Reinhold Friedrichs – Blockvater im KZ Dachau auch für Karl Leisner (1)

Friedrichs_Totenbild

Domkapitular Reinhold Friedrichs (* 8.5.1886 in Hüls/Krefeld, † 28.7.1964 in Münster) – Volksschule Hüls April 1892 bis April 1896 – Gymnasium Kempen April 1896 bis April 1900 – Gaesdonck/Goch April 1900 bis April 1905 – Gymnasium Viersen April 1905 bis April 1908 – Eintritt ins Collegium Borromaeum in Münster Ostern 1908 – Diakonenweihe 11.2.1912 – Prie­sterweihe 1.6.1912 in Münster – Kaplan in Bocholt St. Georg 9.8.1912 – Kanonikus in Borken 11.6.1920 – Kaplan in Mün­ster St. Aegidii 4.10.1922 – Seelsorger an der Polizeischule in Münster 1924 – Religionslehrer an den Berufs­schulen in Münster 1926 – Beauftragter für die kath. Schutzpolizei der Provinz Westfalen 1933 – Diözesanpräses der kath. kaufmän­ni­schen Vereinigungen (KKV) 1935 – Nach der Macht­ergreifung durch die Nationalsozialisten wur­den seine Auf­gaben stark ein­ge­schränkt, und man beob­achtete ihn. Am 21.1.1936 verwies man ihn aus dem Schuldienst (Religionslehrer a. D. in Münster), worüber er sich am 18.12.1936 beim Oberbürgermeister in Münster beschwerte. Wegen des Wegfalls seiner bisheri­gen Tätigkeiten führte er re­li­giöse Wo­chen durch. Dabei verhaftete ihn die Gestapo am Samstag, dem 8.3.1941, in Recklinghausen-Essel nach einer Predigt über die „Kreuzwegsta­tio­nen eines Prie­sters im Gefäng­nis“. Als Grund gab sie an „Propaganda-Chef von Klemens-August“. Vom 17.3.bis 20.3.1941 war er unterwegs ins KZ Sach­senhau­sen, und am 12.9.1941 kam er ins KZ Dachau. Dort war er zeitweilig in der Poststelle des KZ eingesetzt. Der väterlich wir­kende Mann er­warb sich die Hoch­achtung seiner Mitgefangenen. Im Herbst 1944 wurden die kommuni­sti­schen Blockäl­testen[1] ab­gelöst, und er trat am 9.12.1944 an die Stelle von Engelbert Böhler, dem letzten Laien in dieser Position in Block 26. Sei­ne Priesterka­mera­den nannten ihn lie­be­voll „Blockvater“. Am 5.4.1945 wurde er aus dem KZ Dachau entlassen und kehrte am 4.10.1945 nach Münster zurück. Zwischenzeitlich war er zunächst im Benediktinerkloster St. Bonifaz in München, am 7.4. im Kloster St. Clara in Freising, am 11.4. in Haar-Zorneding im Landkreis Ebersberg und am 12.4. in Rosenheim untergekommen, wo er als Subsidiar wirkte. In Münster ernannte Bischof Clemens August Graf von Galen ihn am 15.12.1945 mit folgenden Worten zum nichtresidierenden Dom­ka­pitu­lar: „Mit Ihrer Aufnahme ins Kapitel möchte ich Sie und alle Priester ehren, die im Konzentrationslager gewesen sind.“[2]. – Geistlicher Beirat des Diözesanverbandes der kath. Kirchenangestellten im Bistum Münster 28.11.1946 – Geistlicher Beirat des KKV „Hansa“ in Münster 3.2.1947 – Diözesanpräses des Beamtenvereins 11.5.1951 – Kommandopfarrer für den Bundesgrenzschutz 1952 – Oberpfarrer der Polizei u. des Bundesgrenzschutzes 28.4.1953 – Ernen­nung zum päpstli­chen Hausprälaten 22.1.1960 – Bundesverdienstkreuz 1.6.1952[3]

