Karl Leisner und das Jubiläum der Kapuziner in Münster

KapuzinerMSAnwesenheit von Kapuzinern in Münster seit 1611 – Auf­nah­me im Kirch­spiel St. Ludgeri – Bau von Kloster u. Kirche auf dem Stricks­hof an der Aegidii­str. 1617–1621 – Aufhebung des Klosters 1811 – Abriß der Gebäude 1828 – nach Einsturz der St. Aegidiikirche Überlassung der Kapu­zinerkirche als neue Pfarrkirche durch die Regierung an die Gemeinde – Rück­kehr der Kapuziner nach Münster u. Bau des Klosters am Stadtrand vor dem Neutor, heute Kapuzinerstr. 27/29, 1857 – Weihe von Kirche u. Klo­ster 3.7.1858 – Vollendung des Klosterneubaus 1862 – Schließung im Kultur­kampf 20.8.1875 – Wiedereröffnung 2.8.1887 – Aufstockung 1910–1911 – fast völlige Zerstörung durch Bom­ben 28.10.1944 – Wieder­aufbau – erster Gottesdienst in der Kirche 4.10.1946 – Grundrenovierung des Klo­sters 1993–1995

Foto Kapuziner Münster

Nach einer kürzlich aufgefundenen Urkunde wurden die Kapuziner in Münster durch ein Dokument des münsterschen Bischof Ferdinand von Bayern vom 27. August 1615 „privilegiert“, das heißt, sie durften in der Stadt predigen und betteln.

siehe Kirche + Leben vom 23. August 2015

kapuziner-MX0006_34

 

siehe auch

Link zu 400 Jahre Kapuziner in Münster

Link zum St. Paulus-Dom Münster

Karl Leisner hatte vielfach Kontakt zu Kapuzinern, sowohl in Münster als auch darüber hinaus.

Karl Leisner und die Kapuziner in Münster

Wie alle Jungen in Kleve erlebte Karl Leisner intensiv die Kapuziner im „Spyckklösterchen“[1], und es wundert nicht, daß einer seiner Freunde, Alfons (Föns) van Thiel, Kapuziner wurde. Er nahm den Namen Oskar an.[2] Karl Leisner besuchte ihn u. a. im Kapuzinerkloster in Münster. Im Collegium Borromaeum in Münster war Karl Leisners Spiritual der Kapuziner P. Bernardin Goebel[3].

[1]     Spyckkloster (Spyckklösterchen) in Kleve – heute Pfarrkirche Herz Jesu
SpyckEintreffen von Kapuzinern in Kleve am Aschermittwoch 1627 – Voll­en­dung ihres Klosters an der Stechbahn 1653 – Zusammenarbeit mit den Mino­riten der Unterstadtkirche – Aufhebung des Klosters 1802 – Grundsteinlegung eines Klosters mit einer Kirche in der Bau­ernschaft Spyck (Pfarrei Rindern) 23.4.1866 – Einweihung durch Weihbischof Johannes Boßmann aus Münster 4.10.1872 – Aufhebung des Klosters 1875 – Rückkehr 1887 – Studienanstalt der Ordensprovinz für philo­so­­phi­sche u. theo­logi­sche Studien 1890 – Abtrennung des Bereiches von der Unter­stadt­kirche (St. Mariä Empfängnis) 1966 – selbständige Pfarrei Herz Jesu, Rindernscher Deich 23, 1991 – Groß­ge­meinde Kleve 2005

