Karl Leisner und die Pallottiner

Vinzenz Pallotti (* 21.4.1795 in Rom, † 22.1.1850 ebd., beigesetzt in S. Salvatore in Onda in Rom) – Priesterweihe 16.5.1818 in Rom – Seelsorger in Rom – Gründer der Ge­sell­schaft des katholischen Apostolates (SAC – Pallottiner) 1834/1835 – Seligsprechung 22.1.1950 – Heilig­sprechung 20.1.1963 – Ernennung zum Patron des Priester-Missi­ons­bundes durch Papst Johannes XXIII. 6.4.1963 – Gedenktag 22.1.
Quelle des Fotos: Wikimedia Commons / gemeinfrei (abgerufen 08.07.2018)

Pallottiner (PSM/SAC)
Die Bezeichnung für die 1835 von Vinzenz Pallotti ge­grün­deten Pallottiner wechsel­te von SAC (Societas Apo­stolatus Catholici (lat.) = Gesellschaft des katholischen Apo­stola­tes) über PSM (Pia Societas Missio­num (lat.) = Fromme Missions­gesell­schaft) 1854–1947 wie­der zu SAC.

In ihrer Zeitschrift „Das Zeichen“ brachten die Pallottiner in der Juli/August-Nr. 2018 auf Seite 57 einen Artikel über Karl Leisner.

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Karl Leisner
12. August

Ein einziges Wort brachte ihn gleichsam um Kopf und Kragen. Ein einziges Mal durfte er als Priester die Heilige Messe feiern. Gerade einmal 30 Jahre alt wurde Karl Leisner, geboren am 28. Februar 1915 in Rees am Niederrhein und gestorben am 12. August 1945 in Planegg bei München.
Karl Leisner wächst in Kleve auf. Im katholisch geprägten Milieu seiner Umgebung lernt er den Glauben lieben. Als Gymnasiast engagiert er sich in der katholischen Jugendbewegung, angeleitet durch seinen Religionslehrer Walter Vinnenberg. Karl hat das Charisma, junge Leute begeistern zu können. Jesus Christus und nicht Ideologien sollen ihr Leben prägen. „Christus – Du bist meine Leidenschaft!“, schreibt der junge Mann in sein Tagebuch. Er will Priester werden. Nach seinem Abitur 1934 beginnt er in Münster mit dem Theologiestudium und wird von Bischof Clemens August Graf von Galen zum Jungscharführer des Bistums ernannt. Seit der Machtergreifung durch die Nazis wird die Luft für die kirchliche Jugendarbeit allerdings immer dünner. Die Gestapo beobachtet ihn, durchsucht sogar seine Wohnung. Dennoch gelingt es ihm, Jugendgruppen aufzubauen und heimliche Reisen in die Benelux-Staaten zu organisieren, wo er Jugendlager veranstaltet. Seine Spiritualität schöpft er auch aus der Begegnung mit der Schönstattbewegung, der er bis zum Ende seines Lebens angehört. Wenige Male kann er in der Vallendarer Gnadenkapelle beten und Orientierung für seinen Lebensweg erbitten.
Von seinem Bischof empfängt Karl am 25. März 1939 die Diakonenweihe, nachdem er in einem Freiburger Studienjahr intensiv um seine Berufung gerungen hatte. Eine Lungentuberkulose macht ihm zu schaffen. Schon bald muss er zur Kur ins Sanatorium St. Blasien im Schwarzwald gehen. Dort nimmt sein Leben eine dramatische Wendung. Als Karl Leisner vom missglückten Attentat Georg Elsers auf Hitler erfährt, kommentiert er dies mit einem einzigen Wort: „Schade!“ Er wird denunziert und inhaftiert, erst in Freiburg, dann in Mannheim ins Gefängnis gesteckt. Es ist eine Tortur für den Lungenkranken. Über das KZ Sachsenhausen wird er im Dezember 1940 ins KZ Dachau verschleppt, wo seine Tuberkulose vollends aufbricht. Im Krankenrevier ist er mit bis zu 150 weiteren Lungenkranken auf engstem Raum zusammengepfercht. Mit nichts anderem als der Heiligen Schrift, der heimlich verwahrten Eucharistie und seinem unerschütterlichen Gottvertrauen stellt er sich der Situation, die nach menschlichem Ermessen „Endstation“ bzw. Warten auf den Tod bedeutet.
Noch einmal kommt es für Karl Leisner zu einer unerwarteten Wendung: Im Herbst 1944 wird der Bischof von Clermont-Ferrand in Frankreich, Gabriel Piguet, ins KZ Dachau gebracht. Unter größter Gefahr für alle Beteiligten spendet er dem todkranken Diakon Leisner am Gaudete-Sonntag 1944 die Priesterweihe. Die dazu benötigten Gegenstände werden entweder ins Lager geschmuggelt oder von Mithäftlingen im Geheimen hergestellt. Nur ein einziges Mal, am 26. Dezember 1944, dem Festtag des ersten christlichen Märtyrers Stephanus, kann der Neupriester eine Heilige Messe feiern. Er erlebt noch die Befreiung des KZ Ende April 1945 und kann nach Planegg in ein Tuberkulose-Sanatorium gebracht werden. Doch nur wenige Monate später erliegt Karl Leisner den Folgen seiner Erkrankung und der auszehrenden Jahre in Gefangenschaft. Papst Johannes Paul II. spricht ihn am 23. Juni 1996 in Berlin selig. Sein Grab befindet sich in der Krypta des Xantener Domes, in seiner niederrheinischen Heimat. Wie Jesus Christus, seine Leidenschaft, besiegte Karl Leisner den Hass durch die größere Liebe.
P. Sascha-Philipp Geißler SAC

Ergänzungen

Jungscharführer des Bistums – Ernennung zum ersten Diözesanjungscharführer für die Diözese Münster am 17. September1934
durchsucht sogar seine Wohnung – Am Freitag, 29. Oktober 1937, kam die Gestapo zu Familie Leisner. Gegen Quittung nahmen die beiden Gestapobeamten aus Düsseldorf Willis und Karl Leisners Tagebücher von 1928 bis 1935 mit.
Reisen in die Benelux-Staaten – das „Große Jungenlager in Groesbeek/NL fand vom 14. bis 25. August 1934 statt; die Flanderfahrt unternahm er vom 3. bis 21. August 1935
Wort: „Schade!“ – „Schade, daß er [Adolf Hitler] nicht dabei gewesen ist.“
Bischof von Clermont-Ferrand in Frankreich – Gabriel Piguet war Bischof des Bistums Clermont und wohnte in der Stadt Clermont-Ferrand
Aufnahmedatum unbekannt – Das Foto wurde am 15. Dezember 1944 in der Lagerkapelle beim Üben für die Priesterweihe gemacht.

* * * * *

Vor den Niederen Weihen1938 machte Karl Leisner einen Rückblick bis 1931. Dabei erwähnte er auch die Gymnasiastentagung und Exerzitien in Schönstatt vom 6. bis 10. April 1933.

Freitag, 1. Juli 1938
Da das Einschneidende, daß wie zufällig Jupp V. [Vermeegen] mich mit den Gochern nach Schönstatt zur Tagung und den zwei Tagen Exerzitien des Gymnasiastenbundes bei P. Alex. [Dr. Alexander] Menningen [SAC] nimmt. Die zwei stillen Tage dort oben im ersten keimenden Frühling auf den nahen Höhen des Westerwaldes und im stillen Gebet im Kapellchen vor dem Gna­den­bild der Dreimal Wunderbaren Mutter oder die abendlichen sakra­men­talen Andachten mit den „Gebeten um Got­tes- und Nächstenliebe“ – mächtig hatte das mir in die Seele gegriffen.

Donnerstag, 6. April 1933
Um 17.00 Uhr in Schönstatt [in „Haus Was­ser­burg“]. Um 19.15 Abend­es­sen. – Um 21.00 Uhr 1. Vortrag in der Kapelle. P. Menningen [SAC] über die Apostoli­sche-Gym­na­­siasten­bewegung. Um 22.00 Uhr zu Bett.

