Nach 25 Jahren Karl Leisner wieder einmal Hans-Karl Seeger

Nach dem Erscheinen seines Buches „Der Sinn unserer Sinne, Tore zur Wirklichkeit“, Butzon & Bercker, Kevelaer 1992 – ISBN 3-7666-9784-6 hat Hans-Karl Seeger 25 Jahre an Veröffentlichungen zu Karl Leisner gearbeitet. Nun hat er wieder ein eigenes Buch herausgegeben. Es trägt den Titel „SEHNSUCHT, aber wonach? Eins zu werden mit mir selbst und mit allem, was ich nicht bin“, erschienen bei nick emotion Medienproduktion Nicole Dick / Billerbeck 2017 – ISBN: 978-3-943884-07-4. In gewisser Weise ist es eine Fortsetzung seines Buches „Wandle vor mir und sei ganz, Leben als Spannungseinheit“, Butzon & Bercker, Kevelaer 1990 – ISBN 3-7666-9684-X.

Aber auch dieses Buch kommt nicht ohne Karl Leisner aus. Auf Seite 113 heißt es:
„Wer möchte nicht unter sein Leben schreiben können, was der selige Karl Leisner am 25. Juli 1945, wenige Wochen vor seinem Sterben, als letzten Satz in sein Tagebuch eintrug: ‚Segne auch, Höchster, meine Feinde!’“[1]
[1]
  Seeger, Hans-Karl / Latzel, Gabriele (Hgg.), Karl Leisner. Tagebücher und Briefe. Kevelaer 2014: 2679

Passend zur Osterzeit gibt das Buch auch Auskunft über Vorstellungen von Sterben, Tod und Auferstehung.

Hans-Karl Seeger über Hintergünde zur Enstehung seines „Sehnsuchtsbuches“:
Bei der ersten Begegnung mit meinem späteren Lehrer Karlfried Graf Dürckheim sagte mir dieser: „Sie sind ein Harmoniker.“ Das war eine wertfreie Äußerung. Aber ich wußte schon damals um die Schattenseite eines Harmonikers. Um der Harmonie willen verzichtete ich oft auf meinen eigenen Standpunkt, wohl wissend, daß der andere Standpunkt auch etwas Richtiges hat; denn es gibt nichts, von dem nicht auch das Gegenteil richtig beziehungsweise falsch ist. Wenn ich sage: „Die Flasche ist (noch) halbvoll“, ist das Gegenteil „die Flasche ist (schon) halbleer“ auch richtig.
Aus meiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Spiritual zitieren Menschen, die ich begleite, vor allem meine Äußerung „Du darfst sein, wie Du bist, wenn Du Dich aber ändern willst, helfe ich Dir dabei.“ Die Aufgabe des geistlichen Begleiters ist mir auf den Leib und in die Seele geschrieben, wobei ich auch gleichzeitig „Korporal“ bin; denn ich sehe immer den ganzen Menschen mit Leib und Seele.
Bereits in einem kleinen Vortrag als Gruppenleiter in Limburg, den ich als Achtzehnjähriger gehalten habe, brachte ich zum Ausdruck, was ich später noch viel tiefer erkannt habe: Die Schöpfung ist polar – es gibt das eine und das andere und das eine nicht ohne das andere. Als Gott die Welt erschuf, spaltete er die Wirklichkeit in Licht und Dunkel, Trocken und Naß, Frau und Mann usw. Wir aber hierarchisieren und polarisieren die Pole, indem wir den einen vom anderen abspalten. So wird zum Beispiel aus Licht und Dunkel – Licht und Finsternis.
Später entstand mein Buch „Wandle vor mir und sei ganz. Leben als Spannungseinheit“. Als es 1990 erschien, dachte ich, darin sei die Quintessenz meines Leben enthalten. Aber im Laufe meines Lebens machte ich weitere Erfahrungen sowohl mit anderen als auch mit mir selbst. So ging ich der Frage nach dem Inhalt meiner Sehnsucht nach, und es entstand der Titel des Buches „SEHNSUCHT – aber wonach? Eins zu werden mit mir selbst und mit allem, was ich nicht bin“.
Offensichtlich konnte ich dieses Buch erst im Alter schreiben, einem Lebensabschnitt, in dem die Fragen nach dem Woher, dem Jetzt und dem Wohin drängender werden.
An meiner Weihnachtskrippe stellen die Drei Könige die Lebensalter dar: Der alte König kniet vor dem Jesuskind und legt seine Krone nieder, der mittelalte König steht hinter ihm und schaut sich das Spiel an, wohingegen der junge König sich noch bei den Kamelen aufhält – er ist noch gar nicht angekommen.
Für mich ist die Zeit gekommen, die Krone abzulegen, es ist die Zeit der Ernte und der Frage, was ist aus meinen Sehnsüchten geworden und was wird sein, wenn ich sterbe. Lange Zeit dachte ich, ich ginge durch ein Tor, entsprechend der Verheißung „Mors Porta Vitae – der Tod ist das Tor zum Leben.“
Inzwischen weiß ich: Ich lebe schon immer in der Ewigkeit, die mich seit „ewiger Zeit“ umgibt, und bin nur in die Zeit ausgesetzt; denn diese ist lediglich ein Pause von der Ewigkeit. Im Sterben fallen die Schleier, die mich jetzt noch hindern, diese Ewigkeit wahrzunehmen, weil meine Augen gehalten sind. Aber bei all den Zufällen, die ich bereits im „Hier und Jetzt“ erleben darf, „streift mich schon ein Engel“, ein Bote dessen, den wir Gott nennen, von dem Paulus sagt: „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir!“ (Apg 17,28)
Im Sterben erleben wir, was sich nicht beschreiben läßt. Wir Christen glauben, Gott von Angesicht zu Angesicht zu schauen (1 Kor 13,12); die Buddhisten stellen sich vor, wie ein Salzmännchen im Wasser aufzugehen. Ich sehe beides zusammen: Ganz in Gott aufgehen und gleichzeitig ganz bei mir sein, so wie ich Kinder beim Spielen erlebe. Sie sind ganz beim Spiel und dabei ganz bei sich. Wie kann man sie ausschimpfen, wenn sie vom Spielen nicht pünktlich nach Hause kommen? Wir können nicht glücklich sein und gleichzeitig auf die Uhr schauen.
Auf diesem Hintergrund ist mein „Sehnsuchtsbuch“ entstanden. Mit Herzblut geschrieben, ist es so etwas wie mein „Geistliches Testament“.

