Reinhold Friedrichs – Blockvater im KZ Dachau auch für Karl Leisner (13)

Friedrichs_Totenbild

 

 

Reinhold Friedrichs’ bedeutsame Priesterpersönlichkeit vor allem im KZ Dachau manifestiert sich in seinen eigenen Berichten sowie in Mitteilungen von Zeitzeugen, insbesondere in zahlreichen Zeugnissen von überlebenden KZ-Häftlingen.

 

 

 

Ein Brief von Dr. Paul Collmer[1] und vier Briefe von Josef Neunzig[2] an Reinhold Friedrichs

[1]    Dr. Paul Collmer (* 2.3.1907, † 18.4.1979) – Studium der Sozialwissenschaften, der Nationalökonomie u. des Fürsorgewesens sowie Leiter des Studentenwerkes in Tübingen – wegen Differenzen mit der nationalsozialistischen Studentengruppe Wechsel an die Universität Frankfurt 1933 – deutscher Berater im Ministerium für soziale Angelegenheiten der besetzten Niederlande 1940 – Verhaftung durch die Gestapo in Stuttgart wegen Fluchthilfe für Juden u. politisch Verfolgte 1943 – Einweisung in das KZ Dachau, ein SS-Strafbataillon, letztendlich russische Gefangenschaft – Entlassung aus der russischen Gefangenschaft 1945 – Hauptgeschäftsführer des neu gegründeten evangelischen Hilfswerkes 1946 – Leiter des evangelischen Verlagswerkes 1947 – Mitbegründer u. Verleger der Wochenzeitung „Christ und Welt“ – Wahl in den ersten Vorstand des Hilfswerkes 20. Juli 1944 (der späteren Stiftung 20. Juli 1944) 1949 – Vorsitz des Diakonischen Werkes in Württemberg 1970 – Am 4. November 1988 erfolgte die Einweihung des Seniorenheimes in Stuttgart-Untertürckheim auf den Namen Paul-Collmer-Heim.

[2]   Neunzig_Foto Josef Neunzig (* 1.3.1904 in Bedburg bei Köln, † an den Folgen eines Auto­unfalls am 1.5.1965 auf dem Weg nach Dachau zu einem Treffen der Da­chau­prie­ster 4.8.1965 in München) – Priesterweihe 12.3.1932 in Trier – Die Nationalsozialisten wiesen ihn am 30.11.1939 aus dem Bistum Trier aus. Am 3.1.1941 wurde er Pfarrvi­kar in Halver (Erz­bi­stum Paderborn), dort aber am 23.8.1941 von der Gestapo verhaftet. Er kam wegen Jugend­seel­sorge, wegen Verstoßes gegen den Kanzelparagraphen und Beschen­kens polni­scher Zivilar­beiter mit Zigaretten am 14.10.1941 ins KZ Dachau, wurde am 9.4.1945 ent­las­sen und kehrte am 29.5.1945 nach Halver zurück. Nach seiner Entlassung fuhr er meist mit einem Holzko­cher, einem mit Holz statt mit Benzin angetrie­benen Lastwagen, dem sog. Circus-Neunzig, nach München und trans­portierte ehema­lige Häft­linge und de­ren An­gehö­rige durch die amerikani­sche, französische und briti­sche Besat­zungszone nach Wup­per­­tal und zu­rück. Er überführte auch Karl Leisners Leichnam von Planegg bis Wup­pertal. Er war einer der Heraus­geber der „Stim­men von Dachau“. Am 23.1.1948 wurde er Pfarrer von Her­dorf und am 27.4.1956 Pfarrer in Bad Bertrich.

Briefa1-1

 

Dr. Paul Collmer                                                      Halver, den 12. Februar 1945 [1946]
Stuttgart N
Kleinstr. 25
Hochwürden
Domkapitular Reinhold Friedrichs
Münster/Westf.
Bischöfliches Ordinariat
Lieber Reinhold Friedrichs!
Du wirst mit mir erfreut sein, dass ich Dir mitteilen kann, dass ich mich auf der Heimreise aus der russischen Kriegsgefangenschaft befinde. Als Kranker bin ich dort entlassen worden. Es geht mir jetzt wieder gut, und ich bin froh, nunmehr wieder in der Heimat zu sein. Die Dachauer Zeit endet für mich sozusagen jetzt erst mit der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft. Leider ist Pfarrer Doppelfeld[1] noch in einem Kriegsgefangenenlager im Ural. Wir wurden im Juni getrennt. Während es mir gelungen ist, mich im Lager von Focsani in Rumänien zu halten, ist Franz noch im Juni 1945 nach Russland transportiert worden. Ich hoffe sehr, dass er bald zurückkehren wird.
Nachdem ich einige Tage in Berlin war, bin ich auf der Reise nach Stuttgart bei Josef Neunzig vorbeigefahren, um von ihm zu hören, wie es in Dachau weitergegangen ist und wie es allen Freunden und Bekannten geht. Zu meiner Freude höre ich, dass auch Du die Dachauer Zeit gut überstanden hast und inzwischen Domkapitular geworden bist. Ich darf Dir zu dieser Ernennung meine herzlichsten Glückwünsche aussprechen.
Meine Berliner Freunde hatten mich gebeten, meine Eindrücke aus der Kriegsgefangenschaft niederzuschreiben. Josef Neunzig hat diesen Bericht hier gelesen und ihn nochmal abschreiben lassen, und den Vorschlag gemacht, auch Dir von diesem Bericht ein Exemplar zuzusenden. (Anlage: 1 Stck.)
Grüße bitte Sonnenschein[2] und wer mich evtl. sonst noch von den Confratres kennt, wie z. B. Chamoni[3], der sich wohl auch meiner erinnern wird. Weißt Du oder Sonnenschein die Anschrift von Karl Schrammel[4]?
Dann habe ich noch eine persönliche Bitte. Wenn Du irgendwelche Berichte oder Veröffentlichungen hast oder sonst mir interessante Sachen, bin ich immer für eine Zusendung (selbstverständlich leihweise) dankbar.
Ich hoffe, dass wir auch weiterhin miteinander in Verbindung bleiben und bin mit Grüssen herzlichen Gedenkens
Dein
Paul Collmer
(bitte wenden!)