Freitag, 7. April 193
Aus dem zweiten Vortrag notierte Karl Leisner:
Ideal des Jugendheiligen.[1]
[1] Zum Programm der Gymnasiastenbewegung gehörte seit 1929 für P. Alexan­der Menningen SAC:
vor allem die Aufgabe, den jugendlich-religiösen Menschen zu schaffen, um den Jugendheiligen zu ringen (s. Schmiedl, Joachim: Alexander Menningen, Vallendar 2000: 43, zit. Schmiedl 2000).
Der Jugendheilige ist für P. Alexan­der Menningen SAC derjenige, „der im Lichte des Glaubens Ma­ri­entat und Marienart tief erfaßt und beides durch ein enges, persönliches Ver­hältnis zur Gottesmutter in seinem Jugend­leben zur größtmöglichen Aus­prä­gung bringt.“ Die konkrete Anwendung be­schäftigte sich in kontro­versen Gruppendiskussionen u. a. mit dem „Spicken“ bei Schular­beiten, mit der Stellungnahme zum Tanzen, Rauchen, Trinken, zu Kino, Sport und moder­ner Literatur. Der grundsätzlichen Bejahung eines ge­mein­samen Le­bensstils stan­den dabei Differenzen in der konkreten Beur­tei­lung – radikal oder eher ge­mäßigt – gegenüber (s. Schmiedl 2000: 46).
Joachim Schmiedl:
Der Gedanke des christlichen Jugendheiligen wurde an kon­kreten Lebens­bei­spielen illustriert. Dabei rückte Menningen ab 1930 das Lebensbeispiel seiner ei­genen Mitschüler, die auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges ge­fallen wa­ren und deren Engagement den Grundstock für die Schönstatt-Be­we­gung gelegt hatte, in den Vordergrund: Hans Wormer, Max Brunner und Josef Engling (s. Schmiedl 2000: 50f.).
Am 21.8.1934 wurden in Schönstatt die Gebeine der Heldensodalen Max Brunner und Hans Wormer beigesetzt, woran Heinrich Tenhumberg teilnahm.
Aus der Ansprache von Heinrich Ten­humberg an den Heldengräbern in Schön­statt am 11. August 1955:
Liebe Mitbrüder!
Nach der Heimholung der Heldensodalen im Jahre 1934 hielt P. [Joseph] Kentenich [SAC] vor den Theo­logen eine Anspra­che, an die sich ei­nige von uns vielleicht noch entsinnen.
Die Ansprachen von P. Ferdinand Kastner SAC vom 19.8.1934 und von Vikar Zeppenfeld vom 20.8.1934 sind dokumentiert in:
Morituri te salutant [Die Todgeweihten grüßen dich]. Ein schlichtes Gedenk­blatt zum 18. Oktober 1934. Als Manuskript gedruckt, Schönstatt bei Vallen­dar [1934]
Karl Leisner war im August 1934 mit den Vorbereitungen für das Große Lager in Groes­beek beschäftigt und hat weder an den Beisetzungsfeierlichkeiten noch an der Tagung in Schönstatt teilgenommen.
P. Prof. Dr. Joachim Schmiedl ISch aus Vallendar am 8. Februar 2012 an Hans-Karl Seeger:
Das Buch, das Sie suchen, erschien im Frühjahr 1935 unter dem Titel „Schwe­bende Fragen“ als Band 1 einer neuen Reihe „Schönstatt-Studien“ (93 S.). 1936 erschien als Band 2 von Alexander Menningen „Die Erziehungs­lehre Schönstatts, dargestellt am Lebensbilde Josef Englings“. Während das erste Heft nur im Manuskriptdruck erschien, wurde der 2. Band im Limburger Pallottiner-Verlag publiziert.
Die meisten der in dem fraglichen Heft erschienenen Beiträge finden sich auch in der Sammlung „Texte zum Verständnis Schönstatts“ (Vallendar-Schönstatt: Patris Verlag 1974).

Pater Dr. Alexander Menningen SAC (* 20.10.1900 in Hillscheid/Ww., † 19.5.1994 in Schönstatt [Berg Sion]) – Eintritt ins Noviziat der Pallottiner 1920 in Limburg – Priester­weihe 8.8.1926 in Rom – Übertritt in das Säkularinstitut der Schön­stattpatres u. Ewig-Ver­tragsweihe in die Hand des Gründers 18.10.1966

s. auch Literatur:

 

 

Menningen, Alexander
Die Erziehungs­lehre Schönstatts, dargestellt am Lebensbilde Josef Englings. In: Schön­statt-Studien, Bd. 2, 1936
ders.
Held im Werktag. Ein Lebensbild (Josef Engling), Limburg 1938

 

 

Nach Donnerstag, 23. November/vor Samstag, 2. Dezember 1944
Schönstatt-KZ-Priester Johannes Rindermann von Block 26 an Karl Leisner ins Krankenre­vier Block 13:
Lieber Karl!
[…]
Ich weiß, daß Du oft [in Gedan­ken] im Kapell­chen [in Schönstatt] weilst und dort all Deine Opfer zu Füßen unse­rer Mutter ins Gnadenkapital legst. Die Zukunft wird erst ent­schleiern, wie vielen Du durch das tapfere Tragen Deiner Krankheit Hel­fer gewesen bist. Ich lese augenblicklich das Leben Josef Englings.[1] Jetzt weiß ich, was es heißt, ein Werktagsheiliger sein zu wollen. Es heißt opfern, verzich­ten, sich bezwingen, beten, das eigene Ich vergessen und dabei froh und dank­bar in allen Lebenslagen bleiben.[2]
[1] Hermann Gebert aus Simmern/Ww. am 15. Juni 2005 an Hans-Karl Seeger:
Rindermann las mit größter Wahrscheinlichkeit: Menningen, Alexander: Held im Werktag. Ein Lebensbild, Limburg 1938
[2] Es ist fraglich, ob Karl Leisner diesen Forderungen voll zustimmen konnte, s. Tagebucheintrag 21.6.1934 Kritik zur Darstellung des hl. Aloysius von Gon­zaga.
Gestern abend hielt uns der „Chef“ [Direktor Franz Schmäing] in sei­ner feinen, tiefen und lebensnahen Art eine feine Betrachtungsanleitung [Puncta] über den heiligen Aloisius: „Wohl kein Heiliger kann sich so über seine Bio­gra­phen beklagen wie gerade er. Aus einem willensmächtigen und selbst­strengen jun­gen Mann wurde eine unnatürliche, kitschige Heiligenge­stalt. Daß er manch­­mal sogar seine Mutter nicht einmal angeschaut habe, ist aus der losen und gemeinen Mode der Weltdamen von damals zu erklä­ren ( Gemäl­de­­gale­rien!). Diese ganz stramme und willensgespannte Selbst­zucht wollen wir von ihm lernen, 1.) die Augen beherrschen und manchmal geistig wenigs­tens niederschlagen, 2.) keine Menschenfurcht kennen (wie er seinem Vater ge­genüber) und 3.) diese starke poenitentia (= Bußgeist, Selbstzucht) soll uns zur innocentia [Unschuld] führen, damit wir solche Persönlichkeiten werden wie der heilige Aloisius, den zum Bei­spiel seine „feindlichen“ Brüder zur Schlichtung eines schlimmen Streites zu Hilfe riefen und der bei der Pflege der Pestkran­ken seine Gesundheit opferte und an den „Nachwehen“ (Schwind­­sucht) starb.“ [Der] Heilige A. [Aloysius] fragte sich mit ganzer Seele bei allem, was er tat: „Quid hoc ad aeternitatem?“ [Was bedeutet dies für die Ewigkeit?] – so P. Fr. [Friedrich] Muckermann [SJ].

Siehe Rundbrief des IKLK Nr. 38 – August 1998: Drei wichtige Exerzitien im Leben Karl Leisners Seite 28 bis 42.