[2]    Alfons (Föns) Matthias van Thiel (* 30.10.1909, † 24.12.1988 in der Pfalz) – Materborn, Königsallee 17 – Schnei­der – als „Föns“ van Thiel wich­tige Person im Gruppengeschehen der Jun­gen um Karl Leisner – Mitglied der Jung­kreuzbundgruppe Sigismund – Kontakt zur Jungkreuzbundgruppe St. Werner 2.10.1927 – Teilnahme an der Westfalenfahrt 1928 u. der Rügenfahrt 1929 – nach Walter Vinnenbergs Weggang von Kleve Gruppenführer der Jung­kreuzbundgruppe St. Werner – Eintritt ins Kloster der Kapuziner in Krefeld 1.10.1930 – Einkleidung als Tertiar 11.10.1930 – Noviziatsbeginn in Stühlingen 29.8.1931 – als Bruder Oskar im Kapuziner­kloster in Münster 1931–1938 – Zeitliche Profeß 30.8.1932 – Ewige Profeß 30.8.1935 – Austritt aus dem Orden u. Heirat in Neustadt an der Weinstr. mit Johanna Münch (* 21.11.1919, † 30.4.1979) 1942 – Chemiefach­arbei­ter – Neuhofen, Ludwigshafener Str. 1a – Im Seligspre­chungs­prozeß für Karl Leisner hat er 1982 als Zeuge ausgesagt.

[3]   Pater Dr. theol. Bernardin (Franz) Goebel OFMCap, genannt Pater Bart, (* 1.10.1881 in BartValwig/Mosel, † 3.12.1973) – Eintritt bei den Kapuzinern 30.9.1900 – Priester­weihe 1.6.1906 – Spiritual im Colle­gium Borromaeum in Münster 20.1.1930 bis 19.5.1956
Wilhelm Wissing:
Erwähnenswert ist auch der Spiritual des Borro­maeums, Pater Bernardin, der jahraus jahrein täglich die Abendbetrachtung hielt. Er rückte dabei niemals von der klassischen Dreiteilung des Stof­fes ab, was uns zu der boshaften Be­merkung ver­an­laßte, der Spiritual würde eine Betrachtung über den Apostel Bartholomäus und sein Martyrium in folgende drei Punkte teilen: 1. Bartho­lomäus an sich 2. Bartho­lomäus mit Haut 3. Bartholomäus ohne Haut (Wissing, Wilhelm, Gott tut nichts als fügen. Erinnerun­gen an ein Leben in bewegter Zeit. Karl R. Höller (Hg.), Mainz 2001: 50).

Münster, Donnerstag, 17. Mai 1934
Von 14.00 bis 14.45 Uhr bei Bruder Oskar (Föns van Thiel) im Kapu­zinerkloster [Kapuzinerstraße 27/29] im Garten. Von Kleve und allem möglichen nett geplaudert. Föns ist noch immer der feine, gute, lustige Kerl. Vielleicht etwas ernster und älter!
[…]
Von 17.00 bis 18.00 Uhr Konferenz bei P. Bernardin [Goebel OFMCap]. Wie immer tief, verstehend, klug und fein! Über die Schwie­rigkeiten von der Betrachtung sprach er.

Karl Leisner war tief beeindruckt von den Geistlichen Impulsen seines Spirituals.

Am 5. Mai 1934 zo­gen 87 junge Männer ins Collegium Borromaeum in Münster ein, um Priester zu werden. 65 wur­den geweiht, unter ihnen auch Karl Leisner. Er teilte anfangs sein Zimmer mit Jakob Lomme[1].

Jakob Lomme aus Weeze am 5. Dezember 1976 an Heinrich Kleinen[2] in Uedem:
Ich kam mit Karl Leisner aus Kleve auf dasselbe Zimmer und hatte Gelegenheit, ihn aus der Nähe zu beobachten. […] Auch die meditative Form des Betens lag ihm. Nach dem Vor­trag des Spi­rituals (P. Bernardin) blieb er, in Gebet und Betrach­tung versunken, häufiger auf seinem Platz zurück und verließ dann nicht selten als letzter die Kapelle.

Karl Leisners Tagebücher geben Zeugnis davon, wieviel Geistliche Impulse er von Pater Bernardin bekommen hat.