[1]    Franz Doppelfeld (* 19.7.1905 in Essen-Borbeck, † 24.11.1964) – Er kam wegen seiner Predigten am 22.8.1941 ins KZ Dachau und von dort (laut Weiler 1971: 205) am 8.11.1944 zur Wehrmacht (SS-Brigade Dirle­wanger). 1950 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.
Franz Doppelfeld aus Neuss im Januar 1950 an seine Freunde:
Oktober 1944 konnten sich alle reichsdeutschen politischen Häftlinge freiwillig zur Wehrmacht melden. Der Blockschreiber des Polenblocks 28, auf dem ich seit Sommer 1944 als Kantineneinkäufer arbeitete, meldete von sich aus die vier Reichsdeutschen dieses Blocks, da allgemein die Parole ausgegeben worden war (seitens der Häftlings­leitung) „alle melden sich“. Mein Einspruch wurde überhört, auch mein schriftlicher Einspruch, daß ich als römisch-katholischer Geistlicher ohne Erlaubnis des Bischofs mich gar nicht freiwillig melden könnte, wurde nicht beachtet, und so wurde ich mit 194 anderen Dachauer Kameraden am 9.12.1944 im Lager Dachau in SS-Uniform ge­steckt und am 10.12.1944 auf dem Bahnhof Dachau verladen zur Fahrt in die Slowa­kei, wo ein „Bataillon politischer Häftlinge“ aus verschiedenen Konzentrationsla­gern zu­sammengestellt wurde.
Josef Vogt am 23.7.1975 an Heinz Römer in Haardt:
Franz Doppelfeld war Blockschreiber in einem anderen Block und ließ sich in die Liste der Soldatenanwärter aufnehmen, was nachher nicht mehr rückgängig zu machen war (Original im Bistumsarchiv Speyer, Nachlaß Römer Nr. 65).

[2]  Johannes Sonnenschein (* 30.5.1912 in Bocholt, † 31.8.2003 in Ahaus) – Eintritt ins Col­legium Borromaeum in Münster 1.5.1931 – Priesterweihe 19.12.1936 in Münster – Kaplan in Ahlen St. Josef 29.2.1940 – dort Ver­haftung 8.3.1942 –  Er kam über die Gefäng­nisse in Ahlen und Münster wegen Jugendseelsorge und Verbreitung des Möldersbriefes am 29.5.1942 ins KZ Da­chau. Am 9.4.1945 wurde er ent­lassen. – Kaplan in Emsdetten Herz Jesu 1946–1951 – Pfar­rer in Borghorst St. Nikomedes 1958–1970 – Dechant im Dekanat Borghorst 1959 – Pfarrer in Dülmen (Merfeld) St. Antonius 1970–1991 (als Pfarrer em. Pfarrverwalter 1987) – Von 1991 bis zu seinem Tod lebte er als Pfar­rer em. in Ahaus. Im Seligsprechungsprozeß 1981 und Martyrerpro­zeß 1990 für Karl Leisner hat er als Zeuge ausgesagt.

[3]    Zu Chamoni wurden keine näheren Angaben gefunden.

[4]    Karl Schrammel (* 22.9.1907 in Friedek/Frýdek/CZ, † er­schossen ? 5.2.1945 im KZ Bu­chen­wald) – Priesterweihe 13.3.1932 – Geistlicher Di­rektor des Erz­bi­schöf­lichen Knaben­se­minars in Freudenthal (Erzbistum Olmütz/Olomouc/CZ) 1.5.1939 – Dort wurde er am 7.7.1941 ver­haf­tet, weil er das Seminar an die Wehrmacht vermietet hatte, am 16.11.1941 kam er ins KZ Da­chau und wurde wegen Schwarz­post strafweise am 4.12.1944 ins KZ Buchenwald überstellt. Er hat sich an der ersten Schönstattgruppe im KZ Dachau beteiligt.

