksfreund folgenden Bericht über die Arbeit in Kleve:
„Cleve hat fünf Jungborngruppen. Alle Jungborner und Jungbornerinnen arbeiten freudig in der Kreuzbündnisgemeinschaft. Wir verschönen nach besten Kräften die Kreuzbündnisversammlungen, durch Musik, Lieder, Spiele, Vorträge und Reigen. In der Stadt sind wir wohlbekannt, denn wir singen nicht nur „stille“ Lieder von Fahrt und frohen Landsknechten. Oft nach unseren Fahrten tönt es durch die Hauptstraße der Stadt „Der mächtigste Feind im Deutschen Reich, das ist der Alkohol, die Schnapsbrennerei’n und die Bierbrauerei’n, daß sie der T…. hol’! Es lebe die Abstinenz! Wir fordern das Alkoholverbot“ usw. – Die Leute, die uns sehen, freuen sich und lachen ob des Liedes. Noch fühlen sie sich sicher. – Unser Wimpel ist schwarz auf roten Flammen leuchtet das Wappen des Bundes.[1] Auf der Rückseite ein breites rotes Kreuz. Kreuzritter wollen wir sein, das ist der Leitgedanke der Jungborngruppen. Als Kreuzzug muß jeder von uns unser Wollen erfassen. Und wie aus finsterer Nacht die rote Sonne der Liebe hervorleuchtet, so ruht auf schwarzem Untergrund das rote Kreuz der Erlösung. – Ein doppeltes Symbol ist uns das Kreuz: Kreuz und Schwert, Friede und Krieg. – Und unsere Jungen verstehen es, für ihre Überzeugung zu kämpfen. Unerschrocken stehen sie ihren Mann auf der Fabrik und im Büro. – Unsere Schwestern tragen einen roten Wimpel: „Aus Liebe getan!“ ist die Devise. In stillem Schaffen spinnen sie die stillen Fäden in der Stadt: Wohltun, reiner Frohsinn geht von ihnen aus. Gemeinsam arbeiten wir jetzt in der Weihnachtszeit für arme Kinder: Die Mädchen verfertigen Kleider und Strümpfe und die Jungens haben schon einen ganzen Laden Spielsachen angefertigt, mit rührendem Fleiß. – Während des St Martinszug [1925] durch die Stadt, an dem auch unsere 1400 Aufrechten teilnahmen, trugen die Aufrechten eine große eineinhalb Meter lange Fackel „Alkoholfreie Jugend“. Hinterher folgten Jungborner mit Fiedeln. Die Stadt hat teilweise etwas aufbegehrt, aber nur die „interessierten“ Elemente. Das schadet aber nichts: Schlag auf Schlag, bis es erreicht ist. – So schaffen wir. Mögen dadurch andere Gruppen lernen. Wir bitten herzlich: Helft euren Jungbornern nach Kräften, so wird großes erreicht. Kraft und Weisheit der Alten hilft den Jungen, Feuer und Idealismus strömt von den Jungen in die Alten über. So gelingt das Schwerste. Eine festgeschlossene Gemeinschaft wollen wir sein, vereint in edlem Wettstreit: Das helfe Gott!
C. v. Vogelsang, Jungborngruppe Cleve.“[2]

[1]   

[2]  Volksfreund 31(1926): 31f.

In einem Bericht „Aus dem Diözesanverband [des Kreuzbundes] Münster“ heißt es unter anderem:
„Wie in der letzten Nummer des Volksfreund bereits mitgeteilt wurde, hat das Kreuzbündnis in der großen von Vechta in Oldenburg bis Kleve am Niederrhein reichenden Diözese Münster wieder einen Führer vom hochwürdigsten Herrn Bischof von Münster [Dr. Johannes Poggenburg] erhalten.“[1]

[1] Volksfreund 31(1926): 29

Wie zu allen Zeiten in Verbänden bekannt, kam es auch im Kreuzbund zu Spannungen zwischen den Erwachsenen und den Jugendlichen. 1923 trennten sich die meisten Jugendgruppen vom Kreuzbündnis und nannten sich Pfingsten 1926 auf dem Bundestag des Jungborn auf Haus Hoheneck „Jungkreuzbund“, so wurde neben dem Jungborn der Jungkreuzbund geboren.[1] Dazu gehörten von da an auch die Klever, und vermutlich war Carl von Vogelsang eine treibende Kraft bei der Bildung des Jungkreuzbundes, den Karl Leisner 1927 kennenlernte.