[1]    Jakob Lomme (* 3.10.1914 in Walbeck, † 24.3.1997) – Eintritt ins Collegium Borromaeum in Münster 1.5.1934 – anfangs Zimmergenosse von Karl Leisner – Priesterweihe 23.9.1939 in Münster – Kaplan in Rheurdt St. Nikolaus 17.4.1940 bis 1943 – Militärdienst 1943–1945 – Pfarrer in Weeze 1960–1988

[2]    Heinrich Kleinen (* 27.8.1914 in Duis­burg-Hamborn, † 10.2.2004 in Goch) – Eintritt ins Collegium Borromaeum in Münster 1.5.1934 – Priester­weihe 23.9.1939 in Mün­ster – Ka­plan in Kleve Christus König 1948–1954 – Pfarrer in Uedem 1961–1986 – Erster Vorsit­zender des IKLK 1975–1987 – Im Martyrerprozeß für Karl Leisner hat er 1990 als Zeuge ausgesagt.

Seine Probekatechese hielt Karl Leisner im Kapuzinerkloster.

Münster, Montag, 9. Januar 1939
[Tgb. 28, 8]
14.30 Uhr Probekatechese im Kapuzinerkloster.[1] Hirtenlegende wurde statt 10 Minuten 25! – Das Niveau der Geschichte (nach Köbes [Jakob] Lomme) unter dem der rfd. [? reifenden] Mädchen. – Sprache der Mädchen eine andere als die der Buben. Zu Ende [Schlußgebet] an der Krippe. Allein durch die Felder zu­rück.

[1]    Zum Kapuzinerkloster in Münster gehörte nie eine Schule. In der nahegelegenen Schul­straße gab es eine Realschule, die heute aufgelöst ist. Deren Schüler feierten in der Kapu­zinerkirche ihren Schulgottesdienst. Da vom „Schlußgebet an der Krippe“ die Rede ist, hat vermutlich auch die Katechese in der Kapuzinerkirche stattgefunden.

Diese Begebenheit trug Karl Leisner noch in ein anderes Tagebuch ein:

[Tgb. 26, 36f.]
14.30 Uhr Probekatechese bei den Mädchen der siebten Klasse im Kapuzi­nerklo­ster. – Die (erste) Hirtenlegende wurde zu lang und dadurch litt die Stunde. Schlichter sich in die Kinder einfühlen. Mädchen sind anders als Jungens!
Kritik von Köb [Jakob] Lomme (s. [? sehr] gut): Sprache der Mädchen anders als die der Jungen. Die Hirtenlegende unter dem Niveau dieser Mäd­chen. Das Beste: Das Schlußgebet an der Krippe.[1] – Wie damals [am 19.1.1938] bei der Predigtkri­tik vom Regens [Arnold Francken[2]]: „Weniger – und mehr!“ – Genauer zusehn! Maß halten. – Und innere Freiheit und mehr see­lischen Abstand (Ehrfurcht) vor dem Kind!
Nachher „per regionem“ [durch die Felder] zum [Priester-]Seminar zurück. Ich treffe per Zufall noch einige Kinder. Sie gehen ein Stück Wegs mit. – Nochmals: Mehr Ehrfurcht und innere „Form“! (
Exerzitien [23.­­ bis 28.10.1937 in Münster] von P. [Ludwig] Esch [SJ]). Das eine von den beiden Rotkäppchen (den Zwillingen) meint beim Suchen von Eigenschaftsworten: „Ich suche eine hübsche Frau.“ – Was die Kinder oft alles denken und helles Gespür haben, hab’ ich in die­ser Stunde und nachher erfahren. – Deo gra­tias!
Vor­her demütiger beten und schlichter sein!