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Erster Brief von Josef Neunzig auf der Rückseite des Briefes von Paul Collmer an Reinhold Friedrichs

Briefa2-1

 

13.2.46.
Mein lieber Reinhold!
Endlich sollst Du auch von mir einen lieben Gruss erhalten. Mit mir wirst Du Dich freuen, dass Paul Collmer nun auch wieder gluecklich in Deutschland angekommen ist. Was er mir zu erzaehlen hatte, war erschuetternd. Sein Bericht ist nicht nur interressant, sondern auch informatorisch so wichtig, dass ich ihn Dir beiliegend zusende. Veranlasse Du doch bitte eventuell, dass diese Sache weitergegeben wird und von hoeheren Orts aus etwas geschieht.
Zu Deiner Ernennung zum Domkapitular an der hohen Metropolitankirche in Muenster entbiete ich Dir meine herzlichsten Glueck= und Segenswuensche. Mir ist es ein Beweis dafuer, genau wie bei Deinem Hochwuerdigsten Herrn [Clemens August Graf von Galen[1]], dass nicht nur Deine persoenliche Haltung und Gesinnung, sondern auch unser gemeinsamer Weg nach Dachau sich gelohnt hat. Es geht dabei ja nicht um aeussere Anerkennung, sondern darum, das Reich Gottes so weiter zu tragen, wie wir es bisher fuer richtig hielten. Mein Gebet und Gedenken am Altare begleitet Dich auch fuerderhin und ich bitte ebenso um Dein Memento. Was machen die anderen Muensteraner? Der einzige, der mir einmal schrieb, war Heinrich Hennen[2]. Gruesse sie alle von mir. Wie waere es, wenn wir irgendwie durch einen Rundbrief voneinander etwas hoerten? Z. B. wenn wir als Dachauer Priester eine Sektion Westdeutschland aufmachen wuerden? Denn es ist ja nicht nur wichtig, dass wir in Dachau waren, sondern dass daraus ein bleibender Gewinn fuer unser Priestertum und fuer unsere Seelsorge wird. Eine groessere Zusammenkunft der Dachauer Priester aus den westdeutschen Dioezesen koennte doch auch foerderlich sein. Ich denke z. B. eine Marienwallfahrt im Monat Mai nach Telgte oder Kevelaer, nur muesste der Termin rechtzeitig festliegen und bekanntgemacht werden.
Fuer heute nimm vielliebe Gruesse fuer Dich und alle lieben Bekannten an von Deinem Dir stets dankbar ergebenem
Josef Neunzig
Und lass bitte recht bald von Dir hören. Willst Du hier nicht mal einen Männer- u. Jungmännertag oder ein Triduum[3] halten?

[1]    Clemens August Graf von Galen (* 16.3.1878 auf Burg Dinklage i. O., † 22.3.1946 in Münster) – Priesterweihe 28.5.1904 in Münster – Bischofsweihe zum Bischof für das Bistum Mün­ster 28.10.1933. Am 18.2.1946 wurde er zum Kardinal ernannt und am 9.10.2005 in Rom se­ligge­sprochen.

[2]    Heinrich Hennen (* 13.1.1907 in Duisburg, † 2.11.1967) – Eintritt ins Collegium Borro­maeum in Münster Ostern 1928 – Priesterweihe 23.12.1933 in Münster – Er kam am 30.1.1942 ins KZ Dachau und wurde am 5.4.1945 entlassen.

[3]    von triduum (lat.) = Zeit(raum) von drei Tagen – dreitägige religiöse Veranstaltungen – z. B. Predigt-Triduum

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Zweiter Brief von Josef Neunzig an Reinhold Friedrichs

Briefc1-1

 

Pfarrer
Josef Neunzig                                                          (22b) Herdorf-Sieg, den 19.1.1955
H. H.
Domkapitular
Reinhold Friedrichs
Münster / Westfalen
Krummestraße 48

Zur gefällg. Kenntnis. Mit freundlichem Gruß
Dein Jupp Neunzig
Was ist in ds. Sache zu tun? Informiere doch die KZ-Priester Deiner Diözese.

