Karl Leisner und seine Lieder (5)

 

Karl Leisner mit seiner Schwester Maria 1937 im Allgäu

 

 

 

 

 

 

Liederbogen

Die Jugendbewegung hatte unübersehbare Erkennungsmerkmale. Neben Wandern, Fahrten und Lager gab es Volkstanz, Volkslied, Handpuppenspiel und Laienspiel. Das werk­hafte Gestalten war ein wesentli­ches Aufgaben­gebiet in der praktischen Jugendar­beit.[1]

[1]  s. LINK zum Rundbrief des IKLK Nr. 37 „Karl Leisner und das Kaspertheater“

Karl Leisner erstellte für Fahrten und Lager eigene Liederbögen. Er hat sie teils mit Schreibma­schine ohne Farbband, teils handschriftlich auf Wachsmatrizen geschrieben und ver­vielfältigt.

Fahrten und Lager waren ohne Singen nicht denkbar.

Oskar Kotters:
Ferner wurde in jeder Grup­penstunde gesungen, wozu ich oft die Klavierbegleitung spielen durfte.[1]

[1]  Seligsprechungsprozeß: 604f.

Liederbogen der Jungschar des Bezirks Kleve (Nr. 2[1])

[1] Ein Liederbogen Nr. 1 ist im Nachlaß nicht vorhanden.

Die in den Liederbögen erwähnten Lieder sind in den späteren Artikeln vollständig abgedruckt.

Seite 1

Liederbogen der Jungschar des Bezirks Kleve. (NR. 2)
WIR JUNGEN SINGEN!
Der echte, frische Junge singt gern und oft!
Zu Hause, im Heim, in der Kirche und draußen.
Erst recht wir Jungen aus der JUNGSCHAR CHRISTI.
Mai 1934.
Preis 2 Pf.
JEDER JUNGSCHÄRLER BEZIEHT DEN S C H E I D E W E G!
Als Manuskript gedruckt.

Seite 2

Im Marienmonat Mai flehen wir mit frohem Bittgesang zur Himmels­königin, un­se­rer Mutter und Beschützerin, Maria:
„Maria breit den Mantel aus“
WIR JUNGSCHÄRLER SIND RITTER MARIAS.
Jungschärler, bleibe treu!

Seite 3

Mit frischem Fahrtenlied ziehen wir hinein in den Frühling.
„Auf, du junger Wandersmann“

Seite 4

Ein lustiges Wanderlied:
„Wenn ich auf Wanderschaft geh“
Bald geht’s los ins Zeltlager! Heidi! Das gibt Spaß!

Seite 5

Frische Jungens singen zackige Soldatenlieder.
„Es leben die Soldaten“
Jungschärler sind stramme frische Kerle. Sie raufen, rennen, springen und singen. Und grade deshalb sind sie echt katholische Jungen.
Wir sind ganze katholische Kerls. Wir dienen unserem König am Altare! Ehre!! Bist Du schon Meßdiener?

Seite 6

In schneidigen Reihen marschieren wir bald wieder durch die Städte und Dörfer und singen!
„Auf, ihr Kameraden“
Sparst Du schon für das Zeltlager??

Seite 7

„Rüst’ euch, ihr frommen Landsknecht gut“
FEUER DER JUGEND
Jungschar, dein Feuer brennt!
Hell lodern die Flammen der brennenden Scheite
hinein in die Weite unendlicher Nacht.
Jungschar, wir haben ein Feuer entfacht,
das glutet und leuchtet gewaltig und rein,
als müßte es heilges Feuer sein.
Feuer, das in den Tiefen der Herzen geruht,
Feuer, das aufbricht mit zuckender Glut,
Feuer, die Welt zu entflammen.

