Vallendar: Karl-Leisner-Haus und weitere Ehrungen des Seligen in der Marienau in Schönstatt

vallendar-karl-leisner-haus-1aIn Schönstatt, einem Stadtteil von Vallendar, gründete Pater Josef Kentenich SAC[1] am 18. Oktober 1914 die Schönstattbewegung. Rund um das erste Schönstattkapellchen, dem Urheiligtum, sind zahlreiche Einrichtungen der Schönstattbewegung angesiedelt. Hierzu gehört auch die Marienau[2], das Zentrum des Schönstatt-Priesterbundes[3]. Das an das Priester- und Gästehaus angrenzende Karl-Leisner-Haus wurde am 26. Oktober 1992 eingeweiht.

[1] Pater Joseph Kentenich SAC (* 16.11.1885 in Gymnich bei Köln, † 15.9.1968 in Vallen­dar-Schönstatt) – Eintritt ins Noviziat der Pallottiner 1904 – Priesterweihe 8.7.1910 in Lim­burg – Spiritual im Studienheim der Pallottiner in Schönstatt 1912–1919 – Er kam am 13.3.1942 ins KZ Dachau und wurde am 6.4.1945 ent­las­sen. 1965 trat er aus der Gemein­schaft der Pallottiner aus und wurde im Bistum Münster inkardiniert.
[2] 1819 Errichtung des Hauses als Tucherei auf dem Gelände des Augustinerinnenklosters – 1887-1920 Lehrerinnenseminar – anschließend Provinzialat der Steyler Missionsschwestern – 1950 Erwerb des Hauses durch die Schönstattpriester aller drei Gemeinschaften (Verband, Bund u. Liga) – seit 1980 Zentrum des Schönstatt-Priesterbundes – in dem parkähnlichen Garten Zusammenfluss von Hillscheider-Bach und Fehrbach
[3]  Zur Apostolischen Bewegung von Schönstatt gehören vier Priestergemeinschaften. Drei Gemeinschaften von Diözesanpriestern: Schönstatt-Priesterliga, Schönstatt-Priesterbund und Verband der Schönstattpriester (Schönstattpriester-Verband). Die vierte Gemeinschaft bilden die Schönstattpatres.

Dia Willi Leisner, 2. Mai 1997

Dia Willi Leisner, 2. Mai 1997

Die Weihe fand unter Beteiligung von 20 Mitbrüdern und den künftigen Hausbewohnern statt. Vorab berichtete Pfarrer Ernst Geerkens, der heutige Custos der Karl-Leisner-Begegnungsstätte in Kleve, anhand einer Dia-Serie über das Leben und Wirken Karl Leisners. Im Karl-Leisner-Haus wohnen heute der Rektor und der Spiritual in der Marienau.

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An der linken Seite der Vorderfront des Karl-Leisner-Hauses wurde 2016 ein 26 cm großes Bronzerelief mit der Darstellung der heimlichen Priesterweihe Karl Leisners im KZ Dachau angebracht. Es wurde von dem Künstler Dieter von Levetzow[1] gefertigt und zeigt u. a. die Portraits des weihenden Bischofs Gabriel Piguet und des Seligen Karl Leisner. Gespendet wurde es von Pfarrer em. Ernst Geerkens.

[1] Der Bildhauer Dieter von Levetzow wurde 1925 geboren und studierte an der Kunstakademie in Weimar. Er wohnt in Kranenburg, im Ortsteil Nütterden und fertigt Portraits, Skulpturen, Brunnen und zahlreiche Werke für Kirchen.

Gleichartige Reliefs sind in Kleve in der Christus-König-Kirche, in Rees in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt, im Karmel Heilig Blut in Dachau und in seinem Sterbezimmer im Waldsanatorium in Planegg. Dieter von Levetzow schuf das Werk in insgesamt drei Größen. Bereits 1995 wurde das erste von drei großen Reliefs für das Karl-Leisner-Heim in Rees hergestellt, ein weiteres 2006 für die Kathedrale von Clermont-Ferrand in Frankreich und 2007 schenkte der Künstler ein Relief der Wallfahrtskirche in Brielle in den Niederlanden.

Siehe Link zu den auf der Homepage des IKLK bereits veröffentlichten Beiträge.

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Im Priester- und Gästehaus der Marienau an der Höhrer Straße 86 wird Karl Leisner auf vielfältige Weise geehrt.

 

 

 

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Anfang 2016 wurde vor der Hauskapelle eine Karl-Leisner-Plastik von dem Künstler Johannes Potzler[1] angebracht. Gespendet wurde sie von Pfarrer Gerhard Ernst und hing bis 2007 in der Pfarrkirche Wittenberg-Jessen, in der er tätig war. Es ist der siebte Guss eines Bronzereliefs, das seit 1997 im Heiligtum der Schönstattpriester auf dem Berg Moriah in Simmern ist.

[1] Bildhauer Johannes Raphael Potzler, geb. 1957 in München, Akademie der Bildenden Künste, Studium der Kunstgeschichte, Ausstellungen u. a. in München, Fulda, Regensburg, Bamberg; u. a. Bronzearbeiten (z. B. Plastiken, Kreuze, Kreuzwege, Heiligenfiguren)

Siehe Link zu den auf der Homepage des IKLK bereits veröffentlichten Beiträge.

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In der Hauskapelle hängt seit 2003 ein Gemälde von dem Künstler Kastl, auf dem Karl Leisner im roten Priestergewand dargestellt ist. Im Hintergrund ist eine Mauer zu sehen und im unteren Bereich Stacheldraht und rechts eine rote Rose. Das Bild weist auf die heimliche Priesterweihe Karl Leisners am 17. Dezember 1944 im KZ Dachau und seine Primiz am 26. Dezember 1944, seiner ersten und einzigen heiligen Messe, die er am Gedenktag des Märtyrers Stephanus im roten Messgewand feierte, hin.
Das gerahmte Bild hängt linkerhand vom Altarraum.