[1] s. Volksfreund 31(1926): 195

In Kleve gab es damals verschiedene Gruppierungen der Jugendbewegung und Bünde. Walter Vinnenberg selbst war Quickborner.[1] Es gab am Gymnasium in Kleve auch den Bund Neudeutschland (ND)[2]. Ebenso existierte in Kleve auch mindestens eine Jungengruppe des „Jungkreuzbundes“, dem Jugendverband der Werktätigen des Kreuzbundes. Sie trug den Namen „Sigismund“. Zu dieser Gruppe gehörten Föns van Thiel[3], Theo Derksen[4] und Willi Berns[5], sie waren keine Gymnasiasten.[6]

[1]  Quickborn
Bildung eines Jugendbundes aus katholischen abstinenten Schüler­zir­keln 1909 – Namensgebung Quickborn 1913 – Am 17.8.1919 fand auf Burg Rothenfels am Main der erste deutsche Quick­borntag statt. Man erwarb die Burg, womit der Quickborn seinen weit aus­strahlenden Mit­tel­punkt bekam. Er trug die Liturgi­sche Be­wegung unter der geisti­gen Füh­rung von Ro­mano Guardini, der 1920 auf der Burg zum ersten Mal Kontakt mit dem Quickborn bekam, in weite Kreise Deutschlands. Nach Auf­lö­sung durch die Gestapo 1939 arbeitete der Quickborn illegal weiter und konsti­tuierte sich 1946 neu.
s. Aktuelles vom 25. Mai 2015 – Die „Burgzeitung“, das Presseorgan des Quickborn-Arbeitskreises, brachte einen Artikel zu Karl Leisner
[2] Bund Neu­deutschland (ND)
Ver­band katholischer Schüler an hö­heren Schulen Deutsch­lands – Gründung auf Initiative von P. Lud­wig Esch SJ durch Felix Kar­dinal von Hart­mann 31.7.1919 – Ein jugendlicher Leiter und ein geistli­cher Füh­rer standen an der Spitze von Mark, Gau und Grup­pe. Das Ziel des Bundes war die Heran­bil­dung cha­rakterfester, gebil­deter katho­li­scher Jun­gen zur Lebensgestaltung in Christus. Wöl­f­linge, Knap­­pen und Rit­ter sind die Grade unter den Mit­gliedern. 1939 wurde der ND durch die Gestapo auf­ge­löst und 1948 in drei Altersstufen neu gegrün­det. 1968 änderte die bisherige Jungen­gemein­schaft ihren Na­men in „Bund Neu­deutschland – Schülergemein­schaft“ und legte sich als Zeichen der Verbindung zur In­ter­nationalen Katholischen Studie­ren­den Jugend (IKSJ) den Namen Katholische Stu­die­rende Jugend (KSJ) zu.
[3] Alfons (Föns) Matthias van Thiel (* 30.10.1909, † 24.12.1988 in der Pfalz) – Materborn, Königsallee 17 – Schnei­der – wich­tige Person im Gruppengeschehen der Jun­gen um Karl Leisner – Mitglied der Jung­kreuzbundgruppe Sigismund – Kontakt zur Jungkreuzbundgruppe St. Werner 2.10.1927 – Teilnahme an der Westfalenfahrt 1928 u. der Rügenfahrt 1929 – nach Walter Vinnenbergs Weggang von Kleve Gruppenführer der Jung­kreuzbundgruppe St. Werner – Eintritt ins Kloster der Kapuziner in Krefeld 1.10.1930 – Einkleidung als Tertiar 11.10.1930 – Noviziatsbeginn in Stühlingen 29.8.1931 – als Bruder Oskar im Kapuziner­kloster in Münster 1931–1938 – Zeitliche Profeß 30.8.1932 – Ewige Profeß 30.8.1935 – Austritt aus dem Orden u. Heirat in Neustadt an der Weinstr. mit Johanna Münch (* 21.11.1919, † 30.4.1979) 1942 – Chemiefach­arbei­ter – Neuhofen, Ludwigshafener Str. 1a – Im Seligspre­chungs­prozeß für Karl Leisner hat er 1982 als Zeuge ausgesagt.
[4] Theodor (Theo) Derksen (* 3.12.1910 in Kleve, † an Lungenent­zün­dung 3.12.1946 in rus­si­scher Gefangenschaft in Maginez im dortigen Laza­rett) – Mitglied der Jung­kreuz­bund­gruppe Sigismund – Kontakt mit der Jung­kreuz­bund­gruppe St. Werner 2.10.1927 – Teil­nahme an der Westfalenfahrt 1928, der Pfingstfahrt 1930 u. der Pfingst­fahrt 1934 – 1. Se­mester am Seminar für Wohlfahrtspfleger in Freiburg/Br. 1935 – Praktika beim Jugendamt in Aachen März 1936 u. in einem Seemanns­heim in Stettin/Szczecin/PL Herbst 1936 – Ab 1937 arbeitete er im Piusheim in Glonn (Oberbayern) mit 14- bis 15jährigen Schwerst­behin­derten; häufig spielte er mit ihnen Theater. Danach war er im Heinrich-Haus in Engers am Rhein und in Brake in Olden­burg tätig. Am 1.12.1939 wurde er zum Kriegsdienst ein­gezo­gen und war 1940 Soldat in Frankreich. Am 23.3.1940 heiratete er Hed­wig Klein­schmidt.
[5] Wilhelm (Willi) Berns (* 1.1.1911 in Kleve, † 1.12.1974 in Kalkar) – Heirat mit Mag­da­lene Oberwinder (* ?, † ?) 10.12.1934 – Kleve – Er war ge­lernter Tischler und Haus­meister am Gymnasium in Kleve, gehörte zu den älteren Mit­glie­dern des Jung­kreuz­bundes (Gruppe Sigismund) in Kleve, hat am Leiterwagen für das Kas­per­theater der Jungen mit­ge­ar­beitet und 1929 vermutlich eine Gruppe St. Georg geleitet.
[6] Das Gauleiterthing des Jungkreuzbundes in Berlin vom 1. bis 2.1.1927 sah den Jungkreuzbund in der Hauptsache als einen Bund der Werktätigen, lehnte aber Studierende in den Gruppen nicht ab. Der Jungen-Rheingau sollte auf dem Bundestag berichten, wie sich die Gruppen der Studierenden und die gemischten Gruppen entwickelten.
Der Bundestag Pfingsten 1927 in Waldenburg faßte einstimmig folgenden Beschluß:
„Aus dem Geiste der Volksgemeinschaft heraus nimmt der Jungkreuzbund gleicherweise Werktätige und Studierende in seine Reihen auf. Er überläßt es den Gauen und Jungkreuzbundgemeinschaften, in welcher Weise sich die Zusammenarbeit beider regelt.“