Seite 8

Lernt folgende Lieder aus dem Singeschiff [Liederbuch „Das gelbe Singeschiff”]:
„Wir ziehen durch das deutsche Land“ Seite 25.
„Wer zieht [geht] mit, juchhe, über See?“ Seite 19.
„Da kommt von den blauen Hügeln“ Seite 47.
„Ich reise übers grüne Land“ Seite 16.
JUNGSCHÄRLER!
Der nächste Liederbogen erscheint Mitte Juni. Er soll ein Zeltlager­sing­­bogen sein. Beratet mit Euern Präsides und Führern, ob, wo und wie Ihr das Lager macht. Spart!! Verkauft Karten![1] Veranstaltet Werbe­­abende, sobald es wie­der [von den Nationalsozialisten] erlaubt ist.
Jungens, wir halten die Treue!
JUNGSCHAR EROBERT UND KÄMPFT:
FÜR CHRISTI REICH IM NEUEN D E U T S C H L A N D!
Der deutsche Junge ist treu!
Wir sind deutsche Jungens!

[1] In der Jugendbewegung war es üblich, zur Mit­finanzierung der Jugendarbeit Postkarten zu verkaufen.

Liederbogen Nr. 3 (handschriftlicher Entwurf)

 

(ZELTLAGERNUMMER 1934).
WIR JUNGEN SINGEN!
Der echte frische Junge singt oft und gern! All­überall! Erst recht singen wir aus der Jung­schar Christi, wenn wir hinausziehen ins große Zeltla­ger!
Wenn möglich: JEDE JUNGSCHAR INS ZELT­LAGER! JULI!
Bewahrt … (wie auf dem vorigen Bogen, nur noch den Zusatz): Bringt sie zu jeder Stunde im Heim und zum Zeltlager mit!
Als Manuskript gedruckt!

 

Seite 2

Jungschärler im Bezirk!
Diese Nummer unseres Liederbogens soll eine fürs Zeltlager sein. Aber auch [für] Gruppen, die aus irgendwelchen Gründen keins machen kön­nen, ist dieser Bogen bestimmt. Sie sehen dann mal, was so alles in einem Lager vor sich geht, und haben wertvolles neues Liedgut für Fahrten und Jung­schar­stun­den.
Nun singt und singt! Fanget an!
Bereitet das große Werk fein vor!
Es wünschen Euch allen ein feines Lager und feine Ferien:
Mit frohem Grüß Gott und Treu-Heil
Euere
Willi Leisner                          Brey, Kpl.
Bezirksjungscharführer            Präses
Über dem Jungscharlager

da flattert das Christus-Banner und die Banner Deutschlands (schwarz – weiß – rot)! Beiden folgen wir in Treuen!

Seite 3

Des Morgens springen wir frisch aus dem Zelt nach draußen. Es wird ge­turnt. Dann scharen wir uns – sauber gewaschen und gekleidet – um das Lagerkreuz und sprechen und singen froh­gemut Gott, dem Herrn, unser Morgenlob:
Die Güldene Sonne
bringt Leben und Wonne, die Finsternis weicht:
(Text und Noten in „Knospen“ (?) oder „Kranz“ [Zeitschrift „Der Kranz“].
Frage Maria oder Fräulein Peiffer um den letzten Jahrgang!
Ein
anderes Morgenlied:
Die helle Sonn leucht jetzt herfür: (aus Liederbogen Nr. 1[1]).

[1] im Nachlaß nicht vorhanden

Seite 4

Dann treten wir an zum Kirchgang, um das hei­lige Messopfer zu feiern, das der Priester für uns alle jeden Morgen darbringt. Wir beten und singen frisch und lebendig zum Lob und zur Ehre Gottes, der durch Christus in der heili­gen Kom­munion jeden Morgen in unser reines Jungen­herz einkehrt.[1] Welche Gnade! Wie ehrfürch­tig und dankbar müssen wir da sein. Wir beten für die Lagerge­meinschaft und ihre Führer, für un­ser Jugendreich, für un­ser Deut­sches Reich und für unser Gottesreich! Für unsere Eltern und Verwandten. Für alle Men­schen! – Wir opfern uns Christus als seine Jun­gens! Froh und ju­belnd klingen unsere Lieder, die wir nach dem neuen Di­özesangesang­buch[2] (mitbringen!!) sin­gen!

