Reinhold Friedrichs – Blockvater im KZ Dachau auch für Karl Leisner (39)

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Reinhold Friedrichs’ bedeutsame Priesterpersönlichkeit vor allem im KZ Dachau manifestiert sich in seinen eigenen Berichten sowie in Mitteilungen von Zeitzeugen, insbesondere in zahlreichen Zeugnissen von überlebenden KZ-Häftlingen.

 

 

 

Brief von Viktor Jacewicz[1] an Reinhold Friedrichs

[1]  Jacewicz_Foto1 Jacewicz_Foto2  P. Viktor Jaczewicz SDB (* 26.10.1909 in St. Petersburg/RUS, † 19.4.1985 in Leslau/ Włocławek/PL) – Eintritt bei den Salesianern – Noviziat in Czerwińsk/PL 1933/1934 – Ewige Gelübde 1939 – Er kam als Salesianerseminarist am 18.4.1940 ins KZ Dachau, am 26.5.1940 ins KZ Gusen, am 8.12.1940 erneut ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit. – Priesterweihe 29.6.1947 – Unter dem Namen des Laien Jan Domagała schrieb er das Buch „Ci, którzy przeszli przez Dachau (Duchowni w Dachau) = Die durch Dachau gin­gen (Geistliche in Dachau), Warszawa/Warschau-Pax 1952, 1957“.
Johann (Jan/Jean) Domagała (* 14.12.1896, † 1958) – Der polnische katholische Kauf­mann betätigte sich im KZ Dachau als Dolmetscher.

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Übersetzung von Antonius Bornefeld[1]

Różańsko, den 11. Mai 1960.

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J.M.J. [Jesus – Maria – Josef]

Hochwürdiger Herr Kanonikus Friedrichs
Lieber Priester Senior!
Bitte die Verspätung des Schreibens zu entschuldigen. Der Grund hierfür war unser Tag des Gebetes in Kalisch zum 15. Jahrestag der Befreiung aus dem Lager Dachau. Erhebend war dort die Feier. Die Ehre seiner Anwesenheit und der unvergeßlichen Predigt hat uns S. Em. Kardinal Stefan Wyszyński[2] gegeben.
Am Tag des Gebetes in Kalisch haben alle unsere Bischöfe teilgenommen. Bischof Czapliński Bernard[3], Bischof Korszyński Franz[4], Bischof Jedwabski Franz[5], Bischof Fondalinski[6] und Bischof Etter Thaddäus[7]. Nicht anwesend war nur Bischof Nowocki[8] – Ordinarius von Danzig, welcher zur Zeit in Rom weilte. Ebenfalls waren 250 Priester anwesend, welche in Dachau waren.
S. Ex. Bischof Korszyński, zu dessen Mitarbeiter ich zähle, erwähnte ich Hochw. Herrn Kanonikus [Reinhold Friedrichs]. Er bat mich, im nächsten Schreiben recht herzliche Grüße zu bestellen, welcher ich mich hiermit entledige.
Alle Priester, die in Dachau waren, stehen in gegenseitiger Verbindung, hauptsächlich Priester einer Diözese oder einer Ordensgemeinschaft.
Für Kalisch habe ich das Projekt des II. Teiles des Buches vorbereitet „Die welche durch Dachau gingen“.[9] Das Projekt umfaßt die Zeit von der Eröffnung der Tore des Lagers bis heute. Es enthält Angaben, wo augenblicklich polnische Priester weilen, welche Ämter sie bekleiden und in welchem kirchlichen Grad sie stehen. Ich besitze alle ihre Anschriften.
Zur Orientierung kann ich folgende Zusammenstellung geben:
1) In Polen arbeiten zur Zeit 505 Priester
2) Gestorben sind                 72       ”
3) Außerhalb von Polen sind 212   ”
4) mit einem kleinen Teil habe ich keine Verbindung.
Sehr gern gebe ich die Anschrift von Hochw. Herrn Hoffmann Bedřich[10]
Bedřich Hoffmann, faráž – Olomouc
Zĕvotinevon č 1
Československo
Sehr gern schicke ich ein Exemplar meines Buches, welches durchgesehen und verbessert ist.
Was Ihr Paket angeht – überlasse ich es Ihrer Liebenswürdigkeit.
Im Marienmonat sende ich recht herzliche Grüße.