Pater Josef Arnold Vermeegen SAC/ISch (* 21.2.1913 in Goch, † 24.3.2008 in Schön­statt) – Eintritt in die Quarta des Gymnasiums in Kleve 1926 – Abitur am Gymnasium in Kleve 7.3.1933 – Noviziat bei den Pal­lottinern in Olpe 1.5.1933 bis 1.5.1935 – Priesterweihe 26.3.1939 in Limburg – Er kannte Karl Leisners Großeltern väterli­cherseits, da diese wie er in Goch wohnten.
1932/1933 war er als Oberprimaner in der gemischten Prima zusammen mit Karl Leisner als Unterprimaner und machte ihn auf Schönstatt aufmerksam. Prälat Josef Schmitz, damals Religionslehrer in Goch, hatte Josef Vermeegen mit Schönstatt in Verbin­dung gebracht. Als Mitarbeiter an der Zentrale der Schönstatt-Bewegung wurde Josef Ver­mee­gen Standes­leiter der Schönstatt-Mädchenjugend. Nach der Gründung des Institutes der Schönstattpa­tres (ISch) am 18.7.1965 trat er diesem bei und machte am 18.10.1966 seine Ewig-Ver­tragsweihe als Schönstattpater. Im Seligsprechungsprozeß für Karl Leisner hat er 1981 als Zeuge ausgesagt.

Fr. Josef Vermeegen SAC aus Olpe am 9. Juli 1934 an Karl Leisner in Mün­ster:
Mein lieber Karl!
Grüß Gott!
Eigentlich müßte ich ja jetzt Philosophie studieren. Aber „bei des Som­mers schwüler Hitze, wenn ein jeder sagt, ich schwitze“… ist es doch nicht ganz so leicht, den Dreh zum „Ens rationis“ [Vernunftwe­sen] ohne kurze Überleitung zu finden. Es ist gerade 14.35 Uhr. So will ich Dir denn erst mal Deine liebe Karte von vor etlichen Wochen beantworten. Ich habe sie zwar nicht mehr, da ich sie noch am selben Nachmittag, als ich sie erhielt, beim Spiel verloren habe. Aber nichts desto weniger trotz, herzlichen Dank. Daß ich mich gefreut habe zu hören, wie Du im Collegium Borro­maeum eifrig mit den dortigen Apobuern [Mitgliedern im Apostolischen Bund] mitarbeitest, brauche ich wohl kaum mehr zu sagen. Ich glaube schon, daß sich dort die richtigen „Knüppkes“ gefunden haben, oder bes­ser gesagt von der Mta [Mater ter admirabilis – (lat.) = Dreimal wunderbare Mutter] zusammen­geführt sind. P. [Ferdinand] Kastner [SAC], der hier augenblicklich seine Ferien verbringt, erzählte auch strah­lenden Au­ges von Münster, das „sich macht“. Ich gratuliere! – Wir suchen uns hier in den Gruppen und im Kurs auch auf die Herbst­tagung und auf die Werkwoche seelisch und geistig einzustellen. Karl, ich glaube, die Tagung in Schönstatt wird fein. Ich freue mich schon darauf. Wir fah­ren schon am 1. August hinüber und verleben un­sere Ferien zum Teil in Schönstatt. Das ist doch fein, vier Wochen so nah bei der Mutter [Mta] zu sein. – Hoffentlich treffen wir uns in jenen Augusttagen auch mal wie­der. – Aber Du sollst nicht allein kommen vom Niederrhein. Du sollst Deinen Nachfolger in der Jungschar mitbringen.[1] Hermann Eickmans[2] hat sich schon mit ihm in Verbindung gesetzt; Theo [Küppers] hat zuge­sagt. – Ich habe inzwischen mit P. Kastner ge­sprochen. Theo kann teil­nehmen, auch wenn er offiziell keinem Gau angeschlossen ist. An Dich hätte ich nun eine kleine Bitte. – Melde Du den Theo bitte beim Gustav [Melchers] an. Zur nä­heren Erklä­rung kannst Du sagen, daß Th. K. [Theo Küppers] Ostern 1930 in Schönstatt die Einführung bei P. [Alfons] Hoff­mann [SAC] mitmachte und Pfingsten 1932 am Gautag in Münster teil­nahm. Und wie es heute um ihn steht, weißt Du ja besser als ich. – Also Karl, ich verlaß mich auf Dich! – Bestelle dem Gustav [im Priestersemi­nar in Münster] auch noch einen schö­nen Gruß. – Aber auch den anderen Kumpels: Dem Oli [Günther Oslislo], dem Arnd M. [Arnold Mente], dem Heini Westendorf, dem Frz. [Franz] Wolff und Gregor Peters, und nicht zuletzt dem Döll [Emil de Vries] und Gerd [Siebers] und was da sonst noch an bekanntem schwarzen Zeuch herum­läuft. – Von hier kann ich Dir noch er­zählen, daß man den Felix L. [Leushacke] mit noch zwei anderen Nachzüg­lern ge­stern feierlichst in den schwarzen Rock gesteckt hat. Er steht ihm ausgezeichnet und Felix macht ein Gesicht dazu, als wenn er ihn jahrelang getragen hätte und es gar nicht anders sein könnte. – Ich glaube schon, daß er hier am rechten Platz ist. – Auch Hermann fühlt sich hier recht wohl.
Nun Karl, was gibt es denn Neues in Münster? – Wie viele kom­men zur Tagung? – Wie sucht Ihr sie vorzubereiten? – Schreibe gele­gentlich noch mal! – Nun noch etwas; wenn alles klappt, kommen wir im September auf Kalendertour.[3] Ich werde natürlich den Kreis Kleve nehmen. Dann tref­fen wir uns auch wohl noch öfters.
Zum Schluß frohen Gruß und alles Gute, in Liebe zu unserer ge­meinsa­men Mutter und Sendung Dein Jupp V.
Viele Grüße von Hermann und Felix
[1] Karl Leisner war im August 1934 mit den Vorbereitungen für das Große Lager in Groes­beek beschäftigt und hat weder an den Beisetzungsfeierlichkeiten noch an der Tagung in Schönstatt teilgenommen.
Es ist nicht klar, wer mit Nachfolger gemeint ist.
[2] Er wurde später Pallottiner.
[3] Verkauf von Kalendern der Pallottiner

Georgsdorf, Donnerstag, 5. August 1937
Fünf Karten an On­kel Hans [Leisner], Heinrich [Brücken], Lud­wig [Kreke­ler], Clemens [Henning] und [Fr.] Jupp Vermee­gen [SAC].

Kleve, Samstag, 30. Oktober 1937
Im „Waldschlößchen“ treffe ich Bubi [Theo] Haas, Konprima­ner; [Fr.] Jupp Vermeegen [SAC] soll ich von ihm grüßen, er ist jetzt Lehrer in Kleve an der evangelischen Schule, froh, in Stelle zu sein. – Er trägt das gol­dene HJ-Ab­zeichen.

Karl Leisner aus Münster am 25. März 1939 an P. Josef Vermeegen SAC in Limburg:
Mein lieber Jupp, Bruder und Priester in Christus!
Meinen herzlichen brüderlichen Glück- und Heilwunsch Dir zu Deinem Weihe- und Freudentage! – Im Gedenken an so viele frohe und ernste Stun­den des Gespräches und des gemeinsamen Lebens (vom Kartenzimmer[1] über die herrliche Gymnasiastentagung in Schönstatt [6. bis 10.4.1933], der ich soviel an Gnade und Berufung verdanke, bis zu unserm letzten Wieder­sehn in Olpe) kommt dieser mein Glückwunsch aus dankbarem, innig ver­bunde­nem Ge­müt.
Heute morgen bei unserer so schönen Diakonatsweihe im Hohen Dom durch die Hand unseres geliebten Bischofs [Clemens August Graf von Ga­len] war ich in Gebet und Mitfreude bei Dir. Die Haltung des Fiat, des gläubigen herr­lichen Ja der ancilla Domini [Magd des Herrn (Lk 1,38)] möchte ich Dir als Gottesgeschenk für diese besonderen Gnaden­tage wie für Dein ganzes priesterliches Leben wünschen und erbeten. Es geht um die grö­ßere Liebe, um das bereitere Ja – und Deutschland wird der Herde Christi nicht verlo­rengehn, sondern ihr entscheidende Kräfte des Blutes und des Geistes, der Gnade und des Opfers zu schenken haben.
Um ein liebes, kleines, brüderliches Gedenken bei Deinem ersten heiligen Opfer, das Du feierst, bittet Dich von Herzen ein gnadebedürftiger Bruder im Herrn. Meine großen Lebensanliegen lege ich an diesem Tage auf Deine Patene! Zu all den andern.
Den Hochwürdigen Herrn Regens [Arnold Francken] um Erlaubnis für das „Diakonspielen“[2] bei Deiner feierlichen Heimatprimiz [in Goch] zu fra­gen, war noch keine Gelegenheit. Soweit ich [mich] umhörte, ist es nicht Sitte, dafür frei zu geben. So daß Du also wahrscheinlich mit meiner leiblichen Abwesenheit bei Deinem hochzeitlichen Feste rechnen mußt. Rechne also bitte nicht da­mit! – Versuchen will ich’s ja trotzdem. – Ein kleines Zeichen des Dankes und der Mitfreude möchte ich Dir am großen Festtag zu Ostern zukommen lassen. – Im Geiste bin ich bei Dir, im Geiste des Gekreuzigten und glorreich Auferstandenen.
Es grüßen Dich alle andern münsterschen Mitbrüder und Jünger der Mta. In froher Festesfreude grüßt Dich
Dein Karl

