Karl Leisner und die Olympischen Spiele 1936

Plakat

Es ist eigenartig, daß der sportliche und sporttreibende Karl Leisner in seinem Tagebuch weder Einträge noch Notizen zur Olympiade 1936 gemacht hat. Aber auch andere sportliche Ereignisse finden keinen Nachklang in seinen Tagebüchern.

Mit dem Olympiastadion in Berlin ist Karl Leisner jedoch über seinen Tod hinaus verbunden; denn 60 Jahre nach der Olympiade wurde er zusammen mit Dompropst Bernhard Lichtenberg am 23. Juni 1996 in diesem Stadion seliggesprochen.

 

 

Olympiade 1936
Vom 1. bis 16.8.1936 fanden die XI. Olympischen Sommer­spiele in Berlin statt. Seitdem gehören der Fackel-Stafetten-Lauf vom griechischen Olympia zum jeweiligen Austra­gungs­ort der Spiele, die Olympische Glocke und die Olympia-Hymne zum olym­pi­schen Ritual. Auf dem Gelände des in der Zeit von 1934 bis 1936 nach den Plänen des Architekten Werner March (1894–1976) erbauten Olympiasta­dions in Ber­lin gibt es die Lange­markhalle zum Gedenken an die Gefal­lenen von 1914. Dort hat Adolf Hitler vor der Eröff­nung der Olympischen Spiele 1936 eine Ge­denkmi­nute ein­gelegt.
Am Abend der Eröffnung wurde das Festspiel „Olympische Ju­gend“ mit den vom Gene­ralsekre­tär des Organisationskomitees Carl Diem (1882–1962) verfaßten Texten und der Musik von Carl Orff (1895–1982) und Werner Egk (1901–1983) auf­geführt. Dieses Festspiel gipfelte in einer Verherrli­chung des Hel­dentodes für das Vaterland, während ein Feuer­meer am oberen Stadionrand aufleuch­tete und die Olym­pia­glocke zum Totengedenken läutete.
Ein Sprecher deklamierte:
Allen Spieles heil’ger Sinn / Vaterlandes Hochgewinn
Vaterlandes höchst Gebot / in der Not: Opfertod (Carl Diem).
Daran schloß sich ein Waffentanz an, der mit dem Schwerttod endete, anschließend tanzte Mary Wig­man (1886–1973) eine Totenklage.

In der Süddeutschen Zeitung vom 27./28.Juli 1996 heißt es in einem Artikel von Evelyn Roll unter dem Titel „Vor dem Mord: der Sport“:
„Am 28.4.1945, als der Krieg schon fast vor­bei ist, zieht der kommissarische Reichs­sportführer Karl Ritter von Halt [1891–1964] die letzten Hitlerjungen Ber­lins zu einer militärisch vollkommen sinnlosen Aktion im Volkssturmbataillon „Reichssportfeld“ zusam­men. Kinder zwischen 13 und 14 Jahren sollen das hei­lige Reichssportfeld von den So­wjets zu­rücker­obern. Carl Diem ist der Ordo­nanzoffizier von Halts und hat den Kindern vom Volkssturm­lehr­gang Reichssportfeld die Toten­rede gehalten: ‚Wunder­bar ist der Tod, wenn der edle Krieger für das Vaterland fällt.’ Vier­hundert, die sich wei­ger­ten, in das Sperrfeuer der feindli­chen MGs zu ren­nen, werden hinter dem Sta­dion ‚wegen Deserta­tion und Wehr­kraftzerset­zung’ erschossen. Nach dem unsin­nigen An­griff liegen 2.000 Tote auf dem Reichs­sportfeld, die meisten davon sind noch keine 16 Jahre alt.“

Das Berliner Olympiastadion war die Verbrämung eines Totenkultes. Sport und Wettkampf stellten für die Nationalsozialisten Vorübung für Krieg und Op­fertod dar, weit entfernt vom Gedanken des Friedens und der Völkerverständigung.
Erschreckend ist die Gleichzeitigkeit der Ereignisse. Im Juli 1936 wurde das KZ Sachsenhausen, in das Karl Leisner am 16. März 1940 gebracht wurde, in Oranienburg bei Berlin errichtet.[1]

[1]    Sehr geehrte Damen und Herren des IKLK,
vor 80 Jahren, im Sommer 1936, mussten Häftlingen aus den Emslandlagern das Konzentrationslager Sachsenhausen errichten. Das „Konzentrationslager bei der Reichshauptstadt“  war die erste Neugründung eines KZ nach der Ernennung des Reichsführers SS Heinrich Himmler zum Chef der Deutschen Polizei im Juli 1936.
Die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen erinnert am Sonntag, 4. September 2016, um 12 Uhr mit einer Matinee an den 80. Jahrestag der Gründung des KZ Sachsenhausen.
Der aus Theater und Film bekannte Schauspieler Ulrich Matthes liest Erinnerungsberichte von Häftlingen aus der frühen Phase des KZ Sachsenhausen. Die Matinee wird abgerundet durch Lagerlieder, die Florian Hille (Bariton) und Dirk Homuth (Gitarre) präsentiert werden, und eine historische Einführung von Prof. Dr. Günter Morsch (Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten).
Zu dieser Veranstaltung laden wir Sie sehr herzlich ein. Der Eintritt ist frei.
Um Anmeldung wird gebeten via Telefon unter 03301-810921 oder per E-Mail an willemsen@stiftung-bg.de
Herzliche Grüße
Jessica Willemsen
Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
/ Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Heinrich-Grüber-Platz 3
16515 Oranienburg
Tel. +49(0)3301-810921
Fax +49(0)3301-810926
willemsen@stiftung-bg.de
www.stiftung-bg.de
www.facebook.com/SachsenhausenMemorial/

Der Altar, an dem Papst Johannes Paul II. die Eucharistie feiererte, während derer er die Selig­sprechung von Karl Leisner und Dompropst Lichtenberg vornahm, stand im Marathontor, das an den legendären Läu­fer erinnert, der 490 v. Chr. G. die Sieges­nachricht von der Schlacht der Griechen über die Perser nach Athen brachte und bei seiner Ankunft tot zusammenbrach. Bei den Olympischen Spielen 1936 stand an der Stelle des Altares der Dreifuß mit der Olympi­schen Flamme.

Als die Ausrichtung der Fußballweltmei­sterschaft 2006 in Berlin feststand, hielten die Ver­antwortlichen Umbauten am Olympiastadion für notwendig. Ästhetik und Geschichte stan­den da im Weg. Berlin hat wider alle Bedenken einen Totalumbau des Olympia­stadi­ons ausgeführt. Mit der Neueinweihung am 30.7.2004 wurden 76.000 Plätze unter Dach ge­bo­ten.

Link zur Sendung Zeitzeichen vom 1. August 2016 im WDR

und Link zum Artikel „Stichtag 1. August 1936 – Eröffnung der XI. Olympischen Spiele in Berlin“ im WDR

Siehe auch Link zu ullstein bild „Zeitreise #Berlin1936: Tag für Tag „live“ von den Olympischen Sommerspielen“ von Torsten Barabaß