Süchtelner Höhen damals und heute

Irmgardiskapelle mit Brunnen auf dem Heiligenberg in Viersen-Süchteln[1]

Unter der Überschrift „So schön sind die Süchtelner Höhen“ berichteten N. Fischer und B. Ronge in der RP ONLINE vom 12. April 2017 über die Anziehungskraft der „sagenumwobenen Landschaft“ auf Menschen von nah und fern.
Auch Karl und Willi Leisner gehörten zu den „Nicht-Süchtelnern“.

Quelle des Fotos: Wikimedia Commons / Fotograf: Lichtjäger (Stefan Füser) / CC BY-SA 3.0 (abgerufen 12.04.2017)

Link zu RP ONLINE vom 12. April 2017

[1] Kapelle in den Süchtelner Höhen im Viersener Stadtteil Süchteln auf dem sog. Heili­gen­berg – Errichtung eines ersten Gotteshauses um 1498 – vollständige Zerstörung 1589 – Er­richtung der heutigen Kapelle zu Ehren der Schutzheiligen Irmgard von Süchteln 1664 – Am Südhang hinter der Kapelle befindet sich der Irmgardisbrunnen, auch Irm­gardis-Pött­sche genannt. Während der Irmgardisoktav um den 4.9., dem Gedenktag der Heiligen, fin­det eine Prozession auf den Heiligenberg statt mit anschließendem Gottesdienst im Wald vor der Kapelle.

Willi Leisner kam wegen seiner „Englischen Krankheit“ (siehe Aktuelles vom 9. Mai 2017) am 26. August 1929 in die „Provinzial-Kinderheilanstalt Süchteln“[1]. Von da an spiegelt sich in Karl Leisners Tagebuchnotizen wider, wie die Brüder Süchteln und Umgebung kennenlernten. Die Aufzeichnungen zeigen auch, wie sehr Karl Leisner seinen jüngeren Brüder vermißt, sich um ihn gesorgt und gekümmert hat.

[1] Provinzial-Kinderheilanstalt in Süchteln
 Eröffnung der Klinik als Provinzial Heil- und Pflege­anstalt Johannistal zu Süchteln mit 800 Betten 1906 – Selbstän­dig­keit u. Abtrennung der heutigen Orthopädi­schen Klinik als Orthopädi­sche Provinzial-Kinderheianstalt (Prokiheia) so­wie Übernahme der Pflege durch Heiligenstädter Schul­schwe­stern 1921

Kleve, Montag, 26. August 1929
Um 7.30 Uhr brachte ich das Kasperle-Häuschen […] zur Münze. Ich fuhr von der Münze schnell mit dem Rad zur Bahn, um mich von Willi, der nach Süchteln fuhr, zu verab­schie­den.

Kleve, Sonntag, 1. September 1929
Fahrt per Rad nach Süchteln (zu Willi) – Neuß – Goch wieder nach Cleve Vom 1. September bis zum 2.9.1929
[…]
Dann gings über Oedt nach Süchteln, wo ich um 9.40 Uhr war. Um 10.00 Uhr hatte ich Willi glück­lich gefun­den. Ich gab ihm alles Mitge­brachte und er­zählte ihm alles Neue. Besonders an den Rügenbil­dern hatte er Spaß. Um 11.30 Uhr hatte er Mit­tagessen. Ich legte mich ins Gras und aß mit einem von Willi für solang „ge­liehenen“ An­stalts­löffel meinen Kartoffelsa­lat. Nach dem Mittagessen sprach ich mit Willi über dies und jenes. Nach­dem Willi mir kurz die Anstalt ge­zeigt hatte, fuhr ich um 14.20 Uhr von Süchteln nach Viersen ab.

Montag, 2. September 1929
Um 19.00 Uhr fuhr ich nach Cleve. Um 20.00 Uhr war ich zu Hause, wo ich noch alles von Willi erzählte und allen aus Süchteln, Neuß und Goch Grüße bestellte.

Karl Leisner aus Kleve am Samstag, 28. September 1929, an Walter Vinnenberg in Maria Laach:
Jetzt ist Willi für eine Woche hier auf Urlaub. Am Sonntagabend kam er allein nach hier. Wir freu­ten uns sehr darüber, daß wir den armen Kerl hier hatten. Über­morgen muß er wieder nach Süchteln. Es ist ihm doch hin­derlich das Gips­korsett; aber er hat sich schon vollständig daran ge­wöhnt. Dies Gipskorsett muß er noch fünf Wochen anhalten. Dann be­kommt er nochmal für zwei Wochen ein anderes und dann das endgültige Lederkorsett. Dies wird nicht mit un­be­weglichem Kopfhalter, sondern nur mit einer beweglichen Kopfstütze [sein].

 

Karl Leisner aus Kleve am Dienstag, 15. Oktober 1929, an Walter Vinnenberg in Maria Laach:
Auch Willi habe ich Euern Dank für seine Zeilen mitgeteilt. Ihm geht’s [in Süchteln] prima, nur wird er wohl jetzt, wenn’s so ein dreckiges Wetter ist, viel in der Stube hocken müs­sen. Aber da helfen ihm ja Bücher und Spiele von der Lange­weile ab.

