Reinhold Friedrichs – Blockvater im KZ Dachau auch für Karl Leisner (38)

Friedrichs_Totenbild

 

 

Reinhold Friedrichs’ bedeutsame Priesterpersönlichkeit vor allem im KZ Dachau manifestiert sich in seinen eigenen Berichten sowie in Mitteilungen von Zeitzeugen, insbesondere in zahlreichen Zeugnissen von überlebenden KZ-Häftlingen.

 

 

 

Brief von Franc Hrastelj[1] an Reinhold Friedrichs

[1]   Hrastelj_Foto  Franc Hrastelj (* 3.11.1894 in Selo 4, Zagorje/Jug, † ?) – Priesterweihe am ? – Er kam am 18.11.1941 wegen Spionageverdachts ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit.

Hrastelj

 

Maribor [Marburg an der Drau/SL] 10.I.1960

Mein lieber Freund! Friedrichs
Mit den Neujahrswünschen habe ich mich verspätet, aber viel, sehr viel an Dich gedacht. Ich wandelte nämlich im Schatten des Todes [vgl. Lk 1,79]. Hier in Maribor ist mein Freund und Kanonikus Dr. Mirt[1] gestorben und am 27. Dez. [1959] auch Dein Freund und Bekannter Matja Munda[2], Propst in Dravograd [Unterdrauburg/SL]. Mit Munda habe ich mich verständigt, dass ich am 27. Dez. zu ihm komme, seine Pfarrei feierte an diesem Tage ihr Patrozinium, dass wir uns dann über den Besuch des Lagers Dachau im Sommer klar werden.
Ich habe es aber schon an Weihnachten erfahren, dass er krank geworden ist und an Weihnachten keine Messe lesen konnte. Er bekam schreckliche Schmerzen und der Arzt wusste es nicht, was das sein sollte, deswegen schickte er ihn ins Spital.
Am 27. Dez. kam ich nach Dravograd und erfuhr, dass es ihm besser gehe. Ich schickte einen Mann nach Slovenj Gradec [Windischgräz/SL] ins Spital, dass er ihn in meinem Namen grüsse und versichere, dass ich alles in der Kirche verrichten werde. Um 3 Uhr nachmittags kam der Mann zurück mit dem Zug, mit welchem ich dann weiterfuhr, und sagte mir: Herr Munda ist ½2 nachmittags gestorben. Er bekam eine Entzündung und dadurch eine Vergiftung, in drei Tagen war er gesund und – tot!
Vor einem Monat hat er sich ein kleines Haus gekauft, er wollte dort in Pension leben. Gott hat ihm eine ewige Pension gegeben. –
Bei dieser Gelegenheit teile ich Dir auch mit, dass es sehr schwer geschehen wird, dass ich im Sommer hinauf komme. Ich habe dem Herrn Prof. Jakob Šolar[3] geschrieben und auch er zweifelt daran, dass er die Bewilligung erhalten könnte.
Nun bleiben nur noch Podpečan[4], Ledinek[5] und Areh[6], wenn diese sich entschliessen werden dorthin zu reisen. Munda war eine Persona grata, auch mit einem Orden vor kurzem ausgezeichnet, lebte an der Grenze und hatte eine ständige Bewilligung ins Ausland zu reisen. Doch wir müssen uns dem Willen Gottes fügen, dass er uns nicht vertreten wird bei dieser Feier in Dachau.[7]
Ich empfehle ihn und auch mich Deinem Gebet!

Mit vielen Grüßen!
Dein
F. Hrastelj

Hrastelj Franz
Slovenice

[1]  Zu Dr. Mirt in Maribor wurden keine näheren Angaben gefunden.
[2]  Matija Munda (* 3.2.1904 in Friedau/Ormož/Jug/SL, † 27.12.1959) – Priesterweihe am ? – Er kam am 24.1.1942 wegen Spionageverdachts ins KZ Flossenbürg, am 4.6.1942 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit.
[3]  Jakob Šolar (* 29.4.1896 in Rudno/Jug, † ?) – Priesterweihe am ? – Er kam am 20.12.1944 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit.
[4]  Feliks Podpečan (* 30.12.1914 in Galicija/Jug, † ?) – Priesterweihe am ? – Er kam am 14.1.1943 wegen Verbindung mit der Befreiungsfront ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit.
[5]  Maximilian Ledinek (* 29.9.1903 in Slivnica/Jug, † ?) – Priesterweihe am ? – Er kam am 8.5.1943 wegen Verbindung mit der Befreiungsfront ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit.
[6]  Albert Areh (* 5.4.1915 in Altenmarkt/Stari Trg/Jug/SL, † ?) – Priesterweihe am ? – Er kam am 29.8.1940 ins KZ Sachsenhausen, am 14.12.1940 wegen kirchlicher Trauung vor Ziviltrauung ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit.
[7] vermutlich der 37. Eucharistische Weltkongreß vom 31.7. bis 7.8.1960 in München
Siehe Link zu Friedrichs Nr. 5

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