Rezension zur Lebens-Chronik zu Karl Leisner

RevueDie THEOLOGISCHE REVUE Nr. 5, Jahrgang 111 brachte in den Spalten 382–385 eine Besprechung der Lebens-Chronik zu Karl Leisner von Dr. Marc Röbel, Katholische Akademie Stapelfeld.

Leisner, Karl: Tagebücher und Briefe. Eine Lebens-Chronik, hg. v. Hans-Karl Seeger / Gabriele Latzel. Band I: 1928–1934; Band II: 1935–1939; Band III: 1940–1946; Band IV: Weitere Dokumente. Register; Band V: Glossar. – Kevelaer: Butzon & Bercker 2014. 4394 S., geb. € 139,00 ISBN: 978–3–7666–1881–8

Karl Leisner wurde am 23.6.1996 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen bzw. – kirchenoffiziell ausgedrückt – „zur Ehre der Altäre erhoben“. Die fünf Bände umfassende Publikation seiner „Lebens-Chronik“ versteht sich als Versuch der Hg., ihn „auf die Erde zurückzuholen“, damit das „Gewesene vor dem Vergessen bewahrt werden“ (13) kann.
Wenn die Hg. betonen, dass sie mit dieser Publikation „einer wissenschaftlichen und textkritischen Edition nicht vorgreifen“ (15) wollen, so wird man dies nach Einsicht der Bände als ein Understatement betrachten müssen.
Lesens- und bedenkenswert sind in diesem Zusammenhang die „Vorbemerkungen zum Gesamtwerk“, die u. a. der Frage nachgehen „Warum schreiben Menschen Tagebuch?“ (11ff) und die gesamte Arbeitsweise einer methodologischen Selbstvergewisserung unterziehen: „Die Rekonstruktion der Vergangenheit ist immer auch Konstruktion einer bestimmten Vorstellung.“ (36) Die intellektuelle Redlichkeit ist dabei nicht nur Absichtserklärung. Sie wird durch eine überaus gründliche faktenorientierte Hintergrundrecherche eingelöst.
Was die „Lebens-Chronik“ v. a. auszeichnet, ist jedoch nicht allein die Vollständigkeit der Dokumente und die Fülle der Informationen, sondern deren umsichtige Aufbereitung.
Es zeichnet diese Publikation aus, dass die Hg. darauf bedacht sind, „statt der theologischen Ikone den historischen Menschen zu zeigen: Es geht darum, Karl Leisner so darzustellen, wie er gelebt, geliebt und gehandelt hat.“ (40)