Seligsprechung Karl Leisners vor 20 Jahren

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Seligsprechung von Karl Leisner und Bernhard Lichtenberg durch Papst Johannes Paul II. im Berliner Olympiastadion am 23. Juni 1996

Karl Leisners Seligsprechung war möglich, weil der Bekennerprozeß in einen Martyrerprozeß umgewandelt wurde, denn für einen solchen Prozeß ist kein Wunder erforderlich.

 

 

Verlauf des Seligsprechungsprozesses

17.12.1973             Bitte des Priesterrates der Diözese Münster zur Einleitung eines Seligsprechungsverfah­rens
07.12.1977             Einleitung des Seligsprechungsprozesses
15.03.1980             Eröffnung des Seligsprechungsprozesses
18.05.1990             Fortsetzung des Prozesses unter dem Titel eines Martyrers
23.10.1991             Übergabe der Akten des Martyrerprozesses in Rom
23.06.1996             Seligsprechung als Martyrer durch Papst Johannes Paul II. im Berliner Olympiastadion

Wilhelm Haas in Kleve am 10. November 1987 an Bischof Dr. Reinhard Lettmann in Münster:
[…]
Bei Karl Leisner wäre zu bedenken, daß er die längste Zeit seiner 5 1/2-jährigen KZ-Haft als Schwerkranker unter besonders inhumanen Umständen im KZ-Revier verbracht hat. Daß er an den Folgen der menschenunwürdigen Behandlung gestorben ist, geht aus der Planegg-Akte hervor.
Auch Bischof Ignacy Jez aus Köslin/Polen vertrat bei einem Gespräch anläßlich des Papstbesuches in Stettin am 10. Juni 87 die Meinung, aufgrund der bisherigen Prozesse von KZ-Angehörigen, besonders des Prozesses von Weihbischof Kozal, sei es richtig und sinnvoll, die Causa Leisner auf Martyrer umzustellen.
Der IKLK bittet Sie daher, sehr geehrter Herr Bischof, in Rom die Ergänzung bzw. Umstellung des Seligsprechungsprozesses Karl Leisners auf Martyrer zu beantragen.
Vielleicht wäre es dann möglich, daß der Papst bei seinem 3. schon in der Presse angekündigten Deutschlandbesuch 1989 Karl Leisner – 50 Jahre nach seiner Verhaftung – im Dom von Xanten als Martyrer selig sprechen würde.

Rundbrief des IKLK Nr. 19 Dezember 1988, Seite 7:
Die polnische Bischofskonferenz hat während ihrer Plenarkonferenz in Jasna Gora am 3. Mai 1988 sich mit der Causa Leisner befaßt. Berichterstatter war Bischof Kazimierz Majdański aus Stettin, der als Diakon mit Karl Leisner in den KZ Sachsenhau­sen und Dachau über 5 Jahre verbracht hat. Er legte für seinen Mithäftling Leisner Zeugnis ab. In einem Brief an Bischof Lettmann von Münster betont Kardinal Glemp, daß die polnischen Bischöfe den 1977 in Rom eingeleiteten Prozeß der Seligspre­chung Leisners, der als „Deutscher im Konzentrati­onslager ein Zeugnis christlichen Lebens“ gegeben habe, in Rom unterstützen werden.

Am 24. Februar 1990 richtete der Bischof von Münster Dr. Reinhard Lettmann ein Schreiben an Papst Johannes Paul II., in dem er darum bat, „das eingeleitete Seligsprechungsverfahren als eine Causa super Martyrio führen zu dürfen“ und erhielt am 21. Mai 1990 vom Präfekten der Congregatio pro causis sanctorum Angelo Kardinal Felici eine positive Antwort.

Lettmann

 

Bischof Reinhard Lettmann bemühte sich eventuellen im Laufe des Prozesses auftretenden „Schwierigkeiten vorzubeugen“, wie sein Brief vom 19. Juni 1990 an den Propst von Xanten zeigt.

Xanten

 

Der Nachrichtendienst Münster (ndm) berichtete am 6. September 1990:

Nachrichtendienst

 

Brief des Anwalts Dr. Andrea Ambrosi aus Rom vom 21. Dezember 1991 an Dr. Paul Hellbernd in Münster:

Ambrosi

 

Link zur Ankündigung der Seligsprechung Karl Leisners

Termin der Seligsprechung von Karl Leisner
(Bericht des damaligen Pressesprechers des IKLK Werner Stalder)

Termin-der-Seleigsprechung-von-Karl-Leisner

 

Sr. M. Reinhildis Gehring SND:
Wenn wir das Leben der Märtyrer schauen, die aus ihrem Glauben und ihrer Berufung gelebt und gelitten haben, dann vermögen wir zu erahnen, wie ihr Leben in der Drangsal zu einer Reife und Fülle gelangt ist, die weit über das Sterben hinaus reichen Segen bringt. Sie hinterlassen ein Vermächtnis, das uns Lebenden Mut machen kann, auf dem Weg in das Jenseits ganz im Diesseits zu stehen.[1]

[1]    Schwester Maria Gehring: Lichtblicke, Leben wecken – Hoffnung schenken: Mönchengladbach 2011

Arnold Angenendt zum Martyrium in den Religionen[1]

Angenendt

[1]    Arnold Angenendt im Monatsheft für Gesellschaft und Religion „HERDER KORRESPONDENZ“ 70 (5/2016), S. 42

Link zur Herderkorrespondenz

Impressionen zur Seligsprechung von Karl Leisner am 23. Juni 1996 im Olympiastadion in Berlin

 

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Bei der Seligsprechung von Karl Leisner am 23. Juni 1996 in Berlin bekamen die KZ-Priester (v.r.) Johannes Sonnenschein und Hermann Scheipers sowie der damalige Präsident des IKLK Hans-Karl Seeger einen Platz zwischen den Bischöfen. Nach den Feierlichkeiten äußerten die beiden Zeitzeugen der Priesterweihe Karl Leisners: „Das hier im Olympiastadion, wo vor 60 Jahren Adolf Hitler die Jugend Europas verführte, war das I-Tüpfelchen zu dem, was wir bei der Priesterweihe erlebt haben.“

Fotos IKLK-Archiv

Bericht von Dr. Peter Wolf zum 20. Jahrestag der Seligsprechung von Karl Leisner

Artikel von Michael Grottendieck vom 23. Juni 2016 in den Westfälischen Nachrichten

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