München: Leisnerweg im Stadtteil Bogenhausen

München Leisnerweg 1

Das Erzbistum München und Freising beantragte 1982, neue Straßen in München nach Opfern des Nationalsozialismus zu benennen. Neben Karl Leisner wurden noch Christoph Probst und Willi Graf von der Weißen Rose vorgeschlagen. Am 5. April 1984 wurde die Benennung des Leisnerweges beschlossen.[1]

[1] Mail des Stadtarchivs München, Diplomarchivar Matthias Hinghaus, vom 22.4.2016

 

 

Der im Ortsteil Bogenhausen liegende Leisnerweg wurde als Fußweg angelegt und verläuft um die teilweise in U-Form errichteten Reihenhäuser.

Parallel zum Leisnerweg führt der Bernhard-Lichtenberg-Weg. Propst Bernhard Lichtenberg (* 3.12.1875, † 5.11.1943), der auf dem Transport in das KZ Dachau im Krankenhaus in Hof starb, wurde gemeinsam mit Karl Leisner am 23. Juni 1996 durch Papst Johannes Paul II. im Olympiastadion in Berlin selig gesprochen.

Beide Wege führen von der Johannes-Neuhäusler-Straße ab. Weihbischof Dr. h. c. Johannes Neuhäusler (* 27.1.1888, † 14.12.1973) war als Sonderhäftling in den KZ Sachsenhausen und Dachau inhaftiert.

Erstmalig kam Karl Leisner als halbjähriger Säugling in die Stadt München. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 wurde Vater Wilhelm Leisner am 3. August „überzähliger Offiziersstellvertreter“ und rückte einen Tag später beim Infanterie-Leibregiment in München ein. Nach einem Lazarettaufenthalt in Neuss kam er am 25. August 1915 zurück nach München. Dort besuchte ihn seine Frau Amalia Leisner mit Sohn Karl. Sie wohnten auf der Theresienstraße 45 bei einem Metzger in Logis.

Im August 1936 unternahm Karl Leisner mit sechs weiteren Jugendlichen eine Fahrradtour in das Allgäu. Auf dem Rückweg kamen die Jungen auch nach München. Im Nachlass Karl Leisners sind dazu keine Aufzeichnungen vorhanden. Wilhelm Elshoff berichtet dazu in seinem Fahrtenbuch:

vor München, Mittwoch, 19. August 1936
Schon früh standen wir wieder auf. Es war aber schon etwa 7.30 Uhr, als wir aufbrachen. Nach einer viertel Stunde befanden wir uns in München. Wir suchten zunächst Verwandte[1] auf, wo wir uns gut stärkten. Dann fuhren wir zum Kolpinghaus [Adolf-Kolping-Straße 1], das im Innern der Stadt liegt. Hier im Kolpinghaus herrschte Hochbetrieb. Wir aßen zu Mittag und machten einen Gang durch die Stadt. Zuerst besuchten wir die Alte Pinakothek. Anschließend besichtigten wir das „Braune Haus“[2] und gelangten dann auf den Königsplatz. An der Feldherrnhalle vorbei kamen wir wieder zum Kolpinghaus. Hier trafen wir einen Klever, der sich in München gut eingenistet hatte. Er zeigte uns das Hofbräuhaus und führte uns durch die größte Bierstube der Welt.

[1] Es war vermutlich Rechtsanwalt Dr. Otto Guthmann, ein Verwandter von Familie Wilhelm Leisner. Dessen Adresse hatte Karl Leisner im Frühjahr 1936 in einem Tagebuch notiert: 13. Dr. Otto Guthmann, München, Königinstr. 11/1
[2] Das „Braune Haus“ war im ehemaligen Palais Barlow an der Brienner Str. 45 – 1829/30 errichtet, war es der Sitz der italienischen Botschaft. Nach Um- und Ausbau wurde es am 1.1.1931 Sitz der Parteizentrale der NSDAP. Im Volksmund hieß das Gebäude „Braunes Haus“, den Namen übernahm die Partei offiziell. 1944 wurde das Haus stark beschädigt und 1947 abgerissen. Erst am 6.12.2005 beschloss das Bayerische Kabinett, dort ein Dokumentationszentrum zum Thema Nationalsozialismus zu errichten. Am 30.4.2015 wurde das NS-dokumentationszentrum eingeweiht.