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In dem neben der Hauskapelle liegenden Michaelssaal hängt eine Kopie eines Fotos von Karl Leisner, das am 15. Dezember 1944 im KZ Dachau gemacht wurde.

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In der alten Hauskapelle, dem heutigen Büro des Rektors der Marienau, hängt ein weiteres Gemälde mit dem Portrait Karl Leisners. Es wurde 1998 von einem namentlich nicht bekannten Künstler in Guayaquil/Ecuador für Rektor Egon M. Zillekens gemalt. Als Vorlage wird das o. a. Foto gedient haben.

 

 

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In einem weiteren Raum, dem sogenannten Consortes-Patris-Zimmer, hängt ein Foto von Karl Leisner, das am 15. Dezember 1944 bei der Generalprobe für die Priesterweihe gemacht wurde. Es zeigt den Seligen im Priestergewand.

 

 

 

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Obwohl das Urheiligtum nur 600 m entfernt liegt, war den Mitgliedern des Schönstatt-Priesterbundes ein Heiligtum in dem parkähnlichen Gelände der Marienau ein Anliegen. Am 26. Februar 1992 wurde das Schönstattkapellchen, das „Kanaan-Patris-Heiligtum“ eingeweiht. In dem Kapellchen hängt auf der rechten Seite ein weiteres Foto von Karl Leisner im Priestergewand, neben einer Reliquie des Heiligen Bonifatius aus Fulda.

Karl Leisner lernte Schönstatt Ostern 1933 auf einer Gymnasiastentagung und in den sich anschließenden Exerzitien kennen.

Am 1. Juli 1938 schreibt er rückblickend dazu:
Da das Einschneidende, daß wie zufällig Jupp V. [Vermeegen] mich mit den Gochern nach Schönstatt zur Tagung und den zwei Tagen Exerzitien des Gymnasiastenbundes bei P. Alex. [Alexander] Menningen [SAC] nimmt. Die zwei stillen Tage dort oben im ersten keimenden Frühling auf den nahen Höhen des Westerwaldes und im stillen Gebet im Kapellchen vor dem Gnadenbild der Dreimal Wunderbaren Mutter oder die abendlichen sakramentalen Andachten mit den „Gebeten um Gottes- und Nächstenliebe“ – mächtig hatte das mir in die Seele gegriffen.

Ostern 1933 die herrlichen Schönstattexerzitien. – Von da ab Wende zum Apostolat in der Jugend.

Zu den Exerzitien in Schönstatt siehe den IKLK-Rundbrief Nr. 38 vom August 1998: Drei wichtige Exerzitien im Leben Karl Leisners

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Karl Leisner griff Impulse aus den Exerzitien auf. Anfang 1934 schreibt er:
Welche Aufgaben habe ich in diesem Jahre? […]
Pflege und Verbreitung von Schönstatts Ideen.
a. I
n der Schule ein ganzer Kerl. Keine Schlaffheit gegen sich selbst. (Siehe Ligistenspiegel[1].)
b.
Aufstellen einer geistigen Tagesordnung nach eigenen „Rezepten“!
c.
Seelenführer.
d.
Jeden Tag etwas heilige Schrift oder Einsamkeit!
e.
Überall verbreiten – in unserer Klasse, mit den Gochern zusammen eine I-Gruppe schaffen (in Verbindung vielleicht mit der religiösen Arbeitsgemeinschaft!) – im XP[2] – in der Gruppe – in der eigenen Familie – vor allem zuerst in mir selbst! […]
Meine (geistige) Tagesordnung […]

[1] Vermutlich eine Wortschöpfung von Karl Leisner. In Schönstatt gab es 1934 neben Bund eine Gruppierung Liga.
[2] Die beiden griechischen Buchstaben Chi (X) und Rho (P) bilden als Anfangs­buch­staben des Erlösertitels CRISFOS – Christos das altchristliche Symbol des Christusmonogrammes.
An dieser Stelle bedeutet XP vermutlich Chor.

Am 5. Mai 1934 trat Karl Leisner in das Collegium Borromaeum ein, um Priester zu werden. Er schloss sich neben 11 weiteren Studienanfängern einer Schönstattgruppe an, die sein Kurskollege Heinrich Tenhumberg leitete. Die Gruppe wählte als Gruppenideal das Motto: „Sacerdotem oportet offerre – Ein Priester muss opfern.“

Siehe hierzu den IKLK-Rundbrief Nr. 48 von August 2003: Heinrich Tenhumberg und Karl Leisner in ihrer Schönstattgruppe

Im KZ Dachau wurde 1941 durch P. Josef Fischer SAC und Karl Leisner eine Schönstattgruppe gegründet. Im November 1941 übernahm P. Albert Eise SAC die Leitung dieser Gruppe von P. Josef Fischer. Am 2. Juli 1942 wurde die Schönstatt-Gruppenarbeit wegen des Arbeitseinsatzes und der Zuspitzung der Hungersituation eingestellt. P. Joseph Kentenich SAC hatte die Anregung gegeben, die Gruppentreffen durch persönliche Kontakte zu ersetzen. Nach Pfingsten 1943 bildeten sich im KZ Dachau neue Schönstattgruppen. Karl Leisner kam zur Gruppe von Heinz Dresbach – mit dem späteren Gruppenideal „Victor in vinculis (Mariae) [Sieger in Fesseln (Mariä)]“.

 

Text und Fotos Christa Bockholt und IKLK-Archiv