Karl Leisner und seine Heimatstadt Kleve

Unter der Überschrift „775 Jahre Kleve – Turmbläser starten das Jubiläumsjahr“ gaben Marc Cattelaens und Matthias Grass in der Rheinischen Post vom 2. Januar 2017 einen Einblick in das Programm des Jubiläumsjahres der Stadt Kleve, die am 25. April 2017 auf 775 Jahre Stadtrechte zurückblickt.

Link zur RP ONLINE vom 2. Januar 2017

Link zur RP ONLINE vom 8. April 2017 „Die Macher von Kleve“

Link zur RP ONLINE vom 15. April 2017 „So schön sind die Lieblingsplätze der Klever“

Link zur RP ONLINE vom 24. April 2017 „Kleve ist meine Lieblingsstadt”

Link zur RP ONLINE vom 25. April 2017 „Schwanenturm nach 10 Jahren beflaggt”

Am 1. April 1921 begann Vater Wilhelm Leisner seine Tätigkeit beim Amtsgericht in Kleve[1], und am 17. Dezember 1921 zog Familie Leisner von Rees, wo Karl Leisner am 28. Februar 1915 zur Welt gekommen war, nach Kleve zur Triftstr. 107 I. So wurde Kleve für Karl Leisner zur Heimatstadt, der er sein Leben lang sehr verbunden blieb.

[1]  Wilhelm Leisner am 24. März 1943 bei einer Ver­neh­mung durch die Gestapo in Kleve:
[…] seit dem 1. April 1921 [war ich] bei dem Amts­gericht in Kleve ange­stellt. Seit dem letztge­nannten Tage führe ich die Ge­richtskasse beim hiesigen Amtsge­richt (Gestapoakte Wilhelm Leisner: 47).

Offensichtlich war es sehr schwer, eine Wohnung zu finden.

Paula Väth, Schwester von Wilhelm Leisner:
Als Mutter Maly von Rees nach Kleve ziehen mußte und auf Wohnungs­suche war, hier aber viele Schwierigkeiten auftraten, saß sie ganz niederge­schlagen und traurig in der Bahn. Da wollte [ihr Sohn] Willi sie trösten. Er kraulte ihr Kinn und forderte sie auf: „Herzchen, lach’e mal!“

Das Mietshaus in Kleve, Triftstraße 107 I
(l. mittleres Haus, Zustand 1945; r. rechtes Haus, Zustand nach Wiederaufbau)

Nachdem Karl Leisner bereits am 13. April 1921 in Rees in die katholische Volksschule eingeschult worden war, besuchte er laut Mutter Leisner ab Ostern 1922 bis Ostern 1925 die katholische Volksschule – Mittel­stadt­bezirksschule in Kleve, Mühlenstraße 7 und 38.[1]

[1]  Vermutlich ist Karl Leisner aber bereits nach den Weihnachtsferien ab Januar 1922 in Kleve zur Schule gegangen.

Mutter Amalia Leisner:
Es herrschte dort ein guter Geist. Die Lehrer wa­ren meines Wissens alle überzeugt katholisch. Karl war ein guter Schü­ler, mußte allerdings auch wohl angehalten werden, seine Pflicht stets gut zu erfül­len. Ich kann nicht sagen, daß er besonders eigen­sinnig gewesen wäre. Jeden­falls hatte ich mit seiner Erziehung keine be­son­deren Probleme. Schon frühzei­tig begann er gern zu lesen.[1]

[1]  Seligsprechungsprozeß: 140

Mittwoch, 22. April 1925
Karl Leisners Lehrer Richard Trompetter hatte den Eltern Leisner empfohlen, ihren Sohn zum Gymnasium zu schicken.[1] Zum Schuljahresbeginn 1925/1926 nahm Direktor Dr. Josef Bast ihn in die Sexta b des Gym­nasi­ums in Kleve auf.

[1]  Hermann Mies im Seligsprechungsprozeß: 544 u. 546, s. auch: Willi Leisner im Seligsprechungsprozeß: 958

Ein wichtiger Bezugspunkt in Kleve war für Karl Leisner seine Jugendgruppe.
Nach einer Aushilfe in Emsdetten kam am 23. Mai 1926 der Neupriester Walter Vinnenberg als Religionslehrer ans Gymnasium in Kleve und unter­rich­­tete auch in Karl Leisners Klasse Quinta b. Kein Schüler hat nach der Schulzeit inten­siveren Kontakt zu Walter Vinnenberg gepflegt als Karl Leis­ner.
Nach Aussagen von Walter Vinnen­­berg wollten die Jungen auch außer­halb der Schule zusammensein. Sie wollten Begegnung mit anderen. So entfaltete sich ein Gruppenleben, zu dem später auch Lehrlinge gehör­ten.
Was sich in Kleve an Jugendarbeit entwickelte, ist vor dem Hintergrund der Jugendbewe­gung zu sehen. Die Betonung liegt auf „Bewegung“; das heißt, die Jugend be­wegte sich selbst und wollte nicht bewegt werden. Es entstanden Grup­pen von jungen Menschen, und sie lösten sich wieder auf. Erst nach geraumer Zeit gab es feste Verbände und Bünde mit Mitglie­derli­sten. Diese Grup­pen waren unabhängig von behördlicher oder kirch­licher Jugendpflege.

