Karl Leisner war 1932 und 1938 in Heidelberg

Heildelberg_SchlossHeidelberger Schloß
Foto Wikimedia Commons

Großstadt in Baden-Württemberg – ehemalige kurpfälzische Residenzstadt – in die Berge integriertes Ensemble von Schloß, Altstadt u. Fluß – Gründung der Rupert-Karls-Univer­si­tät, der ältesten Universität Deutschlands, 1386

Mit der Bildunterschrift „Alle Wege führen nach Heidelberg: Wer als Reisender aus Fernost die Stadt samt Schlossruine nicht gesehen und kein Beweisfoto aufgenommen hat, ist eigentlich gar nicht in Europa gewesen.“ wirbt die F.A.Z. vom 24. September 2015 im Reiseblatt mit einem Artikel von Morten Freidel für einen Besuch in Heidelberg.

Link zu FAZ.NET vom 25. September 2015

Karl Leisner besuchte 1932 auf der Rückfahrt aus der Schweiz in Heidelberg seine Großtante und besichtigte die schöne Stadt.

Karl Leisner aus Stetten/CH am 22. August 1932 an seine Familie in Kleve:
Meine Lieben!
[…]
Über München werden wir nicht zurückfahren, weil es zu weit ab liegt, son­dern über Stutt­gart – Heidelberg – Frankfurt.
Mit frohen Grüßen an „allemole“ [alle zusammen]
Euer Karl

Tagebucheinträge während der Schweizfahrt 1932

Karlsruhe-Mühlburg, Sonntag, 28. August 1932,
Sonntag! K [Karlsruhe] – Bruchsal – Schwetzingen – Heidelberg
[…]
Heute soll’s ’ne Schloßfahrt geben: Bruchsal – Schwetzingen – Heidelberg.
[…]
Dann nehmen wir Kurs auf Heidelberg. Ins Neckartal kommen wir. Und dann sind wir im alten feinen Heidelberg. Kapellenweg. Dort besuchen wir die gute alte Großtante (Schwester der lieben verstorbenen Großmutter [Anna Leisner, geborene Henrich]) Pauline Guthmann[1]. Die Räder fliegen in den „Stall“. […] Herzliche Begrü­ßung allerseits. Nach einer frischen Waschung geht’s ins gute Zim­mer, und dort gibt’s ein ganz opulentes Mahl. (Und nun – 1936 – ist die gute alte Tante schon tot[, gestorben am 30.1.1936].) Wir plauderten noch lange. Alte Sippenbande. – Und dann pen­nen wir wie nie.

[1]    Magdalena Pauline Mathilde Henrich (* 1.6.1854 in Lauterecken, † 30.1.1936) – Heirat mit Hermann Guthmann – 1932 Heidelberg, Kapellenweg

Heidelberg, Montag, 29. August 1932, 16. Tag
Bei Tante Pauline – Heidelberg besichtigt – Nachmittags bis Mainz
Am Morgen besichtigen wir das Alte Heidelberg. Auf zum Schloß. Eine wun­der­­volle Ruine. Wir stehn im Hof. Das [Heidelberger] Faß[1] sehn wir stehn, aber der Eintritt ist uns troppo caro [zu teuer]. Wir schaun uns die Schanzen und Gräben, die noch erhaltenen Reste der Prachtbauten an. 1689 und 1693 besetzten die Franzosen [unter] Mélac[2] das Schloß und legten es in Brand, ebenso den Großteil der Stadt. 1764 durch einen Blitz­schlag aber­mals zer­stört, nachdem es in einzelnen Teilen von [Kurfürst] Karl [III.] Philipp [1661–1742] wiederher­gestellt war.[3] Unvergeßlich blieb mir der einzig­artige Blick auf die Altstadt mit Neckar und Brücke. Die alte Brücke ist ein harmonisch-schönes Bau­werk, das sich ganz fein in das Gesamtbild ein­schmiegt – eine „wahre“ Augenweide. Schönheit im Bauen! Gegen Mittag fahren wir dann den Schloßberg hinab ins Tal. Über die alte Brücke zurück. (Im übrigen siehe Bilder im Prospekt S. 160/1)