[1] P. Josef Vermeegen ISch aus Schönstatt am 27. Dezember 1995 an Hans-Karl Seeger:
Im Kartenzimmer [des Gymnasiums in Kleve] wurden die großen Landkarten für Erdkunde, Geschichte und Religion aufbewahrt. Der Bibliothekar, ein Stu­dienrat, war der „Chef“, zwei Schüler aus der Ober- und Unterprima hatten für Ordnung zu sorgen, besonders bei Ausgabe und Rückgabe. Kartenwart von 1931–1933 waren Karl Leisner und Jupp Vermeegen. Sie durften sich in den Pausen im Kar­tenzimmer aufhalten. Hier hatten sie viel Zeit und Gele­gen­heit zu „frohen und ernsten Gesprächen“.
[2] Assistenz des Diakons beim Levitenamt zur Primiz

P. Josef Vermeegen SAC aus Schönstatt am Freitag, 25. August 1939, an Karl Leis­ner in St. Blasien:
Lieber Karl!
Empfange „von daheim“ [vom Kapellchen in Schönstatt] viele herzliche Grüße. Entschuldige bitte, daß ich bisher noch nicht schrieb, aber beim heiligen Opfer habe ich Dich kaum einen Tag und erst recht nicht in die­sen Tagen bei der Mutter [Mta] ver­gessen. Bin für August/September in Olpe in der Seelsorge, augen­blick­lich als „Adjutant RP Hfm.’s“ [Reve­rendus Pater – Hochwürdiger Herr Pater Karl Hufmann’s SAC[1]] hier – Fein! – Näch­stens mehr. Hoffent­lich bist Du bald wieder gesund! Wir beten we­nigstens darum. Mhc! [Mater habebit curam (lat.) = Die Mutter wird sorgen/Sorge tragen] In Treue Dein Jupp V.
[1] P. Josef Vermeegen ISch aus Schönstatt am 20. Mai 2005 an Hans-Karl Seeger:
Als ich 1939 als Neupriester ins Seelsorgepraktikum nach Olpe kam, kannte ich den Novizenmeister und Standesleiter der Schönstatt-Theologen [P. Karl Hufmann SAC]. Er war mir in allen Fragen und Problemen eines Neupriesters ein vä­terlicher und kluger Berater

Karl Leisner aus Dachau am Sonntag, 15. August 1943, an seine Familie in Kleve:
An [P.] Jupp Vermeegen [SAC] und Heinrich Brey sowie Fränz Ebben treuen Dank für ihre guten Zeilen und ihr treues Ge­denken.[1]
[1] Es war üblich, daß Freunde von Karl Leisner einen Gruß in den Familienbrief nach Dachau schrieben.

* * * * *

Pater Dr. theol. Ferdinand Kastner SAC (* 21.6.1896, † 14.12.1962) – Eintritt bei den Pal­lottinern – Erste Profeß 15.10.1920 – Priesterweihe 14.6.1924 – Er gehörte zu den ersten Schülern P. Joseph Kentenichs SAC im Studienheim der Pallottiner in Schönstatt und hielt schon vor dem Zweiten Weltkrieg Tagungen für Theologie­studenten ab. Eine Zeit­lang war er Standesleiter der Schönstatt-Priesterliga und von 1951–1955 Bewe­gungs­leiter. Er war eng­ster Mitarbeiter von P. Ricardo Lom­bardi SJ (1908–1979) in der Bewe­gung „Für eine bes­sere Welt“.
s. auch: Literatur
Kastner, Ferdinand

Die Gotteskindschaft. Mit besonderer Berücksichtigung der Lehre von Matthias Josef Scheeben, Bonn 1928
ders.
Marianische Christusgestaltung der Welt, Paderborn: Schönigh 1 u. 21936
von Karl Leisner erwähnt: 21.11., 23.11. u. 2.12.1937 u. WA
ders.
Der Werktagsheilige in der Schule des Vorsehungsglaubens, Paderborn 1938
von Karl Leisner erwähnt: 11.2.1938

Münster, Samstag, 23. Juni 1934
Von 12.00 bis 12.45 Uhr Kursus-Schönstätterkonferenz bei P. Kastner [SAC]. Schön­stattgeheimnis![1] – Schaffen! – 13.45 bis 15.15 Uhr Theologengauversammlung bei P. Kastner [SAC] im Jugend­haus der Lieb­frau­enpfarre [Überwasser[2]]: Schönstatts Entwick­lung zur Welteroberungs­bewegung ( Cluny!) (Durch [Ersten] Weltkrieg und die zwei Revolutionen). Jetzt marianisches Volksjahr! – X[3] – Das ist modern und gibt dem Volk katholi­sches Gefühl!
[1] In der Weihnachtstagung vom 27. bis 30.12.1933 hatte P. Joseph Kentenich SAC in Schönstatt Vorträge zum Thema „Das Schönstattgeheimnis“ gehalten.
[2] Johannes Paffhausen aus Münster am 12. August 2002 an Hans-Karl Seeger:
Es gibt keine Klarheit, ob Pfarrheim und Jugendhaus ein oder zwei Gebäude wa­ren. Das Pfarrheim stand gegenüber der Hausfront des Kirchturms, also am Kirchplatz in Sichtweite zum Priesterseminar.
Auf der Ebene der Pfarrei gibt es nur einige wenige Zeugnisse von Ver­suchen einzelner Mitglieder der Pfarrei, für „Schönstatt“ zu werben: z. B. wurde ein Schönstattbild von einer Frau gekauft und in einem Gruppenzim­mer der pfarr­ei­genen Jugendarbeit aufgehängt.
Die Runden von Theologen mit Pater Kastner [SAC] waren wohl eher auf einer höhe­ren Ebene angesiedelt und nicht mit der Pfarrseelsorge von Überwasser verzahnt.
[3] Hinweis auf eine Unterbrechung des Tagebuchschreibens

Münster, Samstag, 18. Januar 1936
14.30 bis 16.30 Uhr bei P. Kastner [SAC] (im Heerdekolleg). Ausein­anderlegung und -setzung über die Zeit. Gottesschau! Mut, keine Furcht!

Münster, Sonntag, 19. Januar 1936
13.00 bis 15.00 Uhr bei P. Kastner [SAC].