[1]    Blockälteste waren KZ-Häftlinge. In der ersten Zeit wurden für den Priesterblock Kom­mu­nisten für diese Aufgabe bestimmt.
Bedřich Hoffmann:
Von den Blockältesten hing es ab, ob sie den Häftlingen das Leben im Lager erleich­tern oder es auf dem Block zu einer wahren Hölle machen wollten. Es gab eine Zeit, da wurden als Blockälteste und Stubenälteste der Pfarrerblocks die schlimmsten Leute ausgesucht. Da nahm das Schikanieren kein Ende. Wenn nach dem Abendappell die hungergequälten Häftlinge nach der Arbeit eines ganzen Tages sich kaum auf den Bei­nen halten konnten, fand Exerzieren eines ganzen Blocks statt. Die Geistlichen mußten marschieren und singen. Laufschritt machen, in die Hocke gehen, in der Hocke hüpfen usw. Unterdessen wunderte man sich auf den anderen Blocks, warum man diese Pfar­rer wieder so herumjagt. Ein Verbot jagte das andere. Man durfte sich nicht auf dem Wege vor dem Block niederlassen, man durfte nicht rauchen, man durfte keinen Kan­tinenkauf machen. Dabei wußte man nicht, was dies alles sollte. Irgendein Vorwand fand sich ja immer. Die Blockgewaltigen waren Sadisten. Mit Vorliebe setzten sie den Geistlichen zu in Wort und Schlag (Übersetzung aus dem Tschechischen: Bistumsar­chiv Speyer, Nachlaß Römer Nr. 58).

[2]    Positio super Virtutibus, Vol. I: 182

[3]    Die Angaben stammen aus verschiedenen Quellen wie z. B. Schematismen, Priesterjahrbüchern und vor allem Unterlagen des Bistumsarchivs Münster (BAM).

Karl Leisner ist Reinhold Friedrichs bereits im 1. Semester seines Theologiestudiums begegnet. Am Muttertag, dem 13. Mai 1934, schrieb er in sein Tagebuch:
Nach der heiligen Messe [in St. Clemens in Tegte] kurzer Besuch bei der Muttergottes [in der Gna­denkapelle in Telgte] und Kundge­bung. Religionslehrer Fried­richs spricht über Wallfahrt der katholischen Jungmänner am Mutter­tag.

Münster, Samstag, 9. Juni 1934
Nach dem Essen Spaziergang mit Diakon Hein Janssen[1] Rindern und „Seminarist“ Hugo Rogmans[2], Kevelaer! Durch [die] Stadt zum Aasee zurück zum [Priester-]Seminar. Wir sprechen über „Katholi­sche Jugend“: Begeisterung. Seelsorge – Märtyrertum! (Religi­onslehrer Friedrichs feine Art).

[1]    Heinrich (Henn od. Hein) Maria Janssen (* 28.12.1907 in Rindern bei Kleve,† 7.10.1988 in Hildesheim) – Priesterweihe 29.7.1934 in Münster – Pfar­rer u. Dechant in Kevelaer 29.7.1949 – Er­nennung zum Bischof von Hildesheim 3.2.1957 – Bischofs­weihe zum Bischof für das Bistum Hil­des­heim 14.5.1957 – Emeritus 28.12.1982

[2]    Schönstattpriester Hugo Rogmans (* 15.9.1910 in Kevelaer, † 10.4.2001) – Priesterweihe 21.12.1935 in Münster – Pfarrer in Emmerich am Rhein St. Aldegundis 1957–1977

Später erwähnt Karl Leisner seinen Mithäftling Reinhold Friedrichs in seinen Briefen aus dem KZ Dachau.

Reinhold Friedrichs’ bedeutsame Priesterpersönlichkeit vor allem im KZ Dachau manifestiert sich in seinen eigenen Berichten sowie in Mitteilungen von Zeitzeugen, insbesondere in zahlreichen Zeugnissen von überlebenden KZ-Häftlingen.
Diese Dokumente erscheinen in den folgenden Wochen und Monaten in loser Folge unter „Aktuelles“.