  1. FassErrichtung eines Faßes „wie keines noch auf Erden“ auf Veranlassung des Regenten der Kurpfalz Johann Kasimir (1543–1592) 1589–1592 – Ausführung durch den Küfer Michael Werner aus Landau – Fassungs­ver­mögen 130.000 Liter – Unterbringung im 1591 er­rich­teten Faßbau des Heidelberger Schlosses – Bau eines Exemplars mit 195.000 Litern Fassungs­vermögen 1664 – Heute befindet sich im Faßbau das 1751 von Kurfürst Carl Theo­dor in Auftrag gegebene sog. Große Faß mit einem Fassungs­vermögen von 221.726 Litern.
    Foto Wikimedia Commons

[2]    Der französische General Ezéchiel Graf von Mélac (um 1630–10.5.1704) verwü­stete 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg im Auftrag Ludwigs XIV. die Pfalz.

[3]    Der Kurfürst hatte 1720 die Residenz mit der Verwaltung nach Mannheim ver­legt.

[Tgb. 6, 159]
Foto[1]
[1]
   Foto fehlt

Zeichnung von Rhein und Neckar:

Band06_Tagebuch_KarlLeisner

Alt Heidelberg Du feine! Du Stadt an Ehren reich, am Neckar und am Rheine, kein’ andre kommt Dir gleich! (Victor von Scheffel)[1]

[1]    Das Gedicht „Alt-Heidelberg du feine“ ist Bestandteil von Scheffels Versepos „Der Trompeter von Säkkingen“ (1854), das einen autobiographischen Hinter­grund aufweist. So handelt es sich bei dem Trompeter – in dem Scheffel offenbar sich selbst sieht – um einen gescheiterten Jurastudenten, der im Alkohol seinen Trost sucht. Dem Epos zufolge brachte der Trompeter Werner Kirchhoff der Kur­fürstin, die zur Mittagszeit auf dem Schloßbalkon weilte, ein schmachtendes Liebeslied dar. Daraufhin wurde er zum Rektor der Universität zitiert. Auf Grund seines unbefugten Ständchens mit Gesang und Trompete, mußte er innerhalb von drei Tagen Heidelberg verlassen. Am vierten Tag verließ er die Kurpfalz und er­reichte den Schwarzwald, wo er einem Pfarrherrn begegnete. Im Gespräch mit diesem schwärmte er von seiner Heimat in Form des Gedichts, das als Alt-Hei­delberg du feine berühmt wurde (URL http://www.sino.uni-heidelberg.de/ students/tjuelch/Dichtung/Scheffel.htm – 28.4.2011).

Alt Heidelberg du feine
1.
Alt Heidelberg du feine / du Stadt an Ehren reich / am Neckar und am Rheine
kein andre kommt dir gleich / Stadt fröhlicher Gesellen / an Weisheit schwer und Wein
Klar ziehn des Stromes Wellen / Blauäuglein blitzen drein
2. Und kommt aus lindem Süden / der Frühling übers Land / so webt er dir aus Blüten
ein schimmernd Brautgewand. / Auch mir stehst du geschrieben
ins Herz gleich einer Braut / es klingt wie junges Lieben / din Name mir so traut
3. Alt Heidelberg du feine / du Stadt an Ehren reich / am Neckar und am Rheine
kein andre kommt dir gleich / und stechen mich die Dornen / und wird mir’s drauß zu kahl
geb ich dem Roß die Sporen / und reit ins Neckartal
(Worte: Joseph Victor von Scheffel 1854; Weise: Simon Anton Zimmermann)
URL http://www.volksliederarchiv.de/text1417.html – 21.3.2013

[Tgb. 6, 160]
Foto:
Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses / Begonnen 1556
Band06_Tagebuch_KarlLeisnerHeute ist Heidelberg die Stadt der Studenten. Aber allzu [viel] – so hört man – von der Studentenromantik wie man’s im Film sieht, (von wegen der „ver­lorenen Herzen“[1]) soll nicht mehr dasein. Es ist doch nicht mehr so wie vor dem [Ersten Welt]Krieg. O „selige“ – Bierzeit![2]