Lieber Confrater KZ-Kamerad!
Von Franz Weinmann[1], Pfarrer (Kathol. Pfarramt Heiligenzell, Krs. Lahr, Baden) erhielt ich in diesen Tagen eine interessante Mitteilung, die ich auszugsweise Dir zur Kenntnis bringe.
„….. Ich möchte Dir mitteilen, daß ich vor einigen Wochen den berüchtigten und langgesuchten „Lagerschreck von Dachau“ Willi Bach[2], lebend in bester Position als Finanzinspektor auf dem Finanzamt Lahr entdeckt habe …… Ist das nicht ein Skandal?! Ein solcher Kerl sitzt fest in Amt und Würde und wird unbehelligt auf die Menschheit losgelassen, zumal er an der richtigen Stelle sitzt, nämlich der „Nichtbeibringungsstelle“. Da kann er ja seine bewiesenen Fähigkeiten als Gestapo-Chef erneut beweisen …..
Ich habe nun schon einiges erkundigt. Willi Köhler, Religionslehrer in Offenbach, ist mir dabei behilflich. Ob ein Strafantrag gegen ihn eingereicht werden kann, wird von dem Material abhängen, das wir gegen ihn beibringen können, vor allem müssen es Einzeltatsachen sein, nicht nur allgemeiner schlechter Ruf. Bei den Einzeltatsachen ist es vor allem wichtig, daß solche dabei sind, wodurch er schuldig oder mitschuldig wurde an Morden, Hinrichtungen, Deportationen, Massenliquidationen von Häftlingen; denn diese Sachen verjähren nicht. Die anderen, wie Prügel, Schläge, Körperverletzungen sind verjährt.
….. Sein Aufenthalt von 1945 bis 1952 ist bis jetzt unbekannt. Seit 1952 sitzt er auf dem Finanzamt. In seinen persönlichen Akten steht nur „gewesener SS-Mann“ ….. Ob er evtl. falsche Angaben bei der Bewerbung um die Stelle beim Finanzamt gemacht hat, wird z. Zt. untersucht ….. Mir scheint, wir müssen hierzu Stellung nehmen. Mit Rachegelüsten hat das nichts zu tun.
Nun habe ich eine schwer belastende Aussage von meinem Freund (KZ-Kamerad) Eugen Zukow, Schriftsteller und Journalist in Belgrad, in Form einer „eidesstattlichen Erklärung“ über Bach erhalten. Darin wird er vor allem der Mitschuld an der Deportation der Dachauer Häftlinge im April 1945 und der Beteiligung an der Massen-Liquidation zusammen mit Böttscher[3], der ja hingerichtet worden ist, und dem Lagerführer Ruppert[4], der abgeurteilt worden ist, bezichtigt. Meine Bitte geht dahin, diese Tatsachen soweit bekannt, ebenfalls zu bezeugen und evtl. zu ergänzen. Wir brauchen vor allem belastendes Einzelmaterial von Augenzeugen und Wissenden, bevor wir endgültig den Weg festlegen können gegen ihn.
Gebt die Kunde weiter an andere und fordert alle, die etwas Sicheres aussagen können, auf, es in gebrauchsfertiger Weise, in Form einer eidesstattlichen Erklärung an mich beschleunigt zu senden…..“
gez. Franz Weinmann

[1]    Geistlicher Rat Franz Weinmann (* 3.1.1909 in Deilingen, † 15.11.1996 in Wittichen) – Priesterweihe 30.4.1933 in Freiburg/St. Peter – Er kam am 5.6.1942 wegen Untergrabung des Vertrauens der Jugend in die politische Führung des Staates ins KZ Dachau und wurde am 11.4.1945 entlassen. – Geistlicher Rat 1973

[2]    SS-Oberscharführer Willi Bach aus Bühl/Baden (* um 1909, † ?) – Gastwirt – SA- u. NSDAP-Mitglied 1933 – SS-Mann 1935 – Gestapo-Chef im KZ Dachau ab 1941 – Er galt als berüch­tigte Person im Lager. In den Zeugnissen der KZler wird er u. a. wie folgt be­zeichnet: Po­liti­scher Vernehmungsleiter, Vernehmungs­führer, hin­terli­stiger Lager-Gesta­po­mann, übler SS-Mann und Pfaffenhasser, Polizeioffizier – Als Verneh­mungs­füh­rer hatte er die Aufgabe, Verfehlungen der Häftlinge gegen die Lagerord­nung festzustel­len. Es ge­lang ihm bei Kriegsende, unerkannt aus dem KZ Dachau zu entkom­men und sich jah­re­lang bei Verwandten verborgen zu halten. Er bewarb sich um Anstel­lung im Staats­dienst, wurde Steu­erin­spektor und war als solcher bis zu seiner Ver­haf­tung 1955 tätig (s. Ar­chiv der Pfar­rei St. Jakob Dachau Nr. 28–54/1).

