Karl Leisner und Rainer Maria Rilke

 

 

Rainer Maria Rilke (* 4.12.1875 in Prag, † an Leukämie 29.12.1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux/CH) – Dichter

Foto Wikimedia Commons

 

 

Unter der Überschrift „Der große Gottsucher und·Lobpreisende – Das Dasein dichterisch in ein höheres Sein verwandeln: Die Prosa, herausgegeben zum 90. Todestag von Rainer Maria Rilke“ besprach Ika Scheidgen in der Zeitung DIE TAGESPOST vom 31. Dezember 2016 das von Ulrich Christian Baer im Insel Verlag herausgegebene Buch „Die Prosa“.
In dem Artikel heißt es unter anderem: „Anlässlich des 90. Todestages von Rainer Maria Rilke am 29. Dezember 2016 hat der Insel Verlag in einer kostbaren Geschenkausgabe in rotem Leinen mit goldenen Lettern erstmals auf über 800 Seiten das erzählerische Werk und die kritischen Texte Rilkes in einer Auswahl des Rilke-Spezialisten Ulrich Baer herausgebracht und mit einem Nachwort versehen.“

Link zum Artikel

 

 

 

Ulrich C. Baer (Hg.)
Rainer Maria Rilke
Die Prosa
Berlin 2016

 

 

Link zum Buch

Der Grünewald-Verlag hat in Kooperation mit dem Verlag Ferdinand Schöningh als „bibliophile Neuausgabe zum Rilke-Jahr 2016“ Romano Guardinis Werk „Rainer Maria Rilkes Deutung des Daseins“ herausgegeben.

Link zum Buch

Siehe auch Link zur Sendung Zeitzeichen im WDR 5 vom 29. Dezember 2011 zum Todestag von Rainer Maria Rilke

Zu den zahlreichen Dichtern, die Karl Leisner in seinen Tagebüchern und Bücherlesen erwähnt, zählt auch Rainer Maria Rilke. Die im folgenden farbig dargestellten, kursiv gesetzten Verse aus dem Gedicht „Der Schauende“ zitiert Karl Leisner in seiner Bücherlese vom 20. Januar 1936.

Der Schauende
Ich sehe den Bäumen die Stürme an, / die aus laugewordenen Tagen
an meine ängstlichen Fenster schlagen, / und höre die Fernen Dinge sagen,
die ich nicht ohne Freund ertragen, / nicht ohne Schwester lieben kann.

Da geht der Sturm, ein Umgestalter, / geht durch den Wald und durch die Zeit,
und alles ist wie ohne Alter: / die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,
ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.

Wie ist das klein, womit wir ringen, / was mit uns ringt, wie ist das groß;
ließen wir, ähn­licher den Dingen, / uns so vom großen Sturm bezwingen, –
wir würden weit und namenlos.

Was wir besiegen, ist das Kleine, / und der Erfolg selbst macht uns klein.
Das Ewige und Ungemeine / will nicht von uns gebogen sein.
Das ist der Engel, der den Ringern / des Alten Testaments erschien:
wenn seiner Widersacher Sehnen / im Kampfe sich metallen dehnen,
fühlt er sie unter seinen Fingern / wie Saiten tiefer Melodien.

Wen dieser Engel überwand, / welcher so oft auf Kampf verzichtet,
der geht gerecht und aufgerichtet / und groß aus jener harten Hand,
die sich, wie formend, an ihn schmiegte. / Die Siege laden ihn nicht ein.
Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte / von immer Größe­rem zu sein.

(Rainer Maria Rilke 21.1.1901, Berlin-Schmargendorf)
Rainer Maria Rilke. Die Gedichte, Frankfurt/M. 91997: 405f.