Paula Leisner und ihr Namenstag

PaulusPaulaStatue des Apostels Paulus vor dem Petersdom

Paula mit ihrer Tochter Eustochium im Gespräch mit dem hl. Hieronymus

 

Fotos Wikimedia Commons
AngMoKio

Paulus von Tarsus (* ? 10 in Tarsus/TR, † zwischen 60 u. 68 in Rom) – Apostel u. Martyrer – bedeutender Missionar der Urkirche – Gedenktag seiner Bekehrung 25.1. – Gedenk­tag ge­mein­sam mit dem hl. Petrus 29.6.
Paula von Rom (* 347 in Rom, † 404 in Bethlehem) – Heilige – Witwe u. Mutter von 5 Kindern – Kloster­gründerin – Gedenktag 26.1.

L’OSSERVATORE ROMANO vom 22. Januar 2016 brachte in der Monatsbeilage „Frauen – Kirche – Welt“ einen Artikel von der Journalistin Carla Mosca unter der Überschrift „Paula von Rom – die Heilige des Monats. Lebensstil mit viel Erfolg und großer Bedeutung“.

Carla Mosca schildert vor allem Paulas „komplexe Persönlichkeit“. Paula enstammte einer hochangesehenen Patrizierfamilie und genoß eine hervorragende Bildung. Mit ihrem ebenfalls aus einer bedeutenden Familie stammenden, vermögenden und gebildeten Ehemann Toxotius, der sich als Heide dem Christentum gegenüber sehr tolerant zeigte, hatte sie „vier Töchter (Paulina, Eustochium, Blaesilla und Rufina)“ und einen nach seinem Vater Toxotius benannten Sohn. Als besonderes Merkmal hebt Carla Mosca Paulas „instinktive Fähigkeit, Harmonie zu stiften“ hervor. Gleich anderen römischen Frauen ihres Standes genoß sie durchaus all ihre Privilegien, verhielt sich aber ihrer Dienerschaft gegenüber freundlich und loyal. Es war ihr ein Anliegen, die arme Bevölkerung zu schützen; daher erwies sie sich dieser gegenüber ausgesprochen wohltätig. Nach dem frühen Tod ihres Mannes, woran sie fast zerbrochen wäre, schloß sie sich dem Kreis von Jungfrauen und Witwen an, die Hieronymus, ihr späterer Biograph, um sich gesammelt hatte. Sie lernte Hebräisch und ließ sich später mit ihm und ihrer Tochter Eustochium in Bethlehem nieder. Als Hieronymus, aufgrund seiner Übersetzungen der Bibel verleumdet und in Schwierigkeiten geraten, Bethlehem verlassen wollte, gründete sie dort mit ihrem Vermögen spontan ein Männer- und ein Frauenkloster mit je eigener Kirche, so daß Hieronymus dort mit dem Kreis seiner Mitarbeiter seine Studien fortsetzen konnte. Er übersetzte „auf der Grundlage der griechischen und hebräischen Originaltexte die Heilige Schrift ins Lateinische. Das hat es ermöglicht, dass die Bibel in einer wunderbaren Übersetzung bis in unsere Zeit überliefert worden ist.“[1]

[1]    Es handelt sich um die Vulgata – von vulgatus (lat.) = allgemein bekannt, verbreitet – Vulgata editio, allgemein gebräuch­li­che Ausgabe der Heiligen Schrift in der Übersetzung des hl. Hieronymus aus dem hebrä­i­schen Urtext in die lateinische Sprache von 380/390

Es verwundert nicht, daß Paula Leisner, die ledig geblieben ist, Sympathie für diese Heilige hatte, statt einen Mann als Patron zu haben, und sei es der Apostel Paulus.

Für Familie Leisner war das Feiern des Namenstages sehr wichtig. Eine Besonderheit stellte diesbezüglich Karl Leisners Schwester Paula dar. Normalerweise feierte sie wie viele Trägerinnen gleichen Namens am Fest Peter und Paul (29.6.), zeitweilig aber auch am Fest der heiligen Paula von Rom (26.1.), so zum Beispiel 1939 als angehende Abiturientin.

Karl Leisners im Jungmannskalender am 26. Januar 1939

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Polykarp[1]
Hl. Paula v. Rom.
[2] – Opfertag für Paula, die Abitu­rientin. – Paula Namenstag.

[1]    Seit der liturgischen Kalenderreform 1969/1970 wird das Fest des hl. Bischofs und Martyrers Polykarp am 23.2. gefeiert.

[2]    Liturgisch wurde die hl. Paula von Rom nicht gefeiert.

Karl Leisner aus Sachsenhausen am Sonntag, 7. Juli 1940, an seine Familie in Kleve:
Deiner Patentante[1], Päuleken, mußt Du von mir nachträglich noch herzlichste Glückwün­sche ausrichten. (Sie ist ja noch nicht so modern wie Du und fei­ert noch am 29.6.)

[1]    Karl Leisner dachte vermutlich an Vater Wilhelm Leisners Schwester Paula Väth. Paula Leisners Patentante war jedoch Mutter Amalia Leisners Schwester Maria Brücken (Tante Mia, geb. Falken­stein).

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 12. Juli 1941, an seine Familie in Kleve
Paula feierte also doch am 29.6. Nachträglich noch das Beste unse­rer „Hellsehe­rin“ [Paula].

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 13. Juni 1942, an seine Familie in Kleve
Tante Paula [Väth] und mei­ner lieben „Sö­ster“ [Schwester] Paula zum 29.6. die herzlichsten Segens­wünsche.

Karl Leisner aus Dachau am Freitag, 4. Juni 1943, an seine Fami­lie in Kleve
Zum Peter- und Paulstag Tante Paula und unserm lieben Päuleken beste, treueste Wünsche.

Karl Leisner aus Dachau am Samstag, 10. Juni 1944, an seine Familie in Kleve
An unsere ge­liebte, gute Tante Paula die herzin­nigsten Namenstags­glück­wün­sche [zum 29.6.]. Unse­rem lieben, kugel­runden[1] Schwesterlein des­gleichen. Oder feiert sie Paula von Rom?

[1]    Paula Leisner hatte kräftig zugenommen, s. Rundbrief von Vater Wilhelm Leisner vom 12.1.1944 an seine Verwandten:

Paula hat sich bei dem Direktor der Gocher Be­rufsschule [Emil Brökelschen] vorge­stellt und wird wahr­scheinlich ab Mai nach Goch über­siedeln [Von Mai 1944 bis Juni 1945 war Paula Leisner als Gewerbelehrerin an der Be­rufs- und Handelsschule in Goch tätig]. So ungern sie von Frankfurt/M. scheidet, so gern will sie doch in dieser kritischen Zeit in unse­rer Nähe sein. Ich werde dann dafür sorgen, daß sie hier weni­ger Kartof­feln zu essen bekommt, damit sie wie­der von ihren 150 Pfund etwas her­unter bekommt und vom Posaunenengel zum gewöhn­lichen Engel de­gra­diert wird.