In den Weihnachtsferien gab es vom 1. bis 5. Januar 1937 eine Theo­logen­tagung mit P. Ferdinand Kastner SAC in Schönstatt, an der Karl Leisner teilgenom­men hat.[1] Laut Hermann Gebert hat die Tagung in Schön­statt im Bundes­heim stattgefunden. Ein älterer Priester, der in den 1930er Jahren dort tätig war, hat Hermann Gebert 1998 berichtet, bei einer Tagung habe P. Joseph Kentenich SAC ihm gesagt, es seien auch Ju­gend­führer aus Mün­ster dabei. Einer da­von sei Karl Leisner gewesen.
Bei dieser Gelegenheit lernte Karl Leisner Pater Julius Engel PSM [SAC] kennen.
[1] Willi Leisner am 1. Januar 1937 im Jungmannskalender:
Karl geweckt + zur Bahn gebracht

Karl Leisner aus Freiburg/Br. am Frei­tag, 5. Fe­bruar 1937, an Walter Vinnenberg in Coesfeld:
Die Theologentagung in Schönstatt mit P. Kastner [SAC] war gut. Ich bin ja selbst kein Bündler und werd’ wahrscheinlich keiner[1], aber das ist sicher, es wird viel Unfug und Gerüchtdunst über die Sache verbreitet. Ich sag’ mir, sich überall das Gespür für das Gute [vgl. 1 Thess 5,21] be­wahren und ohne Vorurteile an etwas ran­gehn, dann kommt man meist zu einem ge­rechteren Urteil. – Jedenfalls haben mir die Tage der Sammlung dort wohl getan, zumal ich zur Zeit stärker als je zuvor eine kleine Krise im Ringen um Beruf und Zukunft durchmache.
[1] Karl Leisners Freund, Kursgenosse und Schönstattgruppenführer Heinrich Ten­hum­­­­berg war wäh­rend einer Theologentagung vom 5. bis 9.9.1936 in Schön­statt mit P. Ferdi­nand Kastner SAC am 8.9.1936 in den Apostolischen Bund auf­ge­nommen worden.

Münster, Dienstag, 23. November 1937
Voll Freude über die Erkenntnis der jungen Kraft in Natur und Gnade mach’ ich mich an P. Kastners [SAC] „[Marianische] Christus­gestal­tung [der Welt]“.

P. Ferdinand Kastner SAC aus Oggersheim am Montag, 10. Januar 1938, an Karl Leisner in Münster:
Lieber Karl,
habe Dich lange warten lassen auf die Beantwor­tung Deines Briefes, der mir viel Freude gemacht hat. Inzwischen ist Weihnachten vorbei und das neue Jahr schon 10 Tage alt geworden. Ich wünsche Dir reiche Gnade dazu.
Und ich freue mich, bald hätte ich gesagt, was bist Du vernünftig und mannhaft geworden in dem einen Jahre! Nicht als ob Du das vorher noch zu wenig gewesen wärest … Aber es macht doch Freude, wie der gute Gott in seiner Vorsehung alles benutzt, um seine Pläne an uns, mit uns und durch uns zu ver­wirklichen.
Wenn ich richtig zwischen den Zeilen lese in Deinem Briefe, dann hat sich eine sehr fruchtbare Weiterentwicklung angebahnt im Sinne ei­nes tie­feren Verständnisses und Bedürfnisses für die Welt der Gnade und des göttlichen Lebens. Wahrscheinlich wird Gott das noch unterstützen, in­dem er Dich einmal irgendwie die geschöpfliche und menschliche Be­grenztheit noch mehr er­leben läßt. Ich meine wenigstens, Gott müßte das heute fast bei uns allen einmal so tun, damit wir selber die innere Über­windung aller posenhaften Selbstherrlichkeit darstellen, die sich breit ge­macht hat. Echte Sicherheit in Gott gibt es für gewöhnlich, zumal bei so gesund gewachsenen Kraftnaturen, erst dann, wenn die natürliche Selbst­sicherheit einen schweren Stoß erlitten hat.
Manche Erlebnisse aus dem vergangenen Jahre wirst Du un­schwer so ausdeuten können. Hast ja wohl in Deiner Umgebung, wohl zum er­sten Male in dieser Deutlichkeit, auch in das finstere Reich der Sünde ge­schaut und geahnt, was dieser Einblick wohl für Christus gewesen sein mag, und was er für den Seelsorger bedeutet, und was es heißt, sich um die Seelen, die sonst verloren gehen, wirklich Sorge machen … Verstehst gewiß, was ich Dir damit sagen möchte. Wir müssen uns alle heute, die wir Priester sind und werden, Sorge, wirklich Sorge machen. So wie die Heiligen. Dann haben wir den richtigen Standort und für viele Dinge den notwen­di­gen rechten Wertmaßstab.
Am 11. Februar bin ich in Münster. Vielleicht treffe ich Dich da. – Sollte Dir auch noch zwei Fragen beantworten. „Causae secundae“ [Zweit­ursa­chen], da habe ich kürzlich in das Buch von Garrigou-La­grange über das Geheimnis und Helldunkel bei Thomas [von Aquin] (Schöningh) ge­se­hen[1], es ist jedenfalls lesenswert.[2] Dr. Schmidt aus unsrer Sch. [Schön­statt­-]Familie schreibt ein Buch über organische Aszese[3], ich denke, daß Du da viel finden kannst über das Wachsen unsres inneren Le­bens. Es wird auch bei Schöningh herauskommen. Kennst Du die Dog­matik und den aszetischen Grundriß von Tanquerey[4], der seiner Gna­den­lehre die Idee des Lebens zu Grunde legt? – Ende dieser Woche kommt bei Schö­ningh mein Büchlein heraus „Der Werktagsheilige in der Schule des Vor­sehungsglaubens“.[5] Aber es ist wohl zu schlicht für so ge­lehrte Theolo­gen …
Dir und allen herzliche Grüße
Ferdinand Kastner [SAC]
[1] Garri­gou-Lagrange, Réginald: Der Sinn für das Ge­heimnis und das Hell-Dunkel des Geistes – Natur und Übernatur, Pa­derborn 1937 (zit. Garri­gou-Lagrange 1937)
[2] P. Réginald Garri­gou-Lagrange OP:
Die der höchsten Ursache untergeordneten Ursachen vermögen nur einen bereits vorhandenen Träger umzuformen. Gott allein kann erschaffen (Garri­gou-Lagrange 1937: 30).
[3] Schmidt, Hermann: Organische Aszese. Ein zeitgemäßer, psychologisch orien­tier­­ter Weg zur religiösen Lebensgestaltung. Aus Schönstatts Geisteswelt, Pader­born 1938

 

Dieses Exemplar stammt aus der Lagerbücherei im KZ Dachau

[4] Tanquerey, Adolphe-Alfred: Grundriß der aszetischen und mystischen Theolo­gie. Übersetzung der 6. fran­zösischen Auflage von P. Johannes Sternaux, Paris-Tour­nai-Rom 1931
Tanquerey, Adolphe-Alfred: Synopsis theologiae dogmaticae ad mentem s. Thomae Aquinatis, hodier­nis moribus accomodata. 3 Bde. Bd. 1: De vera reli­gione, de Ecclesia, de fontibus Revelationis. Bd. 2: De fide, de Deo uno et trino, de Deo creante et ele­vante, de Verbo incarnato. Bd. 3: De Deo sanctifi­cante et remuneratore, 1894, 31899, 61903, 151914, 211922, 271952
[5] Kastner, Ferdinand: Der Werktagsheilige in der Schule des Vorsehungsglaubens, Paderborn 1938, 31940

Münster, Dienstag, 11. Januar 1938
Zwei Briefe waren mir heute sehr bedeut­sam, von P. Kastner [SAC] und P. Canisius [Kölliker OP].

Karl Leisner aus Dachau am Sonntag, 29. Juni 1941, an Hein­rich Tenhumberg in Marl-Brassert:
Lieber Heini!
Zu Deinem Namensfest Dir Heil und Gnade! Auch Heini „Ennemann“ [Hein­rich Enneking] und den andern im [Weihe-]Kurs dasselbe, auch von Willi Meyer. An P. Kastner [SAC] bitte gelegentlich innige Grüße. P. [Josef] Fischer [SAC] geht’s prima.[1] Fein!
[1] Mitteilung an Heinrich Tenhumberg, daß P. Josef Fischer SAC im KZ Dachau ist und Karl Leis­ner mit ihm in Verbindung steht.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 15. Mai 1943, an seine Familie in Kleve:
An [Ru­dolf] Klein-Arkenau und P. Kastner [SAC] treue Maiengrüße.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 17. Juli 1943, an seine Familie in Kleve:
Wenn Paula und Elisabeth mal von Frankfurt/M. einen Sonn­tagsaus­flug ins schöne Rheintal machen und über Vallendar [Schön­statt] kommen, mögen sie [Rudolf] Klein-Arkenau und P. Ferdinand Kastner [SAC] dort recht herzlich und dankbar grüßen.[1]
[1] Hermann Gebert aus Simmern/Ww. am 5. Mai 2003 an Hans-Karl Seeger:
Interessant für mich der Fund mit der Verbindung „Schönstatt“ – „Heimat“ [im Brief vom 2.10.1943 an Heinrich Tenhumberg]. Dabei sind „Heimat“ und „Schönstatt“ nicht künstlich verbunden. Wir sprechen davon, daß wir in Schön­­statt als besondere Gnaden erwarten: Beheimatung (letztl. in Gott); Umwandlung; Apostolat (Sendungs­ergriffenheit). – Karl lädt seine Schwe­stern ein, Kl.-Arkenau und Kastner [SAC] zu besu­chen in Vallendar; er schreibt nicht Schönstatt, das war eben schon brisant. Er kann aber auch nicht schreiben daheim, oder in der Heimat. Seine Geschwi­ster waren mit diesem Sprach­gebrauch wohl nicht vertraut.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 2. Oktober 1943, an Heinrich Tenhumberg als Soldat:
Und wie geht’s [P.] Ferdi­nand [Kastner SAC]? Treue Grüße!