Warum schloß sich Karl Leisner mit seinen Klassenkameraden aus der Quinta dem Jungkreuzbund an? Es wäre verständlich, wenn sich die Jungen dem ND angeschlossen hätten; denn das hätte zum Gymnasium gepaßt, oder wenn sie Quickborner geworden wären wie Walter Vinnenberg, der an der Bildung der Gruppe einen entscheidenden Anteil hatte.

Der Grund dafür, daß Karl Leisner sich mit seinen Klas­senkameraden dem Jungkreuzbund anschloß, könnte neben seinem Kon­takt zu Alfons van Thiel, Theo Derksen und Willi Berns, wie Hermann Ringsdorff[1] in einem Gespräch am 3. Dezember 1998 mit Hans-Karl Seeger äußerte, auch an folgendem gelegen haben:
Das Kreuz im Namen Jungkreuzbund hat es Karl Leis­ner angetan. Karl Leisner hat mich, den pietistisch erzoge­nen Jun­gen, als Schüler ge­fragt: „Bekreuzigst du dich, wenn du morgens aufstehst?“ – „Nein.“ – „Dann tue es nur!“ – Ich tue es auch heute noch. Das Kreuz war für Karl Leis­ner etwas ganz Wichti­ges. Es war so, als wäre in ihm das Mär­tyrer-sein-Müs­sen schon ange­legt gewesen.