[1]    vermutlich frei formuliert

[2]    Prälat Dr. h. c. Arnold Francken (* 6.8.1875 in Ker­venheim, † 31.3.1954) – Eintritt ins Collegium Borromaeum in Münster 24.4.1896 – Priester­weihe 9.6.1900 in Münster – Sub­re­gens im Priesterseminar in Münster 1908–1933 – Regens 8.11.1933 bis 1948 – Domkapi­tular 1923 – Päpstlicher Hausprälat 1936 – Aposto­lischer Protonotar 1948 – Bei seiner Be­erdigung waren ca. 400 Priester an seinem Grab versammelt. Er schick­te Pakete für Karl Leisner ins KZ Dachau.

In einem Brief an Elisabeth Ruby[1] kommt er erneut auf die Katechese zurück:

Karl Leisner aus Münster (Priesterseminar) am Lichtmeßabend 1939 an Eli­sabeth Ruby in Radolfzell:
Heil Dir, Elisabeth!
[…]
Deine ersten Kateche­sen[2] werden ja ein Erlebnis für Dich gewesen sein – und soweit ich mir das im Geiste ausmalen kann und ich Dich kenne, auch für Deine klei­nen christ­lichen Zuhörer. An Vigil von Erscheinung des Herrn durfte ich meine erste Probekatechese vor Mädchen halten über das Festgeheimnis.[3] Im Geschich­tenerzählen gelang’s mir noch nicht, den „Ton“ der Mädchen­seele so ganz zu erlauschen. – Ja, die Mädchen sind und bleiben uns ja wohl in ih­rem See­lenbau immer besonderes Geheimnis. – Die Gottesmutter kann und wird uns Kündern der Frohbotschaft ihres göttlichen Sohnes wohl da­bei helfen. Und in Christus und im Heiligen Geiste gibt es ja auch den Un­ter­schied der Ge­schlechter nicht mehr, besser: er ist zu göttlicher Einheit überhöht [vgl. Gal 3,28].

[1]    Elisabeth Maria Ruby (* 24.3.1914 in Berlin, getauft 25.3.1914, † 25.12.1993) – Karl Leisner 2014_03_24_Rubywohnte 1937 während seines Studiums in Freiburg/Br. bei Familie Joseph Ruby. Als er an einer Mittelohrentzündung erkrankt war, pflegte Elisa­beth ihn, und beide verlieb­ten sich ineinander, entschieden sich aber nach inneren Kämpfen bewußt für einen anderen Lebensweg. Elisabeth wurde Seel­sorgehelfe­rin und Haushälterin bei ihrem Bruder Karl in Radolfzell, war vor­wiegend in der Ju­gendar­beit tätig und gab Religi­onsunter­richt. Im Seligsprechungsprozeß für Karl Leisner hat sie 1981 als Zeugin ausgesagt.

[2]    Elisabeth Ruby unterstützte ihren Bruder Karl als Seelsorgehelferin in den Gemein­den Liebfrauen und St. Meinrad in Radolfzell.

[3]    Die Katechese war am 9.1.1939.

* * * * *

Impressionen von der Jubiläumsausstellung „Betteln und Verkündigen“ im Kreuzgang des Paulus-Doms in Münster

IMG_3559IMG_3564

IMG_3575IMG_3567

IMG_3560IMG_3583

* * * * *

Karl Leisner und die Kapuziner über Münster hinaus

Durch Alfons (Föns) van Thiel lernte Karl Leisner auch das Kapuzinerkloster in Krefeld kennen.