* * * * *

Pater Joseph Kentenich SAC (* 16.11.1885 in Gymnich bei Köln, † 15.9.1968 in Vallen­dar-Schönstatt) – Eintritt ins Noviziat der Pallottiner 1904 – Priesterweihe 8.7.1910 in Lim­burg – Spiritual im Studienheim der Pallottiner in Schönstatt 1912–1919 – Er gründete die Schönstatt-Bewegung, kam am 13.3.1942 ins KZ Dachau und wurde am 6.4.1945 ent­las­sen. 1965 trat er aus der Gemein­schaft der Pallottiner aus und wurde im Bistum Münster inkardiniert.

 

s. auch: Literatur
Kentenich, Joseph

Pädagogische Goldkörner, gesammelt auf Schönstatts Fluren, Vallendar-Schönstatt o. J., (als Manu­skript vor 1935 gedruckt), vermutlich Hörfrüchte aus seinen Kursen (zit. Kentenich 1935)
von Karl Leisner erwähnt: 15.1.1935
ders.
Himmelwärts. Gebete für den Privatgebrauch, Neuwied 1945


und Rundbrief des IKLK Nr. 48 – August 2003: Heinrich Tenhumberg und Karl Leisner in ihrer Schönstattgruppe

Münster, Dienstag, 15. Januar 1935
Das Idealbild des großen Erziehers zeigt uns das Motto, was P. Kentenich [SAC] seinen „pädagogischen Goldkörnern“ vor[an]stellt:
„Und eine Lust ist’s, wie er alles weckt
/ Und stärkt und neu belebt um sich herum, / Wie jede Kraft sich ausspricht, jede Gabe / Gleich deutlicher sich wird in seiner Nähe. / Jedwedem zieht er seine Kraft hervor, / Die eigen­tüm­liche, und zieht sie groß, / Läßt jeden ganz das bleiben, was er ist, / Er wacht nur drüber, daß er’s immer sei / Am rechten Ort, so weiß er aller Menschen / Vermögen zu dem seinigen zu machen.“[1]
Tiefe Gedanken und natürliche, selbstverständliche Erkenntnisse über PI –PE, Geistliche Tagesord­nung (Dann hat man immer noch Zeit übrig!) sind mir mal wieder aufge­gangen.
[1] Kentenich 1935: 7

Münster, Mittwoch, 16. Januar 1935
Nach­her P. Kentenich [SAC] studiert: Entstehung der Schön­statt­bewe­gung. 1.) Gering­fügige Werkzeuge, 2.) Große Schwierig­kei­ten, 3.) Großer Erfolg! Zur Geistigen Tagesordnung schrieb ich mir ins Herz und auf den Block: GT – Beseelung der äußeren Tätigkeit, schöp­ferische Atempausen – dadurch Erhöhung der Arbeits-Spannkraft der Seele – Zeit und Kraft gespart.
Grund der meisten Sünden: Unordnung! Die in größter Arbeit stehn, am leichtesten zu Gefallen bereit. Allzeit bereit. Es lebe der katholische, welt­erobernde, disziplinierte Jungentyp, der neue Heilige! In die Falle – marsch!

Münster, Freitag, 18. Januar 1935
12.10 bis 12.53 Uhr Gruppe. P. Kentenich [SAC], wahre Ein­sam­keit, bei größter Anstrengung und Aufreibung ( [Professor Peter] Wust heute morgen [um 8.15 Uhr]!)

Hermann Gebert aus Simmern/Ww. am 7. Januar 2001 an Hans-Karl Seeger:
Am 19. Dezember 1935 hielt Pater Joseph Kentenich [SAC] in der Aula des Collegium Borromaeum vor etwa 250 Priestern einen vierstündigen Vortrag über die Lage der heutigen Seelsorge. Zu diesem Thema war er angeregt worden durch die immer stärker werdenden Auseinan­der­setzun­gen mit den Nationalsozialisten.
Es nahmen auch Studenten teil. Während Karl Leisner nichts von dieser Ver­anstaltung erwähnt hat, war Günther Oslislo dabei. Darauf wies Prälat Josef Schmitz in der Predigt zu dessen Beerdigung am 28. Juni 1982 in Borken hin.
P. Joseph Kentenich SAC hatte am 19. Dezember 1935 eine Audienz bei Bischof Clemens August Graf von Galen.

P. Joseph Kentenich SAC aus Milwaukee/USA am 12. Juli 1954 an P. Josef Fischer SAC:
Stehe jedoch nicht an, mit großer Bewunderung anzuerkennen, mit welch nimmermüder Sorgfalt und Treue sich P. [Otto] Pies um unseren Bun­desprie­ster [Karl Leisner] bis zum Ende von dessen Leben bemüht hat. Niemand aus unse­ren Reihen kann ihm in diesem Punkte das Wasser reichen. Wenn wir Schönstätter in Dachau seinen Spuren nicht gefolgt sind, so geschah es in der Hauptsache deshalb, weil wir den Kranken bei ihm gesichert und geborgen wußten und das Gesetz der Arbeitsteilung uns auf viele, viele andere Arbeitsge­biete hinwies.

Karl Leisner aus dem Revier am Montag, 22. Januar 1945, an Hermann Ri­charz auf Block 26:
An P. K. [Pater Joseph Kentenich SAC] und P. [Josef] Fischer [SAC] besonderen Dank für die feinen Mta-Horen, die mir große Freude machen.[1]
[1] P. Josef Fischer SAC:
Wir Schönstätter schenkten ihm die bis dahin fertig gestellten Gebete von Herrn Pater [Joseph Kentenich SAC], das Werkzeugslied, den Werkzeugs­kreuzweg, die Werkzeugsrosenkränze und auch die Tagzeiten (Fischer, Josef: Dokumentation über den Gründer Schönstatts [P. Joseph Kentenich SAC] und die Schönstattgemeinschaften im KZ Dachau 1941–1945, 3 Bde., (Typoskript um 1964, Bd. III: 42 (zit. Fischer 1964 Bd.), s. auch: Monnerjahn, Engelbert: Häftling Nr. 29392. Der Gründer des Schönstattwer­kes als Gefangener der Gestapo 1941–1945, Schönstatt-Vallendar 1972, 21973, 41984: 313).

Die Schönstatt-Priester der Gruppe „Victor in Vinculis (Mariae)“ Robert Pruszkowski, Her­mann Dümig, Jo­hannes Rindermann, Hermann Richarz, Heinz Dresbach und auch P. Joseph Kentenich SAC un­terschrieben ein Glück­wunschkärtchen:
Die herzlichsten Glückwünsche zur hl. Pri­miz­feier

* * * * *

Pater Josef Simon Fischer SAC, Deckname im KZ: Simon (* 5.12.1904 in Eberbach im Rheingau, † 13.6.1978 in Koblenz-Pfaf­fendorf) – Gymnasiast in Limburg, Neuwied u. Schönstatt – Eintritt ins Noviziat der norddeutschen Pallottiner 1923 – Priesterweihe 2.7.1929 in Limburg – Kaplan im Bistum Limburg 1930–1932 – Jung­männerseelsorger im Bistum Lim­burg 1932–1933 – Tätigkeit in Schönstatt 1933–1940 – Er wurde am 1.3.1940 zum ersten Mal von der Gestapo verhaftet, aufgrund von Differenzen mit der HJ am 18.4.1941 erneut ver­haftet und am 6.6.1941 ins KZ Dachau eingeliefert. Dort war er enger Mit­ar­bei­ter von P. Joseph Kentenich SAC. Am 29.4.1945 wurde er befreit. Ab 1961 war er Priester im Bistum Fulda. 1966 trat er dem Säkularinstitut der Schönstatt­patres bei.
s. auch: Literatur
Fischer, Josef

Dokumentation über den Gründer Schönstatts (s. o.)
P. Josef Fischer SAC:
Mir war es geglückt, [vom Evakuierungsmarsch] ins Lager zurückzuschleichen. Am 21. Mai [1945], Pfingstmontag, griff ich nach einer List. Ich kletterte auf einen Milch­wagen, versteckte mich unter Decken und schmuggelte mich aus dem Lager. Glücklich entging ich der Quarantäne durch die Amerikaner (Fischer 1964 Bd. II: 258).