Verhaftung von Reinhold Friedrichs

Verhaftung

 

Franz Hüls[1]
Aus meinen Aufzeichnungen über die Verhaftung des H. H. Domkapitulars (damals Religionslehrers) Reinhold Friedrichs in Recklinghausen-Essel (Heilig Geist)
Zu Beginn der Fastenzeit hielt Religionslehrer Friedrichs eine Religiöse Woche vom 2.-9. März 1941.
Die Hausbesuche galten jetzt neben den Kommunionkindern der Vorbereitung der religiösen Woche. Bezirksarbeit des Müttervereins, Jugendstunde und wöchentliche Hinweise im Kirchenblatt stellten die Gemeinde auf die Woche ein. Die Nummer des Kirchenblattes vom 2. März ist in ihrem pfarrlichen Teil ganz der Rel. Woche gewidmet. Sie wird allen katholischen Familien der Gemeinde zugestellt. Die Ankündigung der Predigtordnung erregte viel Kopfschütteln: Täglich sechs Predigten und eine Katechese für die Kinder. Man meinte, der Prediger würde doch wohl zumeist in einer leeren Kirche stehen.
Am 2. März begann Friedrichs in der 1. Messe mit der 1. Predigt. Um 8.30 Uhr war Kindermesse mit Predigt, um 10.00 Uhr Hochamt mit Predigt, am Nachmittag um 14.30 Uhr und um 16.30 Uhr. Der erste Tag war erfolgsverheissend. In den folgenden Tagen wurde die Predigtordnung wie angekündigt eingehalten: Montag vor der ersten Messe für Erwachsene, vor der zweiten Messe für die Kinder, nach der 2. Messe für Erwachsene, 16.00 Uhr für die Frauen, 17.00 Uhr für die Kinder der Ober- und Mittelklasse, 19.00 Uhr für die Männer und Jungmänner, 20.00 Uhr für die Frauenjugend.
Zum allgemeinen Erstaunen der Leute wurde die Kirche jeden Tag voller. Auf meine Frage, ob er das die ganze Woche so wohl durchhalten würde, sagte er: „Wir wissen nicht, wie wenig Zeit wir noch haben.“
Am Samstag, dem 8. März, hielt Friedrichs eine ergreifende Predigt über das Priestertum. Inhalt der Predigt waren die Kreuzwegstationen eines Priesters im Gefängnis. Es war seine letzte Predigt. Um 9.00 Uhr wurde er verhaftet.
Ich war gerade von einem Versehgang zurückgekommen und wollte eben den Kommunionunterricht beginnen, als zwei Männer erschienen, die Friedrichs dringend zu sprechen wünschten. Auf meine Frage gaben sie ausweichende Antworten, sodass ich sofort Gestapo vermutete. Friedrichs hatte Beichte gehört und kam gerade aus der Kirche ins Haus. Sie empfingen Friedrichs mit der Frage, ob er Friedrichs sei. Friedrichs bejahte und die Männer bedeuteten mir, dass sie von mir nichts weiteres wollten. Ich bin dann in den Unterrichtsraum gegangen und begann mit großer Beunruhigung den Kommunionunterricht, wurde aber sofort wieder herausgerufen. Meine Vermutung hatte sich bestätigt. Friedrichs stand schon reisefertig im Sprechzimmer, die beiden Männer waren bei ihm. Bei meinem Eintritt sagte er: „Ich will mich noch eben verabschieden. Diese beiden Herren sind von der Gestapo aus Münster. Ich muss sofort mit ihnen nach Münster fahren.“
Die beiden Männer wiesen sich dann auch mir gegenüber als Beamte der Geheimen Staatspolizei aus und sagten, die Sache müsse möglichst unauffällig gemacht werden. Darum sei die sofortige Abreise notwendig. Ich sagte zu Friedrichs, dann möchte er noch eben mit in den Unterrichtsraum gehen und sich von den Kindern verabschieden. Das wurde nicht gestattet. Ich konnte auch kein weiteres Wort mehr mit Friedrichs sprechen, er wurde ohne Säumen abgeführt.
Ich benachrichtige sofort den Dechanten [Karl Vennekamp [2]], das Generalvikariat und den Pastor [Josef Kruse[3]] von Bocholt St. Georg, wo Friedrichs an jenem Abend eine Religiöse Woche beginnen sollte.