Walter Vinnenberg aus Bocholt am 29. Dezember 1976 an Pfarrer Heinrich Kleinen in Uedem:
Einer meiner eifrigsten Schüler war Karl Leisner. […] Eines Tages kam Karl zu mir zusammen mit einem Klassenkameraden und bat mich, ihnen zu helfen, eine Gruppe zu gründen. […] Sein jugendlicher Schwung zog an­dere mit, seine Zähigkeit half, Schwierigkeiten zu überwinden. Verzicht auf Nikotin und Alkohol, eine sehr einfache Art zu essen und zu schlafen auf den weiten Fußwande­rungen und Beschränkung auf das Wesentliche gaben Karl die Kraft, auch gegen den Strom zu schwimmen. Ohne jede Frömmelei war ihm das Leben mit der Kirche Herzenssache. Natur und Übernatur waren bei ihm nahtlos ver­bunden […].

Vermutlich gab Walter Vinnenberg den Anstoß zur Gründung einer Jugend­gruppe. Der Impuls verselbständigte sich, die Jungen machten Ernst und baten Walter Vinnenberg um Hilfe.

Am 3. Februar 1927 wurde die Jungkreuzbund­gruppe St. Werner in Kleve gegründet. Karl Leisner über­nahm als Quintaner das Amt des Schrift­führers.

Das Führen der Gruppen-Chronik veranlaßte ihn, selbst Tagebuch zu schreiben. Die erhaltenen Tagebücher und Briefe geben Zeugnis davon, wieviel ihm Kleve und der Niederrhein bedeuteten.

Beispiele aus Tagebucheinträgen

Im Oktober 1929 erfolgte Familie Leisners Umzug von der Triftstraße zur Flandrischen Straße 11, ein einschneidendes Erlebnis für Karl Leisner.

Karl Leisner aus Kleve am Dienstag, 15. Oktober 1929, an Walter Vinnenberg in Maria Laach:
Nun noch eine „private“ Neuigkeit. Wir haben nämlich ein Haus gekauft und ziehen nächste Woche um. Also bald könnt Ihr nicht mehr die alte Adresse, sondern die neue auf Eure Briefe bzw. Karten schreiben. Sie lautet Flandri­sche Straße 11. Jetzt wohnen wir bald direkt bei der Penne. – Also hat man jetzt ab nächste Woche einen kurzen Schulweg.

Kleve, Montag, 21. Oktober 1929

Flandrische Straße mit Rot- und Weißdornbäumen im Wechsel

Gegen 21.00 Uhr abends brachten Papa, Mama, Tante Thea [Thomas] aus Neuß und ich allerhand, zum Beispiel Einmachgläser (volle und leere), Bücher von mir und die Tagebücher, Blumen und noch anderes mehr, zum „neuen Haus“  – Als Mama und Tante Thea die Kiste, in der die vollen Ein­machgläser waren, aus dem Leiterwagen hoben, ging der Boden los und bald hätte es ein Malheur gegeben. – Gegen 22.00 Uhr waren wir wieder zu Hause.

 

Kleve, Dienstag , 22. Oktober 1929
Heute zogen wir um! – Der Umzug wurde auf einem offenen Wagen der Firma Hogmann vollzogen. – Ich ging nach der Schule eben gucken und fuhr dann mit dem Rad, das ich morgens mitgebracht hatte, nach [Familie Jakob] Schroers [Materborner Allee 8], wo ich den Tag über blieb. – Mittags gegen 15.00 Uhr wurde „Pussi“ mit dem einen jungen Kater (Möhrchen), den sie gerade hatte, in den Rucksack gesteckt und ins „neue Haus“ transportiert. – Um 19.30 Uhr fuhr ich von Schroers zum „neuen Haus“, wo ich heute zum er­sten Mal auf meinem schönen großen Zimmer schlief. – Ich schlief sehr gut allein auf meinem Zimmer; aber Willi, der in Süchteln ist, vermißte ich doch etwas. – Das war die erste Nacht im neuen Haus.

Besuche aus der Verwandtschaft „zwecks Besichtigung des neuen Hauses“ finden im Tagebuch besondere Erwähnung.

Am Fest der Heilgen Drei Könige 1930 heißt es:
Gegen 10.00 Uhr kam ganz unerwartet Opa [Friedrich Falkenstein]. – Zu­erst besichtigte er unser feines neues Haus.

