Planegg/Krailling: Karl-Leisner-Weg – Schüler erforschten seine Geschichte

Unter dem Thema: „Schüler erforschen Geschichte und Kultur ihrer Heimat. Straßennamen erzählen Geschichten.“ fand 2002 ein Schülerwettbewerb in Bayern statt. Die Jungen und Mädchen der Klasse 4a der Reinhard-Wallbrecher-Schule in Krailling beteiligten sich daran mit einer Arbeit zum Karl-Leisner-Weg.

Der Karl-Leisner-Weg ist ein etwa ein Kilometer langer Fuß- und Radweg, der gegenüber der Wallfahrtskirche Maria Eich in Krailling beginnt und an der Gedenkstätte für Karl Leisner in unmittelbarer Nähe des Waldsanatoriums Planegg, in dem Karl Leisner nach seiner Befreiung bis zu seinem Tod lag, endet. Anlässlich der Seligsprechung Karl Leisners am 23. Juni 1996 wurde der Weg im gleichen Jahr nach ihm benannt, die Gedenkstätte wurde 1997 errichtet. Der Wallfahrtsweg verläuft je zur Hälfte auf den Gemeindegebieten Krailling[1] und Planegg[2].

[1] Die Gemeinde Krailling liegt vier Kilometer südwestlich von München und hat ca. 7.600 Einwohner. Erste Besiedlungsspuren stammen aus der Zeit um 125 v. Chr. Das Siedlungsgebiet ist mit der Gemeinde Planegg zusammengewachsen und gehört auch zur Pfarrei Planegg.
[2] Die Gemeinde Planegg liegt südwestlich der Stadtgrenze von München und hat ca. 10.500 Einwohner. 1409 wird der Ortsname erstmalig erwähnt. Der Wallfahrtsort Maria Eich brachte im 19. Jhdt. einen großen Aufschwung. Planegg wurde zum Erholungsgebiet für die Münchener.

Die Schüler fragten sich, wer Karl Leisner war und warum der Weg nach ihm benannt wurde. Die Mädchen und Jungen schrieben der jüngsten Schwester Karl Leisners, Elisabeth Haas, die ihnen einen langen Bericht über ihren Bruder schickte. Darüber hinaus wandten sie sich an den damaligen Präsidenten des IKLK, Hans-Karl Seeger, um weitere Informationen zu erhalten.

Sie interviewten Pfarrer Johannes Sonnenschein[1], der mit Karl Leisner im KZ Dachau war und dort an der heimlichen Priesterweihe Karl Leisners teilgenommen hatte. Schwester Maria Imma Mack[2], die das für die Priesterweihe Notwendige heimlich in das KZ Dachau brachte, kam in die Schule und erzählte von ihren Erlebnissen. Die Schüler besuchten das KZ Dachau und das Waldsanatorium. Dort sahen sie das Sterbezimmer Karl Leisners und ließen sich von Schwester Juvenalis Brandl[3], die in der Nacht vor Karl Leisners Tod Nachtwache auf der Station gehalten hatte, über die letzten Stunden im Leben Karl Leisners berichten.

[1] Johannes Sonnenschein (* 30.5.1912 in Bocholt, † 31.8.2003 in Ahaus) – Priesterweihe 19.12.1936 in Münster – Kaplan in Ahlen St. Josef 29.2.1940 – Verhaftung dort am 8.3.1942. Er kam über die Gefäng­nisse in Ahlen und Münster wegen Jugendseelsorge und Verbreitung des Möldersbriefes am 29.5.1942 ins KZ Da­chau. Am 9.4.1945 wurde er ent­lassen. Im Seligsprechungsprozess 1981 und Martyrerprozess 1990 für Karl Leisner hat er als Zeuge ausgesagt.
[2] Schwester Maria Imma (Josefa) Mack (* 10.2.1924 in Möckenlohe, † 21.6.2006 in München) wurde 1940 Kandidatin der Armen Schulschwestern im Angerkloster in München. Ab 1942 arbeitete sie als Helferin im Kinderheim des Ordens in Freising. 1944 wurde sie beauftragt, wöchentlich in der Plantage des KZ Dachau Pflanzen und Blumen einzukaufen. Dabei wurde sie zur großen Helferin für viele Häftlinge im KZ Dachau. Unter dem Decknamen Mädi übernahm sie Kurierdienste. Für die Priesterweihe Karl Leisners schmuggelte sie die notwendigen Briefe aus dem KZ und die für die Weihe erforderlichen liturgischen Gegenstände, aber auch Arzneien und kräftigende Lebensmittel für Karl Leisner in das Lager hinein. Im Martyrerprozeß für Karl Leisner hat sie 1990 als Zeugin ausgesagt.
[3] Schwester Maria Juvenalis (Ottilie) Brandl (* 10.12.1914 in Stetten/Niederbayern, † 11.10.2008 im Waldsanatorium Planegg) – Eintritt bei den Vinzentinerinnen (München) 20.5.1933 – Einkleidung 29.7.1934 – Profess 16.7.1936 – Verwaltungsschwester im Waldsanatorium Planegg März 1945 bis zum Ruhestand Juni 1992 – Als Bewohnerin des heutigen Seniorenheims gab sie Besuchern gerne Auskunft über dessen Zeit in Planegg. Im Seligsprechungsprozeß für Karl Leisner hat sie 1982 als Zeugin ausgesagt.

Ein Schüler fuhr mit seiner Großmutter an den Niederrhein und besuchte Elisabeth Haas. Er durfte im Archiv des IKLK Bilder und Gegenstände aus dem Leben des Seligen Karl Leisner anschauen.

So konnten sich die Kinder ein umfassendes Bild vom Leben und Wirken Karl Leisners machen, das die Schüler auf 70 Seiten dokumentierten.

Schüler der Reinhard-Wallbrecher-Schule folgten einer Anregung der Vinzentinerinnen im Waldsanatorium und führten zum Schuljahresabschluss in der Hauskapelle die alttestamentliche Jonas-Geschichte auf. An dieser Veranstaltung nahm auch Elisabeth Haas teil.

Rundbrief des IKLK Nr. 46 – August 2002: 102

Rdbr (1)

 

Unter den nachstehenden Links wurden die Beiträge zum Karl-Leisner-Weg in Planegg/Krailling, zum Karl-Leisner-Denkmal am Waldsanatorium und zu seinem Sterbezimmer veröffentlicht.

Link 1

Link 2

Link 3

Text und Fotos Christa Bockholt und IKLK-Archiv