Reinhold Friedrichs – Blockvater im KZ Dachau auch für Karl Leisner (7)

Friedrichs_Totenbild

 

 

Reinhold Friedrichs‘ bedeutsame Priesterpersönlichkeit vor allem im KZ Dachau manifestiert sich in seinen eigenen Berichten sowie in Mitteilungen von Zeitzeugen, insbesondere in zahlreichen Zeugnissen von überlebenden KZ-Häftlingen.

 

 

 

Reinhold Friedrichs war Ehrenvorsitzender im „Bund der Verfolgten und Widerstandskämpfer“ (BVN)[1].

[1]    1947 gegründeter Verband mit Sitz in Berlin

Er lud in Zusammenarbeit mit dem BVD die KZ-Priester zu einem Treffen in Münster vom 20. bis 25. August 1962 ein.

BVN

 

Einladung in den „Stimmen von Dachau“ Nr. 15 Juli 1962: 3

einladung1962-1

 

Vorbereitung des Treffens

Ein Aktenvermerk vom 21. Mai 1962 zeigt den geplanten Verlauf des Treffens.

Werbe- und Verkehrsamt                                       Münster (Westf), 21. Mai 1962
80 –

 A k t e n v e r m e r k

Betr.:   Treffen der Priestergemeinschaft von Dachau vom 20. – 25. August 1962
In obiger Angelegenheit fand am 18.5.1962 beim Herrn Domkapitular Reinhold Friedrichs Münster (Westf), Krummer Timpen, eine Besprechung statt. Herr Domkapitular Friedrichs gab bekannt, daß aus Anlaß seines 50jährigen Priesterjubiläums am 17. Juni 1962 obiges Treffen organisiert worden sei. Es werden 60–80 Teilnehmer aus Italien, Österreich, Belgien, Luxemburg und Deutschland erwartet. Die Unterbringung erfolgt im Priesterseminar.
Am 20.8.1962 ist der Anreisetag.
Vom 21.–23.8.1962 sind Exerzitien im Priesterseminar vorgesehen.
Am 24.8.1962 9.00 Uhr Pontifikalamt im Hohen Dom
11:00–13:00 Uhr Stadtrundfahrt ab Priesterseminar
Das Werbe- und Verkehrsamt besorgt hierfür 2 Autobusse und 2 Stadtführer
13.00 Uhr Mittagessen im Priesterseminar
15.00–18.30 Uhr Wasserburgenfahrt nach Haus Rüschhaus, Haus Hülshoff, Schloß Havixbeck, Johanniskirche in Billerbeck, Schloß Darfeld, zurück über Laer – Altenberge – Nienberge.
Herr Domkapitular Friedrichs will sich mit dem Grafen von Twickel in Verbindung setzen, um mit ihm die Besichtigung des Schlosses und die Einladung zu einer Tasse Kaffee zu besprechen.
Das Werbe- und Verkehrsamt besorgt auch für diese Fahrt 2 Autobusse und 2 Führer.
19.00 Uhr Abendessen im Priesterseminar
20.15 Uhr Empfang durch Herrn Oberbürgermeister [Dr. Busso Peus[1]] im Friedenssaal [des Rathauses] mit anschließendem kurzen Stehkonvent.
Herr Domkapitular Friedrichs spricht dieserhalb noch mit dem Herrn Oberbürgermeister.
Am 25.8.1962 ist der Abreisetag.
Das Werbe- und Verkehrsamt hält für jeden Teilnehmer eine Mappe mit Werbematerial zur Verfügung.

[1]    Dr. Busso Peus (* 19.1.1908 in Münster; † 5.11.1979 ebd.) – Jurist und Politiker (CDU) – Oberbürgermeister der Stadt Münster 1952–1964

Der 1. Vorsitzende des BVN Josef Vienerius erhielt die Zusage für einen Empfang durch einen Vertreter des Senats in Berlin für die Teilnehmer des Treffens in Münster durch einen Brief des regierenden Bürgermeisters von Berlin Willy Brandt[1] vom 11. Juli 1962.

