Auch nach 100 Jahren hochaktuell – Karl Leisner und Etty Hillesum

2013_12_03_LetztesTagebuchFotoKarl Leisner (* 28.2.1915 in Rees, † 12.8.1945 in Planegg bei München)

„Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, sind es achtzig. Das Beste daran ist nur Mühsal und Beschwer, rasch geht es vorbei, wir fliegen dahin“, schreibt der Psalmist (Ps 90,10).

Karl Leisner schrieb am 25. Juli 1945 als letzten Satz in sein Tagebuch:
Segne auch, Höchster, meine Feinde!

 

 

 

 

2015_02_28_HillesumEtty Hillesum (* 15.1.1914 in Middelburg/NL, † 30.11.1943 im KZ Auschwitz-Birkenau/PL)

Sie schrieb am 20. Juni 1942 in ihr 1981 unter dem Titel „Das denkende Herz der Baracke“ veröffentlichtes Tagebuch:
Der Frieden kann nur dann zum echten Frieden werden, irgendwann später, wenn jedes Individuum den Frieden in sich selbst findet und den Hass gegen die Mitmenschen, gleich welcher Rasse oder welchen Volkes, in sich ausrottet, besiegt und zu etwas verwandelt, das kein Hass mehr ist, sondern auf weite Sicht vielleicht sogar zu Liebe werden könnte.

 

Als diese beiden Menschen das Licht der Welt erblickten, galt für sie wohl in besonderem Maße der auf Johannes den Täufer bezogene Satz aus dem Lukasevangelium: „Was wird wohl aus diesem Kinde werden?“ (Lk 1,66)

Im Rahmen der Veranstaltung „Hillesum – Das Schicksal einer jüdischen Familie“ am 7. März 2013 in Münster würdigte Prof. Dr. Klaas A. D. Smelik aus Gent/B am Ende seines Vortrags „Etty Hillesums Tagebücher“ diese jüdische Frau mit den beeindruckenden Worten, sie habe in einer Situation, in der man alles nur Mögliche getan habe, um die Menschen ihrer Würde und ihrer Identität zu berauben, genau diesen Merkmalen Gestalt verliehen, und zwar derart, daß die Menschen sich auch heute noch durch Etty Hillesums Hinterlassenschaft inspirieren ließen. Professor Smelik beendete seinen Vortrag mit dem Wunsch: „Möge die Erinnerung an sie zum Segen sein.“

Eindringliche Worte, die auch für Karl Leisner gelten können. Weitere im Vortrag genannte Aspekte zeigen ebenfalls gewisse Parallelen zwischen den beiden Opfern des nationalsozialistischen Terrorregimes.

siehe auch Link zur damaligen Veranstaltung des Hauses der Niederlande

* * * * *

Berichte zum 100. Geburtstag von Karl Leisner

Link zum Domradio Köln
Korrekturen
Schon früh wächst deshalb in ihm der Gedanke: Da muss mehr sein als Krieg, es muss eine Ordnung geben, die dem übergestellt ist, die Frieden bringt.
Dieser Gedanke läßt sich in der dargestellten Art nicht aus Karl Leisners schriftlichem Nachlaß herauslesen.
1934 macht Karl Leisner sein Abitur, sein Berufsziel: das Priestertum. Und so beginnt er seine ersten Semester in Münster. 1937 entscheidet er sich gegen die im Wintersemester 1936/1937 während seiner Außensemester in Freiburg aufgekeimte Liebe zu einem Mädchen.
Seine erste und einzige heilige Messe feierte der Neupriester Karl Leisner am 26. Dezember 1944. Am 4. Mai 1945 wird er aus dem KZ befreit. – Zu spät – seine Gesundheit ist zerrüttet.

Leider sind auch in der Audioversion nicht alle Einträge aus Karl Leisners Tagebuch korrekt verwendet.

weiterer Link zum Domradio Köln
Korrekturen
Seine Kraft schöpfte er unter anderem aus der Schönstatt-Bewegung, deren Spiritualität er 1933 bei Schülerexerzitien in Vallendar-Schönstatt kennengelernt hatte. Nach seiner Freiburger Studienzeit und harten inneren Kämpfen bezüglich der Entscheidung zwischen Priestertum und Ehe festigte sich sein Entschluss, Priester zu werden.
Am 25. März 1939 wurde er vom Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen zum Diakon geweiht.
Als das Radio am 9. November 1939 meldete, dass Hitler das am 8. Novemberversuchte Bürgerbräu-Attentat von Georg Elser überlebt hatte, rutschte dem Theologen ein leises „Schade“ heraus – eine Äußerung, die nicht ungehört blieb. Ein Mitpatient verpfiff ihn. Noch am selben Tag wurde Leisner wegen staatsfeindlicher Äußerungen inhaftiert.
Nach seiner Inhaftierung kam Leisner 1939 nach „Schutzhaft“ zunächst ins KZ Sachsenhausen, im Dezember 1940 als politischer Häftling nach Dachau, wo auch seine Tuberkulose erneut ausbrach.
In größter Geheimhaltung wurden die Bischofsgewänder für den kurz zuvor ins KZ eingelieferten Bischof von Clermont, Gabriel Emmanuel Joseph Piguet, erstellt.
Papst Johannes Paul II. sprach Leisner am 23. Juni 1996 im Berliner Olympiastadion selig. Der am 25. April 2007 in Münster eingeleitete Heiligsprechungsprozeß konnte nicht zu Ende geführt werden, weil bei der auf die Fürsprache Karl Leisners als geheilt erklärten Person der Krebs erneut aktiv wurde.

Link zu „Katholische Kirche im Lokalfunk NRW“

Link zu Schönstatt-Nachrichten

Link zu Straelen-Bürgerportal

Link zu Schönstatt – Rund ums Heiligtum vom 22. Februar 2015

Link zur WAZ vom 26. Februar 2015

Korrekturen
Es gab keine Gerichtsverhandlung; es gab lediglich eine Vernehmung im Waldsanatorium Planegg.
„Schade, dass er nicht dabei gewesen ist“, war Karl Leisners Reaktion auf das missglückte Attentat auf Hitler – ein Mitpatient hörte das, teilte es dem Kreisleiter mit.
Wenig später wurde Leisner verhaftet. Der Richter gab ihm noch eine Chance: „Sie haben das so doch sicher nicht gemeint….?“
Es gab keine Gerichtsverhandlung, siehe oben!
zum Meßgewand siehe Link

Link zur Morgenandacht in WDR 5
Link zum Text der Morgenandacht

Link zum Rundbrief aus den Niederlanden