Leseprobe:

Inhalt:

Inhalt

 

Einleitung – Aspekte der Sehnsucht

Leseprobe

 

 

Nachwort

Ein Buch, vor allem wenn es ein persönliches Zeugnis ist, reift langsam heran. Dann fällt eines Tages die Entscheidung: „Ich schreibe es – ich muß es schreiben.“ Es ist dabei zunächst nicht das Wichtigste, daß es ei­nen Verlag findet und daß es ge­lesen wird. Hat es aber Verlag und Leser gefunden, kann es für letz­tere eine Hilfe sein, das eigene Leben besser zu ver­ste­hen. Es könnte zu einem Gespräch kommen im Sinne der Worte von Friedrich Hölder­lin:
Viel hat erfahren der Mensch,
Der Himmlischen viele genannt,
Seit ein Gespräch wir sind
Und hören können voneinander.

Wie ein Zenmeister, der vor seinem Tod eine Gatha verfaßt, ein Gedicht, in dem er die Einsichten seines Lebens zusammen­faßt, könnte auch ich dieses Buch meine Gatha nennen, mein „Geistliches Testament“.

* * * * *

Die dreijährige Carla bekommt den Tod Ihres Opas mit und sagt: „Wenn wir alt sind, kommen wir in den Himmel, wenn wir tot sind, kommen wir in die Erde.“

Die zwölfjährige Viola fragt ihren Opa: „Was ist schlimmer, tot zu sein oder noch gar nicht geboren?“

Eine Geschichte für alle, die keine Zeit haben, an ihr irdisches Ende zu denken.

Der größte Narr
Es gibt eine alte Geschichte von einem König, der sich nach der Sitte der Zeit einen Hofnarren hielt. Diese Narren hatten das Recht, den Königen und Fürsten die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie bitter war. War sie zu bitter, dann hieß es einfach: „Er ist halt ein Narr!“
Eines Tages schenkte der König dem Narren einen silbernen Narrenstab mit goldenen Glöckchen daran und sagte: „Du bist wirklich der größte Narr, den es gibt. Dafür bekommst Du diesen wertvollen Stab als Auszeichnung für Dein Können und Zeichen meiner Wertschätzung. Du darfst den Stab niemals verkaufen und auch nicht verschenken. Aber solltest Du einmal einem Menschen begegnen, der noch närrischer ist als Du, dann gib diesem den silbernen Stab!“
Jahrelang trug der Narr diesen Stab bis zu dem Tag, an er dem erfuhr: „Der König liegt im Sterben.“ Da hüpfte er in das Krankenzimmer und sagte: „König, ich höre, Du willst eine große Reise antreten.“ „Ich will nicht“, erwiderte der König, „ich muß!“ „Oh, Du mußt?! Gibt es also doch eine Macht, die noch über den Großen dieser Erde steht? Nun wohl! Aber Du wirst sicher bald zurückkommen?“ „Nein!“, schluchzte der König, „von dem Land, in das ich reise, kehrt man nicht mehr zurück.“
„Nun, nun“, meinte der Narr begütigend, „gewiss hast Du die Reise seit langem vorbereitet. Ich denke, Du hast dafür gesorgt, daß Du in dem Land, von dem man nicht zurückkommt, königlich aufgenommen wirst.“
Der König schüttelte traurig den Kopf: „Das habe ich versäumt. Ich hatte nie Zeit, diese Reise vorzubereiten.“
„Oh, dann hast Du sicher nicht gewußt, daß Du diese Reise einmal antreten mußt.“
„Gewußt habe ich es schon, aber, wie gesagt, keine Zeit, mich um eine rechte Vorbereitung zu kümmern.“
Da legte der Narr leise seinen Stab auf das Bett des Königs und sagte: „Du hast mir befohlen, diesen Stab weiterzugeben an den, der noch närrischer ist als ich. König, nimm den Stab! Du hast gewußt, daß Du in die Ewigkeit mußt und daß man da nicht zurückkommt. Und doch hast Du nicht dafür gesorgt, daß Dir die ewigen Türen geöffnet werden. König, Du bist der größte Narr!“