[3]    SS-Ober­schar­führer Franz Böttger (auch Böttcher, Bötscher) (* 1888 in Mün­chen, † hingerichtet 29.5.1946 in Lands­­berg am Lech) – 1933 Juwe­lier in Mün­chen – später Rapportführer im KZ Dachau

[4]    SS-Obersturmbannführer Friedrich Wilhelm Ruppert (* 2.2.1905 in Frankenthal, † ge­hängt 28.5.1946 in Landsberg am Lech) – Erster Lagerführer im KZ Da­chau 6.8.1944 bis 23.4.1945

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Dritter Brief von Josef Neunzig an Reinhold Friedrichs

Briefb-1

 

Pfarrer
Josef Neunzig                                                          (22b) Herdorf-Sieg, den 24.1.1955
H. H.
Domkapitular
Reinhold Friedrichs
Münster / W.
Krummestraße 46
Lieber Reinhold!
Hab herzlichen Dank für Deine Zeilen vom 21.1. Was die Dachauer Kameradschaft angeht; dazu im nachfolgenden einige Neuigkeiten.
Von Prälat Pfanzelt[1] und den österreichischen Priesterkameraden geht der Plan aus, in der ersten Hälfte des August aus Anlaß der 10-jährigen Befreiung ein größeres Priestertreffen in Dachau zu arrangieren. Bei der Gelegenheit soll auch die translatio [Übertragung] der Dachauer Lagermadonna feierlich von der jetzt bestehenden Lagerkapelle zur Dachauer Stadt-Pfarrkirche [St. Jakob] stattfinden. Sogar Kardinal Wendel[2] soll für eine Teilnahme gewonnen werden. Wir müssen also darauf drängen, daß die Organisation dafür vom Dachauer Prälaten umgehend gestartet wird. Ich schrieb ihm schon zweimal und erhielt bisher keine Antwort.
Gestern erhielt ich nun ein Schreiben von Paul Collmer, wonach am 30. April ein größeres KZ-Kameraden-Treffen in Dachau stattfinden soll und zwar auf internationaler Basis. Er selber garantierte mir im Schreiben, daß es nicht eine kommunistische Angelegenheit ist. Ein vorbereitendes Organisations-Komitee für diese Veranstaltung tagte am 26. Februar in München. Bei dieser Gelegenheit wäre der gesamte Plan der Veranstaltung festzulegen und auch vor allem die verschiedenen Redner. Es ist gedacht, daß 3 deutsche Vertreter sprechen, einer von der evangelischen Gruppe, ein Katholik und ein SPD-Vertreter. Dabei ist an Heini Stöhr[3] gedacht. Für die Norweger soll Odd Nansen[4], für die Franzosen Michelet[5] und außerdem ein Belgier [sprechen]. Jedem Redner sollen 5 bis höchstens 10 Minuten zugestanden werden. Die Evangelischen denken dabei, daß Ernst Wilm[6] es übernimmt, für sie zu sprechen. Wer kommt von uns dafür in Frage? Zunächst doch einmal Neuhäusler[7], wenn der es macht. Sonst aber meine ich, müßtest Du Dich bereit erklären. Oder auch evtl. Pater Maurus[8]. Sollten wir aber als katholische Priester wegen des geplanten Treffens im Sommer nicht offiziell daran teilnehmen, dann wäre doch von unserer Seite aus auch Joos[9] der geeignete Mann, der die katholische Gruppe sicher würdig vertreten könnte.
Nimm Du einmal in dieser Angelegenheit Fühlung mit Pfanzelt, Paul Collmer, Stuttgart, Stafflenberg 66 oder auch Josef Joos, Fulda, Bonifatiushaus (Neuenburg).
Du siehst also, es tun sich da allerhand Dinge und das ist ja verständlich, weil in diesem Jahre sich zum zehnten Male der Tag der Befreiung nähert. Wir sollten nicht ganz abseits stehen, und mehr noch als bisher Gelegenheit nehmen, unter uns Confratres und auch mit den anderen die KZ-Kameradschaft pflegen und vertiefen. Gerade in der heutigen Zeit halte ich dies sogar für eine staatsbürgerliche und auch christliche Notwendigkeit.
Daß Franz Weinmann in Heiligenzell bei Lahr (Baden) den berüchtigten Vernehmungsführer Bach als Finanzamtsinspektor in Lahr entdeckt hat, teilte ich Dir bereits mit. Auch in dieser Angelegenheit sieh einmal zu, was wir da nicht versäumen dürfen.
Für heute Dir und allen denen, die sich mit Dir morgen treffen, meinen herzlichen Gruß und mein Treugedenken.
Dein
Jupp

[1]    Prälat Friedrich Pfanzelt (* 24.8.1881 in Moosen an der Vils, † 8.9.1958) – Priesterweihe 29.6.1907 – Pfarrer in Dachau St. Jakob 30.5.1930 – Stadtpfarrer 1933 – Geistlicher Rat 1941 – De­kan 1942 – Päpst­licher Hausprälat 1946 – Ehrenbürger von Dachau 1955 – Er gilt als der letzte barocke Priester Bayerns. Ab April 1933 hielt er im Auftrag von Michael Kardinal von Faulhaber unter schwierigsten Bedingun­gen regel­mä­ßig Gottes­dienste im KZ. Doch schon bald zogen die maßgebli­ch Verantwortlichen die Sache so ins Lä­cherliche, daß es nicht mehr möglich war, weitere Gottesdienste zu feiern. Vom Pfarrhof aus initiierte Fried­rich Pfanzelt vielfäl­tige Hilfe für die Häftlinge.

