Karl Leisner und Thomas von Kempen

Buch

 

Text Markus Trautmann – Illustrationen Bärbel Stangenberg – Grafische Gestaltung: Christiane Daldrup
Thomas von Kempen. Ein Bilderbuch für Jung und Alt, hrsg. von der kath. Propsteigemeinde St. Mariae Geburt Kempen, Münster 2015
44 Seiten, Preis: 1,90 €
ISBN 978-3-944974-13-2

 

Markus Trautmann am 8. Januar 2015 an Hans-Karl Seeger:
Der RP-Artikel ist insofern missverständlich, als ich zwar über den Reeser Karl Leisner und seine Beziehung zur „Nachfolge Christi“ Auskunft gebe, er jedoch im Buch selbst nicht vorkommt.
Meine „Entdeckung“ der Beziehung Karl Leisners zur „Nachfolge Christi“ (beim Stöbern durch die Tagebücher bzw. im Register) kam leider zu spät. Bei einer Neuauflage werde ich Karl Leisner einfügen!

siehe Link zur  RP ONLINE vom 8. Januar 2016

NachfolgeNachfolge_Lat

Der schriftliche Nachlaß von Karl Leisner gibt reichlich Auskunft darüber, wie wichtig ihm die Nachfolge Christi von Thomas von Kempen war.

1931 machte Karl Leisner vom 5. bis 9. September Exerzitien. Am 6. September schrieb er in sein Tagebuch:
Apostolisches Glaubensbekenntnis.[1] Zwei Kreise.[2]
Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erde. – Da liegt sie nun die Erde in Sündenschmutz und kann nicht mehr zu Gott. – Jesus vollendet als erster den Kreislauf zurück zu Gott. Durch Ihn können wir wieder zu Gott kommen. Nachfolge Christi![3]

[1]    Das Apostolische Glaubensbekenntnis (Gotteslob 1975 Nr. 2,5; Gotteslob 2013: Nr. 3,4) unterscheidet sich vom Niczäno-Konstantinopolitanum (Gotteslob 1975 Nr. 356, 423; Gotteslob 2013: 586,2A), welches Bestandteil der Eucha­­ristiefeier wurde.

[2]    Im 1. Vortrag vom 7.9.1931 geht es im 3. Kreis des Glaubens­­bekennt­nisses um den Heiligen Geist, daher beziehen sich die zwei Kreise offensichtlich auf Gott Vater und den Sohn Jesus Christus.

[3]    Karl Leisner kannte das Buch Nachfolge Christi von Thomas von Kem­pen durch seine Familie.
Willi Leisner an Hans-Karl Seeger:
Das gab’s auch bei Leisners zu Hause.

Als Karl Leisner sein Theologiestudium am 5. Mai 1934 in Münster begann, sollte er eine „lateinische Ausgabe der Nachfolge Chri­sti von Thomas von Kempen“[1] mitbringen.

[1]    Thomas von Kempen: De Imitatione Christi – Nachfolge Christi und vier andere Schriften lateinisch und deutsch, München 1966 (zit. Thomas von Kempen 1966)

Münster, Freitag, 11. Mai 1934
Ins Antiquariat Stender­hoff geschneit. – Dort Imitatio Christi von 0,50 [Reichsmark] geschnappt.

In der Vorlesung von Prof. Georg Schreiber hörte er dann auch:
Wir hatten in der katholischen Kirche schon im 15. Jahrhundert Reformatoren. Erinnert sei nur an das Büchlein „De imitatione Christi“ [Nachfolge Christi] von Thomas von Kempen, das nach der Heiligen Schrift weitverbreitetste Buch der Christenheit, dessen Wellen durch ganz Europa drangen und zu verfol­gen sind.

Weitere Tagebucheinträge

Münster, Donnerstag, 7. Juni 1934
Mehr Thomas von Kem­pen [De imitatione Christi – Nachfolge Christi] lesen!!

Münster, Sonntag, 17. Juni 1934
NB Ich las Mt 3; 1 Kor 12; Imitatio Christi 5

Münster, Sonntag, 24. Juni 1934
18.00 bis 19.00 Uhr Tagebuch, Imitatio Christi „De utilitate adver­sitatis“ [Der Nut­zen der Widerwärtigkeit] I,12[1]. Schweig­sam, demütig, gottzugekehrt macht sie uns! Feine Gedanken! – 21.45 Uhr Falle!

[1]    Nachfolge Christi: Erstes Buch, zwölftes Kapitel

Münster, Mittwoch, 27. Juni 1934
Imitatio Christi cap. 14.[1]

[1]    Karl Leisner las vermutlich das 14. Kapitel des 1. Buches: De temerario iudicio vitando – Vom leichfertigen Urteil.

Bücherlese vom 10. Juli 1934
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Münster, Mittwoch, 11. Juli 1934
Es ist schon 22.05 Uhr! (Imitatio Christi) morgen zwei Kapitel lesen.

Münster, Samstag, 14. Juli 1934
Von 17.00 bis 19.00 Uhr Mt 16 gelesen, Imititatio Christi cap. 21, Fortset­zung.[1]

[1]    Das 21. Kapitel des 1. Buches ist überschrieben: De compunctione cordis – Von der Reue des Herzens.

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Bücherlese vom 14. Juli 1934
Thomas a Cempis: „Imitatio Christi“: ([I] cap. 23![1])

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[1]    Das 23. Kapitel des 1. Buches ist überschrieben: De meditatione mortis – Von den Gedanken an den Tod.

Bücherlese vom 28. November 1934
NB Lange Zeit hab’ ich „die Lese“ vergessen. Jetzt soll sie wieder begin­nen.
[…]
Die Natur strebt nach schönem und gesundem, strahlendem Menschentum, nach dem lichten Bilde des Apollo von Belvedere, die Über­natur aber stellt als Idealbild den gemarterten, den gekreuzigten Menschen vor unsre Augen.[1] (→ Imitatio Christi lb. [Buch] III. cap. 54 „De diversis motibus naturae et gratiae![Die verschiedenen Regungen der Natur und der Gnade![2]])
Es scheint also ein ausgesprochener Gegensatz, ein Widerspruch zwischen Natur und Übernatur zu herrschen. Und doch muß eine Einheit, ein Zu­sam­mensein beider Welten in einer Seele möglich sein, denn wir finden die glei­chen Gegensätze in den Worten Jesu, und doch war in seinem Wesen kein Widerspruch, keine Spal­tung und Zerrissenheit.

[1]    ebd.

[2]    Thomas von Kempen 1966: 370f.

Bücherlese vom 20. Januar 1936
„In silentio et quieto proficit anima“. [Im Schweigen und in der Stille ge­winnt die andächtige Seele.]
(De Imitatione Christi[1]])

[1]    1. Buch, Kapitel 20,29, s. Thomas von Kempen 1966: 90

Münster, Mittwoch, 29. Juni 1938
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Münster, Freitag, 1. Juli 1938
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