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht durch die Gemeinde. Allgemeine Bestürzung ergriff die Leute. Zur Schlussfeier der Männer, die am Abend um 19.00 Uhr stattfinden sollte, war die Kirche mit Männern ganz gefüllt. Als ich aus der Sakristei kam und die große Schar der Männer sah, kam es mir von neuem mit voller Wucht zum Bewusstsein, was die Verhaftung Friedrichs’ bedeutete. Ich habe den Männern kurz das Geschehen mitgeteilt und gesagt:
„Die für heute Abend angesetzte Schlussfeier kann nicht stattfinden, weil der Religionslehrer Friedrichs nicht mehr da ist. Heute Morgen gegen 9.00 Uhr erschienen zwei Beamte der Geheimen Staatspolizei aus Münster und haben Friedrichs abgeführt. Wir wollen jetzt den schmerzhaften Rosenkranz für ihn beten.“
Wir haben dann den schmerzhaften Rosenkranz und die Litanei vom Leiden Christi gebetet. Mit dem priesterlichen Segen habe ich dann die Männer entlassen.
Am andern Morgen war die Kirche zur Frühmesse ganz mit Männern gefüllt. Alle gingen zu hl. Kommunion.
Friedrichs wurde von hier aus nach Münster in das Polizeigewahrsam am Syndikatplatz gebracht. Am Montag, dem 17. März, ist er in das Konzentrationslager Sachsenhausen gekommen [transportiert worden, wo er am Donnerstag, dem 20. März, eingeliefert wurde].
Die Religiöse Woche hatte einen jähen Abschluss gefunden. Aber Friedrichs blieb in ehrender Erinnerung. Die Nazis waren zuerst sehr kleinlaut. Die Leute wagten aber nicht, ausserhalb der sicheren vier Wände Missfallen zu äußern. Die Leute sind hier viel furchtsamer als ich es in Duisburg gewohnt war.
Von großem Segen erwies es sich, dass von jetzt ab an den Sonntagen eine dritte heilige Messe eingelegt wurde. Der Kirchenbesuch, der in diesem Winter durch mehrmalige Zählung auf nicht 400 einschließlich Kindern festgestellt wurde, stieg auf durchschnittlich 500. Die zunächst als Kindermesse gedachte Messe wurde bald der am stärksten besuchte Gottesdienst, z. T. auf Kosten des Hochamtes. Sie wird als Betsingmesse[4] mit Predigt gehalten. Das [Dominikaner-]Kloster Meckinghoven hat für alle Sonn- und Feiertage Aushilfen zugesagt. Unmittelbar nach der Religiösen Woche wurde eine Werbung für das Kirchenblatt durchgeführt. Das Ergebnis waren ungefähr 100 Neubestellungen. Damit hat das Kirchenblatt jetzt 270 Bezieher.
Zu diesen Aufzeichnungen kann ich aus der Erinnerung noch folgendes anführen:
Der unmittelbare Anlass zu der Verhaftung war nicht die Religiöse Woche oder bestimmte Äußerungen oder Predigten. Die Gestapo-Beamten wussten nicht, dass Friedrichs in Essel war. Sie sind zuerst in Recklinghausen St. Peter gewesen und haben sich bei dem damaligen Propst Walgern[5] nach Friedrichs erkundigt.
Kontakt haben wir mit Friedrichs nicht mehr gehabt, bis er nach der Befreiung 1945 zurückkehrte.
Er hat dann in Essel wieder eine Religiöse Woche gehalten vom 17.-24. Februar 1946. Diese Religiöse Woche war für die Heilig-Geist-Gemeinde Recklinghausen-Essel eine grosse Freude und wieder ein grosser Erfolg.
In meinem Besitz befinden sich noch ein Brief, den mir die damalige Haushälterin Frl. Niehave[6] nach der Verhaftung geschrieben hat, ausserdem ein Erinnerungsbildchen an die Religiöse Woche 1946.
Eine Abschrift des Briefes lege ich bei. Das Original und das Bildchen möchte ich noch als persönliche Erinnerung behalten.
Einige Tage nach der Verhaftung besuchte mich die Haushälterin von Friedrichs, um Näheres zu erfahren. Über den Verbleib des Verhafteten konnte ich ihr nur sagen, was er mir selbst beim Abschied noch kurz sagen konnte: ich muss sofort mit nach Münster. Wann und an wen eine polizeiliche Mitteilung über die Verhaftung und über den Verbleib des Verhafteten erfolgt ist, ist mir nicht bekannt.