In Christo ergebener
Viktor Jacewicz

[1]  Antonius (Anton) Bornefeld (* 20.7.1898 in Waders­loh-Liesborn, † 14.3.1980) – Eintritt ins Collegium Borromaeum in Münster Ostern 1917 – Priester­weihe 10.6.1922 in Mün­ster – Kaplan in Bottrop St. Joseph 1922–1933 – Da er sich die polnische Sprache angeeignet hatte, übertrug man ihm die Seelsorge für die polnische Be­völ­kerung. Hinzu kam die Sorge für die Mähren, deren tschechische Sprache er eben­falls erlernte. Von 1933–1940 war er in Duisburg-Hamborn St. Johann tätig. Dort widmete er sich erneut der Seel­sorge an Polen und Mähren. Sein Wirken blieb lange von der Gestapo unge­stört. Erst nach seinem Besuch des Eucharistischen Weltkongresses 1938 in Budapest erfolgten meh­rere Hausdurchsu­chun­gen. 1940 wurde er nach Lüding­hausen ver­setzt. We­gen eines kurzen Grinsens bei der Erwähnung der Nationalsozialisten im Religi­ons­unter­richt kam er zu­nächst ins Gefängnis nach Recklinghausen, am 6.2.1944 ins KZ Dachau und wur­de am 29.4.1945 be­freit.
[2]  Stefan Kardinal Wyszyński (* 3.8.1901 in Zuzela/PL, † 28.5.1981 in Warszawa/Warschau) – Priesterweihe 3.8.1924 – Bischofsweihe 12.5.1946 zum Bischof von Lublin/PL – Erzbischof von Gniezno/Gnesen und Warschau 1948 zugleich Primas von Polen
[3]  Bischof Bernard Czapliński (* 5.10.1908 in Grabau/Grabowo/PL, † 30.12.1980) – Priesterweihe 19.12.1931 – Er kam am 12.1.1940 ins KZ Stutthof, am 10.4.1940 ins KZ Sachsenhausen, am 14.12.1940 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit. – Bischofsweihe 4.4.1948 – Weihbischof von Culm/Chelmno/PL 1948–1973 – Bischof von Culm 1973–1980
[4]  Weihbischof Prof. Dr. Franciszek Salesy Korszyński (* 19.1.1893 in Ręczno/PL, † 3.11.1962 in Otwock bei Warschau) – Priesterweihe 25.7.1915 in Leslau/Włocławek/PL – Er kam am 25.4.1941 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 befreit. – Mitarbeiter am polni­schen Priesterseminar in Paris – Rückkehr nach Polen 2.5.1946 – Bischofs­weihe zum Weihbischof für das Bistum Włocławek 29.6.1946
[5]  Weihbischof Franciszek Jedwabski (* 29.1.1885 in Wilkowiyja/PL, † 26.6.1975 in Posen/Poznań/PL) – Priesterweihe 17.12.1922 – Er kam am 30.10.1941 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit. – Bischofsweihe 2.3.1947 – Weihbischof von Posen 1947–1975
[6]  Weihbischof Jan Fondaliński (* 14.7.1900 in Wyśmierzyce/PL, † ? 1971) – Priesterweihe am ? – Er kam am 30.10.1941 ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit. – Bischofsweihe 1957 – Weihbischof von Lodsch/Łódź/PL 1957–1971
[7]  Weihbischof Tadeusz Etter (* 16.5.1911 in Posen/Poznań/PL, † ?1984) – Priesterweihe am ? – Er kam am 2.8.1940 ins KZ Dachau, anschließend ins KZ Gusen, am 8.12.1940 erneut ins KZ Dachau und wurde am 29.4.1945 be­freit. Bischofsweihe 1959 – Weihbischof von Posen 1959–1984
[8]  Bischof Dr. Edmund Nowicki (* 13.9.1900 in Tremessen/Trzemeszno/PL, † 10.3.1971 in Warschau//Warszawa) – Priesterweihe 15.3.1924 in Gnesen/Gniezno/PL – Er kam am 4.5.1940 ins KZ Dachau, am 2.8.1940 ins KZ Gusen, am 8.12.1940 erneut ins KZ Dachau und wurde am 5.2.1941 entlassen. – Bischofsweihe 26.9.1954 – Weihbischof für das Bistum Danzig/Gdańsk/PL 1956 – Bischof von Danzig 1964

