Karl Leisner und Gerd Siebers

Karl Leisner und Gerd Siebers auf dem Abiturfoto 1934

Karl Leisner und Gerd Siebers auf dem Abiturfoto 1934

Gerhard (Gerd) Siebers (* 7.11.1913 in Nütterden, † 17.6.1982) – Konabiturient von Karl Leisner – Eintritt ins Collegium Borromaeum in Münster 1.5.1935 – Priesterweihe 19.3.1941 in Münster – Er wurde nur Priester, weil ihm seine Tante Christina Siebers, genannt Tante Kitta, außer dem Theologiestudium kein anderes finan­ziert hätte. Im Selig­spre­chungsprozeß für Karl Leisner hat er 1981 als Zeuge ausgesagt.

Werner Stalder berichtete in der Rheinischen Post vom 5. Februar 2016 in der Serie „Unsere Seelsorger: Pastor Gerhard Siebers „Der Herbergsvater” über Karl Leisners Klassenkameraden.

siehe Link zur RP-ONLINE vom 5. Februar 2016

1933 hat Karl Leisner ein Klassenfoto von einem Ausflug nach Nijmegen in sein Tagebuch geklebt.

Klassenfoto:
Ein Wandertag zu Ende der U I
Im Kampmuseum zu Nijmegen.[1] Unsere „gemischte I g“ mit dem Ordina­rius Dr. [Kornelius Maria Wilhelm] Flock.

Hermann Ringsdorff und P. Josef Vermeegen ISch haben die Per­sonen auf dem Foto, links oben beginnend, identifiziert[2]:

[1]     Vermutlich das 1922 eröffnete archeologische „Reichsmuseum Gerardus Marius Kam“ in Nijmegen, Kamstraat 45. Gerardus Marius Kam (1836–1922) lebte ab 1897 in Nijmegen. Seit 1999 ist die Sammlung von vorwiegend römischen Aus­grabungsstücken im neuen Museum Het Valkhof untergebracht.

[2]     Johann van Aken am 21.12.1975 an Wilhelm Haas in Kleve:
[…] fand [ich] ein Bild vom Besuch beider Primen in Nymwegen. Rechts oben Karl Leisner.

Kampmuseum

  1. Emil de Vries (U I)
    2. Hermann Mies (U I)
    3. Heinz Verleger (O I)
    4. Wilhelm Immig (O I)
    5. Wilhelm Hebben (O I)
    6. Peter Boisselier (O I)
    7. Karl Leisner (U I)
    8. Josef Gerlings (U I)
    9. Josef Vermeegen (O I)
    10. Alfred Rosenberg (O I)
    11. Hermann Ringsdorff (U I)
    12. Dr. Kornelius Maria Wilhelm Flock
    13. Willi Pauls (O I)
    14. Edmund van Fonderen (O I)
    15. Otto Andrae (U I)
    16. Gerd Siebers (U I)
    17. Bernhard Borchert (O I)
    18. Paul Brückner (U I)
    19. Johann van Lier (U I)
    20. Gerd Tosses (U I)
    21. Theo Haas (O I)
    22. B. Hermsen (O I)
    23. August Berson (O I)
    24. Johann van Aken (U I)
    25. Wilhelm Homrighausen (U I)
    Es fehlen unter anderen Peter Drießen (O I) und Willi Michels (O I).

Gerd Siebers findet sowohl während der Schulzeit als auch darüber hinaus bis in die KZ-Zeit Erwähnung in Karl Leisners Tagebuch.

Kleve, Dienstag, 20. Juni 1933
7.05 Uhr raus! – 7.50 Uhr Kaffee und mit „Rainerlein“ (Tante Ännes [Hen­ning] Jung [Rainer]) gespielt. – 7.50 bis 7.55 Uhr Latein vorbereitet (in der Schule weiter!) – 2. Stunde: Deutsch bei der Geit [Dr. Wilhelm Verle­ger]: Hand hoch! [zum Hitlergruß] Fast keiner! Ha, ha! Die alte Geit wird wü­tend. Sagt: Auf! und läßt uns strammstehen! Hm – Ha, ha! Gert Siebers macht – wie schon seit einigen Tagen – witzige Bemerkungen und wird von der Geit wütend angefaucht: „S., wenn Sie jetzt ihre d. B. [dummen Bemer­kungen] nicht lassen, fliegen sie raus und brauchen sich bei mir nicht mehr im Un­terricht sehn zu lassen“.

Abiturfoto der Abiturientia 1934 mit Oberstudiendirektor Dr. Karl Hofacker, der zum damaligen Zeitpunkt als Direktor abgesetzt war. Aber die ge­samte Klasse hatte ihn zu diesem Foto gebeten.