[1]    Franz Hüls (* 25.10.1900 in Lembeck, † 13.8.1979) – Priesterweihe 9.8.1931 in Münster – Er war ab 1934 in Duisburg tätig, ab 1940 Rektor in Recklinghausen-Essel Hl. Geist und von 1949 bis 1953 dort Pfarrer.

[2]    Karl Vennekamp (* 18.8.1877 in Herten, † 14.5.1950) – Priesterweihe 24.5.1902 in Münster – Dechant im Dekanat Recklinghausen 24.3.1939

[3]    Josef Kruse (* 22.5.1876 in Neuenkirchen, † 22.3.1945) – Priesterweihe 28.5.1904 in Münster – Pfarrer in Bocholt St. Georg 16.7.1930

[4]    Die gleichzeitig mit dem Priester gebeteten Texte wechseln mit den entsprechen­d pas­sen­den Liedern.

[5]    Bernhard Walgern (* 31.8.1884 in Beckum, † 11.1.1950) – Priesterweihe 13.6.1908 in Münster – Pfarrer u. Propst in Recklinghausen St. Peter 3.4.1939

[6]    Laut Unterlagen von Reinhold Friedrichs lautet der Name seiner damaligen Haushälterin Katharina Niehaves.

 

Abschrift des Briefes von Frl. Katharina Niehaves an Rektor Franz Hüls nach Reinhold Friedrichs’ Verhaftung

Münster, den 21.3.1941.
Grüss Gott, Herr Rektor!
Anbei schicke ich Ihnen die Schlüssel, die H. Rel.Lehrer [Reinhold Friedrichs] noch in der Tasche hatte, zurück. Gleichzeitig soll ich Sie und Ihre Hausdamen von ihm grüssen. Vielleicht haben Sie das Furchtbare schon erfahren, dass man H. Rel.Lehrer ins Lager nach Sachsenhausen verschickt hat. Nach einmaligem Verhör bei der Ge-Sta-Po hat man ihn Montag [17.3.1941] früh 5.58 Uhr abtransportiert. Ich kann es noch nicht fassen, dass es Wahrheit sein soll, nur wegen seiner Predigten hat man ihn verhaftet. Das Mass sei jetzt voll gewesen, also musste er verschwinden, damit er nicht mehr so viel Gutes wirken konnte.
Am Freitag [14.3.1941] in der vorigen Woche habe ich ihn kurz sehen und sprechen können, habe ihm dann auch noch ihre Grüsse und auch das Gesagte mitteilen können. Er freute sich darüber und sagte mir, der Herrgott hat es so gewollt, auch hier kann ich noch Seelsorge ausüben, geknickte Menschen aufrichten sei eine grosse Aufgabe.
„Es ist wunderbar, wie froh ich bin, Gott gibt Kraft. Darum habe ich schon lange bei jeder hl. Messe gebetet. Jetzt beginne ich erst ganz Priester zu sein. Unser Meister war Kreuzträger und wurde unter die Übeltäter gerechnet [vgl. Lk 22,37]. So ein ganz klein wenig darf ich jetzt auch davon tragen. Te Deum laudamus [Dich Gott loben wir]!“
Diese Zeilen schrieb er mir zum Trost. Sie lagen in seinem Koffer, als ich ihn bei der Polizei abholte. Er selbst durfte nichts mitnehmen, als das, was er am Körper trug, und in dem Lager wird er auch dessen noch beraubt.
Gedenken Sie bitte weiter seiner im Gebet, damit man ihn bald wieder frei gebe. Ich selbst habe wenig Hoffnung, aber bei Gott ist nichts unmöglich [vgl. Mt 19,26]. Geben Sie mir bitte kurz Bescheid, dass die Schlüssel angekommen sind.
Mit frdl. Grüßen auch an Ihre Cousine
Kath. Niehaves.