[1]    Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren
1. Es war an einem Abend, / Als ich kaum 20 Jahr’. / Da küßt’ ich rote Lippen
Und gold’nes, blondes Haar. / Die Nacht war blau und selig, / Der Neckar silberklar,
Da wußte ich, da wußte ich, / Woran, woran ich war:
Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren, / In einer lauen Sommernacht.
Ich war ver­liebt bis über beide Ohren / Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht.
Und als wir Abschied nahmen vor den Toren / Beim letzten Kuß, da hab ich’s klar erkannt:
Daß ich mein Herz in Heidelberg verloren. / Mein Herz, es schlägt am Neckarstrand.
2. Und wieder blüht wie damals / Am Neckarstrand der Wein, / Die Jahre sind vergangen,
Und ich bin ganz allein. / Und fragt ihr den Gesellen, / Warum er keine nahm,
Dann sag ich euch, dann sag ich euch, / Ihr Freunde wie es kam. / Ich hab’ mein Herz …
3. Was ist aus dir geworden, / Seitdem ich dich verließ, / Alt-Heidelberg, du Feine,
Du deutsches Paradies? / Ich bin von dir gezogen, / Ließ Leichtsinn, Wein und Glück,
Und sehne mich, und sehne mich / Mein Leben lang zurück. / Ich hab’ mein Herz …
(Kehrreim eines Schlagers von Fritz Löhner-Beda und Ernst Neubach, später Titel einer Operette von Fred Raymond)
URL http://ingeb.org/Lieder/ichhabme.html – 4.12.2012

[2]    Diese Zeit fand ihren Niederschlag in dem Stummfilm „Old-Heidelberg“. Ernst Lubitsch verfilmte 1927 die Operette „The Student Prince in Old Heidelberg“ von Sigmund Romberg. Das Drehbuch schrieb Hanns Kräly.
Als Student in Heidelberg lernt Erbprinz Karl Heinrich die hübsche Gastwirts­tochter Käthi kennen und lieben. Doch die unbekümmerte Jugendzeit, das Stu­dium und die Liebe enden für ihn abrupt mit dem Tod des Vaters. Er muß in die Hauptstadt Berlin zurück und seine Pflicht als Thronfolger erfüllen.

[Tgb. 6, 161]
Prospekt von Heidelberg

Band06_Tagebuch_KarlLeisner

Schade, die Schloßbeleuchtung zu sehen, war uns nicht vergönnt. Gegen Mittag fahren wir nach herzlichem Abschied von den guten Tanten [der Groß­tante Pauline Guthmann und ihrer Tochter Tante Maria] los. Berg­straße längs des Odenwaldes. Richtung – Darm­stadt. Von dort nach Mainz, wo wir gegen 19.00 Uhr landen.

 

 

Über Karl Leisners Fahrt mit Willi Väth[1], Karl-Heinz Eyink[2] und Urban Peif­fer[3] von Ende Juli 1938 bis August 1938 ins Allgäu, die auch über Heidelberg führte, sind im Nachlaß außer einem Brief und zwei Postkarten keine Aufzeich­nungen von Karl Leisner vorhanden. Auch in einem Bericht von Willi Väth heißt es zu Heidelberg lediglich:
Wir machten noch eine Übernachtung in Heidelberg in der Jugend­her­berge.

[1]    Willi Väth (* 15.11.1922, † 1.6.2011) – Vetter von Karl Leisner

[2]    Karl-Heinz Eyink (* 11.4.1923)

[3]    Urban Peiffer (* 5.7.1922 in Essen, † als Bord­funker über der Insel Leros/GR 17.11.1943, beigesetzt bei Kokkinia/GR) – Freund von Karl Leisner

JugendherbergeJugendherberge in Heidelberg
von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellte Einrichtung in einer Gewerbeschule zur Über­nachtung auf Strohsäcken während der Ferienzeit 1921 – kurze Zeit später bis 1957 Über­nachtungsmöglichkeit im sog. „Hand­schuhsheimer Schlöss­chen“, eine für Wanderer eingerichtete Unter­kunft im Vorort Handschuhsheim
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