Kleve, Sonntag, 20. Oktober 1929
Gegen 9.15 Uhr war ich in der Anstalt. Ich ging durch ein kleines Törchen herein, da kein Be­suchstag war. – Ich lauerte Willi an der Kirchentür auf. – Ich hatte ihn bald erwischt. Bis Mittag unterhielt ich mich mit ihm und anderes mehr. Ich hatte ihm den „Märklin“-Metallbau­kasten mitge­bracht, wor­über er sich sehr freute. – (NB Er konnte ihn auch gut gebrau­chen, da er am näch­sten Tag den Gips abbekam und wegen einer Wunde lange Zeit zu Bett lie­gen mußte.) – Als Willi Mittagessen hatte, mußte ich verschwin­den. – Wäh­renddes­sen spazierte ich vor der Anstalt auf und ab und aß dabei But­ter­brote. – Nach dem Essen un­terhielt ich mich noch mit Willi und andern. Herr Direktor Dr. Roeren[1] kam mal eben gucken und „schimpfte“ mit Willi (aus Spaß), ob heute Be­suchstag sei!? – Um 14.10 Uhr verab­schiedete ich mich von Willi und um 15.15 Uhr fuhr ich mit dem „ver­kehr­ten“ Zug [Viersen-Krefeld] eine Station weiter nach Vorst. Von dort aber wie­der rasch nach Süchteln und um 15.45 Uhr nach Kempen. Dort hatte ich fast eine Stunde Aufenthalt. Um 17.15 Uhr fuhr ich nach Cleve zurück. – 18.15 Uhr dort an­gekom­men. 18.45 Uhr zu Hause.

[1] Prof. (Direktor) Dr. med. Ludwig Wilhelm Roeren (* 14.11.1888 in Elberfeld, † 16.8.1971) – Facharzt für Orthopädie – Medizinischer Leiter der Provinzial-Kinder­heilan­stalt Süchteln 1921–1954 – Er beobachtete die Behandlung von Willi Leisner und betreute ihn.

Kleve, Dienstag , 22. Oktober 1929
Heute zogen wir um!
[…]
Um 19.30 Uhr fuhr ich […] zum „neuen Haus“, wo ich heute zum er­sten Mal auf meinem schönen großen Zimmer schlief. – Ich schlief sehr gut allein auf meinem Zimmer; aber Willi, der in Süchteln ist, vermißte ich doch etwas. – Das war die erste Nacht im neuen Haus.

Kleve, Samstag, 2. November 1929
2.11. bis 3.11.1929 – Radfahrt mit der Gruppe [St. Werner] nach Süchteln
Dort in der Jugendherberge[1] mit andern Treffen und nachher Willi besucht.
[…]
So fuh­ren wir endlich 14.15 Uhr ab. Es ging über Goch (eben bei den Tanten [Maria und Julchen] ein Paket für Willi abgeholt) – Ke­velaer – Geldern (Rast!) – Kem­pen – (es fing an zu dunkeln; Laternen ange­bracht!) nach Süchteln. An­kunft in der Jugendherberge.

[1] Jugendherberge in Süchteln

Errichtung von Jugend­herberge u. angrenzender Waldkampfbahn (Sport­stätte) durch Bürgermeister Josef Steinbüchel (1884–1957) 1927

 

Süchteln, Sonntag, 3. November 1929
2. Tag. Wir standen 8.20 Uhr auf und wuschen uns. – Um 10.00 Uhr gingen wir nach vorheri­gem „Bummel“ durch Süchteln ins Hochamt [in die St.-Cle­mens-Kirche[1]]. (Die Gottes­dienst­ordnung in der Jugendherberge war nicht richtig; denn auf ihr stand: 9.00 Uhr Messe. Aber es war gar keine.) Um kurz nach 11.00 Uhr waren wir wieder in der Jugendher­berge, die übri­gens sehr sauber ist.
[…]
Nach dem Abschied sausten wir noch eben zur Ortho­pädi­schen Provin­zial-Kinderheilan­stalt und besuchten dort meinen Bruder. (Mama war gerade da.) Nachdem ich Willi die „Schätze“ aus Goch abgelie­fert hatte – (die Hälfte hatte ich am Rad im Rucksack lie­genlassen).

[1] St. Clemens in Süchteln

Gründung vermutlich in karolingischer Zeit – Errichtung des spätgoti­schen 73 m hohen Turmes 1481 – Bau des Langhauses Mitte des 19. Jh. – Die Chorfenster zeigen Darstellungen aus dem Leben der hl. Irmgardis.

 

 

 

Karl Leisner aus Kleve am Sonntag, 24. November 1929, an Walter Vinnenberg in Maria Laach:
Von der Süchtelner „Auf­erstehungsfeier“ habt Ihr sicher die Karte bekommen.[1]
[…]
Dann besuchten wir noch eben Willi, der leider nicht zur Jugend­her­berge kommen konnte, weil er gerade das Gipskor­sett abbe­kom­men hatte. Er hatte natürlich riesigen Spaß, seine „Kumpels“ mal wie­der­zu­se­hen.

[1]  Willi Leisner war von seinem Gipskorsett befreit worden und hatte ein Lederkor­sett bekommen.

Kleve, Mittwoch, 18. Dezember 1929
Heute kam Willi aus Süchteln zu einem dreiwöchigen Urlaub. Mit dem Auto fuhren wir zur Wohnung.

