Pater Gregor Schwakes „Ostertrio“ – komponiert im März ’45 im KZ Dachau

SchwakeUnter obiger Übschrift berichtete die Süddeutsche Zeitung im Lokalteil Dachau am 29./30. Mai 1995 über das musikalische Ereignis im KZ Dachau Ostern 1945. Vermutlich lebte Pater Gregor Schwake OSB[1] im März 1945 neben dem Dank für die Genesung von schwerer Krankheit auch von der Hoffnung, daß bald für das KZ Dachau „Auferstehung“ folge.
Am Ostersonntag, dem 1. April 1945, wurde das Ostertrio in einem Vorraum der Kleiderkammer des KZ uraufgeführt.

Karl Leisner wird es im Revier nicht vernommen haben.

Quelle des Fotos: IKLK-Archiv

[1]  Pater Dr. Gregor (Theodor) Schwake OSB (* 15.4.1892 in Emmerich am Rhein, † 13.6.1967 in Dülmen) – Eintritt bei den Benediktinern in Gerleve – Profeß 8.9.1912 in Ger­leve – Prie­sterweihe 25.7.1917 – Veranstaltung von Volkschoral­wochen im gesamten deutsch­spra­chi­gen Raum u. in Jugoslawien 1929–1943 – Am 6.10.1943 wurde er im Dom zu Linz/A von den Na­tionalsozialisten ver­haftet und kam am 2.1.1944 ins KZ Da­chau, wo er bis zu seiner Entlassung am 10.4.1945 zur Arbeit in der Plantage eingeteilt war. Er leitete den Priester­chor und kompo­nierte u. a. die „Dachauer Messe“. Sie erklang am 24.9.1944, dem Fest der allerselig­sten Jungfrau Maria vom Loskauf der Ge­fange­nen, zum ersten Mal in der Lagerkapelle des KZ Dachau.

Süddeutsche Zeitung / Dachauer Neueste am 19. April 1995

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Die Dachauer Messe ist inzwischen wieder aufgetaucht, siehe Links am Ende dieses Eintrages.

Süddeutsche Zeitung / Dachauer Neueste am 28. April – 1. Mai 1995

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Eleonore Philipp:
Trotz der für ihn günstigen Arbeitsbedingungen auf der »Plantage« wurde Pater Schwake im Januar 1945, während Schnee, Kälte, Hunger, Typhus und täglich Hunderte von Todesfällen das Lager beherrschten, von einer schweren Krankheit niedergeworfen, die er in seinen Erinnerungen zwar nie erwähnt, die ihn aber in Todesnähe brachte. In einem seiner hundert in Dachau verfassten Gedichte schrieb er am 19.01.1945 mit der Überschrift »Krank« die Verse: »Mein Körper, du willst nicht mehr? … « Die glückliche Genesung wird ihm den österlichen Auferstehungsgedanken besonders nahe gebracht haben. So entstand zum Osterfest 1945 das »Ostertrio« für Violine, Viola und Violoncello, Präludium und Fuge (D-Dur), eine Fantasie über das alte Kirchenlied »Christ ist erstanden«. In einem Vorraum der Kleiderkammer wurde das Werk während der Matinee am Ostersonntag uraufgeführt: »Auf dem primitiven Podium saßen der bulgarische Geiger, der Bratscher Wollheim (sic! Wohlheim) von der Berliner Staatsoper und am Cello ein Professor aus Amsterdam … «[1],[2]

[1]    Vgl. Schwake, Gregor: Vor zehn Jahren. April 1945, Ostern und Freiheit, in: Singt dem Herrn. Sängerblatt des ACV für Deutschland, Österreich und die Schweiz 6 (1955): 14 (zit. Schwake 1945)
Laut Auskunft von Dr. Guido Fackler waren die Vortragskünstler: Geige: Wassil Tschernaew. Bulgarien; Bratsche: Heinrich Wohlheim, Berlin; Violoncello: Prof Hugo Nolthenius, Amsterdam.
[2]    Philipp, Eleonore: Geistliche Musiker im Konzentrationslager Dachau. In: Josef Focht / Ursula K. Nauderer, Musik in Dachau, Dachau 2002: 193–203, hier 201f.

Eleonore Philipp am 13. Oktober 2016 an Hans-Karl Seeger:
Das „Ostertrio“ ist in Dachau auf meine Initiative hin schon mehrmals aufgeführt worden, zuletzt in dem Konzert mit Francesco Lotoro im April 2016 in der Kirche des Karmelklosters Dachau.

P. Gregor Schwake OSB
Vormittags Matinee in einem Vorraum der Kleiderkammer. Hundert Teilnehmer. Sie begann mit meiner Ostermusik. Auf dem primitiven Podium saßen der bulgarische Geiger, der Bratscher Wollheim von der Berliner Staatsoper und am Cello ein Professor aus Amsterdam, in wenig festlicher Häftlingskleidung. Schon erklang die hochfeierliche Melodie „Christ ist erstanden“, die Fuge dazu, in der dritten Durchführung der Fuge wieder „Christ ist erstanden“ mit Oktavgriffen der Geige. Wie schlug mir das Herz! Es folgten, meisterhaft vorgetragen, Gedichte über Ostern, Frühling und Freiheit. Dazwischen Perlen klassischer Kammermusik in feinster Besetzung, etwa Flöte, Geige, Bratsche. Ein unwahrscheinlich schöner Ostersonntagstraum; wenn auch in einem jämmerlichen Rahmen.[1]

[1]   Schwake 1945

Links zu P. Gregor Schwake OSB

Link 1 zu Aktuelles vom 2. Juli 2014
Link 2 zu Aktuelles vom 4. Juli 2014
Link 3 zu Aktuelles vom 20. Oktober 2014
Link 4 zu Aktuelles vom 20. August 2015