Reinhold Friedrichs – Blockvater im KZ Dachau auch für Karl Leisner (24)

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Reinhold Friedrichs‘ bedeutsame Priesterpersönlichkeit vor allem im KZ Dachau manifestiert sich in seinen eigenen Berichten sowie in Mitteilungen von Zeitzeugen, insbesondere in zahlreichen Zeugnissen von überlebenden KZ-Häftlingen.

 

 

 

Brief von Léon Fabing[1] an Reinhold Friedrichs

[1]  Léon Fabing (* 11.7.1905 Schweyen/F, † 1978) – Priesterweihe am ? – Er kam wegen Polenseelsorge am 19.11.1942 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit.

Fabing

 

PAROISSE d’ AMNÉVILLE                                            4 NOV 1946
DIOCÈSE de METZ (Moselle)

Mein lieber Friedrichs!
Bald finde ich es unverschämt einen Domkapitular so einfach anzureden. Dein Brief vom 12. Oct. kam hier vor ungefähr 10 Tagen an. Ich war gerade einige Tage abwesend für die Beerdigung meiner Schwester welche mir den Haushalt führte, u. welche am 11. Oct. starb an einem Leberkrebsleiden.
Mein Andenken an den Blockvater ist bei mir ein sehr gutes, sei darob versichert. Mit dem von Hans Sonnenschein[1] eines der besten von allen deutschen Confratres. Sei so gut u. teile es ihm mit.
Monseigneur Piguet Gabriel[2] war mich hier besuchen mit Annéser[3] von Metz und am 8. Sept. traf ich ihn wieder in Lourdes. Ich werde ihm die Sache mitteilen. Er muss an Ort u. Stelle sehen was ihm möglich ist zu tun für Fr. Tumbrink.[4] Wenn Tumbrink nicht verwundet ist u. vollständig arbeitseinsatzfähig ist glaube ich kaum dass Hoffnung ist für ihn, es müsste sein, dass in der nächsten Zeit Änderungen getroffen werden. Sicher habe ich Verbindung mit Michelet[5] aber das ist nicht sein Fach.
Was die Adressen angeht so habe ich sie von allen französischen Landsleuten wie sie war bei ihrer Verhaftung. Friedrich Hoffmann[6] Tcheche hat ein Buch herausgegeben zu dessen Veröffentlichung ich in Dachau beigetragen habe

hoffmann_cover hoffmann_titeleiHoffmann, Bedřich
A kdo vás zabije [Und wer euch tötet], Prerau 11946, 21946, (Überset­zung aus dem Tsche­chi­schen im Bistumsarchiv Speyer Nachlaß Römer Nr. 58)

 

 

 

u. so habe ich von allen dortigen Geistlichen die Anschrift natürlich auf tchechisch.
Hier einige:

Mons. le chanoine Stenger Georges[7], directeur de l´action catholique Lorraine, Remparts St Thiébault à Metz (Moselle)

Monseigneur Augustin Daguzan[8] vic.[aire] gén.[éral] à Pau, 31 rue de Montpezat (B.[asses]-Pyr.[énées])

Don Jean-Gabriel Hondet O.S.B.[9], Abbé de N.[otre] D.[ames] de Belloc, Urt (B.[asses]-Pyr.[énées])

Die von Pater Riquet S.J.[10], Prediger von N.[otre] Dame in Paris habe ich nicht obwohl er mich besucht hat mit Mgr Piguet.

Mons. l´abbé Pierre Émile[12], curé-doyen à Giromagny diocèse de Besançon

Mons. le chanoine Millot Paul[13], curé-doyen à Hirson diocèse de Soissons

Mons. l`abbé Fr. Goldschmitt[14], conseiller-général à Rech (Moselle)

L´abbé Lagarde[15], aumônier, Petites sœurs des Pauvres à Les Bordes à Metz (Moselle)

Mit vielen freundschaftlichen Grüssen an alle Münsteraner Priester.[16]
Pax et omne bonum tibi [Friede und alles Gute Dir]
L. Fabing, curé

[1]    Johannes Sonnenschein (* 30.5.1912 in Bocholt, † 31.8.2003 in Ahaus) – Eintritt ins Col­legium Borromaeum in Münster 1.5.1931 – Priesterweihe 19.12.1936 in Münster – Kaplan in Ahlen St. Josef 29.2.1940 – dort Ver­haftung 8.3.1942 – Er kam über die Gefäng­nisse in Ahlen und Münster wegen Jugendseelsorge und Verbreitung des Möldersbriefes am 29.5.1942 ins KZ Da­chau und dort am 30.5.1942 auf den Zugangsblock, wo er Karl Leisner traf. Am 9.4.1945 wurde er ent­lassen. – Kaplan in Emsdetten Herz Jesu 1946–1951 – Pfar­rer in Borghorst St. Nikomedes 1958–1970 – Dechant im Dekanat Borghorst 1959 – Pfarrer in Dülmen (Merfeld) St. Antonius 1970–1991 (als Pfarrer em. Pfarrverwalter 1987) – Pfar­rer em. in Ahaus 1991 – Im Seligsprechungsprozeß 1981 und im Martyrerpro­zeß 1990 für Karl Leisner hat er als Zeuge ausgesagt.

