Reinhold Friedrichs – Blockvater im KZ Dachau auch für Karl Leisner (30)

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Reinhold Friedrichs‘ bedeutsame Priesterpersönlichkeit vor allem im KZ Dachau manifestiert sich in seinen eigenen Berichten sowie in Mitteilungen von Zeitzeugen, insbesondere in zahlreichen Zeugnissen von überlebenden KZ-Häftlingen.

 

 

 

Erklärung von P. Petrus van Gestel SJ[1] am 22. Januar 1948 in Rom

[1]   IMG  P. Dr. Petrus van Gestel SJ (* 10.7.1897 in Woensel/NL, † 6.10.1972 in Rom) – Ein­tritt in die Gesellschaft Jesu 26.9.1916 – Priesterweihe 15.8.1928 – Letzte Ge­lübde 2.2.1934 – Er kam am 27.3.1942 wegen Verbreitung bi­schöflicher Schreiben und Predig­ten ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 befreit. – Rektor des Jesui­ten­kolle­giums in Maastricht/NL – deutscher Assistent des Generals Pater Johannes Baptist Janssens SJ (* 22.12.1889 in Mecheln/B, † 5.10.1964 in Rom) in Rom 1946-1965

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ERKLAERUNG
Nicht nur mit Freude, sondern mit einem gewis­sen Stolz und inniger Dankbarkeit schreibe ich diese Erklärung zugunsten des Hochw. Herrn Domkapitular REINHOLD  FRIEDRICHS, Münster.
Er war für mich und alle anderen niederlän­dischen Priestergefangenen nicht nur ein Kame­rad, sondern ein Freund. Während der mehr als 3 Jahre, die ich mit ihm zusammen war, hatte ich mehr als andere Gelegenheit, mit ihm zu verkehren auf dem Block, in der Arbeit, im Re­vier, in persönlichen Ge­sprächen und schätzte ihn als einen selbstlosen Mann, einen eifrigen Priester, für den die Verbundenheit der Gefan­genen als Opfer des gleichen Un­rechts und nicht soziale, konfessionelle oder nationale Differen­zen maßgebend war. Sehr vielen von uns hat er moralisch und physisch geholfen; sein im tief­sten Glauben begründeter Optimismus war eine Wohltat für Tausende.
Als er als Blockältester auf Block 26 einge­setzt wurde, gab es wohl keinen unter dem Per­sonal des Lagers, bei dem die Blockbewohner ihre Interessen so gut gesichert wußten. Ihm war es zu verdanken, daß ver­schiedene von uns Holländern, Laien und Prie­ster, ein besseres Kommando bekamen; es war ihm zu verdanken, daß der verborgenen Aus­übung der Seelsorge für unsere Lands­leute grö­ßere Möglichkeiten geöffnet wurden. Seine Füh­rung war gerecht und väterlich, und ich weiß, daß ich spreche im Na­men der ungefähr 60 nie­derländischen Geistli­chen, protestantischen und katholischen, wenn ich sage, daß wir ihm vor allem dafür dankbar bleiben werden, daß er in seiner übernationalen geistlichen Einstellung sich zeigte, als wäre er einer von uns gewesen.

Rom, den 22. Januar 1948

                                                  P. van Gestel SJ
(P. v. Gestel SJ)

Fotos und Urkunde IKLK-Archiv