Karl Leisner und Heinrich Himmler

Heinrich Himmler (* 7.10.1900 in München, † Suizid 23.5.1945 in einem britischen Ge­fangenenlager in Lüneburg) – bereits in den 1920er Jahren im Dunstkreis von Adolf Hitler – Reichsführer der SS als Unterabteilung der SA 6.1.1929 – Aufbau u. Leitung des KZ Dachau 1933 – Adolf Hitler unmittelbar unterstellt als Reichsführer-SS Juli 1934 – Er­nen­nung zum „Chef der Deutschen Polizei“ u. somit Herr über den ge­samten nationalsoziali­sti­schen Unter­drückungs- und Terrorappa­rat 17.6.1936 – mit Reinhard Heydrich Errichtung des Systems der Konzentrations- und Vernichtungslager u. entscheidender Orga­ni­sator der millio­nenfachen Massenmorde an den Juden – Reichsin­nenmi­ni­ster 1943 – nach Kapi­tula­tionsangebot an die Westalliierten Enthebung aller Ämter durch Adolf Hitler 29.4.1945 – unter falschem Namen in briti­scher Gefangen­schaft
Gudrun Burwitz, geb. Himmler (* 8.8.1929 in München; † 24.5.2018), war das einzige leibliche Kind aus der Ehe von Margarete und Heinrich Himmler.

Quelle der Fotos: Wikimedia Commons / Author: Unknown und Friedrich Franz Bauer / CC-BY-SA 3.0 de (abgerufen 30.06.2018)

FAZ.NET vom 29. Juni 2018 – Tochter von Heinrich Himmler arbeitete für den BND

Spiegel ONLINE vom 29. Juni 2018 – Tod von Gudrun Burwitz – Himmlers Tochter „Püppi“ – Nazi bis zuletzt

WELT vom 29. Juni 2018Himmlers Tochter tot – „Heute fuhren wir ins KZ. Schön ist’s gewesen“

Karl Leisners Geschichte mit Heinrich Himmler begann 1933 mit der Errichtung des KZ Dachau.

Mitteilung der Gestapo in Karlsruhe vom 17. Oktober 1940 an die Gestapo in Düs­seldorf, wo man seit 1936 eine Akte über Karl Leisner führte:
Mit Erlass vom 15. Februar 1940 – IV C 2 – Haft. Nr. L 3472 teilte das Reichssicherheitshauptamt in Berlin mit, dass der Reichs­führer-SS und Chef der Deutschen Polizei im Reichsministe­rium des In­nern [Heinrich Himmler] gegen Leisner Schutzhaft auf längere Zeit und seine Unterbrin­gung im Konzentrationslager Sachsenhausen ange­ordnet hat.

Schreiben: C. A. 1925 vom 26. März 1940
Nach einer Entscheidung des Reichsführers-SS und Chefs der Deut­schen Poli­zei [Heinrich Himmler] werden nunmehr sämtliche bisher in ver­schie­denen Konzentrationslagern unterge­brachten Geistlichen im K. L. Dachau zusam­mengefasst werden.

Im Januar 1941 änderte sich die Situation der Priesterhäftlinge durch die Ein­richtung einer Lagerkapelle auf Block 26. Vermut­lich sollte sie wie im KZ Sachsenhausen bereits im August 1940 geschaffen werden, wurde aber erst auf Grund des ange­kündigten Besuches von Heinrich Himmler realisiert. Sie wurde zum Schaustück der Lagerleitung für Besucher des KZ.

Besuch Heinrich Himmlers im KZ Dachau am 21. Januar 1941
r.: Lagerführer Egon Zill, Lagerkommandant Alex Piorkowsky, Heinrich Himmler