[1]    Willy Brandt (* 18.12.1913 in Lübeck, † 8.10.1992 in Unkel) – Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland 1969–1974

Brief-1

DER REGIERENDE BÜRGERMEISTER VON BERLIN
– SENATSKANZLEI –
Protokoll- u. Auslandsabteilung          BERLIN-SCHÖNEBERG, den 11. Juli 1962
Rudolph Wilde – Platz
Fernruf: 710261, App. 3394

An den
1. Vorsitzenden des Bundes der Verfolgten des Naziregimes e.V.
Herrn Josef V i e n e r i u s
44 M ü n s t e r (Westf.)
Postfach 1571
Sehr geehrter Herr Vienerius!
Mit bestem Dank für Ihr Schreiben vom 2. Juli 1962 teile ich Ihnen mit, dass die Mitglieder des BVN im Anschluß an ihr Treffen in Münster herzlich in Berlin willkommen sind und durch einen Vertreter des Senats empfangen werden. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie möglichst bald die Zahl der Teilnehmer und die Dauer Ihrer Anwesenheit in Berlin mitteilen würden, damit der Empfang entsprechend vorbereitet werden kann. Herr Pfarrer Siebrecht[1] hat eine Durchschrift dieses Schreiben erhalten.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Im Auftrage
von Selchow

[1]    Wendelin Siebrecht (* 3.7.1904 in Baudach, † 4.11.1989 in Berlin) – Priesterweihe 1930 in Breslau – „Schlesienpfarrer)

Telegramm von Wendelin Siebrecht:

Telegramm

 

Im Rundbrief vom 31. Juli 1962 an die Dachau-Priester informierte Reinhold Friedrichs seine Mitbrüder über den Stand der Dinge.

Friedrichs31071962

Grüß Gott, mein lieber Mitbruder!
Durch den Vorsitzenden des BVN von Nordrhein-Westfalen, Herrn Wolfgang Müller, Düsseldorf-Derendorf, Roß-Straße 13 hpt., wurde mir, wie Dir der Herr Vienerius am 1. Juni ds. Jrs. mitteilte, zugesichert, daß die Unkosten für Anfahrt und Rückfahrt 2. Klasse und ebenso die Übernachtungs- und Tagegelder ersetzt werden sollten.
Ich war hocherfreut über dieses große Entgegenkommen, was Bonn mir zeigen wollte. Aber es ging jetzt wieder wie immer, es wurde auch von einer gewissen Seite quergeschossen, so daß die Zustellung der Gelder vielleicht in Frage gestellt ist.
Sollten die Gelder nicht gezahlt werden, so will ich folgenden Vorschlag machen:
Die Mitbrüder aus Deutschland bezahlen die Fahrtkosten selber, während die Mitbrüder aus Oesterreich, Italien, Frankreich, Luxemburg und Belgien die Fahrt von irgendeiner Seite erstattet bekommen. Vielleicht kann ich ihnen auch die Unterbringungskosten ersetzen.
Wir wohnen alle zusammen im Priesterseminar, das neben der Überwasserkirche, wie Nr. 6 im Stadtplan uns zeigt, gelegen ist. Jeder bekommt ein Einzelzimmer. Es ist noch schöner als Block 26. Die Verpflegung wird ausgezeichnet sein und ich kann jetzt schon sagen, daß jeder auch „Nachschlag“ bekommt.[1]
Der Tagespreis im Priesterseminar für Zimmer und Beköstigung beträgt 8,– DM ohne Getränke und 10,– DM mit Getränken. Ich glaube, daß dieser Satz für jeden tragbar ist.
Ich hätte gerne möglichst bald Nachricht, wie alt Du bist, damit wir dementsprechend die Zimmer verteilen, ob Du Diät halten mußt (die Küche möchte es wissen) und ob Du täglich zelebrieren willst (in der Nähe des Priesterseminars liegen Kirchen genug!). Solltest Du Stipendien benötigen, so ist die Bischöfliche Behörde sehr gerne bereit, Dir beliebig Stipendien à 3,– DM zu geben.
Die Tagung beginnt am Montag, dem 20.8., um 18.00 Uhr und schließt am Freitag, dem 24.8., um 9.00 Uhr mit einem Pontifikalamt im Hohen Dom und mit einer Stadtrundfahrt, zu der uns die Stadt Münster einladet und einem Empfang durch den Herrn Oberbürgermeister im Friedenssaal.
Nachmittags beginnt zeitig die Fahrt nach Hannover bzw. Bergen-Belsen, wo um 19.30 Uhr der Weihbischof Josef Buchkremer[2] das heilige Opfer feiert.
Ich habe den Konfrater Pater Kurt Dehne[3] in Hannover, Hildesheimer Straße 30, gebeten, für die Unterkunft meiner Mitbrüder in Hannover zu sorgen.
Falls die Gelder vom Bund gezahlt werden, besteht auch die Möglichkeit, am Sonntagnachmittag um 14.30 Uhr von Hannover nach Berlin zu fliegen. Näheres teile ich Dir bei Deiner Anwesenheit in Münster mit.
Ich muß nur g e n a u wissen, w e r fährt mit nach Hannover und wer mit nach Berlin??
Mit dem Bus kostet die Fahrt von Münster nach Hannover hin und zurück 10,– DM.
Ich bitte Dich um baldige Antwort an meine Privatadresse (Münster (Westf.), Krumme Straße 46).
Es grüßt in alter Treue
Dein ehemaliger Blockvater
Reinhold