Andenkenbild an die Religiöse Woche 1946

Andenkenbild

 

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Urkunden zu den biographischen Angaben zur Person Reinhold Friedrichs

Jugendseelsorger in Borken 1920

Borken1920-1

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 414 Nr. 8

Religionslehrer an den Berufs­schulen in Münster 1926

02_Berufsschule1926

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 1

Beauftragter für die kath. Schutzpolizei der Provinz Westfalen 1933

03_Polizei1933-1

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 414 Nr. 10

Gutachten über Reinhold Friedrichs von H. Isenberg ohne Datum, vermutlich 1935 vor der Entziehung der Unterrichtserlaubnis

07_Isenberg1935-1

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 5

Entziehung der Unterrichtserlaubnis durch den Regierungspräsidenten in Münster vom 6. September 1935

04_Berufsverbot1935

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 2

Auftrag vom Gauamtsleiter des Nationalsozialistischen Lehrerbundes (NSLB) Regierungs- und Schulrat Friedrich Reimpell zur Bespitzelung von Reinhold Friedrichs vom 10. Oktober 1935

05_Reimpel1935-1

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 5

Gutachten von Stützpunktleiter Emrich zwecks Begründung der Entlassung von Reinhold Friedrichs aus dem Schuldienst vom 25. Oktober 1935

06_Emrich1935-1

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 5

Bericht der Gauamtsleitung des NSLB über Reinhold Friedrichs an den Personalreferenten im NSLB Benno Fritz vom 4. November 1935

08_NSDAP1935

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 5

Beschwerde über Reinhold Friedrichs von seiner Kollegin Agnes Kürten vom 12. November 1935

09_Kürten1935-1

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 5

Versetzung in den Ruhestand 21. Januar 1936

10_Ruhestand-1

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 2

Brief aus dem KZ Sachsenhausen vom 23. März 1941

11_Sachsenhausen

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 7

Brief aus dem KZ Dachau vom 19. September 1941

12_Dachau

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 7

Entlassungsschein aus dem KZ Dachau vom 5. April 1945

13_Entlassung

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 22

Ernennung zum geistlichen Beirat des Katholischen Kaufmännischen Vereins (KKV) „Hansa“ in Münster vom 3. Februar 1947

14_Hansa1947-1

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 414 Nr. 11

Ernennung zum Diözesanpräses der Beamtenvereine vom 10. Mai 1951

15_Beamtenverein1951-1

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 414 Nr. 12

Verleihung des Titels Oberpfarrer der Polizei und des Bundesgrenzschutzes durch den Bischof von Münster vom 28.4.1953

16_Oberpfarrer1953-1

BAM, Nachlaß Reinhold Friedrichs, A 414 Nr. 13

Foto und Urkunden IKLK-Archiv und BAM