München Rathaus 1München Rathaus 2

München, Donnerstag, 20. August 1936
Am Rathaus besahen wir uns das Glockenspiel. Durch das Isartor gelangten wir zum Deutschen Museum. Dieses Museum, das 36.000 qm Ausstellungsfläche umfaßt, zählt zu den besten Deutschlands. […] Als die Uhr 13.00 Uhr zeigte, hatten wir erst einen geringen Teil des Museums gesehen. Aber die Zeit drängte. Wir mußten heute noch bis Augsburg. […] dann fuhren wir aus München heraus in Richtung Augsburg.

Karl Leisner schreibt am 2. November 1936 an Familie Magnus Weber in Alpseewies, bei der die Jungen einige Tage ein Quartier gefunden hatten.
Und was soll ich Ihnen noch alles erzählen von unserer Heimfahrt? Von der herrlichen Landschaft, von den Städten, von den guten Christenmenschen, die wir überall getroffen? Füssen, die Königsschlösser [z. B. Neuschwanstein], die ganz köstliche Wieskirch, München, die Hauptstadt des Bayernlandes, wo wir zwei Tage weilten, all das hat uns froh gemacht und reich an Erleben.

Vom 3. bis 16. März 1937 macht Karl Leisner mit seiner Schwester Maria eine Trampfahrt durch das Allgäu, die sie für einen Tag nach München führt.

In einem Brief vom 6. Februar 1937 an Walter Vinnenberg schreibt Karl Leisner von seinen Plänen.
denn Anfang März möchte ich mit Maria ins Allgäu für etwa 10 Tage. Dort ist sie nämlich (1917) in
Immenstadt geboren und getauft. – Über München wollen wir dann heim.

Mittwoch, 8. November 1939
An diesem Tag ereignete sich das Attentat von Georg Elser auf Adolf Hitler im Bürgerbräukeller in München, das dieser, weil vorzeitig abgereist, unbeschadet überstand. Karl Leisner erfuhr erst am nächsten Morgen davon. Aufgrund einer unbedachten Äußerung hierzu gegenüber einem vertrauten Mitpatienten wurde Karl Leisner verhaftet und kam über die Gefängnisse Freiburg und Mannheim in das KZ Sachsenhausen und am 14. Dezember 1940 in das nahe bei München gelegene KZ Dachau.

Karl Leisner aus Dachau am 25. Januar 1941 an seine Familie in Kleve:
Zu Eurem Trost kann ich Euch versichern, daß ich ebenso froh und tapfer hier bin wie Du, bester Vater, hier 1915 als schneidiger Gardist des Münchener [Infanterie-]Leibregiments.

Karl Leisner aus Dachau am 10. Februar 1941 an seine Familie in Kleve:
An die etwas herbe Münchener Luft hab’ ich mich langsam gewöhnt.

Karl Leisner aus Dachau am 3. April 1943 an seine Familie in Kleve:
Einen kleinen Eindruck aus der Ferne von der Furchtbarkeit der feindlichen Fliegerangriffe erhielten wir hier beim letzten Angriff auf München. Für die Kinder und Frauen muß das schrecklich sein.

Impressionen zum Leisnerweg

München Leisnerweg 2München Leisnerweg 3

München Leisnerweg 4München Leisnerweg 5

 

 

München Leisnerweg 6München Leisnerweg 7

München Leisnerweg 8

Foto Hans Schmidt

Foto Hans Schmidt

Text und nicht ausgewiesene Fotos Christa Bockholt