[2]    Dr. phil. Dr. theol. Joseph Kardinal Wendel (* 27.5.1901 in Blieskastel/Saarland, † 31.12.1960 in München) – Priesterweihe 30.10.1927 in Rom – Bischofsweihe zum Koadjutor­bischof für das Bistum Speyer 29.6.1941 – Bischof von Speyer 20.5.1943 – Erzbischof von München und Freising November 1952 – Kardinal 12.1.1953

[3]    Heinrich (Heini) Stöhr (* 12.9.1904 in Weißenburg/Mittelfranken, † 9.12.1958) – Sozial­demokrat – Oberpfleger im Block I, Stube 3, im KZ Dachau – Dort wurden biochemi­sche Versuche gemacht.

[4]    Zu Odd Nansen wurden keine näheren Angaben gefunden.

[5]    Edmond Michelet (* 8.10.1899 in Paris, † 9.10.1970 in Brive-la-Gaillarde/Corrèze/F) – Er kam 1940 durch die Widerstandsbewegung zur politi­schen Arbeit. Als Obmann der Frei­heits­bewe­gung wurde er vom Vichyregime verfolgt, verhaftet und 1943 ins KZ Dachau ge­bracht. Dort war er Vertrauens­mann der französischen Häftlinge. Nach seiner Befreiung aus dem KZ am 29.4.1945 bekleidete er verschiedene Ministerposten. So war er u. a. Justiz­minister ab 8.1.1959 und vom 20.6.1969 bis zu seinem Tod Kul­tur­minister. 1988 wurde ein Antrag zur Einleitung eines Seligsprechungsverfah­rens gestellt, das am 16.9.2006 in Brive-la-Gaillarde eröffnet wurde.

[6]    Evangelischer Pastor Dr. theol. h. c. Ernst Wilm (* 27.8.1901 in Reinswalde/Złotnik/PL, † 1.3.1989 in Lübbecke) – Ordination 16.1.1927 – Er kam wegen Stellungnahme zur Euthanasie am 22.5.1942 ins KZ Dachau, nach kurzem Aufenthalt im Quarantäneblock auf Block 26/3 und wurde am 2.1.1945 entlassen. Im Seligsprechungsprozeß für Karl Leisner hat er 1981 als Zeuge ausgesagt.

[7]    Weihbischof Dr. h. c. Johannes Neuhäusler (* 27.1.1888 in Eisenhofen/Land­kreis Dachau, † 14.12.1973) – Prie­sterweihe 29.6.1913 – Domkapitular 1932 – Bi­schofsweihe zum Weihbischof für das Erzbistum München und Freising 20.4.1947 in München St. Ludwig – Er kam am 24.5.1941 we­gen angeblicher Verbindung mit poli­tischem Katholizismus im Ausland ins KZ Sachsen­hausen, am 11.7.1941 ins KZ Da­chau in den „Eh­renbunker“ und wurde am 4.5.1945 auf der Eva­ku­ie­rungs­fahrt vom 24.4.1945 nach Südti­rol in Nieder­dorf/Villabassa/I be­freit.

[8]    Pater Maurus (Jakob) Münch OSB (* 19.11.1900 in An­der­nach, † 16.5.1974 in Trier) – Eintritt bei den Benediktinern in St. Matthias in Trier 1922 – Profeß 25.1.1924 – Prie­ster­weihe 8.8.1926 in Trier – Er kam wegen Kontakten zu französischen Kriegsge­fangenen am 10.10.1941 ins KZ Dachau und wurde am 29.3.1945 ent­lassen. Später war er Sub­prior der Abtei St. Mat­thias in Trier.

[9]    Joseph Joos (* 13.11.1878 in Wintzenheim im El­saß/Haut-Rhin/F, † 11.3.1965 in St. Gal­len/CH) – Sozialpolitiker u. Publizist – Leiter der Westdeutschen Arbeiter­zeitung (WAZ) 1903 – Mit­glied der Nationalversammlung 1919 u. des Reichstags als Zentrumsab­geord­neter 1920–1933 – Er wurde 1940 in Köln verhaftet, war von 1941–1945 im KZ Dachau im „Ehrenbunker“ unterge­bracht und wurde am 4.5.1945 von den Amerikanern auf der Eva­ku­ierungsfahrt vom 24.4.1945 nach Südti­rol in Niederdorf/Villabassa/I be­freit.