Samstag, 14. März 1942
Vater Wilhelm Leisner aus Kleve an Heinrich Himmler in Berlin:
Bitte des Justizoberinspektors W. Leisner um Entlassung seines Sohnes Karl aus dem KZ Dachau 3K Gef. No. 22356 Block 26/3 (Erlaß des Reichssi­cherheits[haupt]amtes vom 15.2.1940[1])
Kleve, (N’Rhein [Niederrhein]) Flandrische Straße 11, den 14. März 1942
An den Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei Herrn Reichs­mi­ni­ster Himmler in Berlin
Am 22.9.1940 richteten meine Frau, am 9.4.1941 ich Entlassungsgesu­che an die Geheime Staatspolizei, die ich in Abschrift beifüge. Nachdem nun mein Sohn fast drei Jahre von uns getrennt ist, davon vier Monate in Schutzhaft und in diesem Monat zwei Jahre im KZ, richte ich meine Bitte an Sie, sehr geehrter Herr Reichsminister. Helfen Sie mir doch bitte. Als Reserveoffizier des bayr. Infanterie-Leib-Regiments fällt es mir sicher schwer, mich in einer derartigen Angelegenheit an Sie zu wenden. Aber der dauernde Schmerz ei­ner leidenden Mutter macht auch den Stärksten mürbe.
So hoffe ich, daß Sie, hochverehrter Herr Reichsminister, die Schuld mei­nes Sohnes als gesühnt ansehen und ihn uns zurückgeben. Und ich ver­spre­che Ihnen, daß meinen Sohn der Teufel holt, wenn er sich ir­gend­wie muck­sen sollte. Dafür stehe ich persönlich ein.
Ich selbst bin seit 1928 Schriftführer und Kassenwart der Gardekame­rad­schaft [des Gardevereins in Kleve]; ich schreibe das sicher nicht, um mich zu rüh­men, will damit aber sagen, daß ich als Offizier meine Pflicht tue gerade an solchen Stellen, zu denen sich keiner drängt.
Machen Sie, hochverehrter Herr Reichsminister, eine Mutter von fünf Kin­dern und machen Sie auch mich wieder glücklich; darum bitte ich herzlichst.
Heil Hitler! W. Leisner
[1] s. Brief der Gestapostelle Karlsruhe vom 17.10.1940 an die Gestapostelle in Düs­sel­­­dorf

Donnerstag, 6. August 1942
Willi Leisner im Taschenkalender:
6. August 1942[1]
Vormittags zur Wrangelstraße 6/7 [in Berlin], um Inspektor [Theodor] Krumrey auf­zusuchen: Nach Anmeldung, Aufenthalt im Warteraum, Vorraum des Aktenarchivs und Vorzimmer gelangte ich zu Inspektor Krumrey. Er hatte die Akte Karls bereits auf dem Schreibtisch. Erste Frage: „Woher wissen Sie mei­nen Namen?“ Nach kurzer Überlegung: „Bin von der Prinz-Albrecht-Straße hierher geschickt.“ Zweite Frage: „Was wollen Sie?“ Da Karl im KZ Da­chau krank sei, wolle die Familie ein Gesuch zu einer Heilbe­hand­lung stellen, um seine Wehrfähigkeit zu erreichen. (Dies war bei unserer Ein­stellung nur ein vorgeschobenes Argument.) Wir wüßten fer­ner nicht, warum unser Bruder im KZ sei. Inspektor Krumrey: „Diese Pfaffen, schwarze Brut …“ (Schimpfkanonade). Ein Gesuch sei zweck­los. Den Fall habe sich Reichsführer-SS Himmler vorbehalten. Ein Ge­such an Himmler sei möglich.
[1] Gedächtnisprotokoll vom 25.5.1990 von Willi Leisner nach Taschenkalenderauf­zeichnungen

Vater in Kleve stellte nach meinem Bericht ein Gesuch an Himm­ler.[1] Mündlich teilte die Gestapo-Leitstelle Kleve die Ablehnung des Ge­su­ches mit.
[1] Das Gesuch existiert nicht mehr.
Willi Leisner aus Berlin am 2.4.1999 an Hans-Karl Seeger:
Nach meinen Besuchen bei der Gestapo hatte Vater ein Gesuch an Himmler geschickt, sicherlich ohne Durchschrift.

Hans Schwarz:
Ende 1942 erließ Heinrich Himmler durch seinen ihm direkt unterstellten Briga­deführer [Richard] Glücks, dem Generalinspekteur sämtlicher deut­scher Kon­zen­trationslager, den Befehl: „In sämtlichen deutschen Konzen­tra­tionsla­gern ist die Prügelstrafe durch Häftlinge anstelle der SS durch­zu­füh­ren.“[1]
[1] Schwarz, Hans: Wir haben es nicht gewußt; über das KZ Dachau, (Typoskript) o. J.: o. S.
Offensichtlich hat Kommandant SS-Obersturmbannführer Martin Gottfried Weiß den Befehl im KZ Dachau nicht ausgeführt.