* * * * *

Pater Karl Schneider SAC (* 22.1.1885, † 22.3.1949) – Eintritt bei den Pallottinern – Er­ste Profeß 24.9.1907 – Priesterweihe 9.7.1911 – Er hat am 8.9.1936 die Weihe­urkunde von Heinrich Tenhumberg bei dessen Auf­nahme in den Apostolischen Bund unterzeichnet.

Sonntag, 24. September bis Sonntag 1. Oktober 1933
Um 10.30 Uhr bei [Kaplan Heinrich] Huyeng – kommt nicht! Singekreis! – Er sagt mir eben Bescheid, daß Donnerstag P. Schneider [SAC] kommt! Zeigt mir eine Karte.

* * * * *

Pallottinerpatres, die im KZ Dachau waren oder sich direkt oder indirekt zu Karl Leisner geäußert haben, und solche, die Karl Leisner selbst erwähnt hat oder kannte.

Pater Eduard Allebrod SAC (* 12.7.1906 in Neuenkleusheim, † 30.7.1985 in Limburg) – Eintritt bei den Pallottinern – Erste Profeß 1.5.1930 – Prie­ster­weihe 13.3.1934 in Limburg – Er kam wegen Jugenderziehung und Soldatenbriefen am 18.7.1942 ins KZ Da­chau und wurde am 4.4.1945 entlassen. Im Martyrerprozeß für Karl Leisner hat er 1990 als Zeuge ausgesagt.

* * * * *

Pater Karl Boskamp SAC (* 26.4.1912 in Xanten, † 28.2.1997) – Eintritt bei den Pallotti­nern 1935 – Profeß 1.5.1937 – Priesterweihe 9.3.1941 – Spiritual von Noviziat u. Juvenat in Argentinien – später Deutschen­seelsorge in Buenos Aires – Übertritt in das Säkular­in­stitut der Schönstattpatres 1965 – Ewig-Vertragsweihe 18.10.1966 – erster Dele­gat der USA-Delegatur der Schön­stattpa­tres

Heinrich Enneking:
Mittwoch, 25. September [1974]
P. Boskamp [SAC] hörte sich auch einiges über Karl Leisner an. Er selbst hat Pater Kentenich [SAC] nach ihm befragt, ob Karl Leisner wohl ein Schönstätter ge­nannt werden könne. P. Kentenich habe geantwortet: „Der war schon echt“ (Enneking, Heinrich: Wallfahrt der Verbandspriester aus der Michaelsprovinz der Schönstattpriester nach Milwaukee (13.–28.9.74), (Typoskript)

* * * * *

Pater Hermann Johann Eickmans SAC (* 25.10.1913 in Goch, † 4.4.1988) – Besuch des Realgymnasiums in Goch – Abitur am Gymnasium in Kleve 1934 – mit Karl Leisner Teil­nahme an den Exerzitien in Schön­statt 1933 – Eintritt bei den Pallottinern – Erste Profeß 1.5.1936 – Prie­ster­weihe 23.12.1939 in Lim­burg

Siehe Brief von Fr. Josef Vermeegen SAC aus Olpe vom 9. Juli 1934 an Karl Leisner in Mün­ster.

Paesmühle, Mittwoch, 1. Januar 1936
Neue Kraft in Füh­rer- und Jungenschar! Führerschola! – Gerd Eickmans [? Hermann Eick­­mans] aus Goch da. Ein Emmericher – tipp-topp. Nur arg viel junge Kerls.

* * * * *

Pater Albert Eise SAC (* 7.11.1896 in Öffin­gen, † 3.9.1942 in Stube 2 des Re­vierblocks 7 im KZ Dachau) – Mitbegründer der Schönstatt­-Bewegung 18.10.1914 – Eintritt bei den Pallotti­nern 24.9.1919 – Priesterweihe 6.6.1925 in Lim­burg – Er kam wegen Abhaltung ei­nes Exerzitienkurses am 14.11.1941 ins KZ Dachau.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 14. November 1942, an Hein­rich Tenhumberg als Soldat:
Habt Ihr den Tod P. Eises [SAC] erfahren?

* * * * *

Pater Julius Engel SAC (* 5.2.1914 in Mainz, † ?, letzte Spur in einer Meldung des Münchner Merkurs vom 20.5.1959) – Eintritt bei den Pallottinern 12.4.1926 – Einklei­dung 1.5.1932 – Erste Profeß 1.5.1934 – Priesterweihe 25.3.1938 in Limburg – Austritt 15.4. 1950

Siehe Kommentierung zum Eintrag Münster, Sonntag, 19. Januar 1936.

* * * * *

Pater Richard Henkes SAC (* 26.5.1900 in Ruppach/Koblenz, † 22.2.1945 im KZ Dachau) – Eintritt bei den Pallottinern 24.9.1919 – Erste Profeß 25.9.1921 – Priesterweihe 6.6.1925 in Limburg – Er kam wegen regimekritischer Predigten am 10.7.1943 ins KZ Dachau und suchte sein Arbeitsfeld auf dem Zugangsblock 17. Seine Asche wurde von Richard Schneider aus dem KZ geschmuggelt. Am 25.5.2003 wurde für Richard Henkes in Lim­burg der Seligsprechungs­prozeß einge­leitet und ebendort am 23.1.2007 abgeschlossen. Die Akten befinden sich in Rom.

KZ-Priester Heinz Dresbach:
Die Anregung Herrn Paters [Joseph Kentenich SAC] wurde gleich aufge­griffen, und es kam um den 20.6.[1943] herum die Bildung von drei Gruppen zu­stande. Die eine bildete Pater Fischer [SAC], die ande­ren Pater Allebrod [SAC[1]] und die dritte wurde von Heinz [Dres­bach] geführt. Zur letzteren gehörten im Laufe der Zeit: Hans Rin­dermann aus der Diözese Aachen, [Robert] Pruszkowski aus dem Ermland in Ostpreußen, Hermann Dümig aus der Diözese Würzburg, Hermann Richarz aus Köln, der im Juli in diese Gruppe kam, und Karl Leisner, ein Diakon aus der Diözese Münster.[2]
[1] P. Manfred Probst SAC:
Trotzdem [P. Richard Henkes SAC sich durch einen Vorwurf von Pater Joseph Kentenich SAC verletzt fühlte,] habe er von P. Allebrod [SAC], […] zu­nächst eine Schönstattgruppe im KZ übernommen, aber nur etwa einen Monat lang (Probst, Manfred: Der Herrgott hat das letzte Wort. Das Leben des Pallottinerpaters Richard Henkes (1900–1945) und sein Sterben im KZ Dachau, St. Ot­tilien 2003: 154 (zit. Probst 2003)
[2] Dresbach, Heinrich: Studie über den Herzkreis, (Typoskript) o. J.: 1

P. Richard Henkes SAC aus Dachau am 17. Dezember 1944 an seine Schwe­ster Maria Wies:
In der letzten Zeit haben wir manch schöne Feier gehabt. Heute war sogar Priesterweihe. Kannst Du Dir das vorstellen? Am zweiten Weihnachtstage wird Primiz sein, aber der Primiziant wird nicht oft am Altare stehen, schwer lungenkrank, und ob seine Eltern ihn als Priester sehen werden, ist sehr zweifelhaft.[1]
[1] Probst 2003: 239f.