* * * * *

Veröffentlichungen von Hans-Karl Seeger:

Privat:
Heilfasten – das Leben neu bedenken, Butzon & Bercker, Kevelaer 1988 – ISBN 3-7666-9560-6
Mit Herz und Händen Gott erfahren. Über das alles umfassende Glauben, Butzon & Bercker, Kevelaer 1988 – ISBN 3-7666-9588-6
Wandle vor mir und sei ganz, Leben als Spannungseinheit, Butzon & Bercker, Kevelaer 1990 – ISBN 3-7666-9684-X
Der Sinn unserer Sinne, Tore zur Wirklichkeit, Butzon & Bercker, Kevelaer 1992 – ISBN 3-7666-9784-6

 

Darüberhinaus viele Artikel in Zeitungen, Kalendern und Zeitschriften

Im Auftrag des Internationalen Karl-Leisner-Kreises e. V. (IKLK):
Seeger, Hans-Karl

„Segne auch, Höchster, meine Feinde!“ Karl Leisners letztes Tagebuch. In Hand­schrift, Druckschrift und kommentiert, Münster: Dia­log Verlag 2000 – ohne ISBN
Karl Leisners letztes Tagebuch, Neuausgabe Kevelaer: Butzon & Bercker 2007 – ISBN 978-3-8367-0638-4
ders.
Karl Leisner. Visionär eines geeinten Europas, Kevelaer: Butzon & Bercker 2006, 22012 – ISBN 3-7867-8563.5
Übersetzung ins Polnische:
BŁOGOSŁAWIONY KARL LEISNER. Wizjoner zjednoczonej Europy, Kraków 2010 – ISBN 978-83-7505-532-0
ders.
Karl Leisner und der Xantener Dom, Rees 2012 – ohne ISBN
Seeger, Hans-Karl / Latzel, Gabriele (Hgg.)
Karl Leisner. Priesterweihe und Primiz im KZ Dachau, Münster 12004, Berlin 2. erwei­terte Auflage 2006 – ISBN 3-8258-7277-7
dies.
Karl Leisner. Tagebücher und Briefe – Eine Lebens-Chronik, herausgegeben im Auftrag des Internationalen Karl-Leisner-Kreises (IKLK) unter besonderer Mitarbeit von Christa Bockholt, Hans Harro Bühler und Hermann Gebert, Kevelaer: Butzon & Bercker 2014 – ISBN 978-3-7666-1881-8
Seeger, Hans-Karl / Latzel, Gabriele / Bockholt, Christa (Hgg.)
Otto Pies und Karl Leisner. Freundschaft in der Hölle des KZ Dachau, Sprockhövel/Dommershausen 2007 – ISBN 13 978-3-928441-66-7
Pies, Otto
Stephanus heute. Karl Leisner. Prie­ster und Opfer, Kevelaer: Butzon & Bercker 1950, 7. Auflage 2008 kommentiert von Hans-Karl Seeger – ISBN 978-3-928441-69-8
DIDGÉ, MALCURAT, SEEGER, LATZEL
Karl Leisner. Victor in vinculis, Durbuy 2011 – Deutsch, Englisch, Französisch, Nieder­ländisch, Polnisch und Spanisch
Neuauflage im Verlag Canisi-Edition, Gonten/CH 2014, Karl Leisner. Sieger in Fesseln

Darüberhinaus viele Artikel zu Karl Leisner in Zeitschriften, Kalendern und Bücher, und die Rundbriefe des IKLK von Nr. 28 – März 1994 bis Nr. 56 – Februar 2010, die teilweise den Umfang von Büchern haben