Kleve, Sonntag, 29. Dezember 1929
Um 9.45 Uhr gings, trotzdem das Wetter nicht einla­dend aussah, zu Fuß nach – – – Goch?! Aber, als wir beim „Wei­ßen Tor“ waren, fings dermaßen an zu stürmen und Regenböen peitschten uns so ins „Ange­sicht“, daß wir schon in Bedburg zum Bahnhof gingen, um mit dem Zug nach Goch zu fahren. (Mama mit Willi, der wegen sei­nem Gips nicht so weit laufen kann, waren von Cleve aus mit dem Zug gefah­ren.)
[…]
Zum Kaffee kam ein Junge, der bei Willi in Süchteln ist, Fritz van der Wouw.

Karl Leisner aus Kleve am Sonntag, 2. März 1930, an Walter Vinnenberg in Maria Laach:
Meinem lieben „Brüderlein“ geht’s ausge­zeichnet. – Heute war Vater in Süchteln. Dort besucht Willi jetzt Ostern wieder das Gymna­sium[1], da er noch wohl ein Jahr in der Heilanstalt blei­ben muß. Ich vermisse ihn doch sehr; er ist im­mer so’n lieber, lustiger Kerl, und mit ihm habe ich öfters viel Freude ge­habt. – Na ja, es geht ja schließlich auch so! Jetzt kommt ja wieder die wärmere Jahres­zeit, und da kann ich ja jeden Monat mal zu ihm hinfahren.

[1]  Von Ostern 1930 bis März 1931 besuchte Willi Leisner die Städtische höhere Knaben­schule in Süchteln.

Süchteln, Samstag, 5. April 1930
Samstag: Bei Willi in Süchteln. Er zeigt [.?.] im Wald die Quelle und die verf. [verfallene] Kirche.
Mittags mit Willi und Fritz van der Wouw = Goch und seinem Vater zu den Süchtelner Höhen (Irmg.-Kap. [Irmgardiskapelle]).

Aus Karl LeisnersTagebuchaufzeichnungen ist nicht ersichtlich, ob er sich mit der Identität der Irmgard von Aspel[1] bei seinem Geburtsort Rees und der Irmgard von Süchteln auseinandergesetzt hat.
Die Lebensbilder der Irmgard von Aspel und der Irmgard von Süchteln und Köln überschneiden einander.

[1] Irmgard von Aspel, Heilige
1002 wurde Irmgard von Aspel als älteste Tochter des Grafen Godizo (* ?, † 1011) ge­bo­ren. Nach Godizos Tod erbte seine Witwe Aspel. Irmgard war die Grün­de­rin des Kolle­giat­stiftes St. Marien zu Rees. Eine Gräfin Irmgard von Aspel, auch Irmen­thrudis genannt, starb vermutlich um 1075 bzw. 1082–1089 und wurde wahrscheinlich an einem 4.9. im Kölner Dom in der Agnes­ka­pelle beigesetzt. – Gedenktag 4.9. Ausführliche Informationen zu Irmgard von Aspel siehe Anhang.

Kleve, Samstag, 5. Juli 1930
Samstag, den 5. Juli bis Sonntag, den 6. Juli. Fahrt nach Süchteln
Um 14.00 Uhr sollten wir uns bei Hiby treffen. Ich kam 20 Minuten zu spät. Es ging sofort los.
[…]
Um 19.00 Uhr waren wir an der Süchtelner Ju­gendher­berge, wo uns Ferdi [Falkenstein] aus Neuß, den ich vorher davon benach­richtigt hatte, erwartete. Kurze Begrü­ßung! Dann legten wir unsere Sachen ordentlich im Schlafsaal hin und plauderten noch etwas miteinander auf den Sitzen des Sportplatzes [der Süchtelner Waldkampfbahn]. Um 21.00 Uhr ging’s in die Klappe.

Süchteln, Sonntag, 6. Juli 1930
Hierauf fuhren wir mit den Rädern über die Süchtel­ner Höhen zur Kinderheilanstalt (Krüp­pel), wo ich Willi zum Mitfahren abho­len sollte. Es dauerte etwas arg lang und die andern waren schon ganz unge­duldig geworden.
[…]
Dann fuhren wir a tempo zur Süchtelner Jugendherberge zurück.

Karl Leisner aus Kleve am Freitag, 3. Oktober 1930, an Walter Vinnenberg in Maria Laach:
Willi hält sich auch ganz gut in Süchteln. Am Sonntag fahr ich hin. Er hat Dir sicher schon geschrieben. Hoffentlich kommt er Ostern nach Hause; denn es ist doch schöner mit ihm, als ohne ihn.

Kleve, Sonntag, 5. Oktober 1930
In Süchteln bei Willi!
Um 5.15 Uhr auf. Um 6.00 Uhr in der Oberkirche [Stiftskirche] Messe. Um 8.04 Uhr mit dem Eil-Zug nach Kempen. – (Fei­ner, neuer Wagen. Lokus mit Spülung und Waschgelegenheit!) – Von Ke­velaer bis Kempen mit einem Cle­ver unterhalten. – Um 9.04 Uhr Kem­pen an. Um 9.40 Uhr ab [mit dem „Schluff“ über Schmalbroich]. Bis Oedt Tagebuch [Vornotizen] im „wack­ligen“ Zug. Um 10.00 Uhr in Süchteln. Fritz v. d. W. [van der Wouw] war da. – Gegen 10.45 Uhr in der An­stalt. Alles bei Willi aus­gepackt. – Von 11.00 bis 13.40 Uhr kleinen Spa­ziergang gemacht. Willi von Föns [van Thiel], Gruppe und Gautag [des Katholischen Wandervogels (KWV)] in Solingen erzählt. So­lange Willi und Fritz aßen, draußen gesessen, gefuttert und Tagebuch ge­schrie­ben. – Nach dem Essen bis zur Andacht mit Willi in’n Wald gegan­gen. – Um 14.00 Uhr Rosenkranzandacht in der A-Kapelle [Anstalts-Kapelle]. Nach der An­dacht Willi Kaffee bis 15.10 Uhr. Er brachte mir ein Stück Waldbeer­kuchen mit. Dann wieder durch die Gegend geströpt. Über die Süchtelner Höhen zum Bahn­hof. Um 17.24 Uhr ab Süchteln.