Das nebenstehende Foto entstand Pfingsten 1930.
Onkel Heinrich und Tante Mia [Brücken] aus Neuß wa­ren die Pfingsttage da. Onkel Heinrich knipste auch unser schönes Haus.
Unser jetziges (seit 4.10.1929) Haus (Flandrische Str. 11)

Während seines Theologiestudiums in Münster vermißte Karl Leisner seine Heimatstadt; denn er kam nur noch gelegentlich nach Kleve.

Münster, Sonntag, 6. Mai 1934
Nun, mein liebes Tagebuch, ich habe dir allerlei Neues zu berichten. Seit gestern abend stecke ich im Collegium Borromaeum zu Münster.
[…]
Um 20.15 Uhr in der Kapelle, die mir einzig gefällt, eine feine Predigt des Direk­tors über das Wort des Philipper­briefes: „Ich ver­gesse, was hinter mir liegt, und strecke mich aus (oder „jage nach“) auf das, was vor mir liegt [Phil 3,13]“.
Feine Gedanken! Wir verlassen Heimat, Eltern, Freunde, Kameraden – liebe und traute „Gewohnheiten“. – Jetzt geht’s mit Macht auf’s große Ziel: das Priestertum.

Kleve, Montag, 28. Mai 1934
Endlich sitze ich dann um 8.45 Uhr auf dem Stahl­rößle. Meine gute Mutter hat mir alles schon fein zurechtgepackt.
Abschied von meinen Lieben! – Ich will euer wert sein, da ihr mir so unend­lich viel Liebe, Nachsicht und Geduld schenktet! – […] Ade, mein liebes Heimatstädt­chen, ade, ihr prächtigen Leute und Jungens alle […], ade, du herrliche Heimat, in der ich soviel schöne Fahrten, soviele schöne Stunden mit prächtigen Menschen ver­lebte und in der ich – dank der Liebe so vieler, besonders aber meiner El­tern und meiner geistlichen Führer – so eine schöne, wenn auch mancher Wirrungen und Ir­rungen nicht entbehrenden, Jugend erlebte. Ade! Ich ziehe aus, ein Mann zu werden! Gott segne Du alle, die mir um Deines heiligen Namens willen Gutes taten und tun, und verzeihe allen, die mir – vielleicht unbewußt – je irgend etwas Böses zufügten.[1] – Amen. –

[1] Anklang an den letzten Satz in Karl Leisners letztem Tagebuch Segne auch, Höchster, meine Feinde!

Während seiner Außensemester 1936/1937 in Freiburg war er noch weiter von seiner Heimat entfernt. Ein Tagebuch aus dieser Zeit ist im Nachlaß nicht vorhanden. Es existiert lediglich ein Hinweis auf die Hinfahrt.

Kleve, Montag, 30. März 1936
Dann am Montagabend 21.45 Uhr D-Zug [Richtung] Basel [über KölnNie­der­lahn­steinRüdesheimWiesbaden(umsteigen)KarlsruheFrei­burg/ Br.]. – Und dann be­ginnt das erste Freisemester: SS [Sommer­seme­ster 19]36!

In einer ganz besonderen Situation befand er sich während des Reichsarbeitsdienstes. Dieser begann für ihn am Donnerstag, dem 1. April 1937, in Dah­len/Sachsen.
Dort war er von allem abgeschnitten, was sein Le­ben ausmachte: Familie und Heimat (Vom Niederrhein bin ich hier das ein­zige Kind.), Ver­wandte und Bekannte, Kirche und Jugend­arbeit, Klassen­kameraden und Stu­dienkol­legen sowie Lehrer und Freunde. Statt dessen kam er in eine fremde Umgebung, wo sich alles, was ihm heilig war, anders dar­stellte.

 

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Lied:

M i n K l e e f
Woor den Schwanentoorn kiekt wied in ’t Land
Hoog över Hüs en Steeg,
En et Kermesdaal as selver Band
Trekt döör et saftig Leeg;
Woor die alde Geevels raage
Spets en Törntjes draage:
Door steet min Eldershüs,
In Kleef, door höör ek tüß!

Wieje Höögels droage waldbekränst
Et Städje op de Rök,
Grüüne Weije legge sonbeglänst,
Et Feld es schwoor van Glök.
Woor die rooje Panne löchte,
Nachtegalle söchte:
Door steet min Eldershüs,
In Kleef, door höör ek tüß!

Sid geseegend, Kleefse Heimatgrond,
Met Hüüs en Wald en Feld!
Nörgend es wat, dat ek moojer fond:
Gej sid vöör min de Welt.
Woor min Heimatglök gegeeve,
Schlütte wel min Leeve:
Door steet min Eldershüs,
In Kleef, door höör ek tüß![1]

„Übersetzung“:

Mein Kleve
Wo der Schwanenturm weit ins Land schaut,
hoch über Haus und Steg,
und der Kermisdahl als Silberband
durch die saftige Niederung zieht,
wo die alten Giebel ragen,
Spitzen und Türmchen tragen:
da steht mein Elternhaus,
in Kleve, da bin ich zu Haus.