[9]  Domagała, Johann: Ci, którzy przeszli przez Dachau (Duchowni w Dachau) [Die durch Dachau gingen (Geistliche in Dachau)], Warszawa/Warschau 1952, 1957
Johann (Jan/Jean) Domagała (* 14.12.1896, † 1958) – Der polnische katholische Kauf­mann betätigte sich im KZ Dachau als Dolmetscher. Unter dessen Namen veröffentlichte der Priester Viktor Jaczewicz SDB das Buch „Ci, którzy przeszli przez Dachau (Duchowni w Dachau) – Die durch Dachau gingen (Geistliche in Dachau), Warszawa/Warschau-Pax 1952, 1957“.
[10]  Bedřich (Friedrich) Hoffmann (* 10.7.1906 in Steinkirchen/Kamenný Újezd/CZ, † 6.6. 1975) – Priesterweihe 1932 in Olmütz/Olomouc/CZ – Der Tscheche kam wegen Pre­digttä­tigkeit am 6.11.1940 ins KZ Dachau, am 11.12.1940 ins KZ Bu­chen­wald, am 3.10.1941 erneut ins KZ Da­chau und wurde am 29.4.1945 be­freit. Er war Hilfspfleger auf Block 25/4.

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Brief von Viktor Jacewicz an den Verlag Regensberg

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Übersetzung von Antonius Bornefeld

Różańsko, den 10. April 1960.

Verlag Regensberg
Münster
Schaumburgstrasse 6–10
Zur Antwort auf Ihr Schreiben vom 25.I.60 an den Verlag PAX in Warschau in der Angelegenheit der Erlaubnis zur Verfertigung einer Übersetzung des Buches „Die, welche durch Dachau gingen“ von Johannes Domagala teile ich höflich mit, daß ich am 8. März das entsprechende Einverständnis zu Händen des hochwürdigen Herrn Reinhold Friedrichs, Domkapitular in Münster, gesandt habe.
In dem oben erwähnten Brief fragte ich an, ob der Verlag (gemeint ist Regensberg) zur Übersetzung ein durchgesehenes, verbessertes und ergänztes (oder vervollständigtes) Exemplar dieses Buches wünscht. Da ich bis zur Zeit keine Bestätigung meiner Korrespondenz erhielt, bitte ich höflich um gütige Benachrichtigung, in welchem Stadium sich diese Arbeit befindet. Gleichzeitig möchte ich mitteilen, daß zur Zeit seitens des Verlages PAX nichts die Autoren dieser Arbeit bindet. Alle Anfragen betreffs dieses Buches bitte an meine Adresse zu richten.

Hochachtungsvoll
msgr.Viktor Jacewicz
Różańsko
Kreis Myślibórz Großpolen
Wojewodschaft Stettin.

Mein lieber Reinhold!
Dein Schreiben vom 18. Mai kam heute, 20. Mai, hier an. Seit dem 17. Mai bin ich hier zur Erholung auf ärztlichen Rat. So werde ich am 30. Mai nicht an dem schönen Konveniat teilnehmen können. – Über die Predigt reden wir später.
Herzl. Gruß Dir und den Confratres
c. a. fr. [cum ave (con)fraternitate (lat.) – mit (mit)brüderlichem Gruß]
Dein Antonius [Bornefeld]

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