Kleve, Sonntag, 12. Oktober 1930
(Nachtrag) War heute bei Willi in Süchteln und brachte ihm das Fackel­zeug („Auf zum Brocken“) mit.[1] Wir gingen zusammen zu den Süchtelner Hö­hen spazieren.

[1] Willi Leisner hatte drei Zuckerrüben ausgehöhlt, als Hexen gestaltet und dazu ein beleuchtetes Schild mit dem Text „Auf zum Brocken“ gefertigt.

Kleve, Montag, 8. Dezember 1930
Nachmittags fährt Willi wieder nach Süchteln.

Kleve, Mittwoch, 24. Dezember 1930
Heiligabend 1930 muß es schön gewesen sein. Willi hatte in Süchteln geba­stelt.

Karl Leisner aus Kleve am Samstag, 21. Februar 1931, an Walter Vinnenberg in Münster:
Weißt Du vielleicht, ob man Kapuziner-Föns [van Thiel] in der Fastenzeit besuchen darf?!! Denn ich wollte, wo ich jetzt am ersten Sonntag im März [1.3.1931] nach Süchteln zu Willi fahre, auch mal eben zu Föns [in Krefeld], was ja von Süchteln aus keine Weltreise mehr ist.
[…]
Also schreib mir mal bitte über das vor dem ersten Sonntag im März; denn später bietet sich einem nicht mehr solch eine gün­stige Gelegenheit, weil Willi nach dem Ende des Schuljahres end­gültig nach Hause kommt. – Deo gratias! Denn es ist doch schö­ner zu zweien, als allein.

Kleve, Samstag, 28. März 1931
Am 28.3.1931 kam Willi von Süchteln wieder. Großes Festessen! Freude!

Karl Leisner aus Kleve am Sonntag, 24. Mai 1931, Pfingstsonntag, an Walter Vinnenberg in Telgte:
In bezug [auf das] Pfingstlager ha­ben wir zwei soviel erreicht, daß wir die letzten drei Tage hindürfen.[1] Vorher fahren wir dann nach Süch­teln, wo Willi sich dem Herrn Direktor [Dr. Ludwig Roeren] und den Ärz­ten nochmal vorstellen muß. (Das heißt: Es wird nach­ge­se­hen, ob noch alles mit seinem Lederpanzerkreuzer [Korsett] stimmt.)

[1]  Karl Leisner aus Kleve am Dienstag, 14. Juli 1931, an Walter Vinnenberg:
Am Pfingstsonntag [24.5.] fragt mein Vater mich, ob ich die ganze Woche zum Rheinlager wolle, er hätte Fe­rien bekommen und da wollte er schon mit Willi nach Süchteln zur Vorstellung fahren.

Schaephuysen, Mittwoch, 27. Mai 1931
Schlechtes Wetter! 8.00 Uhr: Der Regen hört auf. Wir starten nach Süch­teln, wo wir 10.00 Uhr sind. Zwei Stunden dort.

Karl Leisner aus Kleve am Dienstag, 5. Januar 1932, an Walter Vinnenberg in Münster:
Willi ist gestern früh für drei Tage „Untersuchungshaft“ nach Süchteln gefahren.

Karl Leisner aus Kleve am Freitag, 22. Juli 1932, an Walter Vinnenberg in Münster:
Willi kann nicht mitkom­men, da er acht Tage nach Süch­teln muß.

Kleve, Freitag, 12. August 1932
Willi war wieder aus Süchteln zurück.

Von Karl und Willi Leisners 1937 beschlagnahmten Tagebüchern hat Willi nur das Tagebuch Nr. 5 von 1935 zurückbekommen.

Donnerstag, 3. bis Freitag, 4. Januar 1935
Heute mußte ich nach Süchteln zur Korsettreparatur.[1]

[1] Leisner, Willi: Tagebuch Nr. 5: 83

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Irmgard von Aspel
„Es muß im Leben mehr als alles geben!“

Pfalzgraf Richizo, Neffe des Erzbischofs Wichfried von Köln, erbte den niederrheini­schen Besitz seines Vaters Gottfried vom Hattuariergau und baute sich 950 auf einer Landzunge im As­peler Meer die Burg Aspel. Richizo starb 973 und über­gab die Burg Aspel an seinen Sohn Godizo.