[1]   Anspielungen auf die Situation im Priester-Block 26 im KZ Dachau und die Essensrationen, wo an einen „Nachschlag“ nicht zu denken war.

[2]    Weihbischof Joseph Buchkremer (* 4.10.1899 in Aachen, † 24.8.1986) – Priesterweihe 10.8.1923 in Köln – Er kam wegen Jugendseelsorge am 27.3.1942 ins KZ Dachau und wurde am 4.4.1945 ent­lassen. – Bischofsweihe zum Weihbischof für das Bistum Aachen 21.12.1961

[3]    Prof. P. Kurt Dehne SJ (* 30.5.1901 in Hannover, † 2.3.1990 in Münster) – Ein­tritt in die Gesellschaft Jesu 29.4.1924 in ’s-Heerenberg/NL – Priesterweihe 27.8.1932 in Valkenburg/NL – Letzte Ge­lübde ? – Er kam am 25.12.1943 wegen eines Seminars, das nicht der Weltanschauung des Dritten Reiches entsprach, ins KZ Dachau und wurde am 24.4.1945 evakuiert.

P. Kurt Dehne SJ am 1. August 1962 an Reinhold Friedrichs

Dehne01081962

3 Hannover, den 1.8.1962
Hildesheimer Str. 30
F: 88 44 80           P.De./Brö.
Hochwürden
Herrn Prälat
Reinhold Friedrichs
44 Münster / West.
Krumme Straße 46
Grüß Gott, mein lieber Reinhold!
Herzlich danke ich Dir für das Schreiben vom 26.7., das ich nach der Rückkehr von meiner Kur in Bad Kissingen vorfand.
Leider kann ich durch die Vorbereitungen zum Katholikentag an der Tagung in Münster nicht teilnehmen, was ich sehr bedauere.
Umso mehr freue ich mich aber, daß Ihr anschließend die Reise zum Katholikentag nach Hannover machen wollt, um u. a. abends an der Feier [im KZ[1]] in Bergen-Belsen teilzunehmen.
Du bittest mich nun, für die Mitbrüder eine Unterkunft für 2 Nächte in Hannover zu besorgen. Das wird möglich sein, aber es wird nicht kurzfristig, d. h. 2 Tage vor Euerer Ankunft in Hannover möglich sein.
Darum lege ich Dir Anmeldekarten bei. Das Geeignetste wäre, wenn Du die Grüne Liste der Sammelmeldungen nehmen würdest, weil mir dann die Gewähr gegeben ist, daß Ihr in einem bestimmten Stadtteil Hannovers in Einzelquartieren unterkommt. Notwendig aber ist es, entweder dazu die Einzelkarten auszufüllen oder aber klar anzugeben, daß Ihr alle Geistliche seid und somit Anspruch auf ein Privatquartier habt. Hotelzimmer sind leider nicht mehr vorhanden.
Im Übrigen habe ich die Abschrift Deines Schreibens an das Quartieramt gegeben, so daß Du auch von dort noch nähere Nachricht erhalten wirst.
Die Vorbereitungen für Bergen-Belsen liegen in meinen Händen und wir dürfen erwarten, daß die Veranstaltung sehr eindrucksvoll verlaufen wird, da sowohl Rundfunk wie Fernsehen eingeschaltet sind.
Mit freundlichen Grüßen
Dein
P. Kurt Dehne SJ

[1]    Errichtung durch die Wehrmacht auf einem ca. 60 km nordöstlich von Hanno­ver gelegenen ehemaligen Trup­pen­übungsplatz in Ber­gen Früh­jahr 1941 – Einrichtung im Zusammenhang mit den Kriegs­vorbereitungen gegen die Sowjetunion ursprünglich als Kriegs­ge­fangenenlager Bergen-Belsen – Eintreffen der ersten Ge­­fange­nentransporte im Lager 22.6.1941 – erste Transporte mit jüdischen Häftlingen aus Polen Juli 1943 – Befreiung durch britische Soldaten 15.4.1945