Mittwoch, 2. Dezember 1942
Vater Wilhelm Leisner an Heinrich Himmler:
Bitte des W. Leisner um Entlassung seines Sohnes Karl aus dem KZ Dachau 3K Gef. No 22356, Block 26/3. (Erlaß des Reichssicherungs- [haupt]­amtes v. 15.2.1940[1])
Kleve, (N’rhein) Flandrische Straße 11, den 2. Dezember 1942
An den Reichsführer der SS und Chef der Deutschen Polizei Herrn Reichs­mi­nister Himmler in Berlin
Unter Bezugnahme auf meine bisherigen Gesuche bitte ich, nachdem mein Sohn am 9. November nunmehr drei Jahre gebüßt hat, und das Weihnachtsfest vor der Türe steht, ihn uns wiederzuschenken.
Heil Hit­ler!
[1] s. Brief der Gestapostelle Karlsruhe vom 17.10.1940 an die Gestapostelle in Düssel­dorf

Sonntag, 16. April 1944, Weißer Sonntag
Vater Wilhelm Leisner an Heinrich Himmler:
Bitte des W. Leisner um Entlassung seines Sohnes Karl aus dem K.Z. Dachau 3K – Gef. No 22356 Block 26/3. (Erlaß des Reichssicherungs­haupt­amtes v. 15.2.1940[1])
Kleve, N’Rhein, Flandrischestraße 11, den 16.4.1944
An den Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei Herrn Reichs­mi­ni­ster Himmler in Berlin
Am 30.12.1943 sandte ich das folgende Gesuch ab; da ich darauf keinen Be­scheid erhielt, nehme ich an, daß es bei Fliegerangriffen verlorenging.
Ich bitte, meinen Sohn Karl aus dem K. Z. zu entlassen. Ich verbürge mich dafür, daß er unter Zurücksetzung seines Berufes auf Kriegsdauer im Wirt­­schaftsprozeß eingespannt wird.
Mein Sohn ist über vier Jahre in Haft; er ist lungenkrank. Ev. bitte ich, ihn zur Wiederherstellung seiner Gesundheit auf meine Kosten in ein Sa­nato­rium beurlauben zu wollen.
Heil Hitler! W. Leisner
[1] s. Brief der Gestapostelle Karlsruhe vom 17.10.1940 an die Gestapostelle in Düssel­­­dorf

Mittwoch, 7. Juni 1944
Rundbrief von Vater Wilhelm Leisner aus Kleve an seine Kinder und an die Verwandten in Heidelberg und Speyer:
[…]
Nach dem schönen kurzen Besuch fuhr ich Samstag [3.6.] 6.35 Uhr nach Karlsruhe, wo ich die Leitstelle der Gestapo ausfindig mach­te. Mit ausgesuchter Liebenswürdigkeit wurde mir bedeu­tet, daß Karl wohl in nächster Zeit entlassen würde. Das letzte Wort spricht in die­sem Falle natürlich Berlin und nun möchte ich Dich, lieber Willi, bitten, das Dir ja bekannte Hauptsicherungsamt [Reichs­sicherheits­hauptamt] auf­zusuchen, um Dich zu vergewissern, ob das Gesuch – es handelt sich um das im Dezember/März eingereichte [Gesuch vom 30.12.1943, Schreiben an Heinrich Himmler vom 16.4.1944 und Ge­such an Adolf Hitler vom 10.5.1944] – nicht bei den Terrorangriffen verlo­ren­gegangen ist. Ich bitte Dich also, schnell zu handeln, damit ich eventuell sofort ein neues Gesuch einreichen kann.