Wasserburg Aspel, erbaut im 10. Jahrh., abgetragen im 15. Jahrh.
Rekonstruktion nach einem Fresko in der Agneskapelle im Kölner Dom

1002 wurde Irmgard von Aspel als Godizos älteste Tochter ge­boren. Als er 1011 starb, erbte seine Witwe Aspel. Nach deren Tod wurde Irmgard mit ihrer Schwester Irmtrud Erbin von Aspel. Als letzte ihrer Sippe schenkte Irmgard ihren ganzen Besitz mit Rees, Haldern und Burg Aspel dem heiligen Petrus in Köln, also den Erzbi­schöfen. Dazu gehörte auch das von ihr gegründete Kolle­giatstift St. Marien zu Rees mit der Grablege ihrer Eltern.
Dadurch erhielt der Kölner Erzbischof am unteren Niederrhein eine bedeutende Besitzung (Grundherrschaft). 1228 er­hob er Rees zur Stadt, verlor sie aber schon 1392 an die Klever Grafen.
Eine Gräfin Irmgard (auch Irmenthrudis genannt) von Aspel starb um 1075 (andere Daten: 1082 und 1089) und wurde im Kölner Dom beigesetzt.
Das sind nur wenige historische Daten. Aber von den wichtig­sten Heiligen unseres Kalenders ist Historisches im wissen­schaftlichen Sinne wenig bekannt; viel Legendäres hat sich ge­bildet. Wie sich oft hin­ter einem Namen mehrere Personen verbergen – auf die heiligen Maria Magdalena werden zum Beispiel Dinge übertragen, die von drei verschiedenen biblischen Frauen berichtet werden: sie ist die Frau, die Jesus von starker Besessenheit befreite (vgl. Mk 16,9), man identifiziert sie aber auch mit Maria von Bethanien (vgl. Joh 12,1-8) und der Sünderin (vgl. Lk 7,36-50) – so handelt es sich vermutlich auch bei Irmgard von Aspel und der Einsiedlerin Irmgard von Süchteln und Köln um zwei oder sogar drei Personen eines Namens. Im gläubigen Volk Gottes finden sich aber Legenden, die für Irmgards Leben bis auf den heutigen Tag aussagekräftig sind.
In der Vorstellung des Volkes hat sich ein Dreischritt gebildet: Irmgard die Grafentochter in Aspel, die Klausnerin in Süchteln und die Kranke pflegende Frau in Köln. Sie wird dargestellt als Pilgerin mit Stab, vor dem Kreuze betend. Der Irmengardweg zwischen Aspel und Rees kündet von zahlreichen Wallfahrten in vergangenen Zeiten.
Wir können uns ein Leben am Ende des 1. Jahrtausends nicht gut vorstellen. Aber möglicherweise hat eine Grafentochter bes­ser gelebt als viele Menschen in der Umgebung. Aspel war poli­tischer Mittelpunkt. Die umliegenden alten Gehöfte haben ihre Haustüren auf Aspel hin ausgerichtet.
Aber: „Es muß im Leben mehr als alles geben“. Indem Irmgard alles hinter sich ließ, lebte sie in Aspel als Einsiedlerin. Diese Einsiedelei hatte Mutter Maria Theresia Haaze im Traum gesehen, bevor sie As­pel 1851 als erste Niederlassung in Deutschland für ihren 1833 gegründeten Orden, die Töchter vom heili­gen Kreuz, erwählte. Von Aspel aus machte Irmgard sich auf den Pilgerweg, um als Einsiedlerin in Süchteln zu leben. Dort befindet sich noch eine vielbesuchte Irmengardiskapelle. Dreimal unternahm Irmgard die in damaliger Zeit besonders für eine Frau sehr beschwerliche Wallfahrt nach Rom.
Wir wissen von vielen Heiligen, daß sie in die Wüste gingen, sich einmauern ließen oder in einer Höhle lebten. Aber das war nicht nur ein Sich-zurückziehen von der Welt, sondern diente auch der Vorbereitung auf eine andere Aufgabe. So lebte zum Beispiel die hei­lige Hildegard lange bei einer Klausnerin, bevor sie ihre Stimme erhob. Solche Zurückgezogenheit, die selbst Jesus erlebte, war bei Irmgard Vorbereitung darauf, Zeugin des Lebens zu sein und die erfahrene Liebe weiterzugeben.[1]

[1]  Der Evangelist Lukas berichtet im Kap. 10,38–42 vom Besuch Jesu bei Maria und Martha. Während Maria zu Füßen Jesu sitzt und seinen Worten lauscht, kümmert sich Martha um die Bewirtung des Gastes, ist aber unzufrieden, weil sie wenig mitbekommt von dem, was Jesus sagt. Sie fragt ihn: „Herr, kümmert es dich nicht, daß meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überläßt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!“ Der Herr antwortete: „Martha, Martha, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.“
Die übliche Auslegung dieses Textes hat dazu geführt, daß man bei Ordensschwestern, die zum Beispiel in Haus und Garten tätig sind, vom niedrigen „Marthadienst“ spricht, während die sogenannten „Chorschwestern“, die sich ganz dem Gebet hingeben, mit Maria gleichgesetzt werden als diejenigen, die das Bessere gewählt haben. Besonders zu beachten ist jedoch Jesu Aussage: „Aber nur eines ist notwendig.“ Denn hätte Martha nur aufgetragen und nicht auch gleichzeitig zuhören wollen, hätte sie wie Maria „das Bessere gewählt“.
Meister Eckhart vermutet, Martha habe sich, bevor sie Jesus bediente, wie Maria verhalten, und weist darauf hin, man müsse auf Gebet und Meditation verzichten, wenn man einem Dürstenden einen Becher Wasser rei­chen könne. Insofern vermittelt er zwischen beiden Positionen, was auf Irmgard übertragen bedeutet: Nach der Einsiedelei folgt die Pflege der Kranken.