2013_07_04_Abiturklasseobere Reihe v. l.: 1. Johann van Aken, 2. Josef Gerlings, 3. Hermann Mies,
mittlere Reihe v. l.: 4. Emil de Vries, 5. Hermann Rings­dorff, 6. Gerhard Tos­ses, 7. Karl Leis­ner, 8. Gerhard Siebers, 9. Johann van Lier, 10. Otto Andrae,
untere Reihe v. l.: 11. Lambert Michels, 12. Wilhelm Hom­righausen, 13. Dr. Karl Hofacker, 14. Studienrat Dr. Josef Müller, 15. Paul Brückner, 16. Ed­mund van Fon­deren

Kleve, Donnerstag, 2. August 1934
Gerd Siebers’ Vater [Michael Siebers, gestorben am 30.7.1934,] beerdigt – Führersitzung um Groesbeek
Gegen 8.00 Uhr aufs Rad (Papas feine Fitz, hm!); im „besten Staat“ [Feier­tags­kleidung] nach Nütter­den zur Beerdigung von Gerd Sie­bers’ Vater (Michael S.). – Bei Jan van Lier zu Hause [heute Lindenstr. 3] stelle ich die Fitz unter und dann geht’s zum Trauerhaus [heute Provinzialstr. 4]. Ich kon­do­liere Gerd und den andern Verwandten. Gerd ist er­freut, daß wenigstens einer von seinen Klas­sen­kame­raden da ist. (Im November [1932] haben wir ge­mein­sam seine liebe Mut­ter [Maria, geborene de Haan, gestorben am 26.10.1932,] beer­digt.) – Gerd bittet mich, bei der Beerdigung den „Pres­se­photogra­phen“ zu spielen. Ich nehme dankend an und knipse. (Die Bilder sind gut geworden, wie ich festgestellt habe, nachträg­lich.) – Nach­her feier­liches Requiem. (Pfarrer [Johann] Jenster – ein Ia feiner Pastor! – hält es: Seine Stimme ist allerdings durch Krankheit martialisch.)
Anschließend unterhalten wir (Gerd, August Berson aus Frasselt und ich) uns. August ist jetzt am Bürgermeisteramt in Hau. Er weiß al­lerlei Interes­santes in puncto ind. cathae [indices catholicae – Anzeigen gegen Katholiken] zu be­richten. Diese „Schweinebande“! (Man ver­zeihe den Ausdruck!)
Aber il duce [den Führer Adolf Hitler] hält Au­gust für ehrlich. – Na, jeder muß es selbst wis­sen.
Je ne sais rien, totalement rien! Et croire? Rien! Je crois à Dieu! [Ich weiß nichts, über­haupt nichts! Und glauben? Nichts! Ich glaube an Gott!] – Dann gibt’s Leichenschmaus. – Ich bleibe dort bis 14.30 Uhr und schmause und schwätze in einem fort. Die Bauern sind köst­lich, wie sie über ihre Pa­störe käuern. Der Donsbrügger Küster [Gerhard de Haan] spricht sehr lobend über den [am 9.6.1934] verstor­benen Pastor [Johannes] Haefs.[1] Der Pastor vorher [Stephan Elspas] war „weniger be­liebt“.[2] – Mit pleno ventre [vollem Bauch] fahr’ ich heim per consilium – ge­rade eine ziemlich regen­freie viertel Stunde abpassend.

[1]     Johannes Haefs war ab 6.6.1932 Pfarrer in Dons­brüggen.

[2]     Stephan Elspas war von 1919 bis 1932 Pfarrer in Donsbrüggen.

Mittwoch, 19. März 1941, Heiliger Josef
Priesterweihe in Münster mit Gerd Siebers, Karl Leisners Konabiturienten aus Nütterden, und Josef Schürig aus Bottrop

Freitag, 21. März 1941
Karl Leisner aus Dachau, Block 28/1, an seine Familie in Kleve:
Ihr meine Lieben alle!
[…]
Am Sonn­tag feiern unsere Neuge­weihten [u. a. Gerd Siebers aus Nütterden und Josef Schürig aus Bottrop] Pri­miz. Kommt Mutti [Mutter Elisa­beth Ruby nach der Primiz bei Josef Schürig in Bottrop] bis Kleve? Das wär’ ja fein. Am 25.[3.] bin ich zwei Jahre Diakon.

Sonntag, 6. April 1941, Palmsonntag
Karl Leisner aus Dachau, Block 28/1, an seine Familie in Kleve und an Hein­rich Tenhumberg in Marl-Brassert:
Ihr Lieben alle daheim und in der Ferne!
[…]
Auch an Gerd [Siebers] in Nütterden noch besonderen Wunsch und Gruß [zur Prie­sterweihe und Primiz].

Donnerstag, 19. März 1942
Karl Leisner aus Dachau, Block 26/3, an seine Familie in Kleve:
Meine Lieben!
[…]
Herzliche Osterwün­sche und -grüße allen Verwandten und Bekannten – besonders al­len lieben Mitbrüdern daheim und Gerd Siebers! Aus allzeit bereitem, fro­hen Herzen! Euer Karl

Sonntag, 31. Mai 1942
Karl Leisner aus Dachau, Block 26/3, an seine Familie und an Jan van Rooy in Kleve:
Meine Lieben!
[…]
An Gerd Siebers herzli­ches Beileid zu [seines Schwagers] Jan van Liers Tod [gefallen am 10.4.1942]!

Samstag, 27. Juni 1942
Karl Leisner aus Dachau, Block 26/3, an seine Familie in Kleve und an Hein­rich Roth in Münster:
Meine Lieben!
Aus Euerm Brief vom 14.6. wehte mir so gut und kräftig die Heimatluft ent­gegen und Eure Güte und Liebe! Gerd Siebers Dank und Gruß!

Fotos IKLK-Archiv