Sonntag, 18. Juni 1944
Vater Wilhelm Leisner an die Gestapo:
(22) Kleve, Niederrhein, den 18. Juni 1944
An die Geheime Staatspolizei, Abteilung Schutzhaftangelegenheiten
Berlin S W 11, Prinz Albrechtstraße 8
Ich bitte die Geheime Staatspolizei, meinen Sohn Karl, geboren 28. Februar 1915 zu Rees, Gef. No 22356 Dachau aus dem Konzentrations­la­ger Dachau zu entlassen und zum Dienst in der Wehrmacht freizugeben.
Durch eine Kur von drei Monaten in einem Sanatorium auf meine Ko­sten soll sein Lungenleiden ausgeheilt werden und seine Tauglichkeit für den Wehrdienst erreicht werden. In der Anlage füge ich einen Brief mei­nes Sohnes Karl vom 23.[21.] Mai 1944 über seinen Gesundheitszustand bei.[1]
Am 2. Juni 1944 war ich persönlich beim Kommandeur des Wehrbe­zirks­kommandos Mannheim, der mich an die Leitstelle der Gestapo nach Karlsruhe verwies. Dort wurde mir am 3. Juni erklärt, daß die Entlassung meines Sohnes in Aussicht gestellt sei und zur Entscheidung in Berlin vorliege.
Da ich auf meine Gesuche vom 30.12.1943, 16.4.1944 und 10.5.1944 kei­nen Bescheid erhielt und diese durch Feindeinwirkung in Verlust geraten sein können, erneuere ich meine Gesuche um Freigabe meines Sohnes Karl zum aktiven Wehrdienst und bitte die Geheime Staatspolizei die­sem Gesuch stattzugeben.
Abschriften meiner Gesuche füge ich anliegend bei.
Leisner
Anlagen:
1. Brief meines Sohnes vom 21.5.1944.
2. Gesuch vom 30.12.1943 bzw. 16.4.1944.
3. Gesuch vom 10.5.1944.

Vermutlich ist die folgende Postkarte ohne Briefmarke und ohne Poststempel aus Berlin an Vater Wilhelm Leisner in Kleve die Ant­wort:
Der Staatsminister und Chef der Präsidialkanzlei Le 39/44 Gn
Berlin W8, Datum des Poststempels, Voßstraße 4
Ihre Eingabe ist hier eingegangen. Auf Anordnung des Führers ist sie
dem Chef der Sicherheitspolizei und des S.D. [Heinrich Himmler], Berlin SW 11,
Prinz-Albrecht-Str. 8,[2]
zur Prüfung zugeleitet worden. Etwaige weitere Zuschrif­ten in der Sache sind unmittelbar an diese Stelle zu richten. Heil Hitler!
[1] vermutlich auch den Gesundheitsbericht aus dem KZ Dachau vom 11.5.1944
Donnerstag, 11. Mai 1944
Häftlingskrankenbau Tbc.-Station                   K.L. Dachau, den 11. Mai 1944
Bericht
über den Gesundheitszustand des Sch. [Schutzhäftlings] Leisner Karl, geb. 28.2.15 zu Rees/Rhein.
Patient leidet seit 1939 an offener Lungentuberkulose. Er war fünf Monate in Anstaltsbehandlung [in St. Blasien], bekam dort Pneumothorax links. 1942/1943 wurde er wieder lungenkrank, Pneumothorax links wurde dann fortgesetzt. Mai 1943 wurde er wegen Schließung des Prozesses entlassen. Pneu wurde ambulatorisch fortgesetzt. Wegen Blutsturz neuerliche Auf­nahme in die Tbc.-Station nach einem halben Monat.
Klinische und röntgenologische Untersuchung ergab einen exsudati­ven Prozeß in der linken Lunge und einen Prozeß gleicher Natur im rechten Oberlappen.
Mantelförmiger Pneumothorax verdrängt die linke Lunge, besonders das Oberfeld auf 3–4 Querfinger. Pneufüllungen werden mit guter Wirkung regelmäßig fortgesetzt. Patient bekam eine Ebesalkur, Traubenzucker-, Calcium. gluc.-, Cebion- und Anastylinjektionen. Die BKS sank von ihrem Höchstwert von 25,5 auf gegenwärtig normale Höhe. Patient bleibt dauernd bei seinem normalen Gewicht. Sputum positiv mit negativen Unterbrechungen. Fast immer normale Temperatur wird nur bei intermit­tierenden Nebenkrankheiten wie Influenza, Angina vorübergehend erhöht. Von Zeit zu Zeit klagt der Patient über Blutspucken.
Beurteilung:
Patient atmet durch den Pneumothorax erschwert, fühlt sich aber wohl. Wegen Positivität und erschwertem Atem ist Patient vorläufig nicht ent­lassungsfähig und muß in weiterer Anstaltsbehandlung bleiben.[1]
[1] Der Bericht hat keine Unterschrift.
[2] Der im Original mit Schreibmaschine in den Vordruck eingefügte Text ist hier kursiv eingefügt.