Irmgard richtete in Köln die Hacht als Hospital ein und pflegte Kranke. In Köln soll sie Zwiesprache gehalten haben mit einem Kruzifix im Dom. Wir wissen aus der Kunstgeschichte um die Bedeutung dieses romanischen Kreuzes, des Gerokreuzes[1], auf dem der König zum leidenden Menschen wird. Irmgard hörte immer wieder die Worte: „Auserwählte Tochter, ich danke dir!“ Dieser Dank des Herrn war für sie überreicher Lohn dafür, daß sie ihm nie eine Bitte abgeschlagen hatte. Nach einem Leben voll Frömmigkeit und Wohltätigkeit starb sie in Köln und wurde später in der Agneskapelle, nahe dem romanischen Kreuz, in einem Hochgrab beige­setzt[2]. Der 4. September war wahrscheinlich der Tag der Übertragung ihrer Reliquien in die Agneskapelle. 1486 zählte der 4. September zu den Festtagen der Domkirche und wurde am Vorabend festlich eingeläutet. Das Grabmonument zeugt von dem großen Ansehen, das Irmgard da­mals in Köln genoß.
Orte haben ihr Gedächtnis. Wo Irmgard Wesentliches für ihr Leben erfahren hatte, setzten die Töchter vom heiligen Kreuz in den 1990er Jahren mit dem Geistlichen Zentrum HAUS ASPEL[3] die Tradition im Sinne der hl. Irmgard für eine Zeitlang fort.

[1] Link zum Gerokreuz im Kölner Dom

[2] Link zur Agneskapelle im Kölner Dom

[3] Link zu Haus Aspel

Kleine Gruppen pilgern wieder nach Aspel. Am 4. September pilgern alljährlich Menschen aus Haldern nach Aspel zur heiligen Irmgard. In einem festlichen Gottesdienst besinnen sie sich auf das Ziel ihres Lebensweges und schöpfen Kraft für die nächste Wegstrecke. 1995 wurde dabei eine Reliquie der heiligen Irmgard aus ihrem Grab in Köln mitgetragen.
Nach Mitteilungen im Kölner Domblatt von 1994 hat man das Grab zu verschiedenen Zeiten geöffnet. So gibt es einen Hinweis darauf, daß auf Anordnung des Domkapitels 1744 das Grab verschlossen wurde. Am 18. August 1864 wurde es wiederum geöffnet und am 16. Dezember untersucht. Bei dieser Untersuchung war auch Dr. med. Bernhard Michael Braubach, prakti­scher Arzt und Anatomist in Köln, zugegen. Dieser unterschrieb als „Dr. B. M. Braubach, doctor medicinae et medicus practicus“. Am 21. Dezember 1864 wurde das Grab wieder ge­schlossen. In der beigefügten Urkunde heißt es: „Der bei der Verhandlung mit anwesende Pfarrer Lambertz aus Süchteln erhielt auf Grund des Kapitelsbeschlusses vom 6. ds. Mts. und nach vorher eingeholter Autorisation der Erzbischöflichen Behörde das oben genannte hölzer­ne Schüsselchen nebst einem Wirbelknochen. Zugleich wurden drei kleinere Reliquien der sel. Irmgardis separiert und sollen dieselben auf den desfallsigen Wunsch den hiesigen Francis­canerinnen übergeben werden.“
Vermutlich entnahm man noch weitere Reliquien und gab sie nach Erstellung dieser Urkunde weiter. Ein Stück vom Finger der heiligen Irmgard machte eine interessante Reise: Am 29. Au­gust 1926 wurde in Köln-Bayenthal das neue Irmgardis-Kloster eingeweiht. Die Töchter vom heiligen Kreuz bemühten sich um die Genehmigung zur Errichtung einer höheren Schule. Am 15. März 1927 wurde ein Lyzeum genehmigt. Am 21. März 1927 begannen 23 Sextanerinnen als erster Jahrgang an der Irmgardis-Schule ihre Schullaufbahn. In der Chronik des Irmgardis-Klosters ist am 7. Juli 1929 verzeichnet: „Frau Sanitätsrat Braubach verehrte uns heute eine große Reliquie der hl. Irmgardis – ein Stück von ihrem Finger – kostbar in Gold gefaßt, eine wertvolle Filigranarbeit. Ihr verstorbener Gatte, der als Arzt zum kirchlichen Gerichtshof hin­zugezogen wurde bei der Umbettung der Gebeine der hl. Irmgardis im Dom, erhielt diese wertvolle Gabe von dem damaligen Herrn Erzbischof zum Geschenk. Wir sind überaus glück­lich, ein so teures Andenken unserer lieben Schutzherrin zu besitzen.“ Diese Notiz in der Chronik zeigt, wie schnell die Irmgardis-Schule in Köln zu Ansehen gekommen war, so daß eine Witwe auf die Idee kam, eine derartige Hinterlassenschaft ihres Mannes dem Kloster zu schenken.

Zu dieser Reliquie gehören zwei Urkunden:

Vincentius Bracco,
durch göttliche Barmherzigkeit und die Gnade des apostolischen Stuhles
Patriarch von Jerusalem,
Großmeister des Heilig-Grab-Ordens.