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Vierter Brief von Josef Neunzig an Reinhold Friedrichs

Briefd

 

Josef Neunzig                                                                      Bad Bertrich, den 6.6.1958
Pfarrer
Bad Bertrich
Kreis Cochem/Mosel
Telefon 124

H. H.
Domkapitular Reinhold Friedrichs
M ü n s t e r   i.  Westf.
Krumme Straße 48
Lieber Reinhold!
Laß mich Dir danksagen für die Einladung nach Gerleve. Laß mich Dir aber auch meine Enttäuschung nicht verschweigen, die dieses Treffen für mich war. So geht es nicht, daß wir bei solchen Zusammenkünften uns nur treffen, wie bei einem gewöhnlichen Konveniat. Wenn schon Mitbrüder von weither eingeladen [werden] und dann kommen, dann kann man eine solche Zusammenkunft nicht auf wenige Stunden beschränken. Wir hätten so vieles gemeinsam zu besprechen, was wirklich ernste Anliegen unseres Priestertums sind. Du wirst also für die Zukunft unbedingt Dir persönlich viel mehr Zeit lassen müssen für unsere Dachauer Priester-Zusammenkünfte. Und vor allem müssen wir nach Zeit und Ausnutzung gut vorbereitet sein mit dem entsprechenden klaren Programm.
Die „Stimmen von Dachau“ sind z. Bsp. ein Schmerzenskind, als Pastor alleinstehend kann ich auf die Dauer diese Arbeit nicht mehr übernehmen.[1] Das müßte von einer Stelle aus geschehen, die die dafür notwendige Apparatur (Hilfe von Schreibkräften und für Versand) zur Verfügung hat. Auch finanziell ist jede Nummer für mich eine persönliche Belastung. Für die Druckkosten allein und die Versandspesen muß ich jedes Mal zulegen. Hinzu kommt noch, daß vielerlei Postanschriften mich erreichen, die beantwortet werden wollen. In allernächster Zeit werde ich wohl noch einmal eine Nummer herausgeben. Ob es die letzte ist, hängt nicht zuletzt von Dir und den Mitverantwortlichen ab. Material ist genug da, aber es muß gesichtet und richtig ausgewertet werden. Und gerade über diese Fragen bezüglich unseres Nachrichtenblattes hätte ich so gerne mit Dir gesprochen. Aber Du hast ja nie Zeit. Wie furchtbar, wenn auch dieses schreckliche Wort in unseren Tagen uns Priester trifft.
Von Seelhorst[2] erhielt ich Kenntnis von dem Briefe Schecklies[3] an Dich. Wäre es nicht richtiger gewesen, Du hättest mich darüber informiert. Der Inhalt ist wirklich im ganzen so verworren und arrogant, daß man mit dem besten Willen darauf nicht antworten kann. Du spürst scheinbar nicht, daß er wieder etwas im Schilde führt. Ich kann nicht anders: Der Mann tut mir leid, weil er krankhaft ist. Aber ich gehe ihm aus dem Weg, weil er gefährlich ist. Das hat ja Alfons Duschak[4] und auch Richard Schneider[5] bereits erfahren müssen. Und doch hätten wir wohl auch bei unserer Zusammenkunft über den Fall Schecklies uns sachlich unterhalten müssen. Keiner, der meine Antwort an Schecklies in den „Stimmen von Dachau“ gelesen hat, kann sagen, daß ich lieblos und herzlos mich geäußert hätte. Ich habe nur sachlich referiert, und weil er dagegen nichts unternehmen kann, versucht er, boshaft, und ich glaube sogar, böswillig zu reagieren. Ein Gutes hat schließlich die Stellungnahme gegen Schecklies in den „Stimmen von Dachau“ gehabt, daß er nun nicht mehr jeden unserer Dachauer Konfratres ohne weiteres besuchen kann, um Kuckuckseier in fremde Nester zu legen. Wenn Du den Fall Schecklies in Gerleve vorgebracht hättest, hättest Du ihm gewiß eine sachliche Entgegnung der Dachauer Priestergemeinschaft übermitteln können. So stehst Du nun in einer schwierigen Situation. Was sollst Du ihm antworten? Bei aller Liebe und bei aller priesterlichen Würde dürfen wir doch nicht unseren Stand und unsere Mitbrüder von ihm verunglimpfen lassen. Ich habe mir von dem Schreiben Schecklies an Dich eine Abschrift gemacht – der kluge Mann baut vor – und das Schreiben an Heinrich Selhorst mit gleicher Post zurückgesandt. Vielleicht weiß Heinrich Selhorst Dir den rechten Weg in dieser Angelegenheit zu weisen.

„Stimmen von Dachau“ Nr. 4 März 1957: 8f.

Schecklies

 

[1]   Die erste Nummer erschien am 1.1.1947, die letzte von Hans Carls redigierte Nummer am 31.12.1948. Von 1955 bis Juli 1965 übernahm Josef Neunzig diese Aufgabe von Hans Carls. Vom 13.9.1965 bis Frühjahr 1977 (Rundbrief Nr. 14) lag die Verantwortung bei Heinz Römer. Er gestaltete die „Stimmen von Dachau“ nicht mehr als Zeitschrift, sondern als Rundbrief: „gewissermaßen eine schriftliche Unterhaltung“. Man nannte sie dann auch Römerbriefe.
Zuvor hatte Joseph Reukes am 15.5.1946 einen Rundbrief Nr. 1 an die KZ-Priester ver­schickt mit der Einladung zu einem Treffen nach Gronau am 11.6.1946. Am 9.9.1946 folgte Rundbrief Nr. 2 mit einem Bericht vom Treffen in Gronau.