Kleve, Montag, 22. September 1930
Föns [van Thiel] geht ins Kloster?!
Am Montag, den 22.9.1930, abends um 18.00 Uhr allgemeine Zusammen­kunft [aller Gruppen]. – Ab­schiedsfeier von Föns?! – Trübe Stimmung. Edi [Krechel[1]] bringt einen Blumenstrauß mit. Theo [Derksen[2]] holt uns Ältere heraus und sagt es uns. Zunächst baff. Dann, „dat kos eck min denke!“ [Das konnte ich mir den­ken!] – Einige Abschiedslieder; dann sagt Theo es allge­mein, daß Föns ins Kloster will! – Dann Abschied von Föns. Ein letzter Hän­dedruck an der Ecke des Mühlenwegs.[3] – Dann – Jetzt hat der liebe, gute Föns uns verlas­sen. – Gott hat ihn ins Kapuzinerklo­ster als Bruder berufen. Aufrichtig ge­sagt: Es ist zum Heulen! Aber …! Jetzt müssen wir ohne Föns weiterarbei­ten. Es ist ja ein harter Verlust und wohl niemals werden wir wohl einen so lieben, feinen Führer wiedererhalten! – Aber es muß auch ohne Föns, mit Föns’ Gebet weitergehen. Vorwärts, voran!
(Am Mittwoch um 8.00 Uhr fuhr er ab nach Krefeld!)[4]

[1]    Eduard (Edi) Franz Krechel (* 14.10.1915 in Bedburg, katholisch getauft, † ?) – Er kam Ostern 1925 in die Sexta des Gymnasiums in Kleve und verließ es 1931 aus der Ober­se­kunda, wohnte später in Warbeyen und gehörte vermutlich zu den Gründern der Gruppe St. Werner, muß aber noch 1927 ausgetreten sein, denn am 14.11.1927 ist sein Neuein­tritt er­wähnt. Er hat an der Rügenfahrt 1929 und der Spielfahrt 1930 teilgenommen. Später wohnte er in Warbeyen.

[2]    Theodor (Theo) Derksen (* 3.12.1910 in Kleve, † an Lungenent­zün­dung 3.12.1946 in rus­si­scher Gefangenschaft in Maginez im dortigen Laza­rett) – Mitglied der Jung­kreuz­bund­gruppe Sigismund – Kontakt mit der Jung­kreuz­bund­gruppe St. Werner 2.10.1927 – Teil­nahme an der Westfalenfahrt 1928, der Pfingstfahrt 1930 u. der Pfingst­fahrt 1934 –  Am 1.12.1939 wurde er zum Kriegsdienst ein­gezo­gen und war 1940 Soldat in Frankreich. Am 23.3.1940 heiratete er Hed­wig Klein­schmidt.

[3]    Keine offizielle Straßenbezeichnung. Vermutlich nannten die Jungen den Weg zu ihrer Mühle so.

[4]    Das Kloster der Kapuziner in Krefeld bestand von 1892 bis 1992.

Samstag, 21. Februar 1931
Karl Leisner aus Kleve an Walter Vinnenberg[1]in Münster:
Lieber Walter!
Endlich schreibe ich Dir mal wieder. […] Weißt Du vielleicht, ob man Kapuziner-Föns [van Thiel] in der Fastenzeit besuchen darf?!! Denn ich wollte, wo ich jetzt am ersten Sonntag im März [1.3.1931] nach Süchteln zu Willi fahre, auch mal eben zu Föns [in Krefeld], was ja von Süchteln aus keine Weltreise mehr ist. Ich habe Föns ge­schrieben, aber der läßt – scheinbar ganz „verklöstert?“ – nichts, auch kei­nen Ton, von sich hören.[2] Also schreib mir mal bitte über das vor dem ersten Sonntag im März; denn später bietet sich einem nicht mehr solch eine gün­stige Gelegenheit, weil Willi nach dem Ende des Schuljahres end­gültig nach Hause kommt.

[1]    Prälat Dr. phil. Walter Vinnenberg (* 8.6.1901 in Lipp­stadt, † 1.12. 1984 in Bocholt) – Priester­weihe 27.2.1926 in Münster – Karl Leisners Re­ligi­onslehrer bis Ostern 1929 – Später war er an zahlreichen Stellen des Bistums Münster tätig.

[2]    Vermut­lich durfte er, wie damals üblich, keine Außenkontakte pfle­gen.

Sonntag, 1. März 1931
Karl Leisner besuchte seinen Bruder Willi in Süchteln und vermutlich auch Alfons van Thiel im Kapuzinerkloster in Krefeld.