[2]    Bischof Gabriel Emmanuel Joseph Piguet von Cler­mont (* 24.2.1887 in Ma­con-sur-Saône/Saône-et-Loire/F, † 3.7.1952) – Priesterweihe 2.7.1910 in Paris (St. Sul­pice) – Bischofsweihe zum Bischof für das Bistum Autun/Saône-et-Loire 27.2.1934 – Bischof von Clermont 11.3.1934 – Ob­wohl Ver­ehrer von Marschall Philippe Pétain, widersetzte er sich wäh­rend der deut­schen Besatzung (1940–1944) den Na­tional­so­zialisten. Er wurde am 28.5.1944 ver­haf­tet, kam über das Ge­fäng­nis in Clermont-Ferrand und das KZ Natzwei­ler-Struthof am 6.9.1944 ins KZ Da­chau und wurde am 4.5.1945 befreit.

[3]    Jules Annéser (* 27.10.1892 in Phalsbourg/Moselle/F, † ?) – Priesterweihe am ? – Er kam am 20.8.1944 ins KZ Natzweiler-Struthof/F, am 4.9.1944 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit.

[4]    Zu Fr. Tumbrink wurden keine näheren Angaben gefunden.

[5]    Edmond Michelet (* 8.10.1899 in Paris, † 9.10.1970 in Brive-la-Gaillarde/Corrèze/F) – Er kam 1940 durch die Widerstandsbewegung zur politi­schen Arbeit. Als Obmann der Frei­heits­bewe­gung wurde er vom Vichyregime verfolgt, verhaftet und 1943 ins KZ Dachau ge­bracht. Dort war er Vertrauens­mann der französischen Häftlinge. Nach seiner Befreiung aus dem KZ am 29.4.1945 bekleidete er verschiedene Ministerposten. So war er u. a. Justiz­minister ab 8.1.1959 und vom 20.6.1969 bis zu seinem Tod Kul­tur­minister. 1988 wurde ein Antrag zur Einleitung eines Seligsprechungsverfah­rens gestellt, das am 16.9. 2006 in Brive-la-Gaillarde eröffnet wurde.

[6]    Bedřich (Friedrich) Hoffmann (* 10.7.1906 in Steinkirchen/Kamenný Újezd/CZ, † 6.6.1975) – Priesterweihe 1932 in Olmütz/Olomouc/CZ – Der Tscheche kam wegen Pre­digttä­tigkeit am 6.11.1940 zum er­sten Mal ins KZ Dachau, am 11.12.1940 ins KZ Bu­chen­wald, am 3.10.1941 wieder ins KZ Da­chau und wurde am 29.4.1945 be­freit. Er war Hilfspfleger auf Block 25/4.

[7]    Prof. Georges Stenger (* 24.12.1897 in Sarreinsberg/F, † ?) – Priesterweihe am ? – Er kam 3.9.1943 ins KZ Buchenwald, am 7.1.1945 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 befreit.

[8]    Marie Emile Auguste Daguzan (* 28.8.1884 in Oloron-Sainte-Marie/Pyrénées-Atlantiques/ F, † 13.12.1956) – Priesterweihe 12.3.1910 – Generalvikar des Bischofs von Bayonne/ Pyrénées-Atlanti­ques/F – Er kam wegen Verbindung mit der Résistance am 7.7.1944 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 befreit.

[9]    Abt Jean Gabriel Hondet OSB (* 10.5.1888 in Hendaye/Pyrénées-Atlantiques/F, † 1.12.1968 in Belloc/F) – Noviziat 12.4.1906 – Ewige Gelübde 15.10.1910 – Priester­weihe 14.7.1912 – Abtsweihe 15.2.1934 zum Abt für die Abtei Belloc im Bistum Bayonne/Pyrénées-Atlanti­ques – Er kam als Gaullist am 17.1.1944 nach Compiègne/Oise/F, von dort am 15.7.1944 ins KZ Neuengamme, am 22.12.1944 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit.

[10]    P. Michel Riquet SJ (* 8.9.1898 in Paris/F, † ?) – Priesterweihe am ? – Er kam wegen Verbindung mit der Résistance am 6.4.1944 ins KZ Mauthausen, am 1.12.1944 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit.

[12]    Zu Pierre Émile wurden keine näheren Angaben gefunden.

[13]    Paul Millot (* 19.11,1904 in Bohain/F, † ?) – Priesterweihe am ? – Er kam am ? ins KZ Neuengamme, am 22.12.1944 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 befreit.

[14]    Ehrendomkapitular François Goldschmitt (* 28.1.1883 in Morsbach/Forbach/Moselle/F, † 8.10.1966 in Rech/Moselle/F) – Priesterweihe 17.7.1910 in Metz//Moselle/F – Er kam wegen Pre­digt­tätig­keit am 16.12.1942 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 befreit. Als Volks­deutscher war er sehr frankophil.

[15]    Prof. Dr. Phil. Alphonse Lagarde (* 17.5.1896 in Vaudoncourt/Meuse/F, † ?) – Priesterweihe am ? – Er kam als Gaullist und ehemaliger Militärpfarrer am 21.5.1944 ins KZ Neuengamme, am 22.12.1944 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 befreit.

[16]     Siehe Link

Foto und Brief IKLK-Archiv