Vor 30 Jahren besuchte Papst Johannes Paul II. Münster und Kevelaer

Papst Johannes Paul II. 1987 in Münster und Kevelaer

Im Geistlichen Wort vom 20. April 1987 im Deutschlandfunk zum Besuch von Papst Johannes Paul II. vom 30. April bis zum 4. Mai 1987 in Deutschland erläuterte Domkapitular Paul Ketteler den Hintergrund für den Besuch des Papstes auch in Münster. Zunächst war nur der Besuch in Kevelaer am 2. Mai geplant. Aber bei einem Gespräch im Vatikan habe der Papst geäußert, da er Edith Stein (Schwester Teresia Benedicta a Cruce OCD) in Köln und Pater Rupert Mayer SJ in München durch die Seligsprechung ehre, wolle er auch Kardinal Clemens August Graf von Galen in Münster seine Reverenz erweisen. So kam Papst Johannes Paul II. am 1. Mai nach Münster und besuchte dort, verbunden mit einem Vespergottesdienst, das Grab des Kardinals im Dom.

Papst Johannes Paul II. hatte eine besondere Beziehung zum Niederrhein. Als Erzbischof von Krakau ließ er 1966 der neuerrichteten Martyrer-Gedenkstätte im Xantener St. Viktor-Dom Asche aus dem ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau zukommen.

Martyrerkrypta im Xantener Dom

rechts Urnen mit Asche aus den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau, Bergen-Belsen und Dachau –links von oben nach unten die Gräber von Heinz Bello, Karl Leisner und Gerhard Storm

Grab von Martyrern aus dem 4. Jahrhundert

 

 

 

 

 

 

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In der Kriegszeit hatte Karol Józef Wojtyła als Zwangsarbeiter bei den Solvay-Werken in Polen gearbeitet. Deshalb schenkten ihm die Kumpel der Solvay-Werke in Rheinberg bei seinem Besuch in Kevelaer 1987 eine Grubenlampe.

 

Das Bistum Münster schenkte ihm anläßlich der Seligsprechung von Karl Leisner 1996 in Berlin einen Steigerstab.

 

 

 

 

Werner Stalder mit dem Steigerstab

links Willi Leisner, der Bruder von Karl Leisner

Die Bistumszeitung „Kirche + Leben“ vom 19. April 1987 berichtete über den bevorstehenden Besuch von Papst Johannes Paul II. in Münster und Kevelaer.

 

Auch Xanten, wo Karl Leisner seine letzte Ruhestätte fand, bereitete sich auf den Aufenthalt des Papstes in Deutschland vor.

 

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L’OSSERVATORE ROMANO vom 8. Mai 1987 brachte unter der Überschrift „Kardinal von Galen ein unerschrockener Künder des Wortes“, auf den Seiten 2f. eine Ansprache von Johannes Paul II. in Münster.

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Predigt3 (1)
Predigt4 (1)

 

 

Link zu You Tube „Besuch von Papst Johannes Paul II. am 2. Mai 1987 im Marienwallfahrtsort Kevelaer.”
Länge des Videos ca. 2 Stunden

Ein Ereignis beim Papstbesuch in Münster am Rande

Werner Stalder am 8. April 2001 an Hans-Karl Seeger:
Die bevorstehende Seligsprechung von Schwester M. Euthymia war für mich ein Anlaß, an eine Geschichte zu denken, die sich vor der Seligsprechung Karl Leisners zugetragen hat:
Am 30. April 1987 weilte der Postulator im Seligsprechungsprozeß für Karl Leisner Pater Antonio Cairoli OFM, der am 1. Dezember 1977 zum Postulator bestellt worden war, in Münster. Er begleitete Papst Johannes Paul II. auf seiner Deutschlandreise mit dem Hinweis „falls der Heilige Vater etwas über die Seligsprechungsprozesse von Münster erfahren wollte“.
An diesem 30. April gab es Gespräche des Vizepostulators Pfarrer Heinrich Kleinen und des Geschäftsführers des IKLK Wilhelm Haas mit dem Pater Antonio Cairoli OFM über die Causa Leisner und die angelaufenen Kosten von 32.000 DM für die Übersetzungskosten in Rom.
Das Geld war nicht vorhanden und man einigte sich auf die Zahlung in zwei Raten. Pater Cairoli sagte: „Wenn der liebe Gott es will, daß Karl Leisner seliggesprochen wird, wird er auch dafür sorgen, daß Sie das Geld bekommen.“
In seiner Not begab sich Pfarrer Kleinen, der in Kleve Kaplan gewesen war, zum Mutterhaus der Clemensschwestern, wo Schwester M. Arnhild (Magdalene Akens, *1922[, +2014]) aus Kleve Generaloberin (1974–1988) war. Er wußte, daß die Clemensschwestern viel Geld für den Prozeß von Schwester M. Euthymia hatten. Am 1. Mai 1987 war die Würdigung Karl Leisners durch Papst Johnnes Paul II. in Münster.[1] Das Geld konnte nach Rom überwiesen werden.
So half Schwester M. Euthymia, von der man annahm, daß sie viel früher seliggesprochen würde, Karl Leisner zu seiner Seligsprechung.

[1]    In Münster selbst verwies der Papst vor fast 100.000 Menschen auf den Glaubensmut des Bischofs Clemens August Graf von Galen und stellte Schwester M. Euthymia, Anna Katharina Emmerick und Karl Leisner den Christen als Vorbilder vor Augen. – Während seines Pontifikates hat er alle vier seliggesprochen.

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Karl Leisner wurde am 23. Juni 1996 seliggesprochen, Schwester M. Euthymia am 7. Oktober 2001.

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Anekdote zu Pater Antonio Cairoli OFM
Bei dem denkwürdigen Besuch des IKLK-Vorstandes am 19. Oktober 1988 mit sechs Personen in der Prima Fila stand auch ein Besuch bei Pater Antonio Cairoli OFM auf dem Programm. Als die kleine Delegation nach der Causa Karl Leisner fragte, konnte der Pater, der hunderte Prozesse begleitete, die Akte zunächst nicht finden. Der mit dem Pressesprecher des IKLK befreundete Prälat der Lateranbasilika, Msgr. Dr. Johannes B. de Toth, hatte den Rat gegeben, eine gute Flasche Wein und eine Kiste Zigarren für den Pater mitzunehmen. Als nun diese Geschenke zutage kamen, ging der Postulator nochmals in sein Büro und kam mit den Unterlagen für den Seligsprechungsprozess von Karl Leisner wieder. Er versprach sogar, dass die Akten jetzt oben im großen Stapel einen Platz bekämen.
Werner Stalder

Quelle der Fotos: Karl-Leisner-Archiv