[1] Dr. rer. pol. Hermann Ringsdorff (* 25.3.1913 in Essen/Ruhr, evangelisch getauft, † 14.10. 2002) – Mitschüler von Karl Leisner – Wäh­rend ihrer Gymnasialzeit saßen sie sieben Jahre ne­beneinander. Er studierte nach dem Abitur zunächst zwei Semester evangelische Theolo­gie in Bonn, wohnte Bergstr. 211 bei Frau Ganter zusammen mit den Konabi­turienten Hermann Mies und Jupp Gerlings, war Universitätsassistent im Fachbereich Altes Testa­ment, promovierte aber auf Wunsch des Vaters zum Dr. rer. pol., um als Verkaufs­direktor die Ringsdorffwerke in Bonn zu übernehmen. 1937 verlobte er sich mit seiner späteren Frau Margot Schloenbach. Im Zweiten Weltkrieg war er Oberleutnant im Kavalleriere­giment von Philipp Freiherr von Boeselager (1917–2008), der mit seinen Offizieren dem militärischen Widerstand angehörte.

Heinrich Czeloth:
Das Kreuz, das der Kreuzbund im Namen und Abzeichen führt, läßt erken­nen, daß der Kreuzbund an der „Torheit des Kreuzes“ [1 Kor 1,18] seinen Anteil hat.[1]

[1] Heinrich Czeloth: Von Lourdes bis Neviges, 1896-1946 – 50 Jahre Kreuzbund, Büren: Hoheneck-Verlag 1948: 5

Der Kreuzbund war mit seinen Jugendorga­nisationen Jungborn, Jung­kreuz­bund und dem späteren Katholischen Wan­dervogel in Kleve eine ge­sell­schaftliche Größe, was für ND und Quick­born nicht in gleichem Maße zutraf.

Karl Leisners Bodenständigkeit paßte besser zur werktätigen als zur stu­dierenden Jugend. Diesbezüglich bot sich in Kleve der Jungkreuzbund an.

Es ist aber auch denkbar, daß Mitglieder der Werktätigen wie Föns van Thiel, Theo Derksen und Willi Berns an Karl Leisner und dessen Klassenkameraden herangetreten sind, in den Jungkreuzbund zu kommen, vor allem da dieser gerade im Rheingau die Frage der Zusammenarbeit zwischen Werktä­tigen und Studie­renden propagierte, wie das Gauleiterthing im Januar 1927 in Berlin und der Gautag zu Ostern 1927 in Benrath zeigen.[1]

[1] s. Volksfreund 32(1927): 21 u. 32(1927): 95

So kam es am 3. Februar 1927 zur Gründung der Gruppe St. Werner in der „Ortsgruppe Cleve“, die zum „Jungen-Rheingau“ des Jungkreuzbundes gehörte.[1]

[1] s. Aktuelles vom 2. Februar 2012 – Gründung der Jungkreuzbundgruppe St. Werner am 3. Februar vor 85 Jahren

1928 gab es erneut eine Abspaltung in der Jugendabteilung des Kreuzbundes durch die Bildung des „Katholischen Wandervogels (KWV)“ unter Carl von Vogelsang. Karl Leisners Gruppe war dabei und er blieb, von einigen „Zwischenspielen“ abgesehen, diesem Bund treu, bis, verursacht durch die Nationalsozialisten, ein Wechsel zum Katholischen Jungmännerverband unter Generalpräses Ludwig Wolker angezeigt erschien.
1930 kam es zu einer Verbrüderung mit den Quickbornern, die aber nicht lange anhielt. Die neugebildete Gruppe hieß „Wölfe“. 1932 kam es sogar zur Gründung einer eigenen Gruppierung, die sich „Waldfreunde“ nannte.
Nach Auflösung des Katholischen Wandervogels am 4. Juli 1933 ging Karl Leisners Gruppe in die Jungschar. Diese hatte innerhalb des Katholischen Jungmännerverbandes unter Ludwig Wolker eine größere Überlebenschance im Nationalsozialismus.

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Der Kreuzbund in Kleve, in: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 2008, Kleve 2007: 210–215

Kalender

 

Unter der Überschrift „Die seligen Karl Leisner und Bernhard Lichtenberg – zwei Selige im Kreuzbund“ erschien in der Kreuzbundzeitschrift „Weggefährte“ Nr. 3/4 – Mai/Juni/Juli/August 1999: 34f. ein Artikel über den ähnlichen Leidensweg der beiden Martyrer.

Weggefährte1 (1)
Weggefährte2 (1)