Reinhold Friedrichs – Blockvater im KZ Dachau auch für Karl Leisner (35)

Friedrichs_Totenbild

 

 

Reinhold Friedrichs’ bedeutsame Priesterpersönlichkeit vor allem im KZ Dachau manifestiert sich in seinen eigenen Berichten sowie in Mitteilungen von Zeitzeugen, insbesondere in zahlreichen Zeugnissen von überlebenden KZ-Häftlingen.

 

 

 

Karte von Jean Gabriel Hondet[1] an Reinhold Friedrichs

[1]  Abt Jean Gabriel Hondet OSB (* 10.5.1888 in Hendaye/Pyrénées-Atlantiques/F, † 1.12.1968 in Belloc/F) – Noviziat 12.4.1906 – Ewige Gelübde 15.10.1910 – Priester­weihe 14.7.1912 – Abtsweihe 15.2.1934 zum Abt für die Abtei Notre-Dame de Belloc im Bistum Bayonne/Pyrénées-Atlanti­ques – Er kam als Gaullist am 17.1.1944 nach Compiègne/Oise/F, von dort am 15.7.1944 ins KZ Neuengamme, am 22.12.1944 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit.

Hondet1
Hondet2

 

Benediktinerabtei von Belloc (B[asses]-Pyr[énées])
Eingangsportal
In dankbarer und herzlicher Erinnerung
+ Jean Gabriel Hondet

* * * * *

Brief von Jean Gabriel Hondet an Reinhold Friedrichs

Hondet_Brief-1

ABBAYE
N.-D. de BELLOC
URT (B.-P.)                                                                          P A X
Domkapitular Reinhold Friedrichs

den 25. April 1953

Sehr verehrter Herr Domkapitular und Blockführer von Block 26 in Dachau!
Ich weiß nicht, ob Sie sich an Père Abbé von Belloc, Jean Gabriel Hondet, der mit Ihnen in Dachau war, erinnern. Oft habe ich an Sie gedacht, aber ich konnte Ihnen nicht schreiben, da ich Ihre Adresse nicht hatte.
Durch Gottes Vorsehung besuchte mich einer unserer Kameraden aus Dachau, D. Martin Schiffler[1], Benediktiner zu Trier, anläßlich einer Wallfahrt nach Lourdes. Wir sprachen von Ihnen, und er war so freundlich, mir Ihre Adresse zu geben. Ich möchte Ihnen sagen, welch gute und dankbare Erinnerung ich an all das habe, was Sie für mich während der Monate meines Aufenthaltes im Lager getan haben. Vielleicht hat Ihre Bescheidenheit Sie das vergessen lassen, ich aber habe die besonderen Aufmerksamkeiten und Zuvorkommenheiten, die Sie mir vermehrt zukommen ließen, nicht vergessen.
Ich entsinne mich auch noch gut, wie gut Sie für alle Priester aller Nationalitäten waren. Wie Sie sich gegenüber uns allen unparteiisch und rücksichtsvoll in Bezug auf die priesterliche Würde verhalten haben. Sie waren mehr Vater als Führer, Sie waren Vater, Bruder und Freund!
Möge Jesus, der Göttliche Gefangene, in seinem Leiden Ihnen hundertfach all das vergelten, was Sie für ihn in der Person seiner gefangenen Brüder getan haben.
Er, der gesagt hat: Was ihr dem Geringsten meiner Brüder tut, das tut ihr mir [vgl. Mt 25,40] ….. erst recht: Was ihr den Liebsten der Meinen, den Priestern tut, das habt ihr mir getan.
Indem ich Jesu Christi höchsten Segen für Sie und Ihre schöne priesterliche Aufgabe erflehe und mich sehr Ihren inständigen Gebeten empfehle, verbleibe ich mit herzlicher Verehrung im Namen Jesu Christi
+ Jean Gabriel Hondet
abbé d. N. D. d. Belloc

[1]  P. Martin (Arnold) Schiffer OSB (* 30.9.1908 in Büttgenbach, † 15.7.2005) – Eintritt bei den Benediktinern in St. Matthias in Trier – Profeß 29.6.1928 – Priesterweihe 1.4.1933 – Kaplansstelle in Güls nach der Vertreibung der Mönche aus dem Kloster – Er kam wegen Einmischung in Eheange­legen­heiten am 10.7.1942 ins KZ Da­chau, hat an Karl Leisners Priesterweihe teilge­nommen und wurde am 10.4.1945 entlassen. Im Seligsprechungsprozeß für Karl Leisner hat er 1981 als Zeuge ausgesagt.

Hondet_Pontifikalamt-1

Pontifikalamt mit Abt Jean Gabriel Hondet OSB in der Lagerkapelle am Ostersonntag, dem 1. April 1945

Fotos und Briefe IKLK-Archiv