Der REGIERENDE BÜRGERMEISTER VON BERLIN am 2. August 1962 an Reinhold Friedrichs

Berlin02081962-1

Oswin Hary[1] am 4. August 1962 an Reinhold Friedrichs

[1]     Oswin Hary (* 12.10.1924, † 12.3.2013) – Finanzdirektor – Leiter des Quartieramtes während des 79. Deutschen Katholikentages 1962 in Hannover

OswinHary04081962-1

 

P. Kurt Dehne SJ am 7. August 1962 an Reinhold Friedrichs

Dehne07081962

 

 

Reinhold Friedrichs vom 10. August 1962 an Oswin Hary

Friedrichs10081962

 

Im Rundbrief vom 10. August 1962 an die Dachau-Priester informierte Reinhold Friedrichs seine Mitbrüder ausführlich über das geplante Programm des Treffens.

Friedrichs10081962-1

R. Friedrichs                                                   Münster, den 10. Aug. 1962
Domkapitular                                                 Krumme Straße 46
Grüss Gott, mein lieber Mitbruder!
Das Priesterseminar in Münster freut sich, dass Du hier zu Gast sein willst. Alles ist vorbereitet, um Dir die Tage der stillen Einkehr gemütlich zu machen. Wer schon am Sonntag, dem 19.8. eintreffen will, um die Stadt Münster kennen zu lernen, ist herzlich willkommen.
Am Montag, dem 20. beginnt die Tagung um 18 Uhr mit einem gemütlichen Beisammensein, 19 Uhr ist Abendbrot, um 20 Uhr beginnen die heiligen Übungen. Jeder bekommt ein Einzelzimmer mit fliessendem Wasser und seiner Person entsprechend, eine·gute Verpflegung. Der Tagespreis für Zimmer und Verpflegung beträgt 8,– DM.
Es ist dafür gesorgt, dass jeder zelebrieren kann. Er möge Schultertuch und Kelchwäsche mitbringen, wenn möglich, für das Pontifikalamt und für den Katholikentag in Hannover Talar und Chorrock. Die Exerzitien schliessen am Donnerstag, dem 23. um 19 Uhr.
Am Freitag, dem 24. August ist um 9 Uhr ein Pontifikalamt im Hohen Dom. 10,30 Uhr Stadtrundfahrt mit Bussen und 12 Uhr Empfang durch den Herrn Oberbürgermeister im Friedenssaal.
15 Uhr fahren diejenigen, die es wollen, mit Bussen zum Katholikentag nach Hannover. Man hat die Möglichkeit, am Samstag, dem 25. wieder nach Münster zurückzufahren. Der Fahrpreis Münster-Hannover und zurück beträgt à Person 12,– DM.
Der Katholikentag schliesst am Sonntag, dem 26. um 15 Uhr. Im Anschluss daran ist die Fahrt mit dem Flugzeug nach Berlin. Rückfahrt nach Hannover am Montag dem 27. August. Das Ministerium für gesamtdeutsche Fragen hat mir am Mittwoch, dem 8. mitgeteilt, dass für die Fahrt nach Berlin sämtliche Kosten sowohl Fahrt, Unterbringung und Verpflegung von Bonn getragen werden. Schicke mir postwendend eine Karte mit dem Vermerk, ob Du an der Fahrt zum Katholikentag bezw. nach Berlin teilnehmen willst. Wegen Unterbringung in Privatquartieren in Hannover bezw. wegen der Teilnahme an der Fahrt nach Berlin muss ich sofort Nachricht geben.
Die Mitbrüder aus Österreich, Italien, Frankreich, Luxemburg, Holland und Belgien bekommen die Fahrkarte 2. Klasse zurückerstattet. Keiner darf wegen Geldmangel zu Hause bleiben.
Es freut sich auf das Wiedersehn in alter Treue
Reinhold

Reinhold Friedrichs am 13. August 1962 an Oswin Hary

Friedrichs13081962-1

 

 

Reinhold Friedrichs am 17. August 1962 an Oswin Hary

Friedrichs17081962-1

 

 

Reinhold Friedrichs am 20. August 1962 an Oswin Hary

Friedrichs20081962-1

 

 

Wilhelm Breithecker[1] am 29. August 1962 an Reinhold Friedrichs

Breithecker (1)

 

[1]    Wilhelm (Willi) Breithecker (* 31.1.1897 in Ellar, † 4.7.1982 ebd.) – Priesterweihe 23.12.1922 in Limburg – Er kam wegen Verbindung zu Neudeutschland am 14.12.1940 ins KZ Dachau und wurde am 28.3.1945 entlas­sen.