Für alle und einzelne, die in diese vorliegende Urkunde Einsicht nehmen werden, bekunden Wir glaubwürdig und bezeugen Wir, daß Wir zur größeren Ehre Gottes und zur Ehre Seiner Heili­gen die heilige Partikel aus der Geißelsäule unseres Herrn Jesus Christus geprüft haben, die in Jerusalem aufbewahrt wird, die Wir, an authentischer Stelle entnommen, ehrfürchtig in eine runde silberne Kapsel gelegt haben, gut verschlossen, festgehalten von einer seidenen Schnur aus roter Farbe und mit Unserem Siegel versiegelt, und Wir haben sie übergeben mit dem Recht, sie bei sich zu behalten, anderen zu schenken und sie zur öffentlichen Verehrung der Gläubigen auszustellen. Wir haben verkündet, daß diese Urkunde, von Unserer Hand unter­zeichnet und mit Unserem Siegel versiegelt, für deren Glauben förderlich ist.

Gegeben zu Jerusalem vom Sitz des Patriarchen am 17. des Monats Januar 1885.

+ Vincentius Patriarch

Wir haben heute die oben beurkundete heilige Partikel zusammen mit der Reliquie der Seligen Irmgard, die in der Metropolitankirche zu Köln ruht, in eine andere metallene längliche Kapsel gelegt, mit einem Kristall versehen, gut verschlossen mit einem seidenen Faden aus roter Farbe befestigt und Unserem Siegel versehen.

Köln, den 21. April 1896
+ Antonius Fischer, Titularbischof von Juliop und Weihbischof von Köln.

 Johannes Antonius Friedrich Baudri,
durch göttliche Barmherzigkeit und die Gnade des apostolischen Stuhles
Bischof von Arethusa und Weihbischof des Erzbistums Köln,
Hausprälat des Apostolischen Stuhles,
des ehrwürdigsten und hervorragendsten Erzbischofs von Köln,
unseres Herrn Kardinalpriesters Johannes von Geissel,
Generalvikar und Dekan der Metropolitankirche zu Köln,
Kapitelsvikar während der Sedisvacanz.

Hiermit wollen Wir bezeugen, daß Wir von den heiligen Reliquien der Seligen Irmgard, die in der Metropolitankirche zu Köln ruhen, eine Partikel entnommen haben und sie ehrfürchtig in eine hölzerne runde Kapsel, befestigt mit einem seidenen Faden aus roter Farbe, auf der Vor­derseite mit einem Kristall versehen, gelegt haben und diese Kapsel rückwärtig mit Unserem Siegel in spanischem Wachs versiegelt haben, um ihre Glaubwürdigkeit zu bestätigen, und die­ses mit der Absicht, daß jene heilige Partikel in Kapellen manialium ordinis des heiligen Fran­ziskus Seraphicus zur öffentlichen Verehrung der Gläubigen ausgestellt werden darf.

Gegeben, mit Unserem Siegel versehen, zu Köln
im Jahre 1865, am 7. Tag des Monats September.

Siegel                                                                                   Baudri, Weihbischof

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Im Sommer 1985 verließen die letzten Schwestern Köln-Bayenthal. So kamen die Unterlagen aus dem Kloster nach Aspel. Dabei war auch eine Reliquie der heiligen Irmgard. 1995 wurde sie im Archiv wiederentdeckt und zunächst für die Reliquie gehalten, die 1918 nach Aspel ge­kommen war. Es war aber die Reliquie aus Köln-Bayenthal, die bei den Prozessionen am 4. September 1995 und 1996 in Aspel verehrt wurde. Sie erhielt, gefertigt von dem Diplomdesigner Detlef Theinert aus Kleve, als Rahmen und Ständer ein A aus Holz aus dem Aspeler-Logo von 1985.

Als Hans-Karl Seeger, Spiritual im Geistlichen Zentrum Haus Aspel, am 4. September 1996 verabschiedet wurde, schenkten ihm die Schwestern diese Reliquie. Sie befindet sich heute in seiner Wohnung in Billerbeck und soll nach seinem Tod einen Platz in der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt von Rees[1] bekommen.

[1]  Link zur Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt

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Im Grab der heiligen Irmgard in Köln befindet sich auch eine Urkunde, aus der hervorgeht, daß eine weitere Öffnung des Schreines am 29. November 1904 erfolgte. Am 15. März 1909 ist ei­ne Urkunde ausgestellt durch Kardinal Antonius Fischer. Die Öffnung war aus Anlaß eines Konfirmationsverfahrens erfolgt, bei dem festgestellt werden sollte, ob Irmgard verehrt werden dürfe, obwohl nie ein päpstliches Heiligsprechungsverfahren geführt worden war. Das Ergebnis der Untersuchung war folgendes: Die Inschrift an den Hauptreliquien gehört in die Mitte des 14. Jahrhunderts. Das bischöfliche Urteil stellte am 22. Mai 1912 fest, Irmgard werde bereits 1534 verehrt und dieses dürfe daher weiter geschehen.
Am 2. Juni 1992 öffnete man das Grab erneut. Bei dieser Öffnung waren u.a. Oberstudiendi­rektor Bruno Holschbach und Gymnasialpfarrer Richard Strauch der Irmgardis-Schule in Köln-Bayenthal zugegen und bekamen eine Reliquie für den neuen Altar der Irmgardis-Schule, der am 25. Juni 1992 von Kardinal Meisner konsekriert wurde. Am 25. September 1992 wurde das Grab wieder verschlossen.