[1] Damals ging man in der Regel einmal im Monat zur Kommunion.
[2] Johannes Poggenburg (Hg.), Gebet- und Gesangbuch für das Bistum Münster (mit Noten), Münster 1932

Seite 5

Dann beginnt mit Gott das Tagewerk. – Wir halten zunächst jeden Morgen Flaggenappell! Alle treten in schneidigem Viereck um den Bannermast und wir singen stramm unser Sturm- und Bannerlied: „Weit laßt die Fahnen we­hen“ oder „Laßt die Banner wehen“.
Vorher kann noch folgender Fahnenspruch ge­sprochen werden: „Fahne, flat­tere auf, froh wie das Licht!“
(siehe [Am] Scheidewege „Jungvolk unter Christi Ban­ner“) 1932 letzte Seite glaub’ ich.[1]
Singt die schneidigen und feinen Lieder, die der „Scheideweg“ monatlich bringt!

(Bezieht den S. [die Zeitschrift „Am Scheidewege“])

[1]  Fahnenspruch:
Laß übers Land deine Zeichen weh’n.
Fahne, flattre ins steigende Licht!
Gläubig das Herz und froh das Gesicht,
wollen im Kampfe wir zu dir steh’n.
(Am Scheidewege 18. Jg. Nr. 6, 15. Juni 1932: 98)

Seite 6

Ein Fahrtenlied:
Wenn die bunten Fahnen
(statt „Wir traben“, „Wir sind ja die Husa­ren“
(
[Am] Scheidewege Nr. 2/1934 [S. 28]).
Text und Noten
Nerother Liederbuch[1] bei Hein Kempkes oder Hein Wennekers zu haben.

[1] Karl Oelbermann, Heijo, der Fahrwind weht, Lieder der Nerother, Verlag: Günther Wolff zu Plauen im Vogtland, Plauen.

Seite 7

Jetzt noch ein lustiges [Lied] für den großen Lagerfez:
1.) Schön ist ein Zylinderhut[1]

jupheidi, jupheida,
wenn man ihn besitzen tut
jupheidi, jupheida,
doch von ganz besonderer Güte
sind ja zwei Zylinderhüte,
jupheidi, jupheida. . . . .
2.) Hat man der Zylinder drei,
hat man einen mehr als zwei.
vier Zylinder sind ja grad
zwei Zylinder zum Quadrat.
3.) Fünf Zylinder sind genau,
für drei Kinder, Mann u. Frau.
Doch für sechs quadratsche Neckel
braucht man sechs Zylinderdeckel.
4.) Sieben Zylinder sind genug
für ‘nen kleinen Leichenzug.
Hat man der Zylinder acht,
wird der Küster mitbedacht.
5.) Neun Zylinder sind ja grad
drei Zylinder zum Quadrat.
(Fortsetzung folgende Seite! Im Druck auf eine Seite bringen!)

[1] Diese Textversion des Liedes gibt es in keiner der damals üblichen Liederbücher.

Seite 8

Zehn Zylinder sind bequem
für das Dezimalsystem.
6.) Hat man der Zylinder elf,
hat man einen weniger als zwölf.
Zwölf Zylinder, o wie schön,
würden den Aposteln steh’n.
ZUM SCHLUSS: noch ein frohes Lied zum Abschied von den Eltern beim Aufbruch. (Auch beim Heimabend, zu dem vielleicht einmal Eure El­tern kommen, zu singen!):
„Auf, auf, ihr Wandersleut, zum Wandern kommt die Zeit”
Text und Melodie im „Strampedemi“ [S. 148].

Ausführung des Entwurfes als Liederbogen

Liederbogen der Jungschar des Bezirks Kleve (Nr. 3)

 

Seite 1

Liederbogen der Jungschar des Bezirks Kleve. (NR. 3)
WIR JUNGEN SINGEN!
Der echte, frische Junge singt gern und oft.
Zu Hause, im Heim, in der Kirche und draussen.
Erst recht wir Jungen aus der JUNGSCHAR CHRISTI.
Preis 2 Pf.
JEDER JUNGSCHÄRLER BEZIEHT DEN SCHEIDEWEG!
Als Manuskript gedruckt.

Seite 2

„Die güldene Sonne”

Seite 3

„Ein Haus voll Glorie schauet”
Jungschärler sind treue Diener Christi!

Seite 4

„Der Jäger in dem grünen Wald”
Jungschärler bleibe treu!