Weite Hügel tragen waldbekränzt
das Städtchen auf dem Rücken,
grüne Weiden liegen sonnenbeglänzt,
das Feld ist schwer von Glück.
Wo die roten Dachziegel leuchten,
Nachtigallen schlagen:
da steht mein Elternhaus,
in Kleve, da bin ich zu Haus.

Sei gesegnet, Klever Heimatboden,
mit Häusern, Wald und Feld!
Nirgends ist etwas, was ich schöner fand:
du bist für mich die Welt.
Wo mein Heimatglück gegeben,
will ich mein Leben beschließen:
da steht mein Elternhaus,
in Kleve, da bin ich zu Haus.

In der Heimat, in der Heimat …[2]

[1]  eingeklebter Zeitungsausschnitt
Worte und Weise: Willy Richrath
[2]  Am Ende eines Liederpotpourris sang man häufig:
Die Vöglein im Walde, die sangen so wunder­wunderschön, in der Heimat, in der Heimat, da gibts ein Wiedersehn.

Abschied von der Heimat. Kleve, den 1. April 1937
Mit Vaters und Mutters Segen geht’s los. – Mutter und Ma­ria bringen mich an den Eilzug. – Am Mor­gen war ich noch bei Professor [Bernhard] P. [Pe­ters] und Dr. S. [Hein­­rich Schönze­ler] zum Ab­schied. Ernste Gespräche. Mit Dr. S. sprach ich über das Weltbild der heuti­gen Physik. Über Religion und Kirche heute. Über den Beruf. „Drum prüfe, wer sich ewig bindet.“ – Ernst und schwer klingen die Worte in mir nach. Eine schwere Zeit der Prüfung, der Härte, des Ringens um Mannestum und Lebensbe­ruf steht mir bevor, ernster und schwe­rer als ich mir dachte. – Dunkle Zukunft! O unbeständig’s, wil­des Herz – o tiefer, dunkler, weher Schmerz! – Meine liebe Mutter segnet mich, und dann gehn wir zur Bahn, nach­dem wir allen daheim Lebwohl gesagt haben. – Ich löse auf meinen Gestellungsbe­fehl und den Gut­schein die Militär­fahr­karte (mit Schnellzug!).
Mutig hält mein Mütterlein aus und gibt mir noch die letzten guten Rat­sch­läge zur Schonung der Gesundheit. – Vater und Erwin Nielen kom­men noch zur Sperre. Ade. Bleib’ brav und tapfer! – Wir beten für dich.
Die Stadt liegt im abendlichen Vorfrühlingsnebel. Wie oft sah ich dies Bild meiner Heimatstadt. – Mir greift’s wiederum ins Herz. Werd’ ich als rei­fer [Mensch
/Mann] zurückkommen?
Der Eil[zug] legt vor. In Goch ist Tante Marias und Tante Julchens Haus zu sehn. – Beim Ab­schied von Kleve: Je voudrais lacrimer [pleurer]! [Ich möch­te weinen!]

Es war gleichsam ein Abschied von Kleve für immer, als Karl Leisner wegen seiner Lungenerkrankung am 5. Juni 1939 nach St. Blasien mußte. Es begann sein letzter und wichtig­ster Le­bens­abschnitt. Er überschritt ei­nen „point of no return“, denn mit seiner Äußerung zum Attentat auf Adolf Hitler be­gann am 9. November 1939 für ihn ein Weg ohne Um­kehr. Zahlreiche Briefe aus der Gefangenschaft geben Zeugnis von seinen Gedanken an die geliebte Heimat.

Karl Leisner aus dem Gefängnis in Freiburg/Br. am Dienstag, 28. November 1939, an seine Familie in Kleve:
Meine Lieben daheim!
Herzlichen Dank für Eure lieben Briefe. Sie haben mir in der Einsamkeit meiner Krankenzelle[1] große Freude gespendet. Vor allem das hübsche Bild­chen von Flandrische Straße 11. Ich meine übrigens, Vater und Mut­ter, Ihr seid älter geworden darauf.

[1]  Karl Leisner befand sich offensichtlich in der Kran­kenabteilung des Gefängnis­ses.

Karl Leisner aus Sachsenhausen am Sonntag, 14. April 1940, an seine Familie in Kleve:
Ich danke Euch allen von Herzen für Eure innigen guten Wünsche und die frohen Nachrichten aus der geliebten Hei­mat. Eure sprudelnde Freu­de gibt mir Mitfreude.

Karl Leisner aus Sachsenhausen am Montag, 13. Mai 1940, an seine Familie in Kleve:
In den letzten Tagen hat sicher der Boden unsrer nieder­rheini­schen Hei­mat vom Marschtritt uns­rer grauen Jun­gens ge­zittert.[1] Ich hoffe Euch alle frisch und gesund daheim, auf daß wir ein frohes Wieder­sehn feiern kön­nen nach mei­nem langen Fern­sein in Krankheit und an­schließen­der Haft.