Dekan Breithecker                                                    Dietkirchen, den 29.8.1962
16 Dietkirchen
über Limburg/Lahn

Hochwürden
H. Prälat Domkapitular
Reinhold Friedrichs
44 Münster / Westfalen
Krumme Str. 46

Lieber Reinhold!
In meine Pfarrei Dietkirchen/Lahn wieder zurückgekehrt denke ich hocherfreut an die schönen Tage in Münster zurück, die Du in Deiner väterlichen Sorge uns beschert hast! Es war wirklich sehr schön! Immer wieder kommen mir die Erinnerungen an die Tage in den Sinn! Das Wiedersehen mit so vielen Confratres, die Exerzitien, die Abende, die Stadt, der wunderschöne Dom! Man muß oft hineingegangen sein und ihn immer wieder gesehen haben!
Ich hoffe, daß ich noch lange von diesen schönen Tagen zehren werde! Dir also nochmals herzlichen Dank und allen, die mitgeholfen haben, die Tage vorzubereiten und zu gestalten!
[…]
Herzliche Grüße
In Dankbarkeit
Dein
Wilhelm Breithecker

Josef Neunzig[1] am 29. August 1962 an Reinhold Friedrichs

Neunzig

 

[1]    Josef Neunzig (* 1.3.1904 in Bedburg bei Köln, † an den Folgen eines Auto­unfalls am 1.5.1965 auf dem Weg nach Dachau zu einem Treffen der Da­chau­prie­ster 4.8.1965 in München) – Priesterweihe 12.3.1932 in Trier – Die Nationalsozialisten wiesen ihn am 30.11.1939 aus dem Bistum Trier aus. Am 3.1.1941 wurde er Pfarrvi­kar in Halver (Erz­bi­stum Paderborn), dort aber am 23.8.1941 von der Gestapo verhaftet. Er kam wegen Jugend­seel­sorge, wegen Verstoßes gegen den Kanzelparagraphen und Beschen­kens polni­scher Zivilar­beiter mit Zigaretten am 14.10.1941 ins KZ Dachau, wurde am 9.4.1945 ent­las­sen und kehrte am 29.5.1945 nach Halver zurück. Nach seiner Entlassung fuhr er meist mit einem Holzko­cher, einem mit Holz statt mit Benzin angetrie­benen Lastwagen, dem sog. Circus-Neunzig, nach München und trans­portierte ehema­lige Häft­linge und de­ren An­gehö­rige durch die amerikani­sche, französische und briti­sche Besat­zungszone nach Wup­per­­tal und zu­rück. Er überführte auch Karl Leisners Leichnam von Planegg bis Wup­pertal. Er war einer der Heraus­geber der „Stim­men von Dachau“. Am 23.1.1948 wurde er Pfarrer von Her­dorf und am 27.4.1956 Pfarrer in Bad Bertrich.

Josef Neunzig                                                          5582 Bad Bertrich, den 29.8.1962
Pfarrer
Bad Bertrich (Mosel)
Telefon 02674/324

Lieber Reinhold!
Nach den wunderschönen Tagen in Münster drängt es mich, Dir noch einmal recht herzlich dafür zu danken. Mit den Exerzitientagen hast Du unserer Gemeinschaft ein wirklich wertvolles Festgeschenk anläßlich Deines goldenen Priesterjubiläums gemacht. Eigentlich hätten ja wir die Schenkenden sein müssen. Aus der Freude und Dankbarkeit der vielen, die gekommen waren, magst Du nun trotz der leeren Hände viel Dankbarkeit verspürt haben.
Nun hoffe ich mit allen Freunden, daß Dein Krankenaufenthalt Dich nicht zu lange ans Krankenhaus fesselt und Du gesund und frohgemut bald wieder zu Hause bist.
Die Fotos werden wir wohl hoffentlich bald erhalten. Wenn Du mir noch einen Zeitungsbericht über den Empfang bei der Stadt schicken kannst, bin ich Dir dafür sehr dankbar. Die neuen „Stimmen“ will ich schon bald vorbereiten, zumal ich am 9. September für 3 Wochen in die Ferien nach Österreich fahre.
Nimm für Dich und Fräulein Maria viel liebe Grüße entgegen.
Wie eh und je
dankbar Dein
J. Neunzig

Foto und Urkunden IKLK-Archiv