[2]    Domkapitular Prof. Dr. theol. Heinrich Selhorst (* 3.9.1902 in Geldern, † 20.11.1979 in Aachen) – Eintritt ins Collegium Borromaeum in Münster Ostern 1921 – Priesterweihe 12.3.1927 in Münster – Religionslehrer u. Priester im Bistum Aachen 1933 – Er kam am 8.5.1942 wegen staats­feindli­cher Bemerkungen im Religions­unterricht und intensi­ver Hausseelsorge ins KZ Da­chau und wurde am 27.3.1945 entlassen. – resi­dieren­der Dom­kapi­tular am Dom in Aachen 1961–1979

[3]    Georg Schecklies (* 18.5.1890 in Gurgsden, † ?) – Ordination am ? – Er kam wegen unbefugten Grenzüberschreitens und staatsfeindlicher Notizen am 2.12.1943 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit.

[4]    Alfons Duschak (* 27.4.1905 in Weit­mar/Bochum, † 3.12.1987 in Viersen) – Priester­weihe 1.8.1937 für die Di­özese Dresden – Er wurde am 19.5.1941 in Dresden als Kaplan an der Hofkir­che verhaf­tet, kam zunächst ins Gefängnis in Dresden und am 2.8.1941 ins KZ Dachau. Dort kümmerte er sich vor allem um das Choral­singen bei den Gottes­dien­sten. Am 28.3.1945 wurde er entlas­sen. – Inkardinierung in das Bistum Aachen 21.7.1955 – Im Selig­sprechungsprozeß für Karl Leisner hat er 1981 als Zeuge ausgesagt.

[5]    Geistlicher Rat Richard Alois Schneider, im KZ Capo Maus genannt, (* 5.1.1893 in Hund­heim, † 6.9.1987 in Buchen) – Priesterweihe 12.6.1921 in Freiburg/St. Peter – Er kam we­gen Warnung vor dem Eintritt in die SS am 22.11.1940 ins KZ Dachau und wurde am 29.3.1945 entlassen. Im Seligsprechungsprozeß für Karl Leisner hat er 1982 als Zeuge aus­ge­sagt.

Sehr schön war in Gerleve am Abend – leider in sehr kleinem Kreise – das Zusammensein mit Max Lackmann[1]. Heinrich Selhorst, Dr. Hamm[2], ich und auch andere waren von dem, was Max Lackmann hier zu sagen hatte, tief beeindruckt. Gerade wir Dachauer Priester müßten in persönlicher Nähe die Stimme der anderen hören und für uns persönlich und unser Priestertum auszuwirken uns bemühen. Warum war das nicht möglich? Es hätte uns allen einen Höhepunkt beim Gerlever Treffen geschenkt.
Lieber Reinhold! Ich mußte mir das einmal von der Seele schreiben, da ich es Dir bei unserem letzten Beisammensein nicht sagen konnte. Nimm es als ein ernstes Anliegen, das nicht nur mein persönliches ist, sondern der meisten unserer Mitbrüder, die ich auch in Gerleve sprach. Du hast als ehemaliger Blockvater eine Verantwortung, von der wir auch heute noch etwas erwarten. Und um dieser Verantwortung willen nimm die Sorge für die Priestergemeinschaft von Dachau sehr ernst. Laß lieber andere Dinge sein und kümmere Dich mehr um uns; denn schließlich hat die Vorsehung Dich zunächst und zutiefst auf diesen Posten gestellt. Sehr bedauert habe ich auch, daß gerade die Münsterländer am stärksten durch Abwesenheit glänzten.
Nimm mir mein offenes Wort bitte nicht übel. Aber wenn die Priestergemeinschaft von Dachau für uns und darüber hinaus fruchtbar werden soll, so ist es höchste Zeit, daß Du und unsere Gemeinschaft ein Mehr tun für unser priesterliches Wirken. Dachau ist nicht nur eine Erinnerung, sondern für uns alle eine Aufgabe.
In mitbrüderlicher Dankbarkeit bin ich Dir stets verbunden, aber in mitbrüderlicher Verantwortung mußte ich das auch einmal sagen.
c. a. fr, ex intimo corde Tuus – cum ave (con)fraternitate (lat.) = mit (mit)brüderlichem Gruß aus innerstem Herzen Dein
Jos. Neunzig.

[1]    Max Lackmann (* 28.2.1910 in Erfurt, † 11.1.2000 in Fulda) – evangelischer Pfarrer – Ordi­nation 14.4.1940 in Herford-Stiftberg – Er kam wegen versteckter Hetze gegen die NSDAP am 4.11.1942 ins KZ Da­chau und wurde am 29.4.1945 befreit.

[2]    Dr. Anton Hamm (* 27.3.1909 in Eschweiler, † ?) – Priesterweihe am ? – Er kam wegen Wehrkraftzersetzung am 17.3.1945 ins KZ Da­chau und wurde am 29.4.1945 befreit.

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