* * * * *

Pater Alfons Hoffmann SAC (* 12.9.1900 in Altwaltersdorf/Stary Waliszów, Kreis Habel­schwerdt/Bystrzyca Kłodzka/PL, † 11.5.1933 in Koblenz) – Eintritt bei den Pallottinern um den 30.7.1913 – Erste Pro­feß 24.9.1922 – Priesterweihe 27.6.1926 in Limburg

Siehe Erwähnung im Brief von P. Josef Vermeegen SAC aus Schönstatt vom Freitag, 25. August 1939, an Karl Leis­ner in St. Blasien.

* * * * *

Pater Dr. phil. Karl Hufmann SAC (* 25.2.1907 in Oberhausen/Buschhausen, † 25.8.1943 in Limburg) – Eintritt bei den Pallottinern – Erste Profeß 25.4.1928 – Priester­weihe 2.4. 1934 – Standesleiter der Schönstatt-Theologen 1936/1937 – Novizen­meister ab 1937

Siehe Erwähnung im Brief von P. Josef Vermeegen SAC aus Schönstatt vom Freitag, 25. August 1939, an Karl Leis­ner in St. Blasien.

* * * * *

Pater Felix Leushacke SAC (* 6.12.1913 in Kevelaer, † 16.5.1997 in Limburg) – Abitur am Gymnasium in Kleve 1934 – Eintritt bei den Pallottinern 23.5.1934 – Erste Profeß 1.5.1936 – Priesterweihe 23.12.1939 in Limburg

Siehe Brief von Fr. Josef Vermeegen SAC aus Olpe am 9. Juli 1934 an Karl Leisner in Mün­ster.

* * * * *

Schönstattpriester Josef Mühlbeyer (* 28.3.1893 in Bachenau, † 8.7.1951) – Priesterweihe 29.6.1923 in Rottenburg – Er kam am 8.9.1941 ins KZ Welzheim, am 1.1.1943 ins KZ Dachau, gehörte dort zum Herzkreis der Schön­statt-Bewegung und wurde am 29.3.1945 entlassen.

Er hat die Gratulationsliste für Karl Leisner zur Priesterweihe unterschrieben.

Listen_6a (1)

 

Heinz Dresbach am 11. Juli 1945 in seinem Tage­buch:
Bahnfahrt nach Montabaur. Von da mit dem Rad im Regen nach Schön­statt. Hinter Hillscheid Panne. Die Mta und die Panne und Karl Leisner. Messe im Ka­pellchen. Josef Mühlbeyer ist da, mittags kommt Herr [Wil­helm] Leis­ner. Später Hans Rindermann im Ka­pellchen.

* * * * *

Pater Wilhelm Poieß SAC (* 12.1.1904 in Herne, † 3.11.1992) – Eintritt bei den Pallotti­nern 9.4.1918 (Studienbeginn in Ehrenbreitstein) – Einkleidung 1.5.1925 – Erste Profeß 25.4.1927 – Priesterweihe 12.7.1931 in Limburg – Er kam wegen Jugendseelsorge am 12.5. 1944 ins KZ Dachau und wurde beim Evakuierungsmarsch vom 26.4.1945 befreit.

s. auch: Literatur

 

Poieß, Wilhelm
Gefangener der Gestapo, Limburg 1948 (zit. Poieß 1948)

P. Wilhelm Poieß SAC:
Nun aber wurde ihm [Bischof Gabriel Piguet] von uns – näherhin vom Peter B. [Bauer] – zu­nächst ein Bi­schofs­habit genäht aus „organisiertem Stoff“, der im Lager dazu ver­wendet wurde, die rosa Win­kel für Sittlich­keitsverbrecher [Homo­sexuelle] herzu­stellen! Das war also sein Bischofs­gewand. Bischofsschuhe wurden ge­fertigt, eine Bischofsmitra aus Pap­pen­­­­deckel mit Stoff über­zogen, ein Bi­schofs­kreuz in den Wirtschafts­be­trieben gemacht aus den Stoffen, aus denen man Zigarettenspitzen ver­fer­tigte, aus gleichem Stoff einen Bi­schofs­ring. Pater Sp. [Makarius Spit­zig], ein Benedikti­ner, entwarf und schnitzte [in der Tischlerei] einen Bischofs­stab aus Birnbaumholz, das er wiederum im Wirt­schaftsbetrieb organi­sierte, und so ausgestattet hielt der Bischof dann am Weihnachtstag [1944] das Pontifi­kalamt. Noch größer war die Freude am folgen­den Tag, da hatten wir sogar eine Primiz in Da­chau.[1]
[1] Poieß 1948: 111

* * * * *

Prof. Pater Dr. Manfred Probst SAC (* 13.12.1939 in Ediger an der Mo­sel) – Eintritt bei den Pallottinern 1.5.1960 – Priesterweihe 17.7.1966 in Vallendar – Er lehrte Liturgie­wissen­schaft an der dortigen Philosophisch-Theologischen Hochschule und ist Postulator im Selig­sprechungsprozeß für P. Richard Henkes SAC.

s. auch: Literatur

 

Probst, Manfred
Karl Leisner. In: Der Herrgott hat das letzte Wort. Das Leben des Pallottinerpaters Richard Henkes (1900–1945) und sein Sterben im KZ Dachau, St. Ot­tilien 2003: 239f. (zit. Probst 2003)
ders.
Glaubenszeuge im KZ Dachau. Das Leben und Sterben des Pallottinerpaters Richard Henkes (1900–1945), Friedberg 2007 (zit. Probst 2007)

 

 

P. Manfred Probst SAC:
Trotzdem [P. Richard Henkes SAC sich durch einen Vorwurf von Pater Joseph Kentenich SAC verletzt fühlte,] habe er von P. Allebrod [SAC], […] zu­nächst eine Schönstattgruppe im KZ übernommen, aber nur etwa einen Monat lang (Probst 2003: 154).

Er hat den Brief von P. Richard Henkes SAC aus Dachau vom 17. Dezember 1944 an dessen Schwe­ster Maria Wies veröffentlicht in Probst 2003: 239f.

* * * * *

Pater Franz Reinisch SAC (* 1.2.1903 in Feldkirch/Vorarlberg/A, † enthauptet 21.8.1942 in Brandenburg-Gör­den) – Prie­sterweihe 29.6.1928 in Innsbruck/A – Eintritt bei den Pallottinern 3.11.1928 – Von den Nationalsozialisten be­kam er am 12.9.1940 Predigt­ver­bot. Da er den Fah­neneid auf Adolf Hitler nicht ablegen wollte, wurde er zum Tode verur­teilt. – Eröffnung des Selig­spre­chungsprozesses in Trier 2013

Vermutlich hat Karl Leisner von ihm gehört:

Klein, Josef
GELEBTES SCHÖNSTATT – Franz Reinisch. Karl Leisner. Sonderheft des Werkbriefes für die männli­che Schönstattjugend, als Manuskript gedruckt und dem engeren Familien­kreis dargeboten vom Sekreta­riat der Jungmännerbewegung in Schönstatt b. Vallen­dar a. Rh., Neuwied 1955

* * * * *

Pater Dr. phil. Heinrich Schulte SAC (* 20.3.1901 in Visbeck, † 14.3.1980) – Ein­tritt bei den Pallottinern – Erste Pro­feß 25.9.1921 – Prie­sterweihe 27.6.1926 in Limburg – Pro­vinzial der Limbur­ger Pallottiner-Provinz 1941 – Er kam wegen staatsfeindlicher Äußerungen in Privatgesprächen am 26.5.1944 ins KZ Da­chau und wurde auf dem Evakuierungs­marsch vom 26.4.1945 befreit.

s. auch: Literatur

 

Schulte, Heinrich
Omnibus omnia [Allen alles]. Lebensbild einer jugendlichen Heldenseele [Josef Engling] aus Schönstatts Gründungstagen, 2 Bde., Limburg 1932

 

 

 

 

Er hat die Gratulationsliste für Karl Leisner zur Priesterweihe unterschrieben.

Liste (1)

 

Quelle der nicht ausgewiesenen Fotos: Karl Leisner-Archiv