* * * * *

Über seinen Kameraden von der Flandernfahrt und späteren Schwager Wilhelm Haas[1] bekam Karl Leisner ebenfalls Kontakt zu den Kapuzinern.

[1]    Wilhelm (Willy) Haas (* 17.11.1914 in Rindern, † 27.12.1993 in Kellen) – Kleve, Mittel­weg 96 – Er kam Ostern 1925 in die Sexta b des Gymnasiums in Kleve und ging 1926 zu­rück zur Volksschule. 1928 kam er auf das St. Josefskolleg der Kapuziner nach Bocholt, wo er die Mittlere Reife erlangte. Er hat 1935 an der Flandernfahrt teilgenommen. 1936 leg­te er sein Abitur am Georgsgymnasium in Bocholt ab und trat Ostern (23.4.1936) als Frater Engelbert in das Noviziat der Kapuziner in Stühlingen ein. Von 1936–1940 stu­dier­­te er Philoso­phie und Theolo­gie in Krefeld, Mainz und Münster. Von 1940–1945 war er Sol­dat in der Wehrmacht. Er wurde dreimal verwundet und kam ins Lazarett nach Athen. 1942 entschied er sich in Nordafrika vor Tobruk/Lybien, aus dem Kapuzinerorden auszu­tre­ten, und meldete sich von Afrika aus am 13.12.1942 schriftlich beim Orden ab. Neben zahlreichen anderen ehrenamtlichen Aufgaben wurde er 1975 Geschäfts­führer des IKLK. Schon früh sammelte er Dokumente über Karl Leisner. Vor allem nach seiner Pensio­nie­rung setzte er im IKLK seine ganze Kraft für die Seligspre­chung seines Schwa­gers ein. Im Seligsprechungsprozeß 1981 und Martyrerpro­zeß 1990 für Karl Leisner hat er als Zeuge ausgesagt.

Besuch bei Fr. Engelbert (Wilhelm Haas) in Stühlingen

Am 7. Juli 1938 erinnert Karl Leisner sich an diese Fahrt:
Stühlingen zu Beginn des Mai [1936] war Mahnung und innerer Ruf zu neuem Leben.

Haas

 

6. Mai 1936 in Stühlingen

Fr. Engelbert (Wilhelm) Haas u. Karl Leisner

 

 

Karl Leisner am 11.5.1936 an Walter Vinnenberg:
Jetzt zu Anfang Mai war ich vier Tage [6. bis 8.5.1936] los auf Trampfahrt, um Willi Haas, einem Klever und Flandernfahrtkameraden – ich weiß nicht, ob Du ihn kennst – als jungen Kapuzinernovizen [Fr. Engelbert in Stühlin­gen] zu begrüßen.

Auch im Kapuzinerkloster in Mainz besuchte Karl Leisner Fr. Engelbert.

Freiburg/Br., Mittwoch, 30. März 1938
Am Mittwoch, den 30.[3.] Start [Richtung Kleve]. – Int. Coll. [Colloquia magni momenti – Interessante Gespräche beim Trampen], die den Beruf stärken. GB [Engländer] – Abends über Wiesbaden nach Mainz.

Mainz, Donnerstag, 31. März 1938
Am 31. (Donnerstag) bis 9.45 Uhr bei Fr. Engelbert[1]. – 10.15 Uhr los. 12.00 Uhr in Bingerbrück Krefelder Wagen. 18.00 Uhr in Hüls. 18.45 Uhr mit einem Nl [Niederländer] in Kleve.

[1]    Fr. Engelbert (Wilhelm) Haas studierte damals in Mainz Philosophie und Theolo­gie.

* * * * *

Auch die Kapuzinerpatres Konstantin Rösch[1], Eugen Henne[2] und Osmund M. Gräff[3] waren auf Grund ihrer Veröffentlichungen für Karl Leisner von Bedeutung.