Seite 5

„Wenn die bunten Fahnen wehen”
Wir stehen eisern.

Seite 6

„Schön ist ein Zylinderhut“

Seite 7

Bekenntnislied.
Melodie: „Wann wir schreiten…“
Bezieht das neue Singeschiff!

Seite 8

„Wer leucht’ uns denn bei der finsteren Nacht”
Für Christi Reich im neuen Deutschland!

Liederbogen der Jungschar des Bezirks Kleve [Nr. 4]

Seite 1

Wir Jungen S I N G E N!
Der rechte katholische Jungschärler ist ein froher, frischer Gesell. Ü b e r a l l singt er seine Jungenlieder! J e d e Jungschar im Bezirk lernt jeden Monat wenigstens e i n neues feines Lied!
Nr. 4 (Oktober 1934) – Preis 2 Pf.
Ob 10, 12 oder 13 Jahre, j e d e r Jungschärler bezieht den „Scheideweg“ [die Zeitschrift „Am Scheide­wege“], u n s e r e Jungen-Schrift!
Als Manuskript gedruckt.
Christus, unser König!

Seite 2

Die Jungscharen unseres Bezirkes grüßen mit ihren Führern ihren neuen Diözesanjungscharführer – K a r l Leisner, unseren früheren Bezirksführer – mit kräftigem Treu Heil und geloben Treue u. Ge­folg­schaft.
DAS JUNGSCHARLIED: „Wir sind die Jungschar“
Alles für Deutschland! Deutschland aber für Christus!
Unser Kreuzbanner siegt, wenn wir kämpfen!

Seite 3

PREISGESANG AUF CHRISTUS, den König der Welt. (Zum Christ-Königs-Fest)
„Lobe den Herren“
Jede Schar feiert in festlicher Weise das Fest unseres obersten Kö­nigs! Ihm unsere Liebe u. Treue!
Heil Christus!

Seite 4

LIED IN SCHWERER ZEIT!
„Wer jetzig Zeiten leben will“
V i e l e unserer Jungen aus dem Bezirk waren in den großen Ferien im La­ger und auf Fahrt. – Wir k ä m p f e n weiter in froher Kamerad­schaft, Zucht und Treue um unsere E h r e u. unser R e c h t!
Immer vorwärts!

Seite 5

„Wie oft sind wir geschritten“
Schon j e t z t beginnt wieder D A S   S P A R E N für das Z e l t l a g e r 1935

Seite 6

„Jung Volker, das ist unser Räuberhauptmann“
EIN NEGERGEBRÜLL!
Wir sind wilde u. tolle Kerls.

Seite 7

Wir sind keine Duckmäuser! Auch im Herbst geht’s auf Fahrt!!
„Das Wandern ist mein Leben“
Fahrtet, spielt, singt: Jungens!

Seite 8

Ein frohes Scherzlied.
„Jetzt fahrn wir übern See“
Das unterstrichene Wort hinter dem Strich [im Liedtext] bleibt beim 1. Mal weg, und wird erst bei der Wiederholung gesungen!
Daß sich keiner dabei vertut!

* * * * *

Johannes Thönißen aus Simmerath‑Einruhr am 19. September 1978 an Heinrich Kleinen in Uedem:
Am Gründonnerstag, dem 29.3.1934, besuchte Karl mich dann in Kre­feld. Es ging um den Plan, Lieder für die Jungschararbeit zu sammeln (wegen bald beginnenden Hochschulstudiums kam es nicht mehr dazu).

Samstag, 22. Dezember 1934
Adolf Leusker und der Bezirkssturm­scharführer von Telgte (aus Greven) waren da (an Adolf Leusker Geld für Liederbo­gen).

Bei einer Führerschulung am 14.10.1934 lautet ein Programmpunkt:
11.30–12.30 Uhr Das Singen in der Jungschar.

Hierbei wurde der Liederbogen Nr. 4 eingesetzt. Die Einladung zu der Schulung schließt:
NB Der neue besonders feine Singebogen [Nr. 4] ist Sonntag da!!

Quelle der Fotos: Karl-Leisner-Archiv