Heinrich Himmler ahnte den Niedergang Deutschlands. Mit den ersten Ent­lassungen von KZlern im März 1945 zeigten sich starke Verände­rungen: Die Göt­terdäm­merung des Dritten Reiches brach herein und die Morgen­röte der Befreiung stieg auf.

Karl Leisner war nicht unter den Entlassenen.

KZ-Priester Ferdinand Maurath:
Am 10. April aber waren im Lager keine Entlassungen und am 11. die letzten. Am 14. kam der Befehl Himmlers auf Räumung und Liquidie­rung. Russen, Deutsche und Juden wurden etwa 8.000 Mann eva­kuiert nach Bad Tölz, wo mancher vor Erschöpfung durch die Gewalt­mär­sche noch den Genickschuß erhielt. Am 21. kam der 2. Liquidierungs­be­fehl. Der Kommandant bat den Platzkommandanten von [dem Flieger­horst] Schleißheim um Bombar­dierung des Lagers. Aber der weigerte sich.[1]
[1] Maurath, Ferdinand:  Bericht von Ferdinand Maurath, Pfarrvikar. In: Freiburger Diöze­san-Archiv 1970: 125–153, hier 153, s. auch: Schneider, Richard: Bericht des Pfarrers Richard Schneider über seine Erlebnisse im Konzentrationslager Dachau. In: Freiburger Diözesan-Archiv 1970: 24–51, hier 47 in Lebens-Chronik Bd. III: 2557

KZler Edgar Kupfer-Koberwitz:
Es gibt eine Nachricht, nach der ein Kanadier einen zerrissenen Brief auf der Kom­mandantur fand und ihn zusammen­setzte. – Er entpuppte sich als eine Order Himm­lers, die besagte, daß kein Häftling Dachau lebend verlassen darf.[1]
[1] Kupfer-Koberwitz, Edgar: Dachauer Tagebücher. Die Aufzeichnungen des Häftlings 24814, München 1997: 455

* * * * *

Um Heinrich Himmler besser zu verstehen, könnte das Buch der Politikwissenschaftlerin Katrin Himmler (* 1967), einer Großnichte des Reichsführers-SS, interessant sein.

Katrin Himmler
Die Brüder Himmler:
Eine deutsche Familiengeschichte
Berlin 2005
ISBN 3-10-033629-1

Link zum Buch mit Leseprobe, Autorenportrait und Rezensionen unter buecher.de

Unter der Überschrift „Dunkles Erbe“ besprach Karin Weglage im Mai 2007 in der Zeitung Kirche+Leben das Buch.
Der Artikel beginnt wie folgt: „Kein ,schwarzes Schaf’ ohne Stall. Auch Katrin Himmler kann nicht erklären, warum aus dem schwächelnden Bürgersöhnchen der größte Massenmörder der deutschen Geschichte wurde. Ihren Großonkel sieht sie als Teil einer deutschen Familiengeschichte.“

Die drei Geschwister Gebhard, Heinrich und Ernst Himmler stammten aus einer sogenannten gutbürgerlichen Familie. Als Kinder und Jugendliche standen sie unter dem Stress, in der Schule stets außerordentliche Leistungen zu vollbringen. Dieses war wohl dem Ehrgeiz des an einem Münchner Traditions-Gymnasium als Direktor tätigen Vaters geschuldet. Das Verhalten der Mutter hingegen war eher gluckenhaft.
Auf Grund von Fleiß und hoher Intelligenz erlangten die drei Brüdern hervorragende Abiturergebnisse und machten nach dem Studium elitäre Karrieren im NS-Regime, wobei Heinrich in seiner Funktion als Reichsführer SS „zum größten Massenmörder der deutschen Geschichte“ wurde.

Siehe auch F.A.Z. NET vom 23. Oktober 2005 – „Heini“ und seine Brüder.

Quelle der nicht ausgewiesenen Fotos: Karl Leisner-Archiv