[1]    Pater Dr. theol. Konstantin Rösch OFMCap (* 12.2.1869 in Eisenharz/Schwaben, † 23.2.1944 in Münster) – Eintritt bei den Kapuzinern 24.5.1889 in Sigolsheim/Elsaß/Haut-Rhin/F – Profeß am 24.2.1893 in Mainz – Priesterweihe 26.2.1893 in Mainz – Studium an der Uni­versität Münster 1899 – anschließend am Bibel-Institut in Jerusalem – Dozent an der Ordens­hochschule in Münster 1895–1899 u. 1907–1941 – Übersetzer des Neuen Testamen­tes, Paderborn 1921–1940 (1 Million Exemplare)

[2]    Pater Dr. theol. lic. bibl. Eugen Henne OFMCap (* 23.3.1892 in Stuttgart, † 6.4.1970 in Orselina/Tessin/CH – Priesterweihe 6.8.1922

[3]    Pater lic. theol., lic. bibl. Osmund M. Gräff OFMCap (* 29.7.1910 in Koblenz, † 13.8.1997 in Münster) – Eintritt bei den Kapuzinern 19.4.1930 in Stühlingen – Profeß am 24.4.1934 in Münster – Priesterweihe 28.3.1936 in Münster – Übersetzer des Alten Testa­mentes – Dozent in Novara/I – Pöni­ten­tiar im Dom zu Münster 1978–1991

1932 bekam Karl Leisner ein Neues Testament.[1] Unterstrei­chungen und Noti­zen geben Zeugnis davon, wie sehr er mit dem Text gearbei­tet hat. Auf die erste Seite notierte er:
Unsere Gruppenbibel im KWV.
Von der Gruppe mir geschenkt.
Grundsätze für die Schrifterklärung:
1, Das Anknüpfen an die Fassungskraft der Zuhörer.
2. Die Einbeziehung der Umwelt als Mittel für die Kündung der Froh­bot­schaft.
3. Die Heranziehung besonderer Ereignisse aus Geschichte und Gegen­wart im Sinne einer Deutung für die Predigt vom Gottesreich.
4. Die Kenntnis der Lebenswelt der Zuhörer als Voraus­setzung für die leben­dige Kündung des Wortes Got­tes.

[1]    Rösch, Konstantin: Das Neue Testament, Paderborn 1931

Kleve, Montag, 30. März 1936
Lect. contin. [Lectio continua – Fortlaufende Lesung] (Henne[1]).

[1]    Im Nachlaß von Karl Leisner befindet sich mit dem Eintrag „Karl Leisner 1936“ folgendes Buch:
Henne, Eugen: Das Alte Testament aus dem Grundtext übersetzt und erläutert von Pater Dr. lic. bibl. Eugen Henne OFMCap. 2 Bde., Paderborn 1934

Folgender Brief aus dem KZ Dachau zeigt, wie wichtig für Karl Leisner die Heilige Schrift war.

Karl Leisner aus Dachau am 15. September 1941 an seine Mutter in Kleve:
Liebste Mutter!
Dir darf ich diesen Sonderbrief schreiben um Übersendung folgender Sachen: […] 2. der Hei­ligen Schrift a) des Alten Bundes (Ausgabe in Auswahl von Henne Gräff bei Schöningh – Pader­born zu 2,00 RM)[1]

[1]     Henne, Eugen; Gräff, Osmund M. (Hg); mit einem Vorwort von: Henne, Eugen; Gräff, Osmund M.: Das Alte Testament. Heilsweg und Heilskraft in der Gottesoffenbarung des Alten Bundes. Als Auswahl aus der Ganzausgabe ds Alten Testaments mit Einführungen, Überleitungenund Erläuterungen, herausgegeben von P. Dr. Eugen Henne und P. Osmund M. Gräff OFMCap. Paderborn (Ferdinand Schöningh) 1938

Fotos Gabriele Latzel und IKLK-Archiv