[1]  Anspielung auf den Einmarsch der deutschen Truppen in die Niederlande am 10.5.1940

Karl Leisner aus Sachsenhausen am Sonntag, 26. Mai 1940 an seine Familie in Kleve:
In un­serm mai­fri­schen Garten wird Euch unter Flieder- und Baumblüte zu Vogelsang und Hühnerge­gacker der Festkaffee gut munden. Und Mutters schöne Klivia blüht sicher auch noch. Auch von Erwins [Nielen] großem Fest [Erstkom­muniontag] blühen sicher noch Blumen im Haus auf Bänken und in Ni­schen.

Karl Leisner aus Sachsenhausen am Sonntag, 9. Juni 1940, an seine Familie in Kleve:
Die Zeitläufte verfolge ich mit größter Spannung, zumal unsere Heimat so oft in den Berichten mit­spielt. Alles, was Ihr mir schreibt: vom neuen Stein­garten, von den blühen­den Bäumen unse­rer Straße, vom Wachsen in unserm Garten, von den jungen Küken: macht mir das Herz froh und läßt mich in Euren Lebensrhythmus einschwingen.

Karl Leisner aus Sachsenhausen am Sonntag, 23. Juni 1940, an seine Familie in Kleve:
Die Heimat kam mir so recht warm dabei ins Herz. Ein klein wenig Sehnsucht und Heimweh mischte sich mit ein in die Freude über Euer schönes Zusammenleben.

Karl Leisner aus Sachsenhausen am Sonntag, 28. Juli 1940, an seine Familie in Kleve:
Ich denke täglich an Euch und unsre Heimat.

Karl Leisner aus Sachsenhausen am Sonntag, 11. August 1940, an seine Familie in Kleve:
Willi, Du bleibst also noch in Berlin. Das wäre ja sauber, wenn wir zusam­men in die liebe Heimat zurückfahren könnten. Ich hoffe doch zuver­sicht­lich, Euch alle bald fröhlich und gesund wiederzusehen. Ihr müßt halt noch eine Weile warten können. Ich hab’ in dem dreiviertel Jahr diese große Kunst gelernt. Maria, Paula und Elisabeth wie gern wär’ ich mit Euch auf der „Woy“ [einem Gewässer] im Kahn geschaukelt, vor uns auf der andern Rheinseite die Mauern und Türme von Rees, der Ge­burtsstadt von Paula und mir. […]
Und nun sind’s schon wieder fünf Wochen seit Mutters Namenstagsfeier [am 10.7.] in un­serm blühenden, grünen Gar­ten. Ihr habt wohl inzwischen viel geerntet und eingemacht (selbst und in Gläsern). Aus den Kü­ken sind schon kleine Hühner und Hähn­chen gewor­den. Hoffentlich kann ich Euch helfen beim ersten Eier­schmaus. Vater durchstreift mit seinen Kollegen den nahen Wald. Röh­ren die Hirsche nicht schon? Wie herrlich hast Du, lieber Vater, uns doch unsere Jugend gestal­tet.

Karl Leisner aus Sachsenhausen am Sonntag, 25. August 1940 an seine Familie in Kleve:
Allezeit ge­denke ich Eurer mit heißer Sehn­sucht, aber auch mit gro­ßer Ruhe und Geborgenheit. Ich hoffe Euch alle bald wie­der­sehen zu dürfen in der lieben, schönen Heimat.

Karl Leisner aus Sachsenhausen am Sonntag, 22. September 1940, an seine Familie in Kleve:
Auch ich hoffe, bald doch die liebe Hei­mat wieder­zusehen, nachdem ich am 16.[9.] schon ein halbes Jahr hier bin. Ich werde mich wei­ter vor­bildlich führen, wie Du, Vater, es mir schreibst. […]
Hoffent­lich sind wir alle Weih­nach­ten in Friede und Freude daheim zusammen.

Karl Leisner aus Dachau am Donnerstag, 9. Januar 1941, an seine Familie in Kleve:
Der Heimat Friede und Sieg, uns allen Glück und Freiheit.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 25. Januar 1941, an seine Familie in Kleve:
Daß die Finken und Meisen noch immer zu unsrer guten Mut­ter kommen, ist mir ein liebes Bild. Wie Du, liebe Mutter, – ein Jahr ist’s her seit unserm letzten Sehen in Freiburg/Br. [am 6.1.1940] – für sie sorgst, so sorgt ein Anderer für mich und uns alle.

Karl Leisner aus Dachau am Freitag, 21. März 1941, an seine Familie in Kleve:
Der ganze Josefsmond war so schön bis­her.[1] Das Herz wallt auf in fröhlicher Wonne. Den Affen möchte ich packen und zu Euch heim­fahrten wie einst. Vorgestern noch verfolgte ich in einem guten Atlas unsere schöne, schöne Vorfrühlingsheimfahrt [von Freiburg/Br. aus über Immen­stadt und Alpseewies nach Kleve vom 3. bis 16.3.] 1937, Maria.