In Aspel hat sich auch die Reliquie wiedergefunden, die 1918 dorthin gekommen war und die man 1949 von Aspel nach Haldern und zurück getragen hatte. Ein Foto von dieser Prozession läßt an der Reliquienform erkennen, daß es diejenige war, deren Urkunde wie folgt lautet:

FELIX
S.R.E. Kardinalpriester der Titelkirche S. Johannes von der Lateinischen Pforte
VON HARTMANN
durch göttliche Barmherzigkeit und die Gnade des apostolischen Stuhles
Erzbischof von Köln
Legat des Heiligen Stuhles
allen Lesern Heil im Herrn

Hiermit bekunden wir glaubwürdig und bezeugen, daß wir zum größeren Ruhm des allmächti­gen Gottes und zur Verehrung seiner Heiligen als geheiligt anerkennen das Partikel, das heißt den Halswirbelknochen der heiligen Irmtrudis oder Irmgardis, das wir an authentischer Stelle entnommen und ehrfürchtig in eine ovale messing versilberte Kapsel gelegt haben, gut ver­schlossen, festgebunden mit einer seidenen Schnur aus roter Farbe und mit unserem Siegel versiegelt und der Kapelle des Hauses Aspel geschenkt haben.

Gegeben zu Köln am 3. März 1918 mit unserem Zeichen und Siegel.

Siegel                        F. Kard. von Hartmann
Gesehen und zur öffentlichen Verehrung
der Gläubigen zugelassen

Siegel                        Münster, 26. März 1918
Johannes (Poggenburg), Bischof von Münster

In den Annalen von Haus Aspel ist dazu zu lesen: „Der 2. April 1918 war ein besonderer Fest­tag für unser Haus. Der Hochwürdigste Herr Weihbischof, Monsignore Dr. Lausberg von Köln, brachte uns im Auftrag Sr. Eminenz, des Kardinals von Hartmann eine eigens für Aspel erhobene Reliquie der hl. Irmgardis, die um die Mitte des 11. Jahrhunderts hier in Aspel, auf der Burg ihrer Väter durch eine Gottgeweihte Jugend ihre spätere Heiligkeit begründete. In der Ansprache, die der Hochw. Herr bei der Übertragung der Reliquie hielt, hob er hervor, daß die hl. Irmgardis eine große Verehrerin des hl. Kreuzes gewesen sei und glaubte, eine besondere Fügung darin erblicken zu müssen, daß mehr denn 800 Jahre nach ihrem Scheiden von der heimatlichen Flur, die Töchter des hl. Kreuzes dort dem Herrn ein trautes Zelt erbauen durften, das nach den traurigen Wirren des Kulturkampfes durch seine des Hochwürdigsten Herrn eige­ne, der lieben Genossenschaft so gerne geleisteten Bemühungen, seiner ursprünglichen Be­stimmung wieder übergeben werden konnte. Von jetzt an solle Aspel unter dem ganz besonde­ren Schutze der hl. Irmgardis stehen, deren Reliquie, ein in silbernem Behälter gefaßter Hals­wirbel, der Hochw. Herr den Schwestern zur Verehrung reichte. Danach wurde sie für 8 Tage auf dem Herz-Jesu Seitenaltar inmitten von Blumenschmuck und Kerzen ausgestellt.“

Diese Reliquie ist in eine Monstranz eingefügt, die als Gravierung den Text trägt:
„Unserer lieben Schwester
Agnes Elisabeth zur Profess
am 19.4.1933 Paderborn, Ostern 1933
Maria Freitag
Hanna Günther“

Daraufhin wurde in Köln die Authentizität der Reliquie erneut festgestellt, wie eine weitere Urkunde von Kardinal Schulte aus dem Jahre 1938 bezeugt.

KARL JOSEPH
S.R.E. Kardinalpriester der Titelkirche der heiligen vier Gekrönten
SCHULTE
durch göttliche Barmherzigkeit und die Gnade des apostolischen Stuhles
Erzbischof von Köln
Legat des Heiligen Stuhles
allen Lesern Heil im Herrn

Hiermit bekunden wir glaubwürdig und bezeugen, daß wir zum größeren Ruhm des allmächti­gen Gottes und zur Verehrung seiner Heiligen als geheiligt anerkennen das Partikel, das heißt den Halswirbelknochen der heiligen Irmtrudis oder Irmgardis, das wir an authentischer Stelle entnommen und ehrfürchtig in eine ovale messing versilberte Kapsel mit einer Glasfläche gelegt haben, gut verschlossen, festgebunden mit einer seidenen Schnur aus roter Farbe und mit unse­rem Siegel versiegelt und der Kapelle des Hauses Aspel geschenkt haben.

Gegeben zu Köln am 14. Januar 1938 mit unserem Zeichen und Siegel.

Siegel                                    Kard. Schulte
Erzbischof von Köln

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Der Bischof von Münster, Dr. Reinhard Lettmann, stellte am 17. August 1995 an die Kongre­gation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung in Rom den Antrag, die Feier der heiligen Irmgard von Aspel am 4. September in den Eigenkalender der Diözese Münster aufzu­nehmen. Mit einem Schreiben vom 14. September 1995 aus Rom gab die Kongregation diese Erlaubnis. Das Tagesgebet in der Liturgie lautet:

Herr, unser Gott,
du läßt deine Liebe
in den Heiligen aufleuchten.
Deine Liebe bewegte die heilige Irmgard von Aspel,
ihren Besitz zu verschenken
und dir in den Armen und Kranken zu dienen.
Ihr Beispiel möge uns ermutigen,
deinem Sohn Jesus Christus nachzufolgen,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.