[1]  Der März wird wegen des Festes des hl. Josef am 19.3. auch Josefsmonat ge­nannt.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 19. April 1941, an seine Familie in Kleve:
Ich denke oft an die Heimat. Die „Palmmössen“ und der Brief vom Klever Osterhas’ haben mich köst­lich amüsiert.[1]

[1]  Vermutlich hatte Karl Leisner einige aus Brotteig gebackene Palmvögel in einem Osterpaket aus der Heimat bekommen.

Karl Leisner aus Dachau am Freitag, 22. August 1941, an seine Familie in Kleve:
Im Geiste war ich in der Vorernte- und Erntezeit oft in den wogenden Saat­feldern der „Materborner Schweiz“ spazieren. Ist alles gut eingebracht?

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 4. Oktober 1941, an seine Familie in Kleve:
Die feinen Bücher und das andere kamen vorgestern an. Gestern Euer Brief. In beidem kam mir Eure Liebe und die Treue der Heimat nahe.

Karl Leisner aus Dachau am Freitag, 3. April 1942, an Jakob Küppers in Kleve:
In gro­ßer Sehnsucht verbinde ich mich täglich mit Ihnen. Oft und oft gehn meine Gedanken zu Ihnen allen in der lieben – ach so fernen – Heimat.

Karl Leisner aus Dachau am Sonntag, 31. Mai 1942, an seine Familie:
Jetzt blüht un­sre Straße wieder in Weiß und Rot.[1]

[1]  s. Foto: Kleve, Montag, 21. Oktober 1929

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 3. Oktober 1942, an seine Familie in Kleve:
Es ist ein nebliger Oktobermorgen, aber die Tage sind herrlich schön in ihrer Son­nenpracht. So recht, um mal wieder loszutrampen – am liebsten heim­wärts, und dann in den herrlichen Reichswald oder den buntlaubigen Tier­garten.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 15. Mai 1943 an seine Familie in Kleve:
Bald sind’s vier Jahre, daß ich von Euch daheim Ab­schied nehmen mußte zur Lungenkur nach St. Blasien. Daß es ein Abschied für so lange Zeit würde, wer hätte es gedacht? Wo es draußen jetzt so schön ist, denke ich so voll Sehnsucht heim und an die herrliche Jugendzeit. Und an die großen Fahrten.

Karl Leisner aus Dachau am Freitag, 18. Juni 1943, an Wilhelm Hendriksen in Kleve:
Gerade in der schönen öster­lichen Zeit war ich oft in Gedanken daheim in unse­rer schönen Heimat, von der ich nun schon vier Jahre fern bin. Besonders an die stillen und feier­lichen Stun­den in unserer herrlichen Stiftskirche denke ich in froher Erinne­rung zurück. Wie gern möchte ich an Fronleichnam in unserer Stadt sein. Hoffentlich ist uns bald ein frohes Wiedersehn vergönnt.

Karl Leisner aus Dachau am Sonntag, 4. Juli 1943. an seine Familie in Kleve:
Auch die schöne Fronleichnams­oktav [am Donnerstag 1.7.[1]] habe ich ganz mit der Heimat ver­lebt. Was war das doch immer daheim eine Pracht und Hochge­stimmtheit der Seelen an die­sem Tag.[2] In Frieden kön­nen wir ihn hoffentlich das nächste Mal miteinan­der fest­lich begehen. Ich sehne mich so nach dem eucharisti­schen Opfer und dem Priestertum.

[1]  Eine Fronleichnams­oktav gibt es seit der Liturgiereform nicht mehr.
[2]  Siehe Link zu „Fronleichnam in Kleve und im KZ Dachau“.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 17. Juli 1943, an Dechant Jakob Küppers in Kleve:
Schon wieder bin ich ein Jahr fern der geliebten Heimat. Aber im Herzen stehen Sie und alle Lieben daheim immer noch obenan. […]
Wie gerne möchte ich nach der langen, langen Tren­nung als Priester in der Heimat stehen, gerade jetzt.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 31. Juli 1943, an seine Familie in Kleve:
Wie gern würde ich in Sandalen und kurzer Hose, meiner marine­blauen, wieder mal […] über die Triftstraße durch den Reichswald pilgern.

Karl Leisner aus Dachau am Donnerstag, 16. März 1944, an Franz Düsterhus in Materborn:
Nach Weihnachten las ich von den Gold­hochzei­ten in Materborn und Eure Namen. Da bin ich im Geiste mit zu Füßen des Klever Berges gewesen und anschließend durch die „[Ma­ter­­bor­ner] Schweiz“ gewandert. In heimatlicher Verbundenheit!

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 8. Juli 1944, an Jakob Küppers in Kleve:
Am Ja­kobstag [25.7.] werde ich fest und innig mit Ihnen und der lieben Heimat verbun­den sein. […]
Möge der liebe Gott Ihnen Ihre frische Lebenskraft erhalten und die geliebte Heimat besonders schüt­zen, daß wir uns in den hellen Tagen des Friedens wieder­sehen.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 23. September 1944, an seinen Bruder Willi in Berlin:
Wie durch einen Blitz aus heiterem Himmel wurde un­sere Heimat plötzlich in des Krieges Nähe und Härte gerückt. Mit einiger Sorge denke ich an un­sere Lieben in Kleve und Goch, Deine liebe junge Frau [Fränzl] zumal, die sich doch gerade häuslich einrichten wollte. Von heute ab schreibe ich [wegen der dort bevorstehenden Evakuierung] regel­mä­ßig an Dich und Du mögest bitte Nachricht vermitteln von und zu allen Lie­ben. Der letzte Brief ist vom 2.9. und noch voll heiteren Frie­dens. Möge Gott sie und alle sowie unsere herrliche Heimat gnädig schüt­zen!

Karl Leisner aus Dachau, Block 26/3, am 7. Oktober 1944 an Walter Vinnen­berg als Soldat:
Mein lieber Walter!
Es drängt mich, Dir nach langen Jahren wieder einmal persönlich treuen Gruß zu sagen. Von Willi höre ich über daheim hier und da von Dir.
Am herrlichen Reichswald steht der Englän­der. Ich dachte heute noch an die „Schlacht“ [1928] am Puhl, wo wir Dir Dein feines Sonntagshemd zerfetz­ten. Jetzt geht’s in unsern alten Jagdgründen ernst zu. Gott wird un­sere herrliche, liebe Heimat und unser Volk beschirmen. Das ist unser Hof­fen und Gebet.

Karl Leisner konnte nich ahnen, daß an dem Tag, als er diesen Brief schrieb, seine Heimat Kleve total zerstört wurde.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 14. Oktober 1944, an Heinrich Tenhumberg:
Auch von daheim erhielt ich so köstliche Nachricht. Sie finden sich so selbst­ver­ständlich damit ab, daß der Krieg vor der Türe der Heimat steht und sind so ruhig und gelassen, daß ich seitdem um sie keine Sorge habe, wie’s auch kommt. Gott möge uns das Wiedersehen in der Heimat geben!

Karl Leisner aus Dachau am Sonntag, 22. Oktober 1944, an seine Familie in Berlin und Niedermörmter:
Traurige Gewißheit wurde mir durch Euren Brief vom 16., was ich jahre­lang düster ahnte und seit Wochen fürchtete: Unsere geliebte Heimat zer­stört, hunderte teuerster Mitbürger tot und verletzt. Und Ihr lebt dank der Huld Gottes, die sich wunderbar an Euch erwiesen hat. Gott und Unserer Lieben Frau bin ich sehr dankbar für Eure Errettung aus diesem er­sten furchtbaren Ansturm des Krieges.

Karl Leisner aus Dachau Sonntag, 5. November 1944, an seine Familie in Berlin und Niedermörmter:
Euer trotz allem so froher und gelassener Brief vom 12.10. aus Nieder­mörmter erreichte mich eben. Ich habe mit Euch getrauert über das furcht­bare Ende unserer Heimatstadt und den Tod so vieler Mitbürger [beim Luft­angriff auf Kleve am 7.10.].

Karl Leisner aus Dachau am Sonntag, 19. November 1944, an seine Familie in Berlin und Niedermörmter:
Wie steht’s mit Eltern und Schwestern? Sie müs­sen sich eventuell ent­schließen, den Rest der Habe per Bahn und sich selbst per Rad in den Spes­sart zu begeben. Weg müssen sie vom Niederrhein. Ich denke täg­lich daran.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 2. Dezember 1944, an Johann Pollmann und an seine Familie in Berlin und in Niedermörmter:
Jetzt ist unsere schöne Heimat­stadt schon zwei Monate zerstört, und mit ihr so viele und so viel, die und was uns lieb und teuer waren. Von Ihrer gnädigen Ret­tung mit den Unsern zusam­men habe ich gleich gehört und mich sehr dar­über gefreut und Gott ge­dankt. So wünsche ich Ihnen […] weiterhin Gottes Segen und nach stillfrohem Advent gnadenreiche Weihnachten. Im Neujahr [19]45 möge uns allen dann ein frohes Wiedersehen beschieden sein.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 13. Januar 1945, an seine Familie in Berlin und in Nie­dermörmter:
Euerm fro­hen Bericht über die dörfliche Nikolausfeier [in Niedermörmter] sehe ich, daß auch Ihr allen inneren Glanz in die Not der Heimatlosigkeit geret­tet habt. Das sehen wir immer mehr, auf den inneren Menschen kommt alles an. Ob wir arm sind oder reich, alles ertragen wir gelassen [vgl. Phil 4,12].

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 10. Februar 1945, an seine Familie in Berlin und Nieder­mörmter:
Daß es in Nie­dermörmter noch recht geht, freut mich besonders. Vater als alter „Wan­dervogelpapa“ wird ja die 16 km täglich [hin und zurück nach Kalkar zum Gericht] gut schaffen. Südöstlich haben die Kana­dier bei Nijme­gen ange­griffen.[1] Da hören sie wohl wieder lebhafter schießen. Gott schütze Euch alle!

[1]  Am 8.2.1945 um 5.00 Uhr morgens begann am Reichswald das größte alliierte Artillerietrommelfeuer des Zweiten Weltkrieges in Europa.
OKW-Bericht vom 9.2.1945:
Im Westen sind kanadische Verbände gestern vormittag nach sechsstündiger Feuervorbereitung gegen unsere Stellungen südöstlich Nimwegen zum An­griff angetreten. Nach heftigen Kämpfen konnten sie in einzelne Ortschaf­ten eindringen, blieben dann aber in unserem starken Abwehrfeuer liegen (OKW 2004 Bd. V: 517).
OKW-Bericht vom 10.2.1945:
Im Westen sind zwischen dem Niederrhein östlich Nimwegen und der Maas bei Gennep heftige Abwehrkämpfe im Gange. Im Verlauf starker Angriffe konnte der Feind im Reichswald Boden gewinnen (OKW 2004 Bd. V: 518).

Karl Leisner aus Dachau am Sonntag, 25. Februar 1945, an seine Familie in Berlin und Nieder­mörmter:
Ihr könnt Euch denken, mit welcher Spannung ich auf Nachricht von Berlin und Niedermörmter warte nach den schweren Bombenangriffen und den militärischen Ereignissen am Nie­derrhein. Täglich empfehle ich Euch Gottes Vorsehung und dem Schutz Unse­rer Lieben Frau an, und so hoffe ich zuversichtlich auf baldiges gutes Lebens­zeichen von allen.
[…]
Mit Schmerz denke ich manchmal an unsern herrli­chen Reichswald, den jetzt der böse Krieg zer­zaust. Was gäb’ ich dafür, wenn ich mal wie­der so rich­tig durch einen grünen Wald wandern dürfte.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 10. März 1945, an seine Familie in Bed­burg:
Sie [die Briefe] machten mich so froh. Daß sie daheim noch vor dem großen Schlamassel[1] die ganze Freude der Weihnacht miter­leben durften, stimmt mich so froh und behebt in etwa die Sorgen, was aus Eltern und Schwestern geworden ist, wo unser Niederrhein so schnell und wuchtig vom Krieg überzogen wurde. Du[, lieber Willi,] hast recht, sie steh’n in Gottes mächtigem Schutz, was sollen wir uns sorgen, Er macht’s recht.

[1]  Karl Leisner dachte vermutlich an den Bombenangriff auf Kleve am 7.2.1945 und die Frontnähe zur Heimat.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 24. März 1945, an seine Familie in Berlin und Bed­burg[1]:
So wollen wir im Osterglauben unser per­sönli­ches und Familienleid, und das um uns alle brandende Kriegsgetose ertragen. Viel Geduld und Kraft braucht’s halt, all die düstere Wirklichkeit und Ungewißheit durch so unendlich lang dünkende Zeit zu ertragen. Unser schwer geprüftes Rheinland, unsere Lieben, was ist? Es bedrängt einen doch sehr, wenn man sich auch immer wieder Gott anheimgibt.

[1]  In diesem Brief sind viele Stellen durch die Zensur im KZ Dachau unlesbar ge­macht. Im Polizeipräsidium Münster gelang es Kriminaloberkommissar Jürgen Kelliger 2007, mit modernen Hilfsmitteln diese Stellen wieder lesbar zu machen. Die ge­schwärzten Stellen sind unterstrichen.

Im letzten Tagebuch, das Karl Leisner noch im KZ Dachau begonnen hatte, notierte er, nachdem er Besuch von seinen Eltern erhalten hatte:

Planegg, Mittwoch, 25. Juli 1945, Heiliger Jakobus
Nach­mit­tags von 14.00 bis 17.00 Uhr mit Mutter über die liebe zerstörte Heimat und ihre Men­schen ge­plau­dert. Zu lang!

Lebend kam Karl Leisner nicht mehr nach Kleve zurück. Sein Sarg wurde am 20. August 1945 auf dem ihm so vertrauten Neuen Friedhof in Kleve beigesetzt bis seine Gebeine 1966 nach Xanten überführt wurden, wo er in der Krypta des Domes seine letzte Ruhestätte fand.

Siehe Link zu „Vor 50 Jahren – Umbettung der Gebeine Karl Leisners von Kleve nach Xanten“

Quelle der